Archiv der Kategorie: Erotika schreiben

Wir analysieren Texte aus den Bereichen Belletristik und Sachbuch und machen uns Gedanken, wie qualitativ hochwertige Erotik heute aussehen kann. Wir haben keine Patentrezepte, sondern bringen unsere Überlegungen und Überzeugungen zur erotischen Literatur zu Papier.
Dabei sehen wir die hier vorgestellten Texte als „Work in Progress“ an, die ständig erweitert und aktualisiert werden, sobald wir neue, spannende Beispiele oder Themen finden. Im Idealfall entsteht so mit der Zeit ein Ideenpool der erotischen Literatur für alle, die selbst schreiben.

ENF – Embarrassed Nude Female

Wir haben an anderer Stelle darüber gesprochen, dass Sandra und ich ein paar Subgenres oder Nischen haben, die wir besonders gern bedienen. Dazu gehört ENF: Embarrassed Nude Female. „Nude Female“ – „Nackte Frau“ versteht sich von selbst. Embarrassed steht für „verlegen, peinlich berührt, außer Fassung“.

Warum ENF?

Das Gefühl, angesichts der eigenen Nacktheit verlegen zu sein, kennt jeder. Es ist zutiefst menschlich. Anders als in der Hardcore-Pornografie, bei der es letztlich nur ums Abspritzen geht, bietet ENF eine Vielzahl von Möglichkeiten, realistischere Szenarien zu entwickeln, in denen wir uns wiederfinden können.

Wenn ENF gut gemacht ist, leiden wir mit den Protagonisten. Und haben so die Grundvoraussetzung für jede gute Geschichte: den Konflikt. Ohne Konflikt funktioniert eine Story einfach nicht. Deswegen liest sich Anfänger-Erotik oft auch so dröge: Zwei Leute lernen sich kennen, lieben, sie vögeln miteinander. Kein Konflikt, keine Spannung, kein Grund weiterzulesen. Nein, das Leben schreibt eben nicht die besten Geschichten.

Bespiele für ENF

Gründe, warum eine Frau plötzlich unfreiwillig nackt dasteht, gibt es viele. Mittlerweile tausendfach wiederholt ist die Szene, in der eine Frau unter der Dusche steht, es klingelt, sie wickelt sich ein Handtuch um den Körper, geht zur Tür. Der Wind schlägt die Tür zu, das Handtuch ist eingeklemmt, ohne Schlüssel ist kein Reinkommen möglich. Peinlichkeit vorprogrammiert.

Sehr schön hat Sandra das Thema ENF in ihrer Geschichte „Bühnenangst“ durchgespielt: Eine junge Frau wird während einer Theaterprobe aufgefordert, sich auf der Bühne auszuziehen. Und das, obwohl das im Stück ursprünglich überhaupt nicht vorgesehen war. Sie muss sich entweder ihrer Verlegenheit stellen oder ihren Traum von der Bühnenkarriere begraben. Der Regisseur, der bemerkt, wie sie zunehmend außer Fassung gerät, drängt sie, immer weiter zu gehen.

Einen ganz ähnlichen Weg habe ich mit der Geschichte „Svetlana“ eingeschlagen: Eine junge Frau gerät an einen Kerl, der sie immer tiefer in die Welt des SM einführt. Aber mit der Zeit wird sie immer mehr zu seiner Trophäe: So muss sie auch dann in der Wohnung nackt bleiben, wenn seine Freunde zu Besuch kommen. Auch er geht in seinen Forderungen mit der Zeit immer weiter.

Liste der Ausgangssituationen für ENF

Hier eine – wahrscheinlich unvollständige – Liste jener Gründe, die mir gerade einfallen, aus denen eine Frau plötzlich in einer peinlichen Situation nackt dasteht:
• Wetten
• Spiele (z.B. Pfänderspiele)
• Herausforderungen (z.B. „Money talks“)
• Zufall (s. Handtuchszene oben)
• ärztliche Untersuchungen
• Massagen
• Leibesvisitationen
• Initiationsriten
• Hypnosesitzungen
• Magie
• Albtraum

Letztlich geht es bei ENF immer um Scham. Die Frau wird rot, sie zittert, versucht, ihre primären Geschlechtsteile zu bedecken. Vielleicht versucht sie, die Peinlichkeit mit einem Lächeln zu überspielen. Vielleicht wehrt sie sich auch gegen die Aufforderung. Viele Leser finden solche Szenarien überaus erotisch, auch wenn es dabei zu überhaupt keinem Geschlechtsverkehr kommt.

ENF und der Orgasmus

Andererseits bieten einige dieser Genre-Nischen durchaus Möglichkeiten für Orgasmen. Bei den Hypnose-Settings werden Frauen oft dazu gebracht, auf Stichwort oder Fingerschnipsen einen Orgasmus zu erleben, was gerade dann, wenn die Verknüpfung bei Beendigung der Sitzung nicht wieder aufgehoben wird, zu irrwitzigen Situationen führen kann. Ich habe aber auch schon Geschichten gelesen, in denen die Protagonistin einfach aufgefordert wird, sich in Trance selbst zu befriedigen. Auch da kann es peinlich werden, wenn der Hypnotiseur zwischenzeitlich die Trance aufhebt und die Protagonistin erkennt, in welcher Situation sie gerade steckt.

In manchen Settings werden die Protagonistinnen sanft gezwungen, vor ihren angekleideten Beobachtern zu masturbieren. Gerade dann, wenn das Ausziehen vor anderen ohnehin mit Scham behaftet ist, setzt die Aufforderung, sich selbst zu befriedigen, noch mal einen drauf. So geht es ja auch Anna in der oben schon beschriebenen Geschichte „Bühnenangst“.

Bei den Initiationsriten gibt es zahllose Geschichten, in denen als letzte Prüfung ein Geschlechtsakt ansteht, sei es mit einem Mann oder einer Frau. Hier habe ich allerdings das Gefühl, dass dieser finale Sex oft ein anbiedernder Versuch ist, einen Fuß in die Pornotür zu bekommen. Er wirkt oft aufgesetzt, mitunter sogar störend. Denn eine Frau, die eben noch Schwierigkeiten damit hatte, sich nackt zu zeigen, wird kaum einen berauschenden Höhepunkt mit einem anderen Menschen erleben, solange andere dabei zusehen.

Nebennischen zum ENF

Gerade im Bereich der Subgenres wird es manchmal schwierig, die Grenzen der Nischen sauber zu ziehen. Oft fällt ENF zusammen mit Stichworten wie OON (only one naked – nur eine Person ist nackt), CMNF (clothed man naked female – angezogener Mann und nackte Frau) und NiP (naked in Public – nackt in der Öffentlichkeit). Hier hängt es einfach vom Schwerpunkt des Autoren ab, in welche Kategorie eine Geschichte gehört.

So ist meine Story „Das Jagdschloss“ ein gutes Beispiel für CMNF und OON: Nina bekommt die Möglichkeit, sich in einem abgelegenen Jagdschloss frisch zu machen. Sie nimmt eine Dusche und erhält anschließend sogar eine intime Massage. Aber alle Wände sind mit venezianischen Spiegeln ausgestattet, so dass sie in jeder Situation von den anderen Gästen des Schlosses beobachtet werden kann. Was ihren Freund, der dies gerade erst entdeckt, an den Rand des Wahnsinns treibt. Da aber Nina nicht davon ausgehen kann, dass sie beobachtet wird, ist sie auch nicht beschämt und verhält sich völlig natürlich. Daher handelt es sich hier um keine ENF-Story.

Neue ENF-Stories von uns

Sandra und ich haben beschlossen, in Zukunft vor allem in diesem Nischen-Genre ENF zu arbeiten. Das hat sich ja bereits in unseren älteren Texten abgezeichnet. Und wir finden es wichtig, das unsere Texte keinen Überraschungseiern gleichen, bei denen nie klar ist, was drin ist.

So sind unsere beiden neuen Buch-Reihen von vornherein darauf angelegt, unsere Protagonistinnen in peinliche Situationen zu bringen, in denen sie früher oder später unfreiwillig nackt vor anderen stehen. Eine erste Kostprobe gibt es in dem Band „Isabells Casting“ aus meiner neuen Reihe „Erotic Actress Talent Search„.

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Emma Watson und das Recht auf Weiblichkeit

Da zeigt sich eine bekennende Femistin auf der Titelseite einer Hochglanz-Zeitschrift leicht bekleidet, mit einem grobmaschigen Burberry-Bolero über den Schultern, darunter offensichtlich nackt. Ihre Brüste sind halb zu sehen.  Das ehemalige Teenie-Idol Emma Watson lässt sich für die März-Ausgabe der Vanity Fair als viktorianische Rebellin inszenieren.

Die Debatte und der Shitstorm, die nach Veröffentlichung dieses Bilds losbrechen, zeigen die Doppelmoral, mit der wir als Künstlerinnen derzeit zu kämpfen haben. Gerade dann, wenn wir mit erotischen Themen arbeiten und – wie Emma Watson – feministische Anliegen vertreten. Deswegen lohnt es sich, die Reaktionen nach dem Vanity Fair-Fotoshooting etwas genauer anzusehen.

Normalerweise wäre so ein Foto eines Hollywood-Jungstars nur eine Notiz, jedoch keine Debatte wert. Vor allem die Entdeckungen der Disney-Schmiede, von Lindsay Lohan über Miley Cyrus, Selena Gomez oder Ariana Grande, hatten alle ihre libertinäre Phase, in der sie sich von ihrem alten, verklemmten Image zu lösen versuchten.

Eine solche Entwicklung ist nicht neu. Schon Romy Schneider benutzte Ende der 60er Jahre freizügige Auftritte in Filmen, um sich von ihrem spießigen Kaiserin Sissy-Image zu lösen. In Filmen wie Derays „Der Swimmingpool“, Devilles „Das wilde Schaf“ oder Zulawskis „Nachtblende“ zeigte sie sich splitterfasernackt und verschreckte damit all jenige, die in ihr eine keusche Vorzeige-Romantikerin sehen wollten.

Emma Watson hat mit ihrer Rolle als Hermine Granger in acht Harry-Potter-Filmen ein ganz ähnliches Erbe zu tragen. Allerdings blieb sie in ihren Folgerollen – vielleicht mit Ausnahme von Coppolas „The Bling Ring“ – ihrem Image als braves Mädchen weitgehend treu.

Dafür outete sie sich als bekennende Feministin, die in diversen Interviews über ihre Ansichten spricht. Sie wird zur  UN-Sonderbotschafterin für Frauen- und Mädchenrechte und entwickelt in dieser Funktion die #HeForShe-Kampagne mit, die für die Gleichberechtigung der Geschlechter, die Stärkung der Frauenrechte und die Beendigung der Gewalt gegen Frauen und Mädchen kämpft.

Auf der Leserplattform GoodReads startet sie den feministischen Buchclub „Our Shared Shelf“. Jeden Monat soll ein neuer Titel zum Thema Gleichberechtigung vorgestellt werden. Den Anfang machte die Autobiografie der amerikanischen Aktivistin Gloria Steinem, „My Life on the Road“. Aktuell wird über Margaret Atwoods Roman „Der Report der Magd“ (The Handmaid’s Tale) diskutiert, eine bedrückende Dystopie über ein Amerika, in dem religiöse Fundamentalisten die Herrschaft übernommen haben und Frauen zu Gebärmaschinen degradiert werden.

Auf der Startseite des Buchclubs erklärt Emma Watson ihre Absicht hinter „Our Shared Shelf“:

„Als Teil meiner Arbeit mit der Uno habe ich so viele Bücher und Essays über Gleichberechtigung gelesen, wie ich kriegen konnte. Es gibt so viel fantastisches Zeug da draußen. Lustig, inspirierend, traurig, nachdenklich machend, stärkend. Ich habe so viel entdeckt, dass ich manchmal dachte, mein Kopf würde gleich explodieren … Ich beschloss, einen feministischen Buchclub zu gründen, um zu teilen, was ich lerne, und auch eure Gedanken zu hören.“

Nun zeigt sich Emma Watson also zum ersten Mal öffentlich wenig bekleidet. Für die März-Ausgabe der Vanity Fair lässt sie sich mit einer weißen Stola ablichten, die ihren Busen weitgehend freilässt. Tim Walker ist der Fotograf. Und das Foto spielt mit Emmas erotischer Ausstrahlung: ihr Mund geöffnet, die Lider leicht gesenkt, der Blick direkt auf die Kamera gerichtet.

Die englische Sun, Boulevardzeitung im Stil der Bild, bringt das Foto ganzseitig, schon ein paar Tage vor Erscheinen der Vanity Fair, unter dem Titel „Beauty & the breasts“ und erreicht damit eine Zielgruppe, die wahrscheinlich niemals ein anspruchsvolleres Hochglanzmagazin in die Hand nehmen würde – und die am Interview mit Emma Watson wenig Interesse hat. Der kurze Begleittext der Sun beginnt folgerichtig mit den Worten „DING-dong, Belle“.

Prompt bricht ein Shitstorm in den Social Media los. Die Journalistin und Radiomoderatorin Julia Hartley-Brewer ist eine der ersten, die ein Foto der Sun-Seite twittert und mit einem hämischen Kommentar versieht: „Emma Watson: ‚Feminismus, Feminismus … Ungleiche Bezahlung … Warum, oh warum werde ich bloß nicht ernst genommen … Feminismus … Oh, und hier sind meine Titten!‘“

Emma Watson kontert in einem Interview, das sie der Nachrichtenagentur Reuter anlässlich eines Promo-Termins zu „Beauty and the Beast“ gibt:

„Ich bin irritiert, wie viele Missverständnisse es darüber gibt, was Feminismus ist. Feminismus lässt den Frauen eine Wahl. Feminismus ist kein Stab, mit dem du andere Frauen niederknüppeln sollst. Es geht um Freiheit, es geht um Befreiung, es geht um Gleichberechtigung. Ich weiß wirklich nicht, was meine Brüste damit zu tun haben. Es ist sehr verwirrend.“

In diesem Interview fragt sie ihr Co-Star aus ‚Beauty and the Beast‚, Dan Stevens, irritiert, worum es bei dem ganzen Streit eigentlich gehe. Emma Watson sucht nach Worten und gemeinsam pointieren sie die absurde Idee hinter den Angriffen: „Die Leute sagen, ich könne nicht gleichzeitig Femistin sein und … Möpse haben.“

Sicher, zwei Jahre zuvor hatte sie dem Magazin Wonderland ein Interview gegeben, in dem sie sich nachdenklich über Beyoncés  visuelles Album „Beyoncé“ äußerte und dies auch in Beziehung zu deren Feminismus stellte: „Als ich die Videos sah, habe ich einen großen Widerspruch empfunden. Auf der einen Seite stellt sie sich in die Kategorie der Feministin, auf der anderen Seite zeigte die Kamera sie auf eine sehr männliche, sehr voyeuristische Weise“, wird sie zitiert.

Aber dieses Zitat gibt Emma Watsons Position stark verkürzt wieder. Die Medien lieben nun einmal den Hype und eine handfeste Schlammschlacht liest sich einfach besser als eine nachdenkliche, ausgewogene Stellungnahme, wie sie in dem Interview tatsächlich gegeben wurde. Nach Veröffentlichung der Vanity Fair-Fotos wurde der Zitatfetzen des zwei Jahre alten Interviews dazu benutzt, Emma Watson Scheinheiligkeit und Doppelmoral vorzuwerfen. Von Twitter bis Instagram brach ein Shitstorm los.

In Reaktion verbreitete Emma Watson via Twitter den originalen Text des gesamten Gesprächs. Darin wird ihre Bewunderung für Beyoncé deutlich, auch für ihre feministische Arbeit. Sie spricht von dem Mut, den Beyoncé hat, sich mit diesen Videos gegen den üblichen MTV-Sensationalismus zur Wehr zu setzen. Für sie sind diese Videos Zeichen eines sexuellen Empowerments. Beyoncé vermittle Watson mit den Videos das Gefühl: „Ich kann Feministin sein, ich kann eine Intellektuelle sein, kann all dies andere sein, aber ich kann auch mit meiner Weiblichkeit OK sein, damit, hübsch zu sein, mit all diesen Dingen, von denen ich dachte, sie würden meine Botschaft negieren, oder das, wofür ich stehe.“ Und Watson endet mit den Worten: „Das ist wirklich das Interessanteste an diesem Album. Es ist so integrativ und bringt Feminismus und Weiblichkeit und weibliches Empowerment in solch breitem Spektrum.“

Die Debatte um Emma Watsons Vanity-Fair-Fotoshooting zeigt, in welchem Spannungsfeld Erotik und Feminismus sich derzeit noch immer befinden. Das Konzept einer Selbstbestimmung über den eigenen Körper macht vielen Angst. Gerade konservative Kräfte hetzen gegen jeden Versuch einer weiblichen Autonomie, die auch das Recht auf das Zeigen des eigenen Körpers beinhaltet.

Was dieses Konzept der körperlichen Selbstbestimmung bedeutet, bringt die Gründerin und Herausgeberin des  feministischen Magazins „Ms.“, Gloria Steinem, auf den Punkt, als sie nach der aktuellen Kontroverse um Emma Watson gefragt wird: „Feministinnen können tragen, was immer sie verdammt noch mal wollen. Sie sollten nackt durch die Straßen laufen können und trotzdem sicher sein.“

Die Badische Zeitung versucht, Alice Schwarzer für die Kontroverse einzuspannen: „Feministinnen wollen nicht, dass Frauen als Püppchen abgestempelt, auf ihren Körper reduziert und systematisch unterschätzt werden. Aber sollte es so weit gehen, dass sie überhaupt nicht sexy sein dürfen? Die deutsche Frauenrechtlerin Alice Schwarzer hat eine klare Antwort auf diese Frage: Weibliche Erotik ist ihrer Meinung nach traditionell mit der Macht der Männer verbunden – und der Ohnmacht der Frauen.“

Alice Schwarzer aber reagiert prompt: „Früher gab es noch den Begriff ‚erotisch‘. Inzwischen wird alles nur noch ‚pornografisch‘ genannt und ist es das auch meistens. Aber was ist eigentlich der Unterschied zwischen erotisch und pornografisch? Das! Emmas Foto hat nichts mit einer (selbst)erniedrigenden Entblößung zu tun, aber alles mit einer selbstbewussten Inszenierung! Es sagt uns: Ich bin klug, ich bin emanzipiert – und ich bin sinnlich. Es ist das Gegenteil von Pornografie.“

Wie kommt Schwarzer überhaupt auf das Thema „Pornografie“? Das von der Badischen Zeitung – aus dem Zusammenhang gerissene – Zitat bezieht sich auf die aktuelle Anti-Porno-Bewegung. Deren Vorkämpferinnen wie Sheila Jeffries, Karen Boyle  oder Pamela Paul zeigen sich jedoch an Emma Watsons Vanity Fair-Shooting vollkomen uninteressiert.  Selbst Gail Dines, die sich auf Facebook noch amüsiert über Emma Watsons Versuche zeigte, ‚Beauty and the Beast‚ so etwas wie eine feministische Botschaft unterzujubeln, verlor kein Wort über die aktuellen Fotos.

Die Angriffe kamen also mitnichten aus der Ecke anti-pornografischer Feministinnen, auch wenn einige Medien dies so darstellten. Offensichtlich wurden die Fotos lediglich als Anlass genutzt, eine feministische Aktivistin mit ihrem Ansinnen zu diskreditieren. Dass dazu auch auf aus dem Zusammenhang gerissene Zitate zurückgegriffen wurde, entspricht den Mechanismen der Medien, nicht nur der Social Media.

Wir als Kunstschaffende können dem entgegenwirken, indem wir für eine möglichst breite Öffentlichkeit sorgen. Wir können Fakten verbreiten helfen und uns solidarisch mit denjenigen zeigen, die gerade im medialen Sperrfeuer konservativer Anfeindungen stehen. Nackte Brüste sind sicher nicht per se ein Symbol. Es gibt den voyeuristischen Blick, aber es gibt eben auch das Recht auf körperliche Selbstbestimmung. Emma Watson hat es ausgeübt.

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Der Adult-Filter auf amazon.de

Das Problem Adult-Filter

Nach zwölf erotischen Geschichten aus unserer Feder hat der Amazon- Adult-Filter bei der neuen Story „Das Jagdschloss“ das erste Mal zugeschlagen. Porno-Alarm. Sprich: Eingeschränkte Anzeige bei den Suchergebnissen von Amazon. Sprich: Eingeschränkte Verkäufe. Kein Todesstoß, da sich der Filter bei der Suche ausstellen lässt, wenn man ihn kennt. Aber zumindest ein deutlicher Dämpfer, weil lange nicht jeder Amazon-Nutzer weiß, wie.

Dabei ist der Hinweis, eine Geschichte der Rubrik „Erotik“ sei nicht jugendfrei, eigentlich eine Tautologie. Denn sobald ich das Genre „Erotik“ beim Einstellen des Titels ins KDP-Programm anwähle, erscheint die Altersangabe „18+“ automatisch im Feld für das geeignete Lesealter. Diese Einstellung kann ich nicht  verändern.

Umso mehr irritiert es, dass innerhalb der Erotik die allermeisten Titel nicht vom sogenannten Adult-Filter betroffen sind. Wir selbst haben ja auch 11mal das Rating „Safe“ erhalten, bevor „Das Jagdschloss“ im Filter hängen blieb.

Gerade weil in der Kategorie „Erotik“ so viele Bücher angezeigt werden, kommen viele Leser des Genres gar nicht auf die Idee, nach gefilterten Texten zu suchen und den Adult-Filter zu deaktivieren. Was dazu führt, dass die im Filter hängengebliebenen Texte nicht angezeigt werden und folglich auch nicht gekauft werden können. Deswegen ist das Rating „Adult“ in der Regel mit etlichen finanziellen Einbußen verbunden.

Woran erkenne ich den Adult-Filter?

Wenn ein Buch in den Suchergebnissen von Amazon nicht angezeigt wird, ist das ein sehr schlechtes Zeichen. Ich bin eher zufällig darauf gestoßen, dass es mit meinem neuen Buch Probleme gibt. Nachdem ich gestern eine Mail von KDP erhielt, „Das Jagdschloss“ sei jetzt im Kindle-Shop verfügbar, wollte ich mir das Ergebnis heute morgen ansehen. Ich ging kurzerhand auf die Startseite von Amazon.de und habe im Suchfeld „manther jagdschloss“ eingegeben. Kein Resultat.

Also erweiterte ich meine Suche, indem ich das Wort „Jagdschloss“ strich und nur „Manther“ abfragte. Jetzt tauchten zumindest die Mehrzahl unserer bisherigen Veröffentlichungen auf. „Das Jagdschloss“ blieb verschwunden. Ein genauerer Blick auf die Suchergebnisse zeigte, dass laut Kopfzeile „Die beliebtesten Ergebnisse“ aufgelistet sein sollten. Als Alternative steht dort oben der Link „Alle Ergebnisse anzeigen“. Und erst, als ich diesen Alternativlink angeklickt habe, erschien dann auch „Das Jagdschloss“.

Offensichtlich ist dieses „Alle Ergebnisse anzeigen“ das deutsche Pendant zum amerikanischen „Your search contains adult items which have been hidden. If you wish to see them, click here“ – sprich: der Adult-Filter wird damit ausgeschaltet. Jedenfalls hatte ich, nachdem ich dies einmal angeklickt hatte, keine Probleme mehr damit, meine Story zu finden – egal wo und wie ich suchte. Da muss man aber erst einmal drauf kommen. Denn mit dem deutschen Satz wird fälschlich suggeriert, dass der neue Band einfach bei den Amazon-Kunden nicht beliebt ist, also ein Qualitätsproblem vorliegt.

Aaron Shepards Sales Ranks zeigt auch den Adult-FilterDie Wahrheit ist aber eine andere. Um gegenzuchecken, ob „Das Jagdschloss“ von Amazon mit den Bann „Adult“ belegt wurde, rief ich das Tool salesrankexpress.com von Aaron Shepard auf. Zwar werden für Kindle-Veröffentlichungen keine Verkaufsdaten angeboten. Dafür wird dort aber das Content Rating angezeigt. Und für „Das Jagdschloss“ prangt da rot und fett der Hinweis: „Adult“ statt des erstrebenswerten „Safe“. Wenn ich also noch einen Beweis gebraucht habe: Shepards Tool hat es mir geliefert.

Nun sind sich die über Foren relativ gut vernetzten Erotik-Autoren einig, dass Amazon sich nicht besonders um den Inhalt einer Story kümmert, solange der äußere Rahmen gewahrt bleibt. Somit sind es vor allem zwei Punkte, die als Auslöser für den Adult Filter infrage kommen: Das Cover und der Klappentext.

Auslöser für den Adult-Filter 1: Das Cover

Es gibt keine offzielle Liste jener Dinge, die auf einem Cover nicht zu sehen sein dürfen! Die Inhaltsrichtlinien, auf die Amazon in seiner Standardmail verweist, sind in diesem Zusammenhang hochgradig schwammig. Natürlich habe ich den KDP-Service angeschrieben und nachgefragt, wo das Problem liegt und ob ich etwas ändern kann, um diesen dummen Adult-Filter loszuwerden.

Gerade habe ich entdeckt, dass meine seit heute verfügbare Kurzgeschichte „Das Jagdschloss“ mit dem Adult-Rating versehen wurde und nur sehr zögerlich in den Suchergebnissen angezeigt wird.
Da ich nicht sicher bin, womit ich mir das Rating eingehandelt habe, wollte ich einfach einmal nachfragen:
Würde es helfen, auf dem Cover die Dame ein wenig tiefer zu positionieren, so dass der Ansatz ihres Pos nicht mehr zu sehen ist?
Oder liegt die Crux eher im blurb, in der Kurzbeschreibung des Inhalts? Falls dort bestimmte Reizworte auftauchen, die ich in Zukunft besser vermeiden sollte, würde ich mich ebenfalls über eine kurze Benachrichtigung freuen, damit ich den Fehler beheben und in Zukunft vermeiden kann.
In jedem Fall bin ich bemüht, die Gründe, die zum Adult-Rating geführt haben, in kürzester Zeit abzuschaffen, um das Buch dann erneut einzureichen.

Wie Amazons Antwort zeigt, ist meine Anfrage jedoch bereits im First-Level-Support des KDP hängengeblieben und nicht an die zuständigen Mitarbeiter der „Qualitätsabteilung“ weitergeleitet worden. Das Ergebnis war ein Baukasten-Brief, der auf keine der Fragen einging und lediglich bestätigte, was ich ohnehin schon wusste:

Wie unsere Qualitätsabteilung ermittelt hat, enthält ihr Buch „Das Jagdschloss“ nicht jugendfreie Inhalte. Bücher mit nicht jugendfreien Inhalten werden in unser allgemeinen Produktsuche nicht angezeigt, wie Sie warscheinlich schon gesehen haben. Sie werden jedoch in der Suche innerhalb der Kategorie Kindle angezeigt, sofern die Anzeige von nicht jugendfreien Inhalten aktiviert wurde.
Wir behalten uns das Recht vor, die Angemessenheit von Inhalten selbst zu beurteilen. Dies kann sich auf Coverbilder, Buchdetails (Metadaten) oder den Inhalt des Buchs beziehen.

Gerade der vorletzte Satz zeigt, wie schwammig die Sachlage oft ist. Da es keine Liste der Dinge gibt, an die man sich halten kann, ist das Spiel mit den Amazon-Zensurbehörden ein ewiges Trial and Error. Schlimmer noch: Was bei einem Autoren durchgeht, muss beim nächsten noch lange nicht klappen.

Im Netz schreiben Autoren immer mal wieder von ihren eignen Erfahrungen mit dem Filter. So sind zumindest einige Cover-Probleme mittlerweile bekannt. Ich beziehe mich im Folgenden auf eine Liste, die Selena Kitt in ihrem Blog zusammengestellt hat.

  • zu viel Haut
  • Brüste (auch von der Seite, schräg von hinten oder mit Händen bedeckt )
  • angedeuteter oder vollzogener Geschlechtsverkehr (auch wenn die Modelle nicht nackt sind)
  • intime Berührungen (auch wenn die Modelle angezogen sind)
  • leidende oder gar weinende Modelle
  • Handschellen und/oder Bondage
  • Schmutzige Wörter im Titel

Auslöser für den Adult-Filter 2: Der Klappentext

Sicherste Möglichkeit, um den Adult-Filter reingewürgt zu bekommen, ist sicher nach wie vor die „Warnung: Nur für Erwachsene“ oder ähnliches. Selbst, wenn es nicht als Werbegag gemeint ist, bleibt es kontraproduktiv.

Bestimmte Themen haben im Klappentext nichts zu suchen und sollten besser nur angedeutet werden, wenn ihr nicht vorhabt, den Adult-Filter auf den Plan zu rufen. Dazu gehören:

  • Sex mit Familienmitgliedern
  • Sex mit Minderjährigen
  • Jungfräulichkeit und Defloration
  • Stillen und Laktation
  • Dubcon – Sex, bei dem nicht klar ist, ob alle Beteiligten einverstanden sind
  • Vergewaltigung

Falls ich etwas Wichtiges vergessen habe, hinterlasst gern einen Kommentar unter diesem Post.

In ihrem Buch „The Six-Figure Erotica Author: How I Make Six Figures Self-Publishing Erotica“ hat Jade K. Scott ein System entwickelt, diese Begriffe kreativ zu umschiffen. Damit können Fans erkennen, worum es in einer Story geht, ohne dass der Adult-Filter gleich auf den Plan gerufen wird. So redet sie in ihren Klappentexten statt von „Daddy“ oder dem Stiefvater einfach vom „Mann des Hauses“. Offensichtlich springen die Amazon-Spider bei der Jagd nach möglichen filterwürdigen Texten auf diesen Ausdruck noch nicht an. Wer sich für diese Art des Slaloms interessiert, erhält in ihrem Buch einige brauchbare Ideen.

Das Problem bei solchen Umschreibungen liegt aber darin, dass die Leser erst einmal dechiffrieren müssen, was ihr damit meint. Es macht also Sinn, zunächst einmal bei thematisch ähnlich gelagerten Büchern zu schauen, wie dort das Thema im Klappentext beschrieben wird. Und dann – z.B. mit dem Salesrankexpress von Shepard – zu prüfen, ob dieser Ausdruck den Adult-Filter passiert hat.

Das ist zunächst einmal mühselig. Aber da ihr, solange ihr mit einem bestimmten Autorennamen arbeitet, ohnehin einem Subgenre treu bleiben solltet, muss die Arbeit nur einmal gemacht werden. Dann wisst ihr, mit welchen Ausdrücken ihr den Filter austrickst und euer Zielpublikum findet.

Was tun?

Da Amazon selbst keine Gründe für das Rating nennt, blieb mir nichts, als Cover und Klappentext zu überarbeiten, in der Hoffnung, damit alles all zu Anstößige aus den Bereichen zu löschen.

Hier das Cover in der Vorher – Nachher-Version:

Cover Marc Manther: Das Jagdschloss       Das neue Cover von Marc Manthers "Das Jagdschloss"

Ihr seht, der Po der jungen Dame ist jetzt züchtig bedeckt, wenn auch nur deswegen, weil ich den Bildausschnitt vergrößert habe.

Im zweiten Schritt habe ich den Klappentext von allen konkreten Hinweisen auf Sexpraktiken und Orgasmen gereinigt. Zwar gehe ich davon aus, dass dies die Kauflust des Zielpublikums ein klein wenig mindern wird. Aber durch diese  Konzession wird das Buch wieder in allen Suchergebnissen gelistet und nicht nur dann, wenn die Leser vorher den gut versteckten Suchfilter deaktivieren.

Anschließend habe ich eine E-Mail an kdp-support@amazon.de aufgesetzt:

Sehr geehrte Mitarbeiter im KDP,
Ich möchte Sie bitten, den Titel „Das Jagdschloss“ von Marc Manther (ASIN B01IDZYCEI) einer neuen Prüfung zu unterziehen. Ich habe das Coverbild entschärft und auch den Klappentext gesäubert. Daher hoffe ich, es gibt keinen Grund mehr für ein „Adult“-Rating, dass den Titel von der Suche auf der Startseite von Amazon ausschließt.
Ich würde mich freuen, wenn Sie den Titel mit „Not adult“ kennzeichneten.
Mit freundlichen Grüßen,
Marc Manther

Den Mail-Text habe ich mehr oder weniger von Selena übernommen. Die hat ihn für diesen Zweck freigegeben. Dementsprechend steht es euch frei, auch meine deutsche Version bei Bedarf zu nutzen.

Es hat übrigens keine 24 Stunden gedauert, dann hatte ich folgende Antwort von  kdp-publizieren@amazon.de in meinem Mailfach:

… Nach erneuter Überprüfung haben wir entschieden, die Beschränkungen für diese Bücher aufzuheben. Sie werden jetzt in der allgemeinen Produktsuche angezeigt. Dies kann bis zu 24 Stunden dauern.
Wir bedanken uns für Ihre Rückmeldung und entschuldigen uns für etwaige Unannehmlichkeiten, die durch diese kurzfristige Beschränkung verursacht worden sind.

An der Formulierung „für diese Bücher“ ist zu sehen, dass es für diesen Vorgang bereits Block-Bausteine bei Amazon gibt. Denn ich habe ja definitiv nur für ein Buch angefragt. Ich schließe daraus,  es kommt häufiger vor, dass Autoren gleich eine ganze Reihe von Titeln überarbeiten, um sie neu einzureichen. Sonst wäre im Mail-Setzkasten die Standardformulierung „für Ihr Buch“ abgespeichert worden.

Ihr seht: Es lohnt sich, bei einem Adult-Rating ein wenig Zeit zu investieren, um den Schaden abzuwenden.

Marc MantherAlles Liebe und viel Erfolg,
Marc

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Stichworte für eure KDP eBooks

Bei Sandras erster erotischen Geschichte, „Monikas Keller„, waren wir noch froh, überhaupt sieben Suchstichworte zu finden, als KDP beim Einstellen die Frage nach den Keywords stellte.  Damals hatten wir noch nicht begriffen, was für ein mächtiges Tool uns dort zur Verfügung gestellt wird, um unsere Bücher auffindbar zu machen. Inzwischen sind wir um einige Erfahrungen reicher.

Das Subgenre

Wie schon an anderer Stelle erwähnt: Auf der amerikanischen Amazon-Seite finden sich im Bereich Erotika Labels für diverse Subgenres (schaut einmal hier). Da diese Einteilung auf amazon.de fehlt, wäre es bereits hilfreich, das Subgenre, in dem ihr eure Story ansiedelt, in den Keywords zu nennen. So haben Fans des Genres eine gewisse Möglichkeit, euer Buch zu finden, auch wenn sie euren Namen noch nie gehört haben.

Erotische Subgenres nach Amazon.comDie Subgenres, mit denen Amazon.com arbeitet, sind:

  • Action und Abenteuer
  • Afro-Amerikaner
  • BDSM
  • Historisch
  • Horror
  • Humor
  • Gemischtrassig
  • LGBT (Lesbisch, Gay, Bi, Transgender)
  • Krimi
  • Paranormal
  • Romantische Erotik
  • Science Fiction
  • Suspense
  • Thriller
  • Urban (Leben in der Großstadt)
  • Viktorianisch
  • Western

Mittlerweile hat Amazon eine aktualisierte Liste der hauseigenen Erotik-Kategorien erstellt – mit den Keywords, die genutzt werden sollten, um in dieser Kategorie zu erscheinen. Denn direkt anwählbar sind die Kategorien beim Einstellen nicht. Hier der Link:
https://kdp.amazon.com/de_DE/help/topic/A3RTWC5Y4P5391

Eure Nische

Diese Subgenres sind nur relativ breite Harken, um eure Geschichten dem richtigen Lesepublikum zuzuordnen. Aber jeder Leser hat seinen eigenen Fetisch, seine eigene Nische. In dieser Nische will er bedient werden. Und natürlich freut es ihn, wenn er möglichst schnell neue Titel findet, die ihm gefallen könnten.

Jeder dieser Nischen hat ihre speziellen Ausdrücke, die anderen Menschen wahrscheinlich wenig bis nichts sagen. Sandra und ich haben ein gewisses Faible für ENF, OON, NiP und ähnliches. Wer damit etwas anfangen kann, wird sich freuen, wenn er diese Begriffe in der Amazon-Suchleiste eingibt und tatsächlich fündig wird. Also rein damit in die Keywords, sollte eure Story eine solche Nische bedienen.

Wie hat Woody Allen in „Was sie schon immer über Sex wissen wollten“ gefragt: Was ist Ihre Lieblingsperversion? Natürlich teilen nicht alle diese Perversion. Aber diejenigen, die sie teilen, werden sich freuen, sie bei der Stichwortsuche zu finden. Also immer rein damit in die Keywords, wenn ihr sie in euren Storys aufgreift.

Was suchen die Leser?

Amazon Suchleiste

Ein wichtiges Tool, um passende Keywords für eure Story zu finden, ist die Suchleiste von Amazon. Sobald ihr dort ein Stichwort eingebt, von dem ihr denkt, es könnte zu eurer Story passen, zeigt euch Amazon 10 Begriffe an, nach denen die Leser in der letzten Zeit am häufigsten gesucht haben. Bedient euch. Denkt daran, dass „Keywords“ sich nicht nur auf einzelne Wörter beziehen, sondern auch Wortgruppen meint. „Lesbische erotische Liebesromane“, zwischen zwei Kommata gesetzt, gilt bei Amazon als ein Stichwort.

Falls ihr komplett ideenlos seid, was diese Suchleiste angeht, empfehle ich euch das Buch „Romance, Erotica & New Adult Keywords For Amazon: Done-For-You Lists Of Thousands Of Romance, Erotica & New Adult Keywords & Phrases“ von Jamie Page. Sie hat in diesem eBook nichts anderes gemacht, als neben Genres und Subgenres einen weiteren Anfangsbuchstaben im Suchfeld einzugeben und zu sehen, was passiert. Das Buch ist für den amerikanischen Markt entstanden, kann euch aber als Inspirationsquelle dienen. Allerdings finden sich in den Suchergebnissen, die Jamie auflistet, auch DVDs, Möbel, Spiele und andere Dinge. Das ganze Buch wirkt ziemlich schnell zusammengezimmert und eher nach Fleißarbeit, als nach profunder Recherche. Billiger ist es, ihr spielt selbst ein wenig mit der Suchleiste herum.

Die 7 Stichwortketten

Keywordliste 'Isabells Casting'
Hier die Keyword-Liste für ‚Isabells Casting‘

Früher gab es für die Keywords ein einziges Eingabefeld mit einer einfachen Spielregel: 6 Kommata und nicht mehr als 400 Zeichen insgesamt. Das ließ einiges an Spielraum für die Arbeit mit Abkürzungen, Synonymen, Derivaten und ähnlichem.

Mittlerweile haben die Techniker aber begriffen, dass diese Methode zu hemmungslosem Spamming führte. Deswegen installierten sie sieben separate Eingabefelder. Jedes kann mit bis zu 40 Zeichen gefüllt werden. Also immer noch viel Platz für Stichwortketten. Derivate und Synonyme sollen übrigens laut Amazon inzwischen überflüssig sein, weil das Programm inzwischen ohnehin mit ihnen arbeitet.

Das Prinzip wird klar, oder? Pro „Stichwort“  stehen 40 Zeichen zur Verfügung. Wer sie nutzt, ist klar im Vorteil gegenüber denjenigen, die mit sieben einzelnen Keywords gerade mal eben 70 Zeichen belegen. Die Chance, das eines der eingetragenen Stichwörter gesucht wird, ist jedenfalls höher. Je mehr Stichwörter in der Suchleiste eingegeben werden, desto mehr schrumpft die Auswahl an passenden Titeln zusammen, bis im Idealfall eures übrigbleibt. So habe ich bei den Keywords „erotica wedding“ noch 2391 Ergebnisse, bei „erotica wedding pregnancy“ noch 351, und bei „erotica wedding pregnancy ass“ gerade noch drei Titel im Angebot. Falls genau diese Fantasie mich gerade anturnt und ich den passenden Lesestoff suche, ist die Auswahl jetzt sehr überschaubar.

Übrigens ist es nicht nötig, bei jeder neuen Story das Rad neu erfindet. Wenn die Stichwörter funktionieren, benutzt sie immer wieder – zumal, sonlange eure neuen Geschichten in die alte Nische passen – und ändert nur ab, was eben für die neue Geschichte nicht passt.

Die Checkliste

Soviel zur Theorie. Vielleicht hilft euch ja folgender Fragekatalog weiter:

  1.  Genre/Subgenre: z.B. Erotik, Erotika, Gestaltwandler romance, steampunk sex,  Urban Fantasy Erotik …
  2. Nische: Tentakel, Exhibitionismus, Naked in Publik NiP, Fußfetischismus
  3. Handlung: Erstes Date, Verlust Jungfräulichkeit, Sex im Museum …
  4. Location: Eisenbahn, Drahtseilgondel, Wald, Space Shuttle, Bielefeld …
  5. Personen: Billionär, Teenager, Studentin, MILF …

So viel für heute. Wir werden diesen Blogbeitrag aktualisieren, sobald wir ein wenig länger mit den Stichwörtern im KDP herumexperimentiert haben. Bis dahin: Lasst euch inspirieren.

Marc MantherAlles Liebe,
Marc

 

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Die ideale Länge für erotische eBooks

Was ist die ideale Länge für erotische eBooks, die wir via Kindle Publishing verkaufen wollen? Ich habe einmal ein wenig recherchiert und mir angesehen, was andere Erotik-Autoren zu dem Thema zu sagen haben.

Warum überhaupt Short Storys veröffentlichen?

Neue Titel halten sich maximal vier Wochen in den Neuerscheinungen, bevor sie aus dem Blickfeld verschwinden. Danach versinken sie in den Tiefen der Kataloge. Allein deswegen schon ist es wichtig, regelmäßig neue Bücher auf den Markt zu werfen. Nur: Wer produziert schon jeden Monat einen neuen Roman? Selbst Georges Simenon, einer der begnadetsten Vielschreiber des 20. Jahrhunderts, hat in der Regel nicht mehr als ein Buch im Monat fertig bekommen. Und musste im Folgemonat auf Anraten seines Arztes regenerieren, so dass sein gewöhnlicher Ausstoß bei 6 Romanen im Jahr lag.

Die logische Konsequenz ist, auf Kurzgeschichten umzusteigen. Selbst langsame Autoren wie wir, die am Tag auf nicht mehr als 300 bis 500 Worte kommen (1 bis 2 Manuskriptseiten), können innerhalb von ein bis zwei Wochen locker eine Story fertigstellen und veröffentlichen. Allerdings ist Erotik das einzige Genre, in dem sich einzelne Kurzgeschichten tatsächlich verkaufen lassen. Schon deswegen schreiben viele Autoren unter einem Pseudonym nebenbei auch Erotik.

Amazon und Kindle Unlimited

Früher gab es noch ein zweites Argument, das für erotische Kurztexte sprach: Das Leihprogramm von Amazon, Kindle Unlimited, war so geregelt, dass Autoren das Geld für ihr Buch schon bekamen, sobald die Ausleiher 10% des Textes gelesen hatten. Bei den meisten Kurzgeschichten reichte es also aus, wenn ein Leser nach Titel und Disclaimer die erste Seite eines Textes ansah, um das Geld für die Story zu bekommen.

Natürlich fanden Romanautoren, die teilweise länger als ein Jahr an ihrem Skript gefeilt hatten, diese Praxis hochgradig ungerecht. Denn als unbekannte Selfpublisher können sie für einen Roman auch nicht mehr als 2, 99 € nehmen. Zumindest, wenn sie ihn verkaufen wollen. Kein Mensch gibt mehr für das Buch eines unbekannten Autoren aus. Also hagelte es Beschwerden. Und regnete Animositäten: Wieso bekommen Leute, die in einer Woche (oder noch kürzerer Zeit) eine Kurzgeschichte fertigstellen, das gleiche Geld wie die Künstler mit hehren Absichten, die jahrelang an ihren Romanen feilen?

Daher gibt es im KU inzwischen eine neue Abrechnungspraxis, die insgesamt deutlich gerechter ist, denjenigen Erotikautoren, die mit KU das schnelle Geld machten, jedoch das Wasser abgräbt: Bezahlt wird nun nach tatsächlich gelesenen Seiten. Um in der Ausleihe mit einem Text das Gleiche zu verdienen wie bei einem Verkauf für 2,99 €, muss der Ausleiher ca. 258 Seiten tatsächlich gelesen haben. (Ein Autor verdient an einem 2,99 €-Verkauf ~1,72 €. Bei der Ausleihe wird nach KENPC-Seiten – Kindle Edition Normalized Page Count – abgerechnet, die etwa so lang sind wie eine halbe Seite eines Buches. Für die KENPC-Normseite gab es im Mai 2016 0,003327 € pro Leser.) Ist der Roman – oder die Kurzgeschichtensammlung länger, macht der Autor mit der Ausleihe sogar Gewinn. Die Zeiten, in denen man mit Kurzgeschichten in der Ausleihe das schnelle Geld machen konnte, sind jedoch vorbei.

Aber seien wir ehrlich: Zumindest im Verkauf rechnen sich einzeln veröffentlichte Kurzgeschichten nach wie vor. Habe ich die Wahl, für die 2,99 €, die ich mit einem Text verdienen kann, entweder einen Roman oder eine Short Story einzustellen, macht es aus ökonomischer Sicht keinen Sinn, mich mit der Produktion mehrerer hundert Seiten für ein eBook zu beschäftigen. Zumal, wenn ich noch keine gesicherte Fan-Base habe, die mir mein Buch abkauft.
Für den Verleih hingegen ist es geschickter, mit Bundles zu arbeiten, die die Leser dazu verleiten, gleich mehrere Geschichten hintereinander zu lesen. Denn eine einzelne Story bringt so gut wie kein Geld mehr.

Mindestlänge und die Empfehlungen verschiedener Autoren

Durch das Netz geistern verschiedene Geschichten von Autoren, die versucht haben, Short Storys mit einer Länge von unter 2500 Zeichen als eBook auf Amazon zu verkaufen. Diese sind von Amazon angeschrieben worden, ihre Texte würden nicht den qualitativen Anforderungen genügen. Sie sollten entweder die Storys länger machen oder aber die entsprechenden Texte vom Markt nehmen.

Dementsprechend empfiehlt die Erotikautorin Jade K. Scott in „The Six-Figure Erotica Autor“ als ideale Länge für erotische Kurzgeschichten 3000-5000 Wörter. Das liegt nur wenig oberhalb der Amazon-Mindestlänge. Scotts Absicht ist offensichtlich: Je mehr Texte ich auf dem Markt habe, desto größer ist – zumindest rein rechnerisch – der Gewinn. Und als Autor, der vom Schreiben leben will, ist es nun einmal notwendig, möglichst schnell einen großen Pool an Büchern lieferbar zu haben. Folglich macht es keinen Sinn, länger als unbedingt nötig an einem Text zu sitzen. In der Zeit, die ich mit einem 10.000 Wörter-Skript zubringe, so Scott, kann ich drei Short Storys à 3.000 Wörter produzieren. Ihr wichtigstes Argument dabei: Leser, die Erotika kaufen, sind bereit, für die zehn Manuskriptseiten, die die 3000 Wörter füllen, den Preis von 2,99 € zu zahlen.

Ich will dabei nicht unerwähnt lassen, dass „The Six-Figure Erotica Autor“ im Blick auf den amerikanischen Markt geschrieben ist und dieser teilweise anders funktioniert als Amazon.de. Insgesamt jedoch ist Jade K. Scotts Ratgeber profund und lesenswert.

Preis-Leistungsverhältnis

Marc und ich stehen mit unseren Veröffentlichungen ja noch am Anfang. Im Augenblick machen wir es so, dass wir jede unserer Short Storys mit einer Länge von 3.000-4.000 Wörtern für einen Zeitraum von vier Wochen für 0,99 € anbieten. Danach gehen wir auf die 2,99 €. Unsere Erfahrung zeigt, dass die Leser auf die höheren Preise zumindest deutlich verhalten reagieren. Ob dies sich ändern würde, sobald wir mit längeren Texten experimentieren? Das muss sich zeigen.

Die oben zitierte Jade K. Scott hat etwa 10 Storys im Niedrigpreissegment für 0.99 € im Angebot und verkauft den Rest für 2,99 €. Bundles kosten bei ihr 3,99 €. Zwar verkaufen einige Erotik-Autoren diese Bundles auch für teureres Geld, jedoch will Jade, so sagt sie, diese Sammlungen absolut unwiderstehlich machen.

Was die Preise angeht, sind sich die Erotik-Short-Autoren ziemlich einig. Was die Länge der Texte angeht, sieht es schon anders aus. So arbeitet Amy Cooper (Publishing Erotica: How to Make Your First $1,000) mit einer Länge von 5.000 – 12.000 Wörtern, ohne dafür einen anderen Grund als ihre Erfahrung zu nennen. Und mit dem gleichen Verve verficht Emily Baker (The Erotica Handbook: How to Write Erotica) die Länge von 7500 Wörtern als ideal.

Fakt ist, Amazon bietet für Bücher ab 2,99 Euro eine höhere Gewinnmarge als für 0,99 Euro-eBooks. Deshalb müssen wir nicht nur drei, sondern sieben Bücher à 0,99 € verkaufen, um den gleichen Gewinn zu machen wie für ein Buch à 2,99 €. Es lohnt also nicht, den Niedrigstpreis zu nehmen. Wenn eine Leseprobe etwas taugt, sind die Leser – da sind sich alle Autoren einig – auch bereit, den etwas höheren Preis zu zahlen, egal ob für 3.000, 5.000 oder 7.500 Wörter.

Resümee

Marc und ich finden das Argument von Jade K. Scott einleuchtend: Mit kürzeren Texten lässt sich schneller experimentieren. Bevor wir uns an einer 12.000 Wörter-Geschichte abarbeiten, produzieren wir lieber drei kurze Texte à 3.500 Wörtern und schauen, wie der Markt darauf reagiert. Ich bin sicher, mit der Zeit wird das Schreiben routinierter, so dass auch längere Texte nicht mehr so unglaublich lange brauchen, bis sie das Licht der Welt erblicken. Wir gehören derzeit zu den wirklich langsamen Autoren, die froh sind, wenn sie an einem produktiven Tag (nach der Arbeit in der Agentur oder der Firma) noch 300 Wörter zu Papier bringen. Und dann steht ja erst der „First draft“. Von dem bis zum fertigen Buch dauert es auch noch einmal eine Weile.

Aber das kennen wir aus unseren Brotberufen: Aller Anfang ist schwer. Mit der Routine werden sicher auch die Texte länger, so dass wir mit verschiedenen Längen experimentieren können.
Bis dahin glauben wir einfach den Autoren, die schon länger auf dem Markt sind. Von denen hat jeder seine bevorzugte Textlänge – und wie es aussieht, hängt diese eher von den Präferenzen der Autoren ab, und nicht vom Lesepublikum.

Vielleicht reicht es ja schon, einmal die Perspektive zu wechseln: Wenn ich ein neues Buch in meinem Subgenre gefunden habe, ist es mir relativ egal, ob es 10 oder 20 Seiten umfasst, solange es gut geschrieben ist. Natürlich freue ich mich über längere Texte, gebe das Geld aber auch aus, wenn ich dafür nicht so viel bekomme. Letztlich überzeugen mich Thema und Leseprobe, nicht die Längenangabe.

Sandra MantherViel Erfolg,
Eure Sandra

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Dirty Diaries Manifesto

Das Dirty diaries manifesto von Mia Engberg ist die Grundlage für zwölf explizite erotische KurzfilmeEs hat eine Weile gedauert, bis ich begriff, dass es neben der PorNo-Kampagne von Alice Schwarzer auch einen sexpositiven feministischen Ansatz der Pornografie gibt. Natürlich bin ich hellhörig geworden.

Wobei an dieser Stelle wahrscheinlich wieder eine Begriffsklärung nötig ist. Marc und ich gehen auf unserer Website davon aus, dass es sich bei Pornografie um aus dem emotionalen, psychologischen Kontext gerissene explizite Darstellungen von Sexualität um ihrer selbst willen handelt.

Dies gründet sich auf unseren Erfahrungen mit Pornografie: Darsteller/Innen wie auch Darstellung ist genormt; eine Rahmenhandlung, wenn überhaupt, dann nur in Alibifunktion vorhanden. Die Frauen sind dauerwillig, die Männer dauerhart. Übereinstimmungen mit der Realität sind rein zufällig und in keiner Weise beabsichtigt.

Umso spannender fanden wir das „Dirty Diaries Manifesto“ der Schwedin Mia Engberg, das sie 2009 als Grundlage für eine Reihe von ihr produzierter erotischen Kurzfilme nutzte, vergleichbar in seiner Radikalität ev. dem dänischen Dogma 95-Manifest. Interessant dabei ist, dass Engbergs feministische Pornosammlung vor allem durch das Schwedische Filminstitut finanziert, letztlich also staatlich gefördert wurde.

Dieses Manifest zeigt einen neuen, feministischen Zugang zur expliziten Darstellung von Sexualität. Mia Engberg formuliert hier aus, was für mich beim Schreiben des Erotischen Tagebuchs der Marion F. unausgesprochen als Idee im Hintergrund schwebte. Ich hoffe, Mia hat nichts dagegen, wenn ich dieses Manifest auf dieser Seite übersetze und so auch in Deutschland zu einer breiteren Öffentlichkeit verhelfe. Ich tue das deswegen, weil ich es für wegweisend halte (und verweise, weil jeder Künstler Geld zum Überleben und kreativen Arbeiten braucht, an dieser Stelle noch mal auf die DVD mit den 12 Kurzfilmen, Dirty Diaries (Region 2) [Schweden Import])

Das Dirty Diaries Manifesto in deutscher Übersetzung:

1. Schön wie wir sind

Zum Teufel mit den kranken Schönheitsidealen. Tiefer Selbsthass untergräbt die weiblicher Energie und Kreativität vieler Frauen. Diese Energie, die wir dafür nutzen könnten, unsere Sexualität und Kraft zu erforschen, wird in Diäten und Kosmetika abgeleitet. Lasst nicht zu, dass kommerzielle Kräfte eure Bedürfnisse und Wünsche kontrollieren.

2. Kämpfe für dein Recht, geil zu sein

Männliche Sexualität wird als Naturgewalt angesehen, die um jeden Preis befriedigt werden muss, während weibliche Sexualität nur dann akzeptiert wird, wenn sie mit den Bedürfnissen der Männer konform geht. Sei geil zu deinen eigenen Bedingungen.

3. Ein gutes Mädchen ist ein böses Mädchen

Wir wurden mit dem kulturellen Klischee großgezogen, dass sexuell aktive und unabhängige Frauen entweder verrückt oder lesbisch und deswegen verrückt sind.  Wir wollen Filme sehen und machen, in denen Betty Blue, Ophelia und Thelma & Louise am Ende nicht sterben müssen.

4. Zerschlagt Kapitalismus und Patriarchat

Die Pornoindustrie ist sexistisch, weil wir in einer patriarchalen kapitalistischen Gesellschaft leben. Sie schlägt Profit aus den Bedürfnissen der Menschen nach Sex und Erotik und Frauen werden in dem Prozess ausgebeutet. Um sexistischen Porno zu bekämpfen, musst du Kapitalismus und Patriarchat zerschlagen.

5. So anstößig, wie wir sein wollen

Genieße, übernimm die Führung oder lass dich gehen. Sage NEIN, wenn du willst, damit du Ja sagen kannst, wenn DU willst.

6. Legale und freie Abtreibung ist ein Menschenrecht!

Jeder hat das Recht auf Kontrolle über den eigenen Körper. Millionen Frauen jedes Jahr leiden an ungewollten Schwangerschaften und sterben durch illegale Abtreibungen. Schluss mit dem moralischen Recht, gegen Geburtenkontrolle und sexuelle Aufklärung zu predigen.

7. Kämpfe gegen den wirklichen Feind!

Durch Zensur kann Sexualität nicht liberalisiert werden. Es ist unmöglich, das Bild weiblicher Sexualität zu ändern, wenn sexuelle Bilder selbst tabuisiert werden. Greif keine Frauen an, die Sex zur Schau stellen. Greif Sexismus an, weil er versucht, unsere Sexualität zu kontrollieren.

8. Bleib schwul

Ein Großteil der Gegner von Erotik ist homophob und häufiger sogar transphob. Wir glauben nicht an den Kampf zwischen den Geschlechtern, wohl aber an den Kampf gegen die Geschlechter. Identifiziere dich mit jedem Geschlecht, das du willst und liebe, wen du willst. Sexualität ist vielseitig.

9. Benutze Kondome

„I’m not saying go out an‘ do it, but if you do, strap it up before you smack it up.“ (Missy Elliott)

Etwa: „Ich sage nicht: ‚Geh raus und tu es‘, aber wenn du es tust, streif dir was über, bevor du dir was einfängst.“

10. Do it yourself

Erotik ist gut und wir brauchen sie. Wir glauben wirklich, dass es möglich ist, eine Alternative zur Mainstream Porno Industrie zu erschaffen, indem wir die sexy Filme machen, die wir mögen.

 

Zum englischsprachigen Originaltext des Dirty Diaries Manifesto geht es hier.

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Emotionen – die Triebfeder hinter jeder Handlung

Lecter: Was tut er, dieser Mann, den Sie suchen?
Clarice: Er tötet Frauen.
Lecter: Nein, das ist nebensächlich. Was ist das Vordringliche bei all seinem Tun? Die Frage ist, welche Bedürfnisse er durch Töten befriedigt.
Clarice: Abreaktion der Wut … Versuch gesellschaftlicher Anerkennung. .. und Überwindung sexueller Frustration.

(Ted Tally: Das Schweigen der Lämmer)

Triebfeder Emotionen

Alle Handlungen lassen sich auf Emotionen zurückführen. Emotionen sind unsere Triebfeder. Wir tun Dinge, um unseren Emotionen ein Ventil zu geben. Oder um unsere Bedürfnisse zu befriedigen. Immer steht dahinter der Wunsch: Wir wollen uns besser fühlen, gut fühlen.

Wenn wir im Creative Writing eine Person handeln lassen, wird die grundlegende Frage immer sein: Aus welchen Emotionen heraus handelt sie? Wir brauchen dieses Wissen, um den Protagonisten zu verstehen. Um ihn glaubhaft zu gestalten.

Handlung versus Emotion

Reicht es nicht zu zeigen, wie der Protagonist handelt? Nein. Weil Leser ein emotionales Erlebnis suchen. Werden sie nur mit den Fakten der Handlung konfrontiert, rauscht das Geschehen an ihnen vorbei. Emotionen sind universell. Jeder kennt sie. Jeder hat sie erfahren. Jeder kann sich identifizieren. Und je stärker sich ein Leser identifiziert, desto stärker wirkt das Buch auf ihn.

So wie es Hannibal Lecter in Das Schweigen der Lämmer beschreibt. Die allerwenigsten Leser sind Massenmörder. Aber jeder kennt das Gefühl der Wut, die Suche nach Akzeptanz oder das Gefühl der Frustration. Das Unmenschliche wird auf das Menschliche runtergebrochen. Und auf diese Weise nachvollziehbar.

Gerade hier setzt die Kunst an. Wie machen wir diese Gefühle erlebbar? Wie beschreiben wir das wirre Gefühl in uns?

Emotionen nachvollziehbar machen

Um eine Emotion nachvollziehbar zu machen, bedarf es vor allem eines klar nachvollziehbaren Ausgangsimpulses. Die körperlichen und körpersprachlichen Reaktionen unserer Protagonisten bleiben ohne adäquate Impulse melodramatisch. Ich erinnere mich an eine Autorin von Regionalkrimis, die gut in der Lage ist, die emotionalen Reaktionen ihrer Protagonisten zu beschreiben, die jedoch immer wieder beim Lesen das Gefühl hinterlässt, diese Reaktionen seien völlig überzogen. Unter dieser Diskrepanz zwischen Ausgangsimpuls und beschriebener emotionaler Reaktion leidet das Leseerlebnis enorm.

Andererseits fallen mir Autorinnen wie Elle Kennedy (The Deal – Reine Verhandlungssache) ein, die relativ sparsam mit körperlichen Beschreibungen von Emotionen umgeht, die aber wunderbar in der Lage ist, Situationen zu konstruieren, die von den Protagonisten – und den Lesern – starke Emotionen abverlangen. Hier bedarf es nur der Andeutung von Reaktionen, da der Leser das gewünschte Gefühl ja selbst erlebt.

Der Schluss liegt nahe, dass es einen großen Unterschied beim Lesen macht, ob ich Emotionen lediglich geschildert bekomme, oder ob ich sie selbst beim Lesen empfinde.

Übung

Mein Tipp für den Anfang: Achtet beim Lesen auf eure Emotionen. Schaut, worauf ihr reagiert. Und prüft dann, was diese Reaktion ausgelöst hat. Selten wird dies allein eine Beschreibung der emotionalen Reaktion der Protagonisten gewesen sein. Diese kann verstärkend wirken, wird aber kaum allein ausschlaggebend für eure Reaktion sein. Eine spannende Entdeckungsreise wartet auf euch: Ran an eure Lieblingsbücher!

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Angst im Kreativen Schreiben

Definition: Angst

Angst ist ein Gefühl der Beklemmung, ausgehend von einer tatsächlichen oder erwarteten Bedrohung. Hergeleitet vom Begriff der „Enge“.

Angst – der emotionale Spannungsbogen

Wieder versuche ich einen Spannungsbogen von leichten Vorformen der Angst bis hin zur Todespanik zu skizzieren. Solche Bögen können helfen, um innerhalb einer Geschichte die Spannung zu steigern oder um z. B. verschiedene Schlüsselszenen zu definieren.

  • vorsichtig
  • unsicher
  • gespannt
  • gehemmt
  • verkrampft
  • zimperlich
  • scheu
  • schüchtern
  • besorgt
  • beunruhigt
  • zaudernd
  • widerstrebend
  • unwillig
  • abgeneigt
  • unbehaglich
  • unruhig
  • zögerlich
  • wachsam
  • misstrauisch
  • argwöhnisch
  • zweifelnd
  • aufgewühlt
  • bedroht
  • ausweichend
  • bange
  • angespannt
  • belastet
  • gestresst
  • rappelig
  • schreckhaft
  • nervös
  • ängstlich
  • erregt
  • verstört
  • durcheinander
  • verspannt
  • gereizt
  • ruhelos
  • eingeschüchtert
  • verschüchtert
  • erschrocken
  • furchtsam
  • entmutigt
  • abgeschreckt
  • abwehrend
  • paranoid
  • phobisch
  • erschüttert
  • verzweifelt
  • entsetzt
  • bestürzt
  • entgeistert
  • schockiert
  • panisch
  • erstarrt
  • versteinert

Formen des Angstverhaltens

Der Wagnisforscher Siegbert A. Warwitz unterscheidet acht Arten, mit seiner Angst umzugehen (zitiert nach Wikipedia):

  • Das Vermeidungsverhalten versucht, Angst induzierenden Ereignissen, Räumen oder Personen möglichst auszuweichen.
  • Das Bagatellisierungsverhalten ist bestrebt, die als peinlich erlebten Angstgefühle vor sich und anderen herunterzuspielen.
  • Das Verdrängungsverhalten versucht, der gestellten Aufgabe hinderliche Angstgefühle zu unterdrücken oder wegzuschieben.
  • Das Leugnungsverhalten blendet Anzeichen von Angst aus dem Bewusstsein aus oder versteckt die als Schwäche empfundenen Angstgefühle vor anderen.
  • Das Übertreibungsverhalten wiederholt und überzieht Sicherheitsvorkehrungen zur Beruhigung der angespannten Gefühlslage.
  • Das Generalisierungsverhalten folgt dem Denkschema von Ängsten als „normaler“ Erscheinung, um sich aus einer erlebten Sonderstellung zu befreien. („Jeder hat doch Angst“)
  • Das Bewältigungsverhalten bemüht sich um ein realitätsgerechtes Maß an Angst und um ein „funktionierendes Angstgewissen“.
  • Das Heroisierungsverhalten nimmt die emotionale Befindlichkeit der Angst an, sucht sie sogar und empfindet dabei ein gewisses Heldentum.

Innere Zeichen

Ebenfalls bei Wikipedia fand ich eine schöne Liste innerer Anzeichen für Angst:

  • Erhöhte Aufmerksamkeit, Pupillen weiten sich, Seh- und Hörnerven werden empfindlicher
  • Erhöhte Muskelanspannung, erhöhte Reaktionsgeschwindigkeit
  • Erhöhte Herzfrequenz, erhöhter Blutdruck
  • Flachere und schnellere Atmung
  • Energiebereitstellung in Muskeln
  • Körperliche Reaktionen wie zum Beispiel Schwitzen, Zittern und Schwindelgefühl
  • Blasen-, Darm- und Magentätigkeit werden während des Zustands der Angst gehemmt.
  • Übelkeit und Atemnot treten in manchen Fällen ebenfalls auf.
  • Absonderung von Molekülen im Schweiß, die andere Menschen Angst riechen lassen und bei diesen unterbewusst Alarmbereitschaft auslösen.

 

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Ein kritischer Zwischenbericht

Bin unzufrieden mit dem Ergebnis von gestern. Die Idee, hier einen Ideenpool zum Thema Emotionen anzulegen, gefällt mir nach wie vor. Aber mit meinem gestrigen Post sind mehr Fragen aufgetaucht, als ich beantworten konnte.

So ist es unsinnig und rechtlich ohnehin fragwürdig, Definitionen von anderen Lexika zu übernehmen. Sandra und mir bliebe also nur die Möglichkeit der Verlinkung – was aber sehr unübersichtlich wirkt und doch wieder die Klickorgie nötig macht, die ich eigentlich gern vermeiden wollte. Hier wäre täglich ein solches Maß an Arbeit notwendig, dass es die Zeit, die wir uns für den Blog nehmen können, weit übersteigt.

Der emotionale Spannungsbogen wirkt bei näherer Betrachtung auf uns beide äußerst inkoherent. Zum Teil besteht unsere Liste aus Attributen, die für sich schon wieder ins Glossar gehören, zum Teil aus Verben, also Handlungsimpulsen. Das erscheint wirr und gehört aufgedröselt. Aber was ist das passende Attribut für eine Obsession? Oder fürs Stalken?

Die Idee, in der Literatur zu schauen, wie andere Autoren den Zustand der Neugier beschreiben, gefällt uns noch mit am besten. Aber mir fehlt hier der wissenschaftliche Hintergrund: Warum richtet sich jemand auf, wenn er neugierig wird? Ich merke, ich brauche dringend ein gutes Buch zum Thema Körpersprache. Vielleicht sogar mehrere. Aber wo anfangen zu suchen? Habt ihr einen Tipp für uns?

Noch schlimmer ist es bei den inneren Anzeichen für Emotionen. Hier betreten wir den Bereich der Biochemie – ein Feld, von dem weder Sandra noch ich die geringste Ahnung haben. Woher kommt das Kribbeln im Bauch? Warum hält jemand den Atem an? Oder wird rot?

Die Idee, mal eben jeden Tag eine weitere Emotion abzuhandeln, hat sich in dieser Form jedenfalls schnell als undurchführbar erwiesen. Unser aktueller Plan sieht so aus: Wir werden in den nächsten Tagen und Wochen nach und nach die Blogseiten für die Emotionen auf unserer Liste anlegen. Über das Glossar Emotionen sind diese Seiten leicht zu finden. So bleibt die Übersichtlichkeit gewahrt.

Wir werden uns schwerpunktmäßig weiterhin mit Emotionen beschäftigen und immer dann, wenn wir einen neuen Impuls, ein gutes Beispiel aus der Belletristik oder der Fachliteratur finden, unsere Einträge erweitern. So bleibt diese Homepage ein Work in Progress – ursprünglich war das ja von uns auch so angedacht, auch wenn es sich zwischenzeitlich ein wenig anders entwickelt hat.

Wenn ihr Ideen oder Tipps für uns habt, uns Beispiele aus euren Texten zur Verfügung stellen (und dadurch ein wenig für eure Veröffentlichungen werben) wollt oder im Netz zu einem Thema einen lesenswerten Artikel gefunden habt und uns zeigen wollt, freuen wir uns. Nutzt einfach den ButtonHinterlasse einen Kommentar“ direkt unter der Überschrift eines jeden Beitrags.

 

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Neugier im Creative Writing

Definition der Neugier

Neugier, die Gier, etw. Neues, Unbekanntes, meist die Angelegenheiten anderer Betreffendes, zu erfahren.

vgl. Duden
vgl. DWDS

Neugier – der emotionale Spannungsbogen

Emotionen stehen nicht im luftleeren Raum. Sie entwickeln sich, sie steigern sich oder flauen ab. In dieser Wolke habe ich die Gefühle im Kontext der Neugier zu wichten versucht, subjektiv wie immer. Die Idee dahinter ist, zu schauen, wie sich ein emotionaler Spannungsbogen zum Thema Neugier entwickeln lassen könnte. Wie könnten die Emotionen sich verstärken, wie eskalieren? Die Bandbreite reicht vom latenten Interesse hin zur Obsession.

  • Interessiert sein
  • Sich mit etwas beschäftigen
  • Sich über etwas Gedanken machen
  • Ewas wissen wollen
  • Sich in etwas vertiefen
  • Erstaunt sein
  • Gespannt sein
  • Skeptisch sein
  • Beeindruckt sein
  • Angeregt sein
  • Beteiligt sein
  • Forschen/Untersuchen/Sich erkundigen
  • Begeistert sein
  • Fasziniert sein
  • Aufgesogen/absorbiert sein
  • Versunken/vertieft sein
  • Fasziniert sein
  • Verblüfft/Verdutzt sein
  • Ausfragen/Verhören
  • Wissensdurstig sein
  • Herumschnüffeln
  • Etwas durchdringen/prüfen
  • Wissbegierig sein
  • Sich einmischen
  • Spionieren
  • Stalken
  • Besessen sein

Auslösereiz für Neugier

Nach D. E. Berlyne: Konflikt, Erregung und Neugier – Zur Psychologie der kognitiven Motivation gibt es vier mögliche situative Bedingungen für Neugier:

  • Neuartigkeit
  • Komplexität
  • Ungewissheit
  • Konflikt

Äußere Zeichen – Beispiele aus der Literatur

Anabel legte ihren Kopf schief und sah mich neugierig an.

(Kerstin Gier: Silber – Das dritte Buch der Träume)

Ramirez hob eine Augenbraue, neugierig, wie ich diesen Satz wohl zu Ende bringen würde.

(Gemma Halliday: Mörderjagd auf High Heels)

Korber richtete sich jetzt neugierig im Bett auf.

(Hermann Bauer: Karambolage: Ein Wiener Kaffeehauskrimi)

Eine grünäugige, schwarzhaarige Amazone neigte ihren Kopf und lächelte neugierig.

(Nora Roberts: Die Frauen der Calhouns – 3. Lilah)

Innere Zeichen – Beispiele aus der Literatur

Es war soweit, dachte Caitriona und hielt einen Augenblick den Atem an, als er nackt neben dem Bett stand. Sie konnte ihre Neugierde nicht zügeln und ließ ihren Blick hastig über seinen Körper gleiten.

(Annika Dick: Die stolze Braut des Highlanders)

Diese Listen werden mit Sicherheit an Umfang zunehmen. Falls ihr noch Beispiele aus eurer aktuellen Lektüre – oder den eigenen Veröffentlichungen – habt, um diese Seite mit weiteren Beispielen aufzufüllen, hinterlasst gern einen Kommentar unter diesem Blogbeitrag.

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