Marc am Schreibtisch
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Manther.de – eine Zwischenbilanz

Seit nunmehr zwei Jahren schreiben und veröffentlichen Sandra und ich erotische Texte. Wir haben in dieser Zeit ein wenig herumexperimentiert, um zu sehen, was uns besonders liegt. Dabei sind uns zwei Dinge aufgegangen:

  1. Wir mögen beide explizite Beschreibungen. Anders als heute auf dem deutschen Markt üblich, drücken wir uns nicht um die Beschreibung unserer Protagonisten herum, sondern zeigen den Lesern, wen sie vor sich haben. In diesem Punkt sind die amerikanischen Autoren viel freizugügiger – was leider in den deutschen Übersetzungen oft nur ansatzweise deutlich wird. (Wer mehr darüber erfahren will, wie die meisten deutschen Verlage mit expliziten Sexszenen umgehen, sei auf das Interview verwiesen, dass Vanessa Lamatsch, die Übersetzerin der Bücher von J. Lynn, dem Piper-Verlag gab.)
  2. Wir haben beide ein Faible für das Nischengenre ENF (Embarrassed nude female).  Deswegen werden wir uns in Zukunft vor allem darauf konzentrieren, die Themenbereiche Scham und Peinlichkeit in Zusammenhang mit der eigenen Körperlichkeit zu inszenieren. Wer mehr über den Hintergrund dieses Genres erfahren möchte: Ich habe darüber an anderer Stelle hier im Blog ausführlich berichtet.

Neben dem Schreiben von Büchern führen wir diesen Blog, in dem wir über alles nachdenken, was uns in unseren Schreibprozessen bewegt. Ihr findet in den entsprechenden Kategorien viel über die fünf Sinne (Sinnliche Literatur), die Emotionen und natürlich über die Beschreibung des menschlichen Körpers jenseits der genretypischen Klischees.

Sandra liest viel und hat einen ganz guten Einblick in den New Adult-Markt. Einmal im Jahr macht sie eine Übersicht über die Bücher, die ihr dabei besonders aufgefallen sind:

Hin und wieder rezensiert sie hier im Blog auch eines der gelesenen Bücher etwas ausführlicher.

Ihre Beschäftigung mit dem Thema und unser regelmäßiger Austausch darüber führen dazu, dass wir nun beide an je einer Reihe im New Adult arbeiten. Wir werden uns in Zukunft vor allem auf diese Altersgruppe der 18 bis 25jährigen konzentrieren, weil sie in einer sehr spannenden Umbruchphase stecken: Die Schule ist zu Ende. Ein neuer Lebensabschnitt beginnt. Egal, ob Studium, Beruf oder Familie: Die jungen Protagonistinnen müssen ihren Weg finden. Und da spielt auch der eigene Körper und der Umgang mit dem anderen Geschlecht eine wichtige Rolle.

So nehme ich in meiner Reihe “Erotic Actress Talent Search” die Mechanismen auseinander, in der Casting Shows immer stärker auf Erotik und auf die Beschämung ihrer Teilnehmer setzen. Mir ist aufgefallen, dass viele junge Leute heute ihre ganze Hoffnung in solche Shows setzen – auch wenn sie wissen, wie hart die Anforderungen sind und wie persönlich die Kritik.

Und auch Sandra hat eine neue ENF-Reihe: “Die Sorority vom Jungfrauenthal” . Darin geht es um junge Studentinnen in Hamburg, die sich in einer exklusiven griechischen Verbindung zusammengetan haben. Sandra interessiert sich sehr für  Gruppenprozesse – gerade auch in reinen Frauengruppen. Besonders  gern nimmt sie dabei gruppendynamische Psychotechniken aufs Korn.

New Adult ist ja das Alter, in dem die jungen Frauen ihre ersten sexuellen Erfahrungen bereits hinter sich haben und nun in einer Phase des Ausprobierens ihre Vorlieben entdecken, ihre Grenzen erweitern und auf diese Weise allmählich ihre sexuelle Identität formen. Natürlich gibt es für die Studentinnen unzählige Situationen, in denen sie ihre physische und emotionale Verletzlichkeit spüren.

4 Gedanken zu „Manther.de – eine Zwischenbilanz“

  1. Hallo,
    danke für diese informative Zwischenbilanz. Mal eine ganz neugierige Frage: Wie hoch sind denn in etwa die Einnahmen, die euch eines eurer Werke bringt? Da steckt ja ganz schöne Arbeit drin, und das muss sich doch auch irgendwie lohnen, oder?
    Viele Grüße
    Marc

    1. Hallo Marc,

      Du fragst ziemlich direkt nach den Verdienstmöglichkeiten. Spielst Du mit der Idee, selbst in den Erotik-Sektor einzusteigen, oder warum?
      Sandra und ich gehen ja beide einigermaßen lukrativen Brotjobs nach. Dadurch bleibt wenig Zeit zum Schreiben. Wir hatten ursprünglich nur unseren Pool an bereits fertigen Geschichten veröffentlichen wollen. Insofern ist unser Output eher sporadisch. Allerdings merken wir, dass der Kreis der Leser von Titel zu Titel wächst und sich mit jeder neuen Story auch die Backlisttitel vermehrt verkaufen. Das macht uns Mut weiterzumachen.
      Von den sechsstelligen Gewinnen, von denen Jade K. Scott redet, sind wir weit entfernt. Dafür müssten wir wahrscheinlich mit unseren Titeln auf den amerikanischen Markt, der ja wesentlich größer ist als der deutsche. Für einen zusätzlichen Urlaub reicht das Geld aus den Verkäufen aber mittlerweile.

      Herzliche Grüße,
      Marc

  2. “Anders als heute auf dem deutschen Markt üblich”

    Ja, natürlich würden wir auch gerne direkter auf unseren Seiten werden. Aber das lässt das deutsche Gesetz nun einmal nicht zu. Damit erklärt sich auch der Unterschied zum US-Markt, bei dem es praktisch keine Einschränkungen gibt.

    1. Hallo Mathilde,

      danke für Dein Feedback.

      Mir stellt sich dabei die Frage, wer diese ominösen „wir“ sind, von denen du redest. Das klingt mir nach Verlagsseite, vor allem aber nach im Sicherheitsbereich eingeigelten Lektoren. Vielleicht haben deswegen derzeit die E-Books ohne Verlagsanbindung eine besondere Stellung im erotischen Markt.

      Die zweite Frage wäre die nach den Gesetzen. Jugendschutz? Muss erotische Literatur denn frei ab 14 sein? Das ist zwar nett, weil die Bücher in allen Buchhandlungen ausliegen könnten. Aber de facto läuft doch die meiste Werbung inzwischen über Mundpropaganda. Und die meisten Titel werden ohnehin via Internet abgesetzt. Zumindest, solange ein Titel nicht indiziert wird. Insofern scheint mir oft verlegerisches Kalkül, nicht aber wirklich die Gesetzgebung für die superzahmen Texte zu sorgen.

      Soweit ich mich erinnere, hat erotische Literatur zu allen Zeiten mit der Zensur gekämpft. Übrigens auch in Amerika. Dinge lassen sich nur ändern, wenn wir immer wieder die Grenzen neu ausloten. Dafür aber braucht es Mut. Seien wir doch ehrlich: Solange ein sich verkaufender Titel im Verlagsgeschäft zehn Backlistautoren mitfinanziert, wäre der Verlust durch eine gelegentliche Indizierung durchaus zu verkraften. Nur sollte man das lieber keinem Programmchef sagen.

      Herzliche Grüße
      Marc

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