Das Jiu-Jitsu Fotoshooting

Sandra Manther: Das Jiu-Jitsu Fotoshooting

Cover: Das Jiu-Jitsu FotoshootingJetzt habe ich schon eine ganze Zeit nichts Neues mehr auf den Markt geworfen. Nach der „Bühnenangst“ kam nur noch das Marion-Bundle und dann war eine ganze Zeit lang Funkstille.

Ich habe diese Zeit genutzt und viel gelesen, analysiert und ausprobiert. Als erstes fällt auf: Die neue Episode „Das Jiu-Jitsu Fotoshooting“ ist mit 45 Manuskript-Normseiten wesentlich länger als die früheren Bände. Mehr Platz fürs Kopfkino, für Figurenentwicklung und Sinneseindrücke.

Ganz nebenbei ist auch die Rückenansicht Marions vom Cover verschwunden. Das war anfangs ein netter Gag, wirkte aber immer auch ein wenig gestückelt. In Zukunft wird es aussagekräftigere Titelbilder geben. Dass es sich um eine Marion F.-Geschichte handelt, zeigt ja schon die rot-braune Banderole unter meinem Namen.

Worum geht es im neuen Band?

Marion will am kommenden Sonntag ihren Blaugurt in Jiu-Jitsu machen, wird beim letzten Training vor der Prüfung jedoch unsicher. Gern würde sie mit ihrem Trainer noch ein wenig üben. Doch der hat für den Abend ein Fotoshooting angesetzt, für das er extra ein Model gebucht hat.

Er schlägt Marion einen Deal vor: Wenn sie will, kann sie beim Shooting mitmachen. Im Gegenzug wird er mit ihr eine zusätzliche Übungsstunde einlegen. Ihre Freude legt sich, als sie erfährt, dass es um Aktaufnahmen geht.

Als wäre das nicht genug, muss sie feststellen, dass es sich bei dem Model um eine braungebrannte Zwanzigjährige handelt, die sich in Szene zu setzen weiß. Und die keine Berührungsängste kennt.

Leseprobe:

Ich stand unter der Dusche und seifte mich ein. Mit meinen Gedanken war ich noch beim Training. Wenn ich daran dachte, dass ich am Sonntag meinen zweiten Kyu machen wollte, war das Ergebnis der vergangenen zwei Stunden ziemlich desaströs.
Die Halle, in der wir ein bis zweimal in der Woche Jiu Jitsu trainierten, lag in einem Hinterhof in Ottensen. Das bedeutete unter anderem, dass der Ort viel zu alternativ war, um getrennte Duschräume für Männer und Frauen zu haben. Niemand in Ottensen will für spießig gehalten werden. Mal abgesehen davon, dass im ersten Stock der alten Fabriketage, in dem wir unser Trainingslager aufgeschlagen hatten, getrennte Duschen schon aus Platzgründen gar nicht möglich gewesen wären.
Die meisten Jungs waren inzwischen fertig und zogen sich schon an. Neben mir stand noch Lena unter dem Strahl, eine kleine kompakte Blondine, deren lange Haare sich immer mehr zu Dreadlocks entwickelten. Obwohl sie kaum älter als 18 Jahre alt war, hatte sie große, schwere Brüste, die mir beim Duschen zwangsläufig immer wieder auffielen. Auffällig an ihr waren auch ihre inneren Schamlippen, die deutlich größer waren als die äußeren und daher für jeden sichtbar aus der wulstigen Scham hervorquollen. Anfangs hatte mich dieser Anblick irritiert, doch mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt.
Bis eben hatte auch Samuel noch neben uns gestanden, einen halben Kopf größer als Lena, mit durchtrainiertem Körper. Als er ging, warf ich einen kurzen Blick auf seinen festen Po. Ich mochte die kleinen Grübchen in seinen Backen. Er machte noch nicht lange beim Training mit, kam aber so gut voran, dass er die ersten drei Gürtel in Rekordzeit erworben hatte. Obwohl ich schon deutlich länger dabei bin, gelang es ihm heute im freien Kampf mehrfach, mich zu Boden zu werfen.
Für mein Selbstbewusstsein war das gar nicht gut. Ich zweifelte ernsthaft, ob ich die Prüfung zum zweiten Kyu am Sonntag schaffen würde. Denn diese Prüfung wurde nicht von Marcel, unserem Sensei, abgenommen, sondern von einem mit ihm befreundeten Meister. Marcel wollte auf diese Art verhindern, dass wir die Prüfungen zu leicht nahmen.
Natürlich, ich wollte Marcel gefallen. Er ist ein drahtiger Schweizer mit einem angenehm muskulösen Körper. Kein Wunder, immerhin hat er bereits den sechsten Dan und trägt seinen Keigogi dementsprechend mit einem rotweißen Gürtel. Während ich mich gerade auf den blauen Obi vorbereitete und ihm gegenüber dementsprechend wie eine Anfängerin fühlte.
Überhaupt der Keigogi, unser weißer Kampfanzug. Ich musste mir noch Gedanken machen, wie ich die Uwagi, die Jacke, am Sonntag anziehen sollte. Beim Training hier in Ottensen hatte ich mir angewöhnt, ohne T-Shirt oder Sport-BH darunter herumzulaufen. Der Gi wird in der Taille geschnürt und durch den Gürtel gehalten. Männer tragen ihn traditionell auf der nackten Haut. Von daher fand ich es blödsinnig, es anders zu halten. Obwohl dies laut Etikette erlaubt wäre. Zwar kommt es gelegentlich vor, wenn mich ein Trainingspartner zu heftig am Kragen packt, dass sich die Jacke vorne bis zur Taille öffnet. Aber dank der Schnüre und des Gürtels hielt sich die sexuelle Erregung meiner Gegenüber dabei in überschaubaren Grenzen.
Ich habe es eigentlich nur einmal erlebt, dass ein junger Bursche durch übertrieben viele Kragengriffe seine Neugier befriedigte. Nachdem er versucht hatte, mich auf dem Fußboden zu fixieren und dazu halb auf mich kroch, bemerkte ich den nassen Fleck in seinem Schritt. Er kam nie wieder zum Training.
Aber dieses Problem würde ich am Sonntag bei der Prüfung kaum haben, überlegte ich mir.
Marcel kam zu uns in den Duschraum. Er sah mir lange in die Augen.
„Bist du sicher, dass du das am Sonntag durchziehen willst?“, fragte er sanft.
„Du klingst, als wäre das keine gute Idee.“
„Was deine Einstellung angeht, mache ich mir keine Sorgen. Du kommst regelmäßig zum Training, bist konzentriert dabei und erweist deinem Sensei …“ Er unterbrach sich, um schmunzelnd fortzufahren: „… die ihm gebührende Achtung.“
Ich spürte, dass ich rot anlief. Er kümmerte sich so wenig wie ich um Etikette und wenn er von sich in der dritten Person als Meister, als Sensei, redete, wirkte das ein wenig komisch. Es war offensichtlich, dass ich ein Auge auf ihn geworfen hatte. Aber bisher war es bei unverfänglichen Plänkeleien geblieben, die alles oder nichts bedeuten konnten. Was vielleicht am Altersunterschied lag. Er war vier bis fünf Jahre jünger als ich.
Er knotete seinen Obi auf und legte ihn beiseite. Als er seine Uwagi aufklappte, um die Schnüre zu lösen, sah ich seinen durchtrainierten Bauch. Und merkte, wie sich meine Rechte in meinen Schoß verirrte und diesen langsam massierte. Das konnte durchaus als offensiv ausgelegt werden. Daher zog ich die Hand schnell weg und entfernte stattdessen die Seife von meiner Wade.
„Aber?“, fragte ich.
„Du bist dir darüber klar, dass Joachim dich nach bestimmten Techniken fragen wird, oder?“
„Worauf willst du hinaus?“
„Ich will nicht, dass du erst lange überlegen musst, wenn er dich nach einem Harai-goshi oder Uchi-mata fragt. Die Würfe müssen sofort kommen. Wäre doch peinlich, wenn er dich nach einem Kyushojutsu fragt und du ihn mit einem Handkantenschlag zu beeindrucken versuchst, wie mich vorhin.“
Wieder schoss mir das Blut in den Kopf.
Marcel öffnete den Knoten an seinem Zubon und schob sich die Hose vom Po. Er faltete sie ordentlich zusammen, legte sie auf die Bank und kam zu uns Frauen unter die Dusche. Gern hätte ich mich an ihn gepresst und meine Hände über seinen nackten Körper gleiten lassen. Aber solange Lena dabei war, würde ich mir diese Blöße nicht geben.
„Ich glaube, die Grundtechniken habe ich drauf“, sagte ich „Die Fußangriffe machen mir noch ein bisschen Sorge.“
„Meinst du die Atemi oder die Ashi-waza?“, korrigierte Marcel.
„Vor allem den Yoko-geri.“
„Um den wirst du am Sonntag nicht herumkommen.“
„Wäre es OK für dich, wenn wir heute noch nicht Schluss machen, sondern zurück in die Halle gehen und üben?“
„Geht nicht. Ich habe noch einen Termin.“
„Kannst du den nicht verschieben?“
Marcel lachte und bückte sich nach seinem Shampoo.
„Du hast dann auch etwas bei mir gut“, sagte ich einschmeichelnd. „Ein Abendessen oder was du willst.“
„Klingt gut, aber es geht nicht.“
„Ein Geschäftstermin?“
Lena stellte ihre Dusche aus und legte mir zum Abschied eine Hand auf die Schulter. Die andere Hand landete auf Marcels Rücken.
Mir entging nicht, wie Marcel Lena musterte. Länger als nötig starrte er auf ihr dralles Hinterteil, als sie zu ihren Sachen ging. Sein Schwanz nahm dabei deutlich an Größe zu.
„Nein, ein Hobby von mir. Aber ich treffe mich mit jemanden, den ich extra für heute Abend bestellt habe.“
„Also ein Date?“
„Sozusagen.“
„Ein junges, weibliches Date?“
Er grinste. „Geht dich zwar nichts an, aber ja.“
„Ein Hobby, so so.“
„Klingt vielleicht strub, isch aber so.“
Das kannte ich schon von ihm. Immer, wenn er ins Schwiizertüütsch verfiel, war er verlegen oder nicht ganz bei der Sache. Er biss sich auf die Lippe und versuchte, seinen Rücken einzuseifen.
„Kann ich dir helfen“, bot ich ihm an und machte einen Schritt auf ihn zu.
„Nee, geht schon. Danke.“ Sein Blick wanderte über den gekachelten Fußboden. Ich fand seine Verlegenheit anziehend.
„Jemand, den du extra bestellt hast …“, wiederholte ich.
„Du lässt nicht locker, oder?“
Ich fuhr mit meiner Hand sein Rückgrat hinauf und verteilte die Seife an den Stellen, die er selbst nicht erreicht hatte. Er seufzte. Leise. Resigniert.
„Ich fotografiere, wenn ich die Zeit dafür finde“, sagte er schließlich.
Mein Hirn brauchte einen Moment, um die einzelnen Puzzlestücke zusammenzusetzen.
„Ein Model?“, fragte ich.
„Wir wollen heute in einer Halle im Oberhafenquartier ein paar Fotos machen.“
„Könnt ihr die nicht hier schießen? Unsere Trainingshalle hat doch den gleichen Fabrikcharme wie die Gebäude im Hafen.“
„Und was wäre damit gewonnen?“
„Ganz einfach: Du müsstest nicht weg. In der Zeit, die du mit Fahren beschäftigt wärst, könnten wir noch ein bisschen üben. Und wenn du willst, hast du heute statt einem Model gleich zwei. Du weißt doch, dass ich in der Agentur schon für diverse Kampagnen posiert habe.“
Er schüttelte den Kopf. „Du verstehst nicht.“
„Willst du was von der Frau?“
„Sie ist deutlich zu jung für mich.“
Lena räusperte sich. Ich hatte ganz vergessen, dass sie noch da war.
„Ich geh dann jetzt mal“, sagte sie und hob zum Abschied die Hand.
Wir winkten zurück und vertieften uns, sobald sie die Tür hinter sich geschlossen hatte, sofort wieder in unser Gespräch.
„Ich habe keine Absichten bei ihr“, sagte Marcel. „Das ist nicht das Problem. Aber wir machen Aktaufnahmen.“
„Oh.“ Ich merkte, wie es in meinem Magen zu kribbeln begann. Damit war mein Plan, mich als Model zur Verfügung zu stellen, gestorben.
Marcel hörte endlich auf, sich einzuseifen. Sein Blick wich meinem aus.
„Du stehst auf junge Mädchen?“, fragte ich.
„Nein.“ Er zögerte. „Ja. Zumindest unter ästhetischen Gesichtspunkten. Und um die geht es bei der Fotografie ja schließlich. Besonders beim Aktfoto.“
„Du wandelst also auf den Spuren von David Hamilton.“
„Teenager interessieren mich nicht. Sie haben noch kein Bewusstsein von sich und ihrem Körper. Sie sind zu unbeholfen für gute Bilder. Hamilton faszinierte genau diese Unbeholfenheit. Mich ermüdet sie nur.“
„Wie alt ist sie?“
„Neunzehn, glaube ich.“
„Machst du das schon lange?“
„Ein paar Jahre.“
„Mit unterschiedlichen Modellen?“
„Sicher. Ich suche mir für jede Session ein neues Model. Aktmodelle sind teuer, zumindest, wenn sie gut sind. Deswegen kann ich auch heute Abend nicht einfach canceln, verstehst du?“
„Und was ist mit meinem Vorschlag, sie hierher zu holen und die Halle als Location zu nutzen?“
Er zögerte. Eine Weile war nur das Prasseln des Wassers zu hören.
Ich stellte mich unter den Strahl und ließ mit geschlossenen Augen das heiße Wasser über Kopf und Körper laufen.
„Du würdest mitposieren?“, fragte er.
„Als ich den Vorschlag machte, wusste ich noch nicht, dass es um Nacktbilder geht.“
„Um Aktfotos.“
Er musterte mich. Obwohl es widersinnig war, kam ich mir mit einem Mal vollkommen nackt vor. Ich musste dem Impuls widerstehen, meine Brüste und meine Scham mit den Händen zu bedecken. Dabei hatte ich bis eben nie Probleme mit dem Duschen gehabt. Aber das hier war etwas anderes. Er taxierte mich. Er wollte wissen, ob mein Körper gut genug für künstlerische Bilder war. Und das schmeckte mir nicht.
„Was geschieht mit den Fotos?“
„Unterschiedlich. Einige gebe ich zum Verkauf frei. Die landen in verschiedenen Stockfoto-Sammlungen, wo sie von Kunden erworben werden können. Ein paar stelle ich auch ins Internet, zur Werbung. Auf meine Website, aber auch in die gängigen Social Media.“
„Das heißt, jeder könnte dann auf der Suche nach Nacktfotos auf Bilder von mir stoßen?“
„Im Prinzip ja. Wenn die Bilder gut sind, werden sie in einschlägigen Kreisen gern geteilt. Für mich sind das Backlinks, die meinen Bekanntheitsgrad erhöhen. Du musst natürlich damit rechnen, dass auch Leute sie zu sehen bekommen, die dich kennen. Das lässt sich nie ganz ausschließen.“
„Und wenn mir die Bilder nicht gefallen?“
„Wenn du dich auf eine Session einlässt, musst ich mich darauf verlassen können, dass ich die meisten der Bilder auch nutzen kann. Allerdings zeige ich sie den Models nach der Session, schon deswegen, weil die Stock-Agenturen für jedes Foto eine Modelfreigabe fordern. Wenn du sie dir ansiehst, können wir immer noch darüber reden, einzelne Bilder nicht zu veröffentlichen.“
„Klingt fair.“
Ich verließ den Duschbereich und setzte mich auf die Bank, um mich abzutrocknen. Marcel spülte sich die restliche Seife ab und kam zu mir.
„Vielleicht“, sagte er, „habe ich eine Idee, die uns beiden zugutekäme.“
„Ich bin gespannt.“
„Ich muss das allerdings vorher noch mit Jana klären. Wahrscheinlich ist sie schon auf dem Weg.“
„Klar. Was hast du vor?“
„Du willst dich auf Sonntag vorbereiten. Stimmt’s?“
„Lass den rhetorischen Müll. Was ist deine Idee?“
„Interaktion mit der Umgebung. Was hältst du von einem gemeinsamen Training mit Jana und dir. Mit Aufwärmphase und allem. Wir können gemeinsam die Prüfungsordnung durchgehen und die einzelnen Techniken nachstellen. Ich fotografiere euch dabei.“
Ich schöpfte Hoffnung, doch noch heil aus dem ganzen Schlamassel herauszukommen.
„Hast du denn noch einen passenden Keigogi für sie?“
„Schon vergessen? Es geht um Akt-Aufnahmen.“

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