Archiv der Kategorie: Körper

Gerade Anfänger benutzen in der erotischen Beschreibung von Körpern gern Qualifier. Die Protagonistin hat „einen tollen Körper“, „wunderschöne Brüste“ etc. Dabei haben diese Qualifier null Informationswert und sind nicht in der Lage, lebhafte Bilder beim Lesen entstehen zu lassen. In dieser Kategorie wollen wir überlegen, wie es anders gehen kann.

Emma Watson und das Recht auf Weiblichkeit

Da zeigt sich eine bekennende Femistin auf der Titelseite einer Hochglanz-Zeitschrift leicht bekleidet, mit einem grobmaschigen Burberry-Bolero über den Schultern, darunter offensichtlich nackt. Ihre Brüste sind halb zu sehen.  Das ehemalige Teenie-Idol Emma Watson lässt sich für die März-Ausgabe der Vanity Fair als viktorianische Rebellin inszenieren.

Die Debatte und der Shitstorm, die nach Veröffentlichung dieses Bilds losbrechen, zeigen die Doppelmoral, mit der wir als Künstlerinnen derzeit zu kämpfen haben. Gerade dann, wenn wir mit erotischen Themen arbeiten und – wie Emma Watson – feministische Anliegen vertreten. Deswegen lohnt es sich, die Reaktionen nach dem Vanity Fair-Fotoshooting etwas genauer anzusehen.

Normalerweise wäre so ein Foto eines Hollywood-Jungstars nur eine Notiz, jedoch keine Debatte wert. Vor allem die Entdeckungen der Disney-Schmiede, von Lindsay Lohan über Miley Cyrus, Selena Gomez oder Ariana Grande, hatten alle ihre libertinäre Phase, in der sie sich von ihrem alten, verklemmten Image zu lösen versuchten.

Eine solche Entwicklung ist nicht neu. Schon Romy Schneider benutzte Ende der 60er Jahre freizügige Auftritte in Filmen, um sich von ihrem spießigen Kaiserin Sissy-Image zu lösen. In Filmen wie Derays „Der Swimmingpool“, Devilles „Das wilde Schaf“ oder Zulawskis „Nachtblende“ zeigte sie sich splitterfasernackt und verschreckte damit all jenige, die in ihr eine keusche Vorzeige-Romantikerin sehen wollten.

Emma Watson hat mit ihrer Rolle als Hermine Granger in acht Harry-Potter-Filmen ein ganz ähnliches Erbe zu tragen. Allerdings blieb sie in ihren Folgerollen – vielleicht mit Ausnahme von Coppolas „The Bling Ring“ – ihrem Image als braves Mädchen weitgehend treu.

Dafür outete sie sich als bekennende Feministin, die in diversen Interviews über ihre Ansichten spricht. Sie wird zur  UN-Sonderbotschafterin für Frauen- und Mädchenrechte und entwickelt in dieser Funktion die #HeForShe-Kampagne mit, die für die Gleichberechtigung der Geschlechter, die Stärkung der Frauenrechte und die Beendigung der Gewalt gegen Frauen und Mädchen kämpft.

Auf der Leserplattform GoodReads startet sie den feministischen Buchclub „Our Shared Shelf“. Jeden Monat soll ein neuer Titel zum Thema Gleichberechtigung vorgestellt werden. Den Anfang machte die Autobiografie der amerikanischen Aktivistin Gloria Steinem, „My Life on the Road“. Aktuell wird über Margaret Atwoods Roman „Der Report der Magd“ (The Handmaid’s Tale) diskutiert, eine bedrückende Dystopie über ein Amerika, in dem religiöse Fundamentalisten die Herrschaft übernommen haben und Frauen zu Gebärmaschinen degradiert werden.

Auf der Startseite des Buchclubs erklärt Emma Watson ihre Absicht hinter „Our Shared Shelf“:

„Als Teil meiner Arbeit mit der Uno habe ich so viele Bücher und Essays über Gleichberechtigung gelesen, wie ich kriegen konnte. Es gibt so viel fantastisches Zeug da draußen. Lustig, inspirierend, traurig, nachdenklich machend, stärkend. Ich habe so viel entdeckt, dass ich manchmal dachte, mein Kopf würde gleich explodieren … Ich beschloss, einen feministischen Buchclub zu gründen, um zu teilen, was ich lerne, und auch eure Gedanken zu hören.“

Nun zeigt sich Emma Watson also zum ersten Mal öffentlich wenig bekleidet. Für die März-Ausgabe der Vanity Fair lässt sie sich mit einer weißen Stola ablichten, die ihren Busen weitgehend freilässt. Tim Walker ist der Fotograf. Und das Foto spielt mit Emmas erotischer Ausstrahlung: ihr Mund geöffnet, die Lider leicht gesenkt, der Blick direkt auf die Kamera gerichtet.

Die englische Sun, Boulevardzeitung im Stil der Bild, bringt das Foto ganzseitig, schon ein paar Tage vor Erscheinen der Vanity Fair, unter dem Titel „Beauty & the breasts“ und erreicht damit eine Zielgruppe, die wahrscheinlich niemals ein anspruchsvolleres Hochglanzmagazin in die Hand nehmen würde – und die am Interview mit Emma Watson wenig Interesse hat. Der kurze Begleittext der Sun beginnt folgerichtig mit den Worten „DING-dong, Belle“.

Prompt bricht ein Shitstorm in den Social Media los. Die Journalistin und Radiomoderatorin Julia Hartley-Brewer ist eine der ersten, die ein Foto der Sun-Seite twittert und mit einem hämischen Kommentar versieht: „Emma Watson: ‚Feminismus, Feminismus … Ungleiche Bezahlung … Warum, oh warum werde ich bloß nicht ernst genommen … Feminismus … Oh, und hier sind meine Titten!‘“

Emma Watson kontert in einem Interview, das sie der Nachrichtenagentur Reuter anlässlich eines Promo-Termins zu „Beauty and the Beast“ gibt:

„Ich bin irritiert, wie viele Missverständnisse es darüber gibt, was Feminismus ist. Feminismus lässt den Frauen eine Wahl. Feminismus ist kein Stab, mit dem du andere Frauen niederknüppeln sollst. Es geht um Freiheit, es geht um Befreiung, es geht um Gleichberechtigung. Ich weiß wirklich nicht, was meine Brüste damit zu tun haben. Es ist sehr verwirrend.“

In diesem Interview fragt sie ihr Co-Star aus ‚Beauty and the Beast‚, Dan Stevens, irritiert, worum es bei dem ganzen Streit eigentlich gehe. Emma Watson sucht nach Worten und gemeinsam pointieren sie die absurde Idee hinter den Angriffen: „Die Leute sagen, ich könne nicht gleichzeitig Femistin sein und … Möpse haben.“

Sicher, zwei Jahre zuvor hatte sie dem Magazin Wonderland ein Interview gegeben, in dem sie sich nachdenklich über Beyoncés  visuelles Album „Beyoncé“ äußerte und dies auch in Beziehung zu deren Feminismus stellte: „Als ich die Videos sah, habe ich einen großen Widerspruch empfunden. Auf der einen Seite stellt sie sich in die Kategorie der Feministin, auf der anderen Seite zeigte die Kamera sie auf eine sehr männliche, sehr voyeuristische Weise“, wird sie zitiert.

Aber dieses Zitat gibt Emma Watsons Position stark verkürzt wieder. Die Medien lieben nun einmal den Hype und eine handfeste Schlammschlacht liest sich einfach besser als eine nachdenkliche, ausgewogene Stellungnahme, wie sie in dem Interview tatsächlich gegeben wurde. Nach Veröffentlichung der Vanity Fair-Fotos wurde der Zitatfetzen des zwei Jahre alten Interviews dazu benutzt, Emma Watson Scheinheiligkeit und Doppelmoral vorzuwerfen. Von Twitter bis Instagram brach ein Shitstorm los.

In Reaktion verbreitete Emma Watson via Twitter den originalen Text des gesamten Gesprächs. Darin wird ihre Bewunderung für Beyoncé deutlich, auch für ihre feministische Arbeit. Sie spricht von dem Mut, den Beyoncé hat, sich mit diesen Videos gegen den üblichen MTV-Sensationalismus zur Wehr zu setzen. Für sie sind diese Videos Zeichen eines sexuellen Empowerments. Beyoncé vermittle Watson mit den Videos das Gefühl: „Ich kann Feministin sein, ich kann eine Intellektuelle sein, kann all dies andere sein, aber ich kann auch mit meiner Weiblichkeit OK sein, damit, hübsch zu sein, mit all diesen Dingen, von denen ich dachte, sie würden meine Botschaft negieren, oder das, wofür ich stehe.“ Und Watson endet mit den Worten: „Das ist wirklich das Interessanteste an diesem Album. Es ist so integrativ und bringt Feminismus und Weiblichkeit und weibliches Empowerment in solch breitem Spektrum.“

Die Debatte um Emma Watsons Vanity-Fair-Fotoshooting zeigt, in welchem Spannungsfeld Erotik und Feminismus sich derzeit noch immer befinden. Das Konzept einer Selbstbestimmung über den eigenen Körper macht vielen Angst. Gerade konservative Kräfte hetzen gegen jeden Versuch einer weiblichen Autonomie, die auch das Recht auf das Zeigen des eigenen Körpers beinhaltet.

Was dieses Konzept der körperlichen Selbstbestimmung bedeutet, bringt die Gründerin und Herausgeberin des  feministischen Magazins „Ms.“, Gloria Steinem, auf den Punkt, als sie nach der aktuellen Kontroverse um Emma Watson gefragt wird: „Feministinnen können tragen, was immer sie verdammt noch mal wollen. Sie sollten nackt durch die Straßen laufen können und trotzdem sicher sein.“

Die Badische Zeitung versucht, Alice Schwarzer für die Kontroverse einzuspannen: „Feministinnen wollen nicht, dass Frauen als Püppchen abgestempelt, auf ihren Körper reduziert und systematisch unterschätzt werden. Aber sollte es so weit gehen, dass sie überhaupt nicht sexy sein dürfen? Die deutsche Frauenrechtlerin Alice Schwarzer hat eine klare Antwort auf diese Frage: Weibliche Erotik ist ihrer Meinung nach traditionell mit der Macht der Männer verbunden – und der Ohnmacht der Frauen.“

Alice Schwarzer aber reagiert prompt: „Früher gab es noch den Begriff ‚erotisch‘. Inzwischen wird alles nur noch ‚pornografisch‘ genannt und ist es das auch meistens. Aber was ist eigentlich der Unterschied zwischen erotisch und pornografisch? Das! Emmas Foto hat nichts mit einer (selbst)erniedrigenden Entblößung zu tun, aber alles mit einer selbstbewussten Inszenierung! Es sagt uns: Ich bin klug, ich bin emanzipiert – und ich bin sinnlich. Es ist das Gegenteil von Pornografie.“

Wie kommt Schwarzer überhaupt auf das Thema „Pornografie“? Das von der Badischen Zeitung – aus dem Zusammenhang gerissene – Zitat bezieht sich auf die aktuelle Anti-Porno-Bewegung. Deren Vorkämpferinnen wie Sheila Jeffries, Karen Boyle  oder Pamela Paul zeigen sich jedoch an Emma Watsons Vanity Fair-Shooting vollkomen uninteressiert.  Selbst Gail Dines, die sich auf Facebook noch amüsiert über Emma Watsons Versuche zeigte, ‚Beauty and the Beast‚ so etwas wie eine feministische Botschaft unterzujubeln, verlor kein Wort über die aktuellen Fotos.

Die Angriffe kamen also mitnichten aus der Ecke anti-pornografischer Feministinnen, auch wenn einige Medien dies so darstellten. Offensichtlich wurden die Fotos lediglich als Anlass genutzt, eine feministische Aktivistin mit ihrem Ansinnen zu diskreditieren. Dass dazu auch auf aus dem Zusammenhang gerissene Zitate zurückgegriffen wurde, entspricht den Mechanismen der Medien, nicht nur der Social Media.

Wir als Kunstschaffende können dem entgegenwirken, indem wir für eine möglichst breite Öffentlichkeit sorgen. Wir können Fakten verbreiten helfen und uns solidarisch mit denjenigen zeigen, die gerade im medialen Sperrfeuer konservativer Anfeindungen stehen. Nackte Brüste sind sicher nicht per se ein Symbol. Es gibt den voyeuristischen Blick, aber es gibt eben auch das Recht auf körperliche Selbstbestimmung. Emma Watson hat es ausgeübt.

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Augen und Emotionen

Ich hatte neulich im Zusammenhang mit NLP ja bereits über einige Dinge geschrieben, die mit der Blickrichtung und der Größe der Pupillen zusammenhängen. Aber da ich in der letzten Zeit immer wieder auf Beschreibungen der Augen gestoßen bin, deren einziges Ziel es war, die Emotionen der Protagonisten herauszustellen, will ich hier noch mal ein wenig weitermachen.

Augen rollen

Sie rollte mit den Augen, bevor sie sich zu ihm umdrehte und die Zähne zu etwas bleckte, das nicht als Lächeln durchging.

(Marvin Entholt: Friesisch Roulette)

Wahrscheinlich der eindeutigste Fall emotionaler Zuordnung im Bereich Augen, daher schon fast ein Klischee. Die Protagonistin ist genervt und macht sich keine Mühe, dies zu verbergen. Im Gegenteil: Sie will, dass ihr Gegenüber mitbekommt, wie wenig sie von der Situation oder dem gerade stattfindenden Gespräch hält.

Augen aufreißen

Fünf Minuten später riss sie plötzlich die Augen auf und drehte den Mund von seinem Handgelenk.

(Erin McCarthy: Ein Vampir zum Anbeißen)

Hier sind zumindest zwei Emotionen denkbar, die sich aus den Augen ablesen lassen: Erstaunen oder erschrecken. Daher sollte aus der beschriebenen Gesamtsituation heraus kar werden, was mit den aufgerissenen Augen emotional gemeint ist. Hilfreich wäre es auch, noch weitere körperliche Symptome zu zeigen. Wenn die Protagonistin erbleicht, wäre dies z.B. ein gutes Zeichen dafür, dass sie nicht erstaunt, sondern erschrocken ist.

Augen zusammenkneifen

Ihre Stimme wurde leiser, während sie ihn anschaute, dann reckte auch sie das Kinn, kniff die Augen zusammen und fragte scharf: »Wovon, zum Teufel, redest du?«

(Stephanie Laurens: Geheimauftrag: Liebe)

 Zusammengekniffe Augen können alles mögliche bedeuten: Skepsis, Ablehnung, Wut, Dominanz. Stephanie hat das im Zitat oben ganz gut dadurch gelöst, dass sie gleich mehrere körperliche  Hinweise in einen Satz gepackt hat. Durch den daraus entstehenden Gesamteindruck wird schnell klar, ihre Protagonistin ist sauer. Und das, ohne die Emotion selbst benennen zu müssen. Klassisches „Show, don’t tell“.

Blick von oben herab

Er wirkte elegant und weltmännisch und schaute die Leute von oben herab an.

(Jean G. Goodhind: In Schönheit sterben)

Auch ein Klassiker: Der Blick von oben herab. Kann gleichermaßen Ablehnung oder Überheblichkeit bedeuten. Auch Jean bedient sich hier weiterer Attribute, um klar zu machen, dass dieser Blick bei ihrem Protagonisten eine Attitude ist.

Blick von unten herauf

Der Mann schwieg. Und blickte ihn bloß schicksalsergeben von unten herauf an, Hufeland überragte ihn um mindestens zwei Köpfe. Die Schafshaltung, dachte Hufeland. Er kannte diese stumm abwartende Taktik aus unzähligen Verhören.

(Herbert Beckmann: Hühnerhölle)

Eine von verschiedenen  emotionalen Bedeutungen des Blicks von unten herauf: Hilflosigkeit, wenn auch oft bewusst eingesetzt, und dann weniger hilflos, als es aussehen soll. Aus irgendwelchen Gründen gilt der Blick mit gesenktem Kopf auch als sexy. Vielleicht, weil er den Jagdtrieb der Männer anstachelt. Oder den Beschützerinstinkt. Oder beides.

In einem anderen Zusammenhang kann er auf Nachdenklichkeit hindeuten, eine Mischung aus In-sich-gekehrt aufgrund des gesenkten Kopfes und Blick nach oben zum Gegenüber, den Blickkontakt suchend.

Blick nach unten

Zoe blickte zu Boden und schüttelte langsam den Kopf, als wäre es ihr unangenehm.

(Paul Beldt: Wollmann widersetzt sich)

 Wieder mehrere Möglichkeiten, wie so oft. Der Blick zum Boden kann einfach auf Unsicherheit hindeuten. Oder, wie im Beispiel, auf Ablehnung. Immer gut, die beabsichtigte Wirkung durch weitere Körpersprache deutlich zu machen. So wie bei Paul im Beispiel.

Blickkontakt vermeiden

Maik hätte Fabian am liebsten augenblicklich an den Brustwarzen geknabbert. Doch er beherrschte sich, schluckte und vermied jeden Blickkontakt.

(Marc Förster: Turbulenzen nach dem Checkout)

Wieder eine reiche Palette von Möglichkeiten. Die Person kann entweder schüchtern sein, unsicher oder sogar verliebt. Dummerweise auch das genaue Gegenteil: nämlich komplett desinteressiert an ihrem Gegenüber, und dies sehr demonstrativ zeigend. Vielleicht steckt hinter dem Blicke-vermeiden sogar die Absicht, das Gegenüber nicht in Verlegenheit zu bringen. Oder es nicht zu aggressiven Reaktionen zu provozieren. Denn je nach Kontext kann der direkte Augenkontakt auch eine Kampfansage sein. Oder zumindest eine Aufforderung, eine Einverständniserklärung zur Kontaktaufnahme. Daher ist das Blicke-vermeiden inzwischen ziemlich verbreitet.  Eine moderne Variante davon ist die Sonnenbrille, die den direkten Blickkontakt unmöglich macht.

Kurzer Blickkontakt

Sie sah Claire kurz an, richtete ihren faszinierten Blick dann aber ruckartig wieder auf das Baby, als erwartete sie, dass es – Brianna sah, dass es ein Junge war – genauso plötzlich verschwand, wie es gekommen war.

(Diana Gabaldon: Ein Hauch von Schnee und Asche)

Wieder ist weitgehend von der Situation abhängig, welche Emotionen mit dem kurzen Augenkontakt verbunden sind. In meiner Datenbank befinden sich viele Beispiele, in denen der kurze Blick zwischen Menschen, die sich kennen, für ein Abchecken steht: „Denkst du das Gleiche wie ich?“.

Genauso kann dies aber auch ein Zeichen für geringes Interesse. Jemand sagt etwas, der oder die andere sieht ihn kurz an, dann wieder hin zum eigentlichen Ziel der Aufmerksamkeit.

Aber vielleicht ist die Person, die ihre Augen maximal für einen kurzen Blickkontakt hebt, auch einfach schüchtern und unsicher sein. Mir fällt sofort die Tochter einer Freundin ein. Liebes Mädchen, aber ein längerer Blickkontakt ist fast unmöglich.

Langer Blickkontakt

Maria erinnerte sich, wie der alte Pfarrherr ihre Hand in seine Hände genommen und ihr lange, lange in die Augen geschaut hatte, ohne etwas zu sagen.

(Eeva-Kaarina Aronen: Die Lachsfischerin)

Die Augen sind ein Tor zur Seele, heißt es. Und Experimente zeigen: Wer bei einer Unterhaltung bewusst den Augenkontakt sucht und den Blick hält, wird oft intensivere und tiefere Gespräche führen als derjenige, dessen Blick schnell wieder abschweift. Der Blick des Pfarrherren in Eeva-Kaarinas Beispiel ist so ein Blick in die Seele. Offen, direkt, tief.

Nicht umsonst sind es in erotischen Begegnungen oft die langen Blicke in die Augen des Gegenübers, die die Situation zum Kochen bringen. Zwei Menschen geben sich ganz, weichen nicht aus, öffnen sich füreinander.

Interessanterweise reizt dieser lange Blickkontakt aber auch zu Aggressionen. Auf der Straße wird es brenzlig, wenn zwei Männer sich länger als zwei Sekunden in die Augen schauen. Dann checken sie ab: Wer ist der Stärkere? Wer wendet seinen Blick zuerst wieder ab? Dominanz-Spiele sind angesagt.

Und zwischen Männern und Frauen? Wieder gilt die Zwei-Sekunden-Regel. Wer nach dieser Zeit nicht wegschaut, gibt Interesse kund und bereitet Bahn für eine Kontaktaufnahme. Oder sollte sich zumindest nicht wundern, wenn ein Kontaktversuch stattfindet. Zwei Sekunden, weil dies der Reaktionszeitraum des Gehirns ist. Jeder Blick, der länger dauert, dringt ins Bewusstsein und wird von den meisten Menschen als absichtlich interpretiert.

Hochgezogene Augenbrauen

Leona hatte Linda zunächst samt Katzenklo und Futterschüssel mit in den Verlag genommen, was hochgezogene Augenbrauen und indigniertes Stirnrunzeln bei ihrem Chef hervorgerufen hatte.

(Charlotte Link: Der Verehrer)

Da wir gerade beim Thema Augen und Emotionen sind, gehören die Augenbrauen dazu. Wieder gibt es eine breite Palette von Situationen, in denen diese auftauchen können. Und wieder legt erst der Kontext nahe, wie sie zu deuten sind.

Vielleicht ist der Blick lediglich fragend oder erstaunt. Vielleicht steckt dahinter aber auch eine Portion Unverständnis oder zumindest Zweifel.

Zusammengekniffene Augenbrauen

Im Scheinwerferlicht eines vorbeifahrenden Autos erhaschte er einen Blick auf das Gesicht des Mädchens, auf ihre entsetzt und besorgt zusammengekniffenen Augenbrauen.

(Adi Alsaid: Let’s get lost)

Wahrscheinlich spiegelt sich Entsetzen eher in aufgerissenen Augen als in zusammengekniffenen Augenbrauen. Letztere stehen eher für die konkrete Sorge des Mädchens im Beispiel von Adi. In diesem Beispiel wird relativ offensichtlich, was Adi macht: Er definiert eine mehrdeutige Mimik dadurch, dass er ihr zwei Adjektive zur Seite stellt. Das macht insofern Sinn, weil die sichtbare Reaktion des Mädchens eben nicht unmittelbar auf ihre tatsächlichen Gefühle schließen lässt, sondern zumindest zum Teil auf etwas sehr Banales, nämlich die entgegenkommenden Scheinwerfer, zurückzuführen ist.

Generell sind zusammengekniffene Augen ein Zeichen für Ablehnung: Ärger, Wut oder zumindest eine gesunde Portion Skepsis über eine Situation oder Person und das, was von ihr ausgeht. Wir kneifen die Augenbrauen zusammen, wenn uns etwas nicht gefällt. Vielleicht müssen wir über die Situation oder das Problem auch erst einmal nachdenken. Auf jeden Fall stehen wir in Distanz.

Augen und Emotionen

Generell ist es immer besser, den Leser selbst seine Schlüsse ziehen zu lassen und nicht durch Adjektive und Adverbien zu viel im Text vorzukauen. Da gerade die Mimik oft mehrdeutig ist, hilft es, andere Körpersprache hinzuzunehmen, wie es zum Beispiel Stephanie Laurens oben mit ihrem Beispiel gemacht hat. Der Leser kann sehen, wie die Protagonistin mit ihrem ganzen Körper reagiert.

Wer sich bei der Beschreibung auf die Mimik beschränkt, will meist nur kleine Zeichen geben. Und sollte es dann auch dabei belassen, dass der Leser aus der Gesamtsituation schließen muss, was in dem Protagonisten vorgeht.

Emotionale Attribute sind nur ein Notbehelf, zumal sie häufig aus dem POV (dem Point of View, der Erzählperspektive) ausbrechen. Sie machen eigentlich nur dann Sinn, wenn die Erzählstimme von ihrem Innenleben berichtet. Dann aber spielt ihre Mimik ohnehin keine Rolle.

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Haarfarben – die Farbpalette

Weil wir gerade beim Thema waren, wollte ich von Stina wissen, ob sie für die veschiedenen Haarfarben eine Farbpalette mit den Namen der Farbtöne hätte. Und auch damit konnte sie mir weiterhelfen.

Ich habe mich im Netz umgesehen, ob es irgendwo eine brauchbare Farbkarte gäbe, auf die ich in diesem Zusammenhang verlinken könnte, bin aber nicht wirklich fündig geworden. Die einzige Karte, die mir gefiel, stammt von miapia.de. Sie orientiert sich bei den Namen allerdings am Englischen und übersetzt eher zurückhaltend. So wird aus „Summer Truffle“ dann im Deutschen „Braun-mittel-natur“, was natürlich lange nicht so elegant klingt.

Haarfarben: Naturtöne

Hier die Naturtöne von hell nach dunkel:

  • helllichtblond
  • lichtblond
  • hellblond
  • mittelblond
  • dunkelblond
  • hellbraun
  • mittelbraun
  • dunkelbraun
  • schwarz

Haarfarben: Asch

Die natürlichen Haarfarben wird durch Melanozyten gebildet, die sich um die Pigmentierung der Haare kümmern. Wenn der Anteil des gelblich-roten Pigments zu gering wird, verliert das Haar seine Leuchtkraft. Diese Farbrichtung wird als Asch bezeichnet und gibt es in folgenden Varianten:

  • helllichtaschblond
  • lichtaschblond
  • hellaschblond
  • mittelaschblond
  • dunkelaschblond
  • hellaschbraun

In Tönungen mit der Bezeichnung „Asch“ ist ein leichter blauer Farbanteil, der Orangetöne im Haar abdecken soll.

Haarfarben: Matt

Mattierte Farbnuancen werden von Friseuren dann eingesetzt, wenn es darum geht, Rottöne abzudecken. Also dann, wenn die Melanozyten zu viel der gelblich roten Pigmente produzieren. In solchen Tönungen ist immer etwas grün enthalten. Es gibt sie in den Nuancen:

  • lichtmattblond
  • hellmattblond
  • mittelmattblond
  • dunkelmattblond

Haarfarben: Gold

Dementsprechend sind Haare mit hohem Anteil an gelblich roten Pigmenten entweder golden oder rotgolden. Sollen die Haare in die Richtung gepuscht werden, hilft der Friseur mit einer Farbtönung nach, die eine Spur Gelb enthält.  Hier bekommen die Farben endlich klingende Namen:

  • goldblond
  • cognac
  • haselnussblond
  • mocca
  • goldbraun

Haarfarben: Rotgold

Wenn der rote Pigmentanteil noch höher ist als der gelbliche, spricht man von Rotgold. Der Friseur kann mit Tönungen, die Orange enhalten, der Natur ein wenig nachhelfen. Die gängigen Namen dafür sind:

  • kupfergold
  • tizianrot
  • mahagoni-kupfer
  • hellkastanienbraun
  • mittelkastanienbraun

Haarfarben: Purpur

Jetzt wirds richtig rot, auch in den Tönungen. Die Standardnamen von hell nach dunkel sind hier:

  • hellrosenholz
  • dunkelrosenholz
  • purpurbraun
  • hellmahagoni

Nur der Vollständigkeit halber erwähnt seien Tönungen, die vor allem bei mittel- und dunkelblondem Haar eingesetzt werden:

Haarfarben: Violett

  • malaga
  • samos

Haarfarben: Braun

  • rehbraun
  • schokobraun

Haarfarben: Perl Cendre

„Cendre“ kommt aus dem Französischen und bedeutet „Asche“. Im Rahmen der Standard-Farbpalette taucht es in zwei Varianten auf. Dunkelblondes Haar kann mit

  • dunkelcendre

in Richtung Schwarz nachbearbeitet werden. Daneben gibt es noch

  • blauschwarz,

einen Namen, der für sich spricht.

Haarfarben in der Literatur

Nun gebe ich offen zu: Mich hat diese Liste ein wenig genervt. Ich lese viel, bin aber noch nie über den Satz gestolpert: „Ihr helllichtaschblondes Haar flatterte im Wind.“

Wahrscheinlich ist es in diesem Zusammenhang deutlich sinnvoller, sich an Vergleichen zu versuchen, die nebenbei den großen Vorteil haben, Assoziationen beim Lesen zu wecken:

Ihr Haar hatte die Farbe von hell glänzendem, neugegossenem Kupfer und war modisch gekämmt.

(Rosemary Rogers: Die Unbesiegbare – Gefangene der Lust)

Ihr Haar hatte die Farbe von gesponnenem Gold, versetzt mit wallenden Strähnen aus Bernstein, ihre Augen waren so grün wie Smaragde.

(Don Winslow: Satori)

Ihr Haar hatte die Farbe von sonnengebleichtem Stroh.

(David Baldacci: Das Versprechen)

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Frisuren beschreiben: Nur eine Liste

Nach meinem Gespräch mit Stina achte ich beim Lesen offensichtlich stärker auf die Beschreibung von Haaren als vorher. Gerade fiel mir der Roman „Nur eine Liste“ von Siobhan Vivian in die Hände. Das Buch ist eher ‚Young Adult‚ als ‚New Adult‚, nicht nur wegen der Altersstufe ihrer Protagonistinnen. Sex kommt darin vor, wird von Vivian aber sehr zurückhaltend beschrieben. Die Geschichte handelt von einer Highschool, genauer gesagt von einer Liste, die jedes Jahr vor dem Homecoming- Ball auf den Markt geworfen und in zahllosen Exemplaren in der Schule verteilt wird. Auf ihr stehe die Namen des jeweils schönsten und hässlichsten Mädchens jeder Jahrgangsstufe – von der 9. bis zur 12. Klasse.

Wie gehen die einzelnen Nominierten damit um? Siobhan Vivian arbeitet sich durch alle acht Charaktere durch, beschreibt sie mit ihrem Aussehen, ihren Gefühlen, ihrem Alltag und natürlich ihren Reaktionen darauf, nun selbst auf dieser in der Schule berüchtigten Liste aufzutauchen. Frisuren spielen in diesem Buch von der ersten Seite an eine wichtige Rolle.

So wird Abby, die Schönste der 9. Klasse, als jemand beschrieben, der sich am Morgen gern ausgiebig Zeit zum Frisieren nimmt. Sie beherrscht Hochsteckfrisuren ebenso wie Haarknoten, wird von ihrer Schwester gebeten, ihr einen französischen Zopf zu flechten, und macht das natürlich gern.

Danielle ist ihr Gegenpol im Jahrgang. Sie ist ein sportlicher Typ, hat aber trotz ihres jungenhaften Aussehens lange Haare:

Da sie an diesem Morgen keine Zeit zum Duschen gehabt hat, sind ihre Haare einfach zu einem Dutt zusammengebunden. Rings um ihren Haaransatz stehen wie ein kranz kurze braune Büschel ab. Eigentlich sollte es sie nicht überraschen – nach jedem Training findet sie abgebrochene Haare in ihrer Schwimmkappe -, aber es überrascht sie trotzdem. Sie versucht, die Strähnen mit einer plötzlich feuchtkalten Hand glatt zu streichen, doch sie stellen sich gleich wieder auf. Sie zieht das Haargummi heraus und schüttelt ihre Haare. Sie sind trocken und stumpf vom Chlor und fallen nicht, wie normales Haar fallen sollte.

Da nimmt sich eine Autorin schon verdammt viel Zeit, um Haare zu beschreiben. Und macht damit deutlich, wie viel die Haare über eine Person sagen. Wir erfahren nicht nur etwas über die Frisur, die Danielle trägt, sondern auch über die Textur der Haare. Und über die Gründe, die dazu führen.

Die schönste Zehntklässlerin ist Lauren, und das, obwohl sie von der Hässlichten ihres Jahrgangs den Spitznamen „Pferdehaar“ verpasst bekommen hat.

Den Namen hatte sie sich letzte Woche ausgedacht, als alle im Sportunterricht eine Meile rennen mussten und Pferdehaars pferdiger blonder Pferdeschwanz hin und her wippte, während sie vor sich hin trabte … Ihre Haare waren auf Hüftlänge gerade abgeschnitten. Wahrscheinlich von ihrer Mutter, mit einer stumpfen Schere.

Bei diesem Beispiel zeigt sich sehr schön, dass Beschreibungen – im besten Fall – einen Point of View enthalten. Sie stellen also nicht nur Fakten zusammen, sondern bewerten diese Informationen aus einem speziellen, persönlichen Blickwinkel heraus. Der zitierte Abschnitt ist deswegen besonders gelungen, weil Candace, die vor allem wegen ihres miesen Charakters zur Hässlichste des Jahrgangs gekürt wurde, aus ihrer Sicht die Schönste der Klassenstufe beschreibt. Dementsprechend quillt die Sicht vor Gehässigkeit beinahe über, vermittelt aber dennoch ein klares Bild von Laurens Frisur.

Auch Sarah, die Hässlichste der Elften, charakterisiert Siobhan Vivian zunächst über deren Blick auf andere:

Diese ganzen Elftklässlerinnen an der Mount Washington sehen so verdammt gleich aus. Die schulterlangen Haare mit den Strähnchen, die bescheuerten Lammfellstiefel, die kleinen Armbandtäschchen für ihre Handys, Lipgloss und Lunchgeld.

Sarah selbst hat pechschwarz gefärbte Haare mit langen Stirnfransen. Ihr Freund Milo „hat ihr vor ein paar Wochen den Hinterkopf rasiert, doch ihr Haar wächst schnell nach. Es ist rein und gesund und weich wie das eines jungen Hundes und hat eine goldbraune Farbe, die hart von den schwarz gefärbten Stirnfransen absticht.“ Wieder haben wir deutlich mehr als eine Frisurbeschreibung. Wieder spielt die Textur eine Rolle. Und wieder gibt es zu den Haaren sogar eine eigene Geschichte, die uns mehr über die Protagonistin erzählt.

Die Vergleiche „wie das eines jungen Hundes“ und „Pferdehaar“ haben aber auch eine weitere Funktion. Sie deuten nämlich bereits wesentlich Informationen über die Protagonistinnen an. Es ist kein Zufall, dass Laurens Haare aussehen, wie mit einer stumpfen Schere abgeschnitten. Denn wenig später erfährt der Leser, dass Laurens Mutter massive Geldsorgen hat. Die Familie spart, wo sie kann.

Und auch der Vergleich von Sarahs Haar mit dem eines jungen Hundes ist vielschichtig: Sarah hat neben ihrem harten Auftreten auch eine andere Seite: „rein und gesund und weich“. Allein die Assoziation mit dem jungen Hund spricht Bände.

Wie oben bereits erwähnt: Wer auf der Suche nach sexuell aufgeladener „New Adult“-Literatur ist, wird mit Siobhan Vivians „Nur eine Liste“ sicher nicht glücklich. Wer sich jedoch im Rahmen des Creative Writings mit Beschreibungen beschäftigt, wird in diesem Roman eine Menge Material für sich finden. Ihr gelingt es toll, ganz verschiedene Charaktere zu zeichnen und hat ihre Beschreibungen gut durchdacht.

Das ist kein Zufall. Siobhan beschäftigt sich seit dem Studium „Drehbuch und Film“ mit dem Erzählen von Geschichten, hat ihren Master in Creative Writing gemacht und lange als Lektorin bei der Literaturagentur Alloy Entertainments gearbeitet. In dieser Funktion als Lektorin war sie an der Entstehung mehrerer Bestseller beteiligt. Mittlerweile gibt sie selbst Kurse in Creative Writing. Sie weiß also, was sie tut.

Im übrigen ist ihr mit „Nur eine Liste“ ein leichter, flüssig lesbarer Roman über Vorurteile und das Überleben in der Oberstufe, respektive an der Highschool, gelungen, der Mut macht, sich gegen Labels zur Wehr zu setzen und authentisch zu bleiben.

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Frisuren und Frauentypen

„Mit den Haaren machst du in erster Linie eine Aussage über deinen Stil“, meinte Stina, meine Lieblingsfriseurin und Vertraute in Style-Fragen, neulich zu mir. Ich hatte ihr gesagt, ich würde gern mal wieder etwas Neues ausprobieren. Sie schaute mich eine Weile an, riet mir dann aber ab: „Du bist und bleibst der romantische Typ. Haare bis zum Schulterblatt, gelegentlich eine Hochsteckfrisur mit ein paar herausfallenden Strähnen. Ich verdiene gern mein Geld mit aufwendigen Stylings. Aber ich glaube, du würdest dich innerhalb ganz kurzer Zeit nicht mehr wohl damit fühlen.“

Vier Frauentypen und ihre Haare

Nun war ich hellhörig geworden: „Der romantische Typ? So habe ich mich nie gesehen. Vielleicht eher schon als  ’natürlichen Typ‘? Ich mag’s vor allem einfach.“ Stina grinste und erklärte mir, die Einteilung in vier Typen habe sie aus der Ausbildung übernommen und benutze sie inzwischen ganz selbstverständlich, ohne noch groß darüber nachzudenken. Es sind:

  • der klassisch-elegante Typ
  • der sportliche Typ
  • der extravagante Typ und eben
  • der romantische Typ

Der klassisch-elegante Typ

„Karrierefrauen“, sagt Stina. „Oder solche, deren Männer das Geld gemacht haben. Laufen in Kostümen oder Hosenanzügen herum, haben eine Markenhandtasche dabei und riechen dezent nach teurem Parfüm. Perfektes Make-up, Haare immer mit Conditioner gepflegt, meist auch mit Festiger oder zumindest Haarspray gestylt.  Gern eine Frisur, bei der sie mit dem Kopf durch die Wand rennen können. Also stirnfrei. Und eben streng genug, um ernst genommen zu werden. Oder sich selbst zumindest ernst zu nehmen.“

„Was ist denn eine strenge Frisur?“, frage ich sie.

„Naja, Haare auf jeden Fall glatt, raus aus dem Gesicht. Eventuell ein Zopf. Nur ja keine freien Strähnen oder gar krauses Haar. Schlimmstenfalls ein Dutt, wenn sie älter werden. Allenfalls eine Frisur, die eben nur mit Haarspray in Form gehalten wird. Denk an Reese Witherspoon in ‚Natürlich blond‘.“

„Also nichts für junge Mädchen?“

„Doch, sicher. Häufiger, als du denkst. Hochsitzender Pferdeschwanz, eventuell auch ein Haarband. Der Typ Mädchen aus der In-Clique mit den reichen Eltern.“

Ich denke an Paris Geller aus den Gilmore Girls und kann mir in etwa vorstellen, was Stina meint.

Der sportliche Typ

„Die Haare des sportlichen Typs müssen vor allem eins sein: praktisch. Unkompliziert in der Pflege. Mehr als zwei Minuten Zeit sollten sie nach dem Aufstehen nicht in Anspruch nehmen. Entweder sie sind kurz oder so lang, dass sie schnell zu einem Zopf zusammengebunden werden können. Wenn ein Pferdeschwanz, dann nicht glatt, sondern zerzaust“, sagt Stina.

Das fällt mir leichter vorzustellen. Ich habe eine Freundin vor Augen, die als Kind deutlich mehr mit Jungs zusammen war und lieber auf Bäume kletterte, als mit Mädchen zu spielen. Noch heute kann sie mit Make-up nicht viel anfangen. Ihre Klamotten sucht sie in erster Linie danach aus, ob sie bequem sind. Verspielte Accessoires findet sie albern.

Der extravagante Typ

„Und der extravagante Typ“, frage ich Stina.

„Genau das Gegenteil vom sportlichen Typ“, sagt sie. „Sie wollen auffallen und zeigen das mit ihrer Kleidung, dem Make-up und natürlich auch mit der Frisur. Sie kennen die aktuellen Trend-Frisuren aus den Modezeitschriften und kommen meist mit sehr klaren Vorstellungen zu uns. Das Haarstyling kann ruhig aufwendig sein, das schreckt sie überhaupt nicht.“

„Klingt für mich, als wäre das nur etwas für Frauen ab dreißig.“

„Täusch dich nicht. Die meisten jungen Frauen, die plötzlich Farbe in ihrem Haar haben wollen, gehören zu den Extravaganten. Grüne oder blaue Strähnen, blond-orange Haare. Du würdest dich wundern.“

„Also an ihrer Farbe zu erkennen.“

„Oder an den Dingen, die sie in ihre Frisur einarbeiten: Blüten, Spangen, Kämme, Federn, Rosetten, was sie halt gerade finden. Aber im Grunde erkennst du die Extravaganten an ihrem ganzen Auftreten: Sie  scheren sich einen Dreck um Konventionen und ziehen ihr eigenes Ding durch. Daher haben sie auch oft einen Hang zu asymetrischen Frisuren.“

Der romantische Typ

„Und dann gibt es eben noch die Frauen wie mich. Wie hast du das vorhin beschrieben? ‚Haare bis zum Schulterblatt, gelegentlich eine Hochsteckfrisur mit ein paar herausfallenden Strähnen‘?“

„Gern lockig oder zumindest wellig. Und immer ein wenig ungebändigt.“

„Danke.“

Stina zuckt mit den Schultern und grinst verlegen. Dann fährt sie mir mit gespreizten Fingern durch die Haare, von unten her, um das Volumen zu erhöhen.

„Du magst doch dein Haar auch am liebsten offen. Und ich wette, du hast nie Stunden vor dem Spiegel verbracht, um es glatt und seidenweich zu bürsten. Oder dich mit einem Glätteisen bearbeitet, wie es der extravagante oder der klassisch-elegante Typ tun würden.“

Wir beschließen, es einmal mit einem Farbton zu versuchen, der sich Blütenhonig nennt und nach ca. 8 Wochen von allein auswäscht. Abschließend macht sie mir noch eine hübsche Teilsteckfrisur. Aber ich ahne, dass sie mir zu kompliziert ist, um mich morgens nach dem Aufstehen an ihr zu versuchen.

 

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Was die Augen verraten

Die Blickrichtung

Creative writing: Was die Augen verratenMeine Freundin Karin arbeitet als NLP-Trainerin. Sie erzählte mir, sie könne an der Blickrichtung ihrer Klienten erkennen, woran diese gerade denken. Schaue ihr Klient z.B. nacht rechts oben (vom Gegenüber aus gesehen), ist die Chance relativ hoch, dass er gerade sein visuelles Gedächtnis bemühe – sich also an Bilder aus der Vergangenheit erinnert.

Interessant dabei ist, dass der Blick nach links oben (aus Sicht der Betrachter) für das Konstruieren von Bildern steht. Das kann bedeuten, dass der Klient gerade versucht, seine Gedächtnis aufzufrischen, indem er Erinnerungsfetzen zu einem Ganzen zusammenpuzzelt. Es kann aber eben auch bedeuten, dass er gerade dabei ist, sich eine neue Wirklichkeit zusammenzureimen. Mit anderen Worten: Er denkt sich eine Geschichte aus. Noch simpler formuliert: Die Chance steht nicht schlecht, dass er lügt. Anders herum besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass jemand, der gerade lügt, seinen Blick unbeabsichtigt nach links oben gleiten lässt.

Ein Blick nach links unten lässt übrigens darauf schließen, dass mein Gegenüber mit seinen Emotionen beschäftigt ist.

Emotionen und die Pupille

Noch etwas anderes verrät der Blick in die Augen. Mehrere Untersuchungen haben ergeben, die Größe der Pupille ist ein klares Indiz dafür, ob eine Person sich wohl fühlt oder gedanklich auf Abstand geht.

Bereits in den 60er Jahren hat der ursprünglich aus Deutschland stammende Psychologe Eckhard Hess bewiesen, dass die Pupille sich bei angenehmen Reizen erweitert, während sie sich bei unangenehmen Reizen zusammenzieht. Wir können also an der Größe der Pupillen unseres Gegenübers erkennen, ob ihr die Begegnung gerade angenehm ist oder nicht.

So gab es eine Testreihe, in der Frauen unter anderem die Bilder von schönen Männern gezeigt wurden – und Männern die Bilder von schönen Frauen. In beiden Fällen erweiterten sich die Pupillen. Während sich die Pupillen der Männer z.B. zusammenzogen, wurden ihnen die Bilder halbnackter Geschlechtsgenossen gezeigt.

Eckhard Hess hatte damals auch behauptet, auf diese Art ließe sich erkennen, ob das Gegenüber Lust auf Sex hätte. Diese These ist jedoch bis heute umstritten. Denn nicht mit jedem, den wir attraktiv finden, wollen wir auch schlafen. Da kommen dann doch noch andere Faktoren, die über die Augen nicht zu erkennen sind.

Augen im Creativ Writing

Und was machen wir jetzt mit diesem Wissen? Das Wissen um die Blickrichtung spielt inzwischen häufiger in Krimis eine Rolle. Profiler kennen die NLP-Lehre natürlich auch und können bei Verhören relativ schnell sehen, ob sich ein Verdächtiger gerade an etwas erinnert oder dabei ist, eine Geschichte zu erfinden. Wer also gerade dabei ist, einen Erotic-Thriller zu schreiben, hat hier eine Möglichkeit an der Hand. Wie gesagt, immer mit der nötigen Vorsicht.

Daneben kann der Autor/die Autorin sich auch einfach darauf verlegen, die Blickrichtung oder die Erweiterung der Pupillen lediglich zu beschreiben, ohne dass andere Protagonisten mit diesem Wissen etwas anfangen können. Die Idee ist, Lesern – zumindest solchen, die sich ein wenig mit Psychologie auskennen – einen Wissensvorsprung zu geben.

 

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Augenfarben

Augenfarben: Die FarbpaletteDa ich gerade zum Thema Colour me beautiful ® recherchiert habe, bietet es sich an, gleich mit der Zusammenstellung der Augenfarben weiterzumachen. Ich stelle also zunächst einmal erneut die verschiedenen Augenfarben zusammen und füge an, bei welchen Haut- und Haarfarben sie in der Regel auftreten.

Zwar gibt es immer auch Ausnahmen. Aber in der Regel macht es mehr Sinn, beim Schreiben auf realistische Zusammenstellungen von Augenfarbe, Haarfarbe und Hautton zurückzugreifen. Das erhöht beim Leser den Wiedererkennungseffekt und vermeidet eventuell Irritationen.

Die Augen des Frühlingstyps:

Augenfarbe:

  • Hellblau
  • Goldbraun (Bernstein)
  • intensives Dunkelbraun
  • Graugrün
  • Stahlblau (selten)

Die Haut des Frühlingstyps hat stets goldene Untertöne. Auch die Haare haben einen goldenen Schimmer, die Palette reicht von Goldblond über Goldbraun bis hin zu hellrotem Haar.

Die Augen des Sommertyps:

Augenfarbe:

  • Blau
  • Graublau
  • Blaugrün
  • Graugrün
  • Grün
  • Haselnussbraun (selten)

Die Haut des Sommertyps hat blaue Untertöne. Die Haare sind Aschblond, Aschbraun oder Silber-, Platinblond.

Die Augen des Herbsttyps:

Augenfarbe:

  • Goldbraun(Bernstein)
  • Haselnussbraun
  • Rehbraun
  • Kaffeebraun
  • Dunkelbraun
  • Schwarzbraun
  • Avocadogrün
  • Olivgrün
  • Petrolblau

Die Haut des Herbsttyps hat meist einen warmen Teint mit goldenem oder gelblichen Unterton. Die Haare sind zumeist dunkelbraun bis schwarz.

Die Augen des Wintertyps:

Augenfarbe:

  • Goldbraun
  • Haselnussbraun
  • Rotbraun
  • Dunkelbraun
  • Schwarzbraun
  • Olivgrün
  • Grünbraun
  • Graugrün
  • dunkles Graublau

Die Haut des Wintertyps ist meist hell mit bläulicher Unternote. Die Haare sind dunkelbraun, schwarz, silber oder schwarzgrau.

Für den, der es wissenschaftlich mag: Eine Untersuchung mit mehr als 25.000 Teilnehmern hat den Zusammenhang zwischen Augen- und Haarfarbe statistisch ausgewertet. Die entsprechenden Tabellen findet ihr unter www.haar-und-psychologie.de/haarfarben/haarfarben_augenfarben_statistik_deutschland.html

 

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Hauttöne: Das Humanae-Projekt

Bei meiner Recherche zum Thema Hauttöne/Hautfarben stieß ich auf das ambitionierte Humanae-Projekt der spanischen Künstlerin Angelica Dass. Sie hat sich vorgenommen, einen Katalog von Hauttönen zusammenzustellen, der auf der Pantone-Klassifikation basiert.

Das Pantone Matching System ist der Name eines international verbreiteten Farbsystems, das hauptsächlich in der Grafik- und Druckindustrie eingesetzt wird. Zum besseren Austausch verschiedener Beteiligter ordnet das System den Farben Bezeichnungen in Form von Nummern zu.

Angelica Dass fotografiert den Kopf und die nackten Schultern von Leuten vor weißem Hintergrund. Durch die Nacktheit wird der soziokulturelle Hintergrund der Fotografierten zweitrangig. Ganz bewusst hat sie für ihre Datenbank, die inzwischen weit über 2500 Fotos umfasst, Menschen aller Religionen und Nationalitäten und  um die Erlaubnis gefragt, sie ablichten zu dürfen. Sie hat „Taube und Blinde fotografiert, in Rio Leute in Favelas, in Chicago Multimillionäre“, erzählt sie.

Wodurch diese Bilder einzigartig werden: Angelica Dass färbt für die Veröffentlichung der Bilder den ursprünglich weißen Hintergrund der Fotos in dem Farbton, den sie von der Nase ihrer Modelle abnimmt. Die Idee dahinter ist, dass die Nase ihre Farbe am schnellsten ändert – unter Sonneneinstrahlung, im Wechsel der Jahreszeiten, durch Grippe oder Alkoholeinfluss. Das ist durchaus als politisches Statement zu verstehen: Der Mensch ändert seine Farbe ständig. Warum ihn also nach seiner Farbe einkästeln? Diesen Farbton protokolliert sie abschießend unter dem Foto – in der Pantone-Klassifikation.

Spannend dabei ist, dass auf diese Art Menschen aus sehr unterschiedlichen Kulturkreisen dieselbe Pantone-Kennung  erhalten. Angelica Dass berichtet in einem Interview, das sie dem Spiegel gegeben hat, es könne vorkommen, dass ein Afroamerikaner und ein Inder den gleichen Hautton besäßen.

Für Autoren ist diese Datenbank ein ideales Übungsfeld. Ich arbeite ja bereits seit einiger Zeit an der Liste der Hauttöne, in der ich Beschreibungen aus der Literatur sammle und ihnen die genannte Hautfarbe gegenüberstelle. Auf diese Art versuche ich eine Basissammlung von Namen für verschiedene Hauttöne zusammenzustellen.

Der zweite Schritt ist nun natürlich, diese Beschreibungen am konkreten Objekt umzusetzen. Und für diesen Zweck ist das Humanae-Projekt von Angelica Dass extrem hilfreich. Ihr findet es bei Tumblr unter der Adresse: humanae.tumblr.com/. Mehr über das Projekt auch auf der Homepage von Angelica: angelicadass.com/humanae-work-in-progress/.

Wer ein Tool braucht, um die Pantone-Farben in RGB oder Hex-Werte umzuwandeln, um diese z.B. mit meiner Hautton-Liste abzugleichen, kann dazu z.B. den kostenlosen Color Cop nutzen. Ähnlich Photoshop kann man mit diesem Tool schnell eine Farbe via Pipette aufnehmen und erhält dann den Farbwert als RGB oder Hex-Wert angezeigt.

Wer den umgekehrten Weg gehen will, für den gibt es ebenfalls ein Tool. Mit dem Farbumrechner von ngin.de lassen sich CMYK-Prozessfarben in die entsprechende Pantone-Farben umwandeln. So lässt sich schauen, ob es zu den Beschreibungen bestimmter Farbtypen z.B. Porträts von Angelica Dass gibt.

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Hauttöne benennen

Hauttöne benennen: Die FarbpaletteMittlerweile finden sich im Netz die unterschiedlichsten Farbskalen zur Bennenung von Hauttönen. Leider sind diese nicht einheitlich. Jeder hat eine andere Vorstellung – das wird spätestens dann deutlich, wenn man einmal in einer Drogerie die Produkte für bestimmte Hauttypen vergleicht. Mir scheint es auch nicht besonders hilfreich, dass sich gerade im Kosmetikbereich die englischen Bezeichnungen immer weiter durchsetzen. Was soll ich damit anfangen, wenn der Hautton „Elfenbein“ als deutlich heller angezeigt wird als der Ton „ivory“?

Unter dem Vorbehalt der Subjektivität versuche ich mich hier einmal an einer Liste. Wenn möglich, habe ich die Farbtöne über die Website colors.findthedata.com  abgeglichen. Falls ich dort nicht fündig wurde, habe ich die Image-Suche von Google mit dem vorangestellten Stichwort „color“ zu Rate gezogen.

Diese Liste wird ständig erweitert. Sobald ich beim Lesen oder bei einer Recherche auf eine interessante Beschreibung stoße, landet diese in einer Datenbank. Da ich viel auch in der englischsprachigen Belletristik unterwegs bin, enthält die Sammlung auch englische Beschreibungen. Nicht immer habe ich eine hundertprozentig adäquate deutsche Übersetzung gefunden. So kann es vorkommen, dass in der deutschen Spalte bestimmte Begriffe doppelt auftauchen. An diesen Stellen habe ich geschaut, ob ich das entsprechende Zitat in deutscher Übersetzung finde – oder aber das Zitat gleich selbst übersetzt, indem ich auf die naheliegendste Übersetzung zurückgriff.

 

HautFarbe englische Bezeichnung deutsche Bezeichnung Definition
Haut wie Alabaster

 

alabaster Alabaster Eine Varietät des Gipses, die ein wenig an Marmor erinnert. Kann je nach Fundort weiß, hellgelb, rötlich, braun oder grau sein.
Ihre Alabasterhaut leuchtete von innen heraus, die langen Gliedmaßen schienen nicht enden zu wollen.“ (Vina Jackson: 80 Days – Die Farbe der Liebe: Band 6)
Haut wie Porzellan porcelain Porzellan Ursprünglich der Name einer Meeresschnecke mit weiß glänzender Schale
Eine Frau unbestimmten Alters mit einer Haut wie Porzellan lugte heraus.“ (Dustin Thomason: Virus)
Haut wie Milch milk Milch
Sie tat es, langsam, so dass das Licht über ihr Mieder kroch und sanft zwischen ihren Brüsten landete, wo es ihre perfekte Haut in Milch verwandelte.“ (Celeste Bradley: Die schöne Teufelin)
Haut wie Elfenbein ivory Elfenbein Die Stoßzähne der Elefanten,  ein warmes Weiß mit Abstufungen
Der elfenbeinfarbene Ton verlieh ihrer blassen Haut ein bisschen Farbe, ihr Hals schien ein paar Zentimeter länger zu sein, und das Oberteil, das wie angegossen saß, deutete Kurven an, wo nur wenige waren.“ (Milly Johnson: Ein Kerl macht noch keinen Sommer)
cremefarbene Haut cream Creme
Die zierliche, fast schon püppchenhaft wirkende Sophia trug ein nachtblaues Abendkleid, das ihre cremefarbene, makellose Haut und ihre intensiv blauen Augen gut zur Geltung brachte.“ (Lucinda Riley: Der Lavendelgarten)
Haut wie Pergament parchment Pergament
Weit weg von seinem feuchten Blick wurde meine Haut langsam wie Pergament.“ (Benoîte Groult: Salz auf unserer Haut)
rötlicher Hautton ruddy Rötlich
„Gilbertes rötliche Haut war genau die ihres Vaters; als die Natur dies Kind schuf, hatte sie offenbar die Aufgabe zu lösen, Frau Swann nach und nach neu hervorzubringen und dabei als Materie nur die Haut von Herrn Swann zur Verfügung zu haben.“ (Marcel Proust: Im Schatten der jungen Mädchen)
Hautton Biskuit bisque Biskuit
Durch den derben Stoff wirkte Emilys Haut noch feiner, wie bei einer Puppe aus feinstem Biskuit – Porzellan.“ (Victoria vanZant: Midwinter Memories: Das Vermächtnis)
rosafarbener Hautton rose Rosa
Ihre Haut war rosa, ein reines, strahlendes Rosa, unterlegt von einem milchigen Schimmer.“ (Heiner Rank:  Die Ohnmacht der Allmächtigen)
khakifarbene Haut khaki Khaki hindi-engl. von persisch khaki „staub-/erdfarben“, dunkles bräunliches Gelb
„An dieser Stelle sei auch die khakifarbene Haut von Hals nächstälterem Bruder Mario erwähnt, ein seltsam totes Graugrün, dessen Keratose ihm gemeinsam mit den atrophischen einwärts gekrümmten Armen und dem Arachnodaktylismus besonders aus mittlerer Entfernung eine fast schon unheimliche Ähnlichkeit mit einem Reptil oder Dinosaurier verlieh.“ (David Foster Wallace: Unendlicher Spaß)
bernsteinfarbene Haut amber Bernstein
Ihre Haut war nicht von dieser Welt, sie hatte die Farbe von Bernstein und war so durchsichtig, dass an der helleren Innenseite der Arme ein filigranes Netz von Blutgefäßen durchschimmerte.“ (Karen Lord: Die beste Welt)
apricotfarbene Haut apricot Aprikot warmes gelb-orange mit cremig pinkem Unterton
Einige wenige vorwitzige Sommersprossen auf Nase und Wangen akzentuierten ihren apricotfarbenen Teint und die rötlichen Strähnen in ihrem brünetten Haar.“ (Sandra Brown: Glut unter der Haut)
pfirsichfarbener Hautton peach Pfirsich
Kein Mädchen vom Lande, sondern weiß Gott eine irische Schönheit– rotes Haar, grüne Augen, eine Haut wie Pfirsich, ein weicher Dubliner Akzent und das entsprechende Benehmen.“ (Morris L. West: Der rote Wolf)
Hautton Korallenrot coral  Korallenrot
„Je höher die Sonne stieg, umso transparenter wirkte das Bild und umso wärmer schimmerte Alphonsines Haut, Genau dieser Effekt würde sich auf dem gesamten Bild einstellen. Er bat sie, die Position sämtlicher Gestalten einzunehmen, eine nach der anderen, und stieß auf weitere Stellen, die einen Hauch Korallenrot erforderten – Alphonse‘ Gesicht, Raouls Ohr, Antonios Wangenknochen und Pierres Nase und Wangen, die dem gesamten Bild einen hauch Wärme verliehen.“ (Susan Vreeland: Sonntage im Licht)
Hautton Rötlich-braun ginger Rötlich-braun
Rötlich-gelb
Als sie ihre unverkennbare rötlich braune Haut sah, begriff sie, warum Cery sich so sicher gewesen war, dass es sich bei Forlie nicht um die Frau handelte, die sie gesehen hatte.“ (Trudi Canavan: Sonea 1: Die Hüterin)
Hautton Ecru ecru Ecru Der Farbton Ecru (auch eingedeutscht Ekrü) bezeichnet eine gedeckte, leicht gelb oder beige getönte weiße Farbe
Es gibt das übliche Londoner Gemisch an Hautfarben, die von Ecru bis zu gebranntem Ebenholz reichen.“ (Liz Jensen: Die da kommen)
Hautfarbe beige  fawn Beige  helles Gelbbraun
„Ich starre auf mein Spiegelbild in der Garderobe. Ich habe keinerlei Ähnlichkeit mit meinem normalen Ich. Das liegt daran, dass ich von Kopf bis Fuß – das heißt an all den Stellen, wo Haut herausschaut, also am Ausschnitt, an den Ärmeln und unterhalb des Glitzersaums des Kleides, das ich anhabe – mit Nude Beige Nr. 105 eingesprüht bin.“ (Meg Cabot: Keine Schokolade ist auch keine Lösung)
Lehmfarbener Hautton clay Lehm
Lehmfarben, fast schmutzig falten sich die eingesunkenen Wangen, zerpflügt von vieljährigem Leid, dürstend und versengt spannt sich mit vielen Sprüngen die rissige Haut, der jener Vampir zwanzigjährigen Siechtums Blut und Farbe entzogen.“ (Stefan Zweig: Das Antlitz [in: Gesammelte Werke])
Hautton Ocker  ochre Ocker
„Sie hatten beide die gleiche hohe Stirn, die schmale Nase, den gleichen schönen, aber von Entbehrung und Armut sprechenden Mund, die gleiche ockerfarbene Haut,die gleichen Falten, Krähenfüße und Linien im Gesicht,wie großes Leid und große Sorgen sie zeichnen.“ (Johannes Mario Simmel: Niemand ist eine Insel)
Hautton Honig  honey Honig
„Der Don hingegen war ein verwöhnter junger Mann aus klassischem Camorri-Geblüt, schwarzhaarig und mit einem Teint wie dunkler Honig.“ (Scott Lynch: Die Lügen des Locke Lamora)
Hautton Lachs salmon Lachs
„Zwischen Mantelsaum und Kniestrümpfen leuchtete ihre nackte Haut lachsfarben.“ (Keith Donohue: Der dunkle Engel)
Hautton Terra-Cotta  terra-cotta Terra-Cotta
„Tja, Ihre Haut hat wirklich ein bisschen Terracotta-Teint. Ein Wunder, dass Laurence Llewellyn-Bowen, der Verpackungskünstler, Sie noch nicht als Muster auf die Wand gerollt hat.“ (Cally Taylor: Himmelsküsse)
bronzefarbener Hautton  bronze Bronze
„Der Wind warf die Gardine ein wenig auf, der Wind kam herein, malte dunkle rote Schatten auf die Bronzehaut.“ (Kasimir Edschmid: Die Achatnen Kugeln)
Hautton Karamell  butterscotch Karamell Butterscotch bezeichnet ursprünglich eine Süßspeise, wird mittlerweile aber als Farbbezeichnung angewendet. Der Ausdruck „Karamell“ kommt ihm vom Farbton her am nächsten.
„Und Kim, die vor dem verdammten Wagen stand, Kim mit den schönen schwarzen Haaren und dem karamellbraunen Teint, die aussah, als käme sie aus Italien, aber in Wirklichkeit aus Thüringen stammte, was man auch hörte.“ (Gregor Weber: Keine Vergebung)
Hautton mordoré  mordoré Goldbraun Der Ausdruck stammt aus dem Französischen. Doré bedeutet „vergoldet“
„Wenn Anna sich bewegte, sah man nichts als bloße, goldbraune Haut, was den Betrachter zur Annahme berechtigte, daß der hübsche Busen der Trägerin keiner Stütze bedurfte.“ (Hanna Molden: Kurakin)
mandel-weißer Hautton  praline mandelweiß
„Leicht nur wippten ihre Haare. Ihre Hand näherte sich seinem Mund, schwebte ihm entgegen, mandelweiß. Er registrierte zarte Linien auf ihrer Haut, zu flüchtig, um einen Text zu entziffern.“
(Klaas Huizing: Der letzte Dandy)
Hautton Gelbbraun  tawny Gelbbraun
Lohfarben
Die Lohfarbe, die Farbe der Gerberlohe, ist in der Regel ein helles Rotbraun, kann aber auch ein goldener oder mahagonifarbener Farbton sein.
„Die ungeheuren, in dem schneebleichen Antlitz noch erweiterten Augen der Contessina wichen nicht von ihrem Dario, den sie nicht mehr erkannte; denn sein Gesicht war erdfahl, die Haut lohfarben und runzelig wie die eines Greises.“ (Emile Zola: Rom)
Hautton Toffee  toffee Karamell
Toffee
„Der neue Mann war dürr, seine Haut toffeefarben – die glatteste Haut, die Ivy je bei einem Mann gesehen hatte –, und er wirkte wie sechzehn.“ (Peter Abrahams: Gerissen)
Hautton Fuchsbraun  sorrel Fuchsbraun
Rotbraun
„Ihre Haut war fuchsbraun, das Haar eng am Kopf geflochten.“ (Don DeLillo: Cosmopolis)
Hautton Kupferrot  copper Kupferrot
Kupferbraun
„Das Indianische trat in ihrem Gesicht deutlicher hervor. Die hohen Backenknochen waren noch eckiger, die Hakennase noch schärfer und die kupferrote Haut heller als sonst. Ihr verblichenes Kattunkleid war bis zur Taille geöffnet, und ihre breite, bronzefarbene Brust war entblößt.“ (Margaret Mitchell: Vom Winde verweht)
Hautton Rotholz  redwood  Rotholz
„Schwester Glenda, an die siebzig und mit einer Haut wie Rotholz, tat so, als wäre sie böse auf uns.“ (Dave Eggers: Ihr werdet noch merken, wie schnell wir sind)
Hautton Oliv  olive  Oliv
„Sein dunkles Haar war gut geschnitten, seine Haut oliv getönt. Ein Beobachter hätte ihn wohl als Araber beschrieben.“ (Emily Benedek: Die letzte Plage)
Haut wie Zimt  cinnamon  Zimt
„Ich, Jacques Laverande, von eher eigenbrötlerischem Temperament: Haare, Augen und Bart sind dunkel wie Braunkohle, als ob ich in Mauretanien aufgewachsen wäre, zimtfarbene Haut, die Nase eines beutegierigen Seeräubers …“ (Joseph-Henry Rosny Aîné: Die Fahrt durch die Unendlichkeit)
Hautton Rotbraun  russet  Rotbraun
Sie war kaum hinaus, als Schemeikka kam und, ohne sie zu bemerken, langsam auf den Hof zuschritt, während seine rotbraune Haut in der kühlen Abendluft dampfte – lang, schlank, wohlgebaut – und Marja kam nicht mit den Augen von ihm los, bis sich Juha gebeugt, mit langem Rücken, kurzen Beinen aus der Tür hervorschob und, mehr als sonst hinkend, hinter jenem her eilte.“ (Juhani Aho: Schweres Blut)
Hautton Schokolade  chocolate  Schokolade
„Den ganzen Abendüber hatte ich jedoch keine Klarheit darüber gewinnen können, ob der Junge mit der Schokoladenhaut und den gefährlichen blauen Augen meine Gefühle erwiderte, und dies drohte sich zu einem frischen Komplex namens ‚Versagensangst‘ auszuwachsen.“ (Natalka Sniadanko: Sammlung der Leidenschaften)
kaffeefarbener Hautton  coffee  Kaffeebraun
„Damit Sie’s gleich wissen: Meine Haut ist braun. Dunkelbraun. Man könnte auch sagen kaffeebraun, was man natürlich in dieser Stadt der tausend Kaffeehäuser etwas präziser formulieren muss: Je nach Tageslicht und Laune zeigt sich mein schöner Teint nämlich einmal heller, einmal dunkler, schimmert morgens meist in feinem Melangebraun, gibt sich mittags kleiner- oder großerbraunbraun, verfärbt sich nachmittags zu elegantem Einspännerbraun, und am Abend schließlich – Herr Ober, zahlen bitte – bei sattem Espresso- oder Mokkabraun zu landen.“ (Martin Horváth: Mohr im Hemd oder Wie ich auszog, die Welt zu retten)
Hautton Gebrannte Sienna  burnt sienna Gebrannte Siena Terra di Siena, italienischer Ocker ist ein gelbes bis rotbraunes Pigment, benannt nach der Erde rund um die Stadt Siena in der Toskana (Italien). Die Erdfarbe hat eine typische gelb-bräunliche Farbe, Siena natur. Durch Erhitzen wird das Kristallwasser aus dem Pigment entfernt und es erhält eine rot-braune Farbe, die als gebrannte Sienabezeichnet wird.
Hautton umbra  umber  Umbra
„Angies Haut hatte die Farbe von makellosem Umbra und war mit einem feinen Schweißfilm bedeckt.“ (Dee Kirk: Verne Gerow, P.I.: The Case Of The Cashmere Blond)
Hautton Zobel  sable Zobel Das Adjektiv ’sable‘ beschreibt den Hautton des versklavten Arbeiters im gehobenen Sprachgebrauch, wie er für die amerikanische Poesie des 18. Jhdts. oft benutzt wurde.
 „Haply ye scorn: I thank thee Gracious God!
That I do feel upon my cheek the glow
Of indignation, when beneath the rod
A sable brother writhes in silent woe.“
(Robert Southey: Sonnet III)
rotbraun  bay Rotbraun
 „Das rotbraune Gesicht und die starken Glieder entspannt, lenkte er, die Pfeife im Mund, in einer für diesen Landstrich ungewohnt lockeren Haltung seinen Wagen.
(Lion Feuchtwanger: Erfolg)
Hautton Sepia  sepia  Sepia Sepia ist ein braun- bis grauschwarzer Farbstoff, der aus dem Tintenbeutel von Tintenfischen (Sepien) gewonnen wird, die diesen als Wehrsekret einsetzen.
Hautton Kastanienbraun  chestnut Kastanienbraun
Hautton Haselnussbraun  hazelnut Haselnussbraun
Hautton Johannesbeere  currant  Johannesbeere
Hautton Blassgelb sallow Blass gelblich,
fahl, bleich,
teigig
„Then his sallow face brightened, for the hall had been carefully furnished, and was very clean.“ (aus: Mrs. Belloc Lowndes, The Lodger)
In der Übersetzung von Wulf Teichmann wird daraus:
„Dann entspannte sich sein bleiches Gesicht, denn der Flur war gut möbliert und sehr sauber.“ (Jack the Ripper oder: Der Untermieter)
Hautton Taupe  taupe  Taupe Taupe bezeichnet eine graue dunkle Farbe mit Farbstich ins Braune.
Hautton Mahagony  mahogany  Mahagony
Hautton Bister bistre Bister braune Tinte aus mit Leim und Wasser vermischten Holzruß
ebenholzfarbener Hautton ebony Ebenholz

 

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Haut beschreiben – Bräunungsstreifen und andere Farb-Phänomene

Viele Frauen haben Bräunungsstreifen. Was völlig normal ist, solange die Bräune natürlich, und nicht im Solarium, erworben wird. Um so sonderbarer, dass diese Streifen in der erotischen Literatur kaum auftauchen.

Dabei lassen sie die Haut lebendig wirken. Denn erfahrungsgemäß wird die Bräune durch den Kontrast noch hervorgehoben. Die hellen Stellen werden zum Eye-Catcher und regen die Phantasie an.

Auch andere Farben lassen die Haut lebendig erscheinen. Im Bild oben fällt die gerötete Handfläche auf. Und im breiten Feld der Spanking-Literatur ist es meist der gerötete Hintern, der für erotische Spannung sorgt. Aber auch ein drohender Sonnenbrand kann für Verfärbungen sorgen:

Lebendige Haut ist mehrfarbig

Die Jungs in Shorts und ärmellosen T-Shirts, ihre Gesichter sonnenverbrannt bis auf die weißen Stellen, wo die Sonnenbrille gesessen hat, was ihnen ein merkwürdig waschbärartiges Aussehen verleiht. Die Mädels ebenfalls in Shorts, dazu trägerlose Tops und die Haut krebsrot. Weiße Bikinistreifen schlängeln sich aus ihren elastischen Tops hinauf um ihren Nacken.

(aus: Charlie Huston: Die Hank-Thompson-Trilogie)

Haut „in Bewegung“: vom weißen Grundton weg hin Richtung Sonnenbrand. Haut hat eben nicht nur eine Farbe, sondern verändert sich. Und Dinge in Bewegung zu zeigen, ist in der Literatur fast immer sinnvoller, als statische Bilder zu vermitteln. Wer sich zu dem Thema noch keine Gedanken gemacht hat, dem sei das Laokoon von Gotthold Ephraim Lessing empfohlen – ein ganzes Büchlein, das versucht zu ergründen, warum statische Beschreibungen in der Literatur einfach nicht funktionieren.

Huston toppt seine Beschreibung mit dem ungewöhnlichen, aber amüsanten Vergleich vom „waschbärartigen Aussehen“. Natürlich weckt auch dieser Vergleich Assoziationen, so dass wir gespannt sein können, was von den Typen noch zu erwarten ist.

Schön gelöst ist auch, dass er die Bikinistreifen der Frauen nicht einfach nur konstatiert, sondern diese sich zum Nacken hinaufschlängeln lässt. Vielleicht nicht das idealste Prädikat für diesen Zweck, aber allemal besser als ein hilfloses Hilfsverb. Vor allem aber schafft das Bild einen Eindruck von Uneinheitlichkeit, von Lebendigkeit der Haut.  Durch die Bikinistreifen wird die Haut in helle und dunkle Zonen unterteilt – und dadurch lebendiger. Wohlgemerkt, es geht mir nicht um die Frage der Ästhetik, sondern um den literarischen Eindruck, den die Beschreibung hinterlässt.

Ich schaute Marnie zu, die am Strand saß, Sandburgen baute und hinter den Wellen herlief und deren olivfarbene Haut sich unter den Sonnenstrahlen in ein helles Braun verwandelte.
Ich beneidete sie um ihre dunklen Haare und ihre braune Haut, um die Freiheit, in die Brandung zu laufen, ohne einen Gedanken daran zu verschwenden, ob ihr Sonnenhut noch richtig saß …

(aus: Karen White: Meerschwestern)

Ich hatte gestern ja bereits darüber geschrieben, wie Beobachtungen im besten Fall auch immer etwas über den Betrachter aussagen. Im Beispiel aus Haruki Murakamis „1Q84“ hatten wir gesehen, wie die Beschreibung der Haut zu einem erotischen Vorgeplänkel wurde. Die Emotionen Tengos wurden in der Beschreibung ebenso deutlich wie der Charakter Fukaeris.

Karen White zielt in eine ähnliche Richtung. Sie zeigt ebenfalls Farbe „in Bewegung“, von oliv in Richtung hellbraun. Solche Schilderungen wirken immer lebendiger, als wenn die Haut lediglich einheitlich mit einem Farbton beschrieben würde. Hier tritt ein ähnlicher Effekt auf wie bei den oben erwähnten Bikinistreifen.

Schön auch, wie in dem Beispiel der Neid der Erzählerin in die Beschreibung integriert wird. Zwar weniger subtil als bei Murakami – aber Emotionen würzen jede Geschichte.

Lust auf eine weitere Portion Murakami?

Nackt im Bett sitzend, zündete ich mir eine Zigarette an und betrachtete die Frau, die neben mir schlief. Die Sonne schien durch das Fenster und beleuchtete ihren ganzen Körper. Sie hatte das Laken bis zu ihren Füßen hinuntergestrampelt und schlief ganz fest. Hin und wieder seufzte sie tief, sodass ihre wohlgeformten Brüste sich hoben und senkten. Ihr Körper war gebräunt, und die sich gegen die bräunliche Haut sonderbar weiß abhebenden Bikinistreifen riefen einen Eindruck von Verwesung hervor.

(aus: Haruki Murakami: Wenn der Wind singt)

Auch Murakami nutzt die Bräunungsstreifen, um die Haut der Frau kontrastreicher zu gestalten. Dieser Eindruck eines lebendigen Bildes wird noch dadurch unterstrichen, dass er auf die Lichtverhältnisse im Raum eingeht und beschreibt, wie die Sonne den nackten Körper beleuchtet.

Die Beschreibung des Körpers der jungen Frau geht nach diesem Zitat noch eine Weile weiter. Insofern mag man ihm die etwas einfallslosen „wohlgeformten Brüste“ verzeihen. Wieder erleben wir, wie Murakami mit seine Vergleich „Eindruck von Verwesung“ weit über die reine Faktenaneinanderreihung hinausgeht. Er schafft durch seinen Vergleich eine Vorausahnung und gleichzeitig Spannung. Die Emotion des Erzählers wird angedeutet. Und es ist nicht nur in der erotischen Literatur wichtig, die Emotionen der Protagonisten dem Leser ständig präsent zu halten. Denn letztlich sind Gefühle und Mitgefühl eines der stärksten Antriebskräfte, überhaupt zu lesen oder sich eine Geschichte erzählen zu lassen.

Übrigens halte ich überhaupt nichts von der Idee, den Körper einer Frau mit den Worten „es war kein einziger Bikinistreifen zu erkennen“ zu beschreiben. Das liegt daran, dass wir mit Worten Bilder heraufrufen. Da unser Gehirn ein „nicht“ nicht bildhaft assoziieren kann, erwecken wir mit solchen Sätzen zunächst ein Bild, um es dann zu negieren, was eine Distanzierung vom Text nötig macht. Sinnvoller wäre es, in diesem Zusammenhang gleich von nahtloser oder ebenmäßiger Bräune zu reden.

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