Wir analysieren Texte aus den Bereichen Belletristik und Sachbuch und machen uns Gedanken, wie qualitativ hochwertige Erotik heute aussehen kann. Wir haben keine Patentrezepte, sondern bringen unsere Überlegungen und Überzeugungen zur erotischen Literatur zu Papier.
Dabei sehen wir die hier vorgestellten Texte als “Work in Progress” an, die ständig erweitert und aktualisiert werden, sobald wir neue, spannende Beispiele oder Themen finden. Im Idealfall entsteht so mit der Zeit ein Ideenpool der erotischen Literatur für alle, die selbst schreiben.
Wenn in unserer Kultur eine nackte Frau auftaucht, schiebt sich sofort eine alte Erzählung davor: Scham, Schuld, Versuchung, Sündenfall. Eva als Ursprung der “Gefahr”. Der weibliche Körper als Problem, das bedeckt, erklärt oder kontrolliert werden muss. Genau deshalb lohnt es sich, Eva zurückzuerobern. Nicht als religiöse Figur, sondern als literarisches Werkzeug. Denn Nacktheit ist nie … Reclaiming Eve: Warum “nackt” nicht automatisch “verfügbar” heißt weiterlesen →
Selbstdarstellung klingt nach Social Media, Profilbild, Blick in den Spiegel. Aber psychologisch ist sie viel älter und viel körperlicher: Jedes Mal, wenn eine Person sich zeigt, entscheidet sie unbewusst, ob sie sich schützt oder behauptet. Scham und Stolz sind dabei keine Gegensätze wie “gut” und “schlecht”. Sie sind ein Spannungsfeld, das in erotischer Literatur besonders … Scham und Stolz: Warum Selbstdarstellung nie neutral ist weiterlesen →
Der Jahresanfang ist die Hochsaison der guten Vorsätze. Auch beim Schreiben. Viele nehmen sich vor, ab jetzt jeden Tag eine bestimmte Wortzahl zu schaffen. 500. 1000. 2000. Die Zahl wirkt klar, messbar, motivierend. Und sie hat einen charmanten Nebeneffekt: Solange du planst, fühlt es sich schon nach Schreiben an. Was in dieser Euphorie oft untergeht, … Neues Jahr, neuer Mut – Mit emotionaler Stärke ins Jahr 2026 weiterlesen →
Der Bauchnabel ist klein, aber dramaturgisch riesig. Er sitzt genau dort, wo sich Ober- und Unterkörper treffen. Er ist weder “klassisch sexy” wie Brüste oder Penis, noch so eindeutig intim wie Vulva oder Anus. Und gerade deshalb funktioniert er in erotischer Literatur so gut: Er ist ein Scharnier. Wer den Bauchnabel berührt, ist bereits sehr … Der Bauchnabel als Zentrum des Begehrens weiterlesen →
Gerüche nehmen im Kopf eine Abkürzung. Sie landen nicht erst in der “Vernunft”, sondern direkt im Gefühl. Darum kann ein Hauch von Shampoo dich innerhalb einer Sekunde in ein anderes Jahr werfen. Und darum kann ein Duft Begehren wecken, bevor eine Figur überhaupt weiß, warum. Fürs Schreiben ist das ein stilles, aber extrem wirksames Werkzeug: … Warum Gerüche so schnell unter die Haut gehen weiterlesen →
Wenn heute von Purity Culture die Rede ist, meint das meist eine sehr konkrete evangelikale (oft freikirchliche) Jugendkultur – besonders in den USA – mit Abstinenz-Idealen, „Modesty“-Regeln und dem Versprechen, dass Enthaltsamkeit moralische Sicherheit erzeugt. Daneben existiert ein anderer, eher katholisch geprägter Strang: Maria als Vorbild von Keuschheit und „Reinheit“. Beides ist nicht dasselbe – … Purity Culture und Marienbild: Zwei Traditionsstränge, ein gemeinsamer Mechanismus weiterlesen →
Weihnachten ist ein Fest der Bilder. Kerzen, Tannengrün, goldene Kugeln, weiße Sterne. Alles wirkt weichgezeichnet, als hätte die Wirklichkeit an diesem Datum einen Filter bekommen. In dieser Bildwelt kommen Körper zwar vor, aber selten als Körper: eher als Silhouetten in Mänteln, als Hände um Tassen, als Gesichter im warmen Licht. Und doch ist die Weihnachtsgeschichte … Nackt und heilig – Weihnachtliche Körperbilder zwischen Scham und Reinheit weiterlesen →
Auf den ersten Blick wirken Beine unkompliziert. Jeder Mensch hat zwei, sie sind sichtbar, sie bewegen uns durchs Leben. Und doch gehören weibliche Beine zu den am stärksten regulierten Körperzonen der modernen Kultur. Seit über hundert Jahren bestimmen Rocklängen, Rasiernormen, Strumpfregeln und Sitzerwartungen, wie Frauen sich bewegen dürfen und wie sie wahrgenommen werden. Das heißt: … Blickmacht und Befreiung: Ein feministischer Blick auf unsere Beine weiterlesen →
Die meisten Frauen lernen früh, ihren Körper zu bedecken. Nicht, weil sie das Bedürfnis danach verspüren, sondern weil ihnen Scham beigebracht wird. Bestimmte Körperpartien gelten als privat, andere als öffentlich, und schon früh entsteht eine innere Kontrollinstanz, die überwacht, welche Haut „noch vertretbar“ ist und welche bereits als Grenzverletzung gilt. Nacktheit wird dadurch zu einem … Die Innenwelt der Entblößung – Warum weibliche Nacktheit in Geschichten so viel erzählt weiterlesen →
Erotische Szenen sind oft überfüllt: mit Dialogen, Geräuschen, Worten, die Erregung „beweisen“ sollen. Doch wahre Spannung entsteht selten aus dem, was gesagt wird – sondern aus dem, was unausgesprochen bleibt. Schweigen ist kein Mangel an Kommunikation, sondern ihre verdichtete Form. In der Stille liegt Raum für Wahrnehmung: Haut, Atem, Bewegung. Wenn die Figuren nicht mehr … Die Erotik der Stille – was Schweigen in einer Sexszene erzählt weiterlesen →