Schlagwort-Archive: kreatives Schreiben

Emotionen – Liste – Glossar

Ursprünglich wollte ich die verschiedenen Emotionen direkt in der Linkliste links aufführen. Das hätte verschiedene Vorteile: Die einzelnen Gefühle würden leichter gefunden, sie würden sich automatisch alphabetisch sortieren und ich könnte, wenn ein neuer Beitrag dazukommt, sofort in der richtigen Kategorie posten, ohne mir viel Gedanken zu machen.

Die Sache hat nur einen gravierenden Nachteil. Die Linkliste würde irre lang werden und der Überblick über die anderen Themengebiete ginge verloren.  Zumal für diejenigen, die per Smartphone auf diesen Blog zugreifen. Ich habe mich deswegen dafür entschieden, an dieser Stelle ein Glossar aufzumachen. Sobald ich zu einer bestimmten Emotion etwas geschrieben habe, verlinke ich es in diesem Glossar. Ihr könnt es dann daran erkennen, dass der Begriff in grün erscheint und nicht mehr schwarz ist.

So ist ein Rest von Übersichtlichkeit gewahrt und ihr habt eine zentrale Anlaufstelle, wenn ihr zu einem bestimmten Gefühl Hintergrundinfos sucht.

Hier also die derzeit etwa 300 Worte umfassende Liste, die je nach Bedarf auch von uns erweitert wird:

  • Abneigung
  • Abgespanntheit
  • Abscheu
  • Abwehr
  • Abwesenheit
  • Aggressivität
  • Ahnungslosigkeit
  • Alarmbereitschaft
  • Albernheit
  • Allein
  • Ambivalenz
  • Angst
  • Anspannung
  • Antriebsschwäche
  • Apathie
  • Ärger
  • Argwohn
  • Aroganz
  • Atemlosigkeit
  • Aufregung
  • Ausgeglichenheit
  • Ausgelassenheit
  • Bedrängung
  • Bedrückung
  • Befreitheit
  • Befriedigung
  • Begeisterung
  • Begierde
  • Behaglichkeit
  • Beklommenheit
  • Bekümmertheit
  • Belastung
  • Belebung
  • Belustigung
  • Berührung
  • Bestürzung
  • Betroffenheit
  • Betrübtheit
  • Beunruhigung
  • Bewegung
  • Bewegungslosigkeit
  • Bewunderung
  • Bezauberung
  • Billigung
  • Bitterkeit
  • Blockade
  • Dankbarkeit
  • Depression
  • Deprimiertheit
  • Desinteresse
  • Distanz
  • Drang
  • Druck
  • Dumpfheit
  • Durst
  • Düsternheit
  • Eifersucht
  • Einsamkeit
  • Ekel
  • Elend
  • Empfindlichkeit
  • Empörung
  • Energie
  • Engagement
  • Enge
  • Enthusiasmus
  • Entlastung
  • Entmutigung
  • Entrüstung
  • Entschiedenheit
  • Entschlossenheit
  • Entsetzen
  • Entspanntheit
  • Enttäuschung
  • Entzückung
  • Erfüllung
  • Ergriffenheit
  • Erheiterung
  • Erleichterung
  • Ermüdung
  • Ermunterung
  • Ermutigung
  • Ernüchterung
  • Erregung
  • Erschöpfung
  • Erschrecken
  • Erschütterung
  • Erstarrung
  • Erstaunen
  • Erwartung
  • Fassung
  • Fassungslosigkeit
  • Faszination
  • Faulheit
  • Feinsinnigkeit
  • Freiheit
  • Freude
  • Freudlosigkeit
  • Friede
  • Frische
  • Frohsinn
  • Frustration
  • Furcht
  • Fürsorge
  • Gebanntheit
  • Geborgenheit
  • Gedankenlosigkeit
  • Geduld
  • Gefangenheit
  • Geistesabwesenheit
  • Gelassenheit
  • Gelöstheit
  • Gemütlichkeit
  • Genervtheit
  • Genusslosigkeit
  • Gereiztheit
  • Gerührtsein
  • Gleichgültigkeit
  • Glück
  • Güte
  • Härte
  • Hass
  • Heiterkeit
  • Hektik
  • Hemmung
  • Hilflosigkeit
  • Hoffnung
  • Hunger
  • Inspiration
  • Instabilität
  • Interesse
  • Interessenlosigkeit
  • Introvertiertheit
  • Irritation
  • Jammer
  • Kälte
  • Klarheit
  • Konflikt
  • Konfusion
  • Kraft
  • Kraftlosigkeit
  • Kribbeln
  • Kühle
  • Kummer
  • Labilität
  • Lahmheit
  • Lähmung
  • Langeweile
  • Laschheit
  • Lebhaftigkeit
  • Leblosigkeit
  • Leere
  • Leichtigkeit
  • Leid
  • Lethargie
  • Liebe
  • Lieblosigkeit
  • Lockerheit
  • Lüsternheit
  • Mattigkeit
  • Melancholie
  • Missmut
  • Misstrauen
  • Mitfreude
  • Mitleid
  • Motivation
  • Müdigkeit
  • Munterheit
  • Mut
  • Nachdenklichkeit
  • Neid
  • Nervosität
  • Neugier
  • Niedergeschlagenheit
  • Offenheit
  • Ohnmacht
  • Optimismus
  • Orientierungslosigkeit
  • Panik
  • Passivität
  • Peinlichkeit
  • Perplexität
  • Pessimismus
  • Phlegma
  • Qual
  • Raserei
  • Ratlosigkeit
  • Rausch
  • Resignation
  • Respekt
  • Ruhe
  • Ruhelosigkeit
  • Sättigung
  • Schadenfreude
  • Scham
  • Scheu
  • Schlaffheit
  • Schläfrigkeit
  • Schlappheit
  • Schlechtigkeit
  • Schmerz
  • Schock
  • Schrecken
  • Schüchternheit
  • Schutzlosigkeit
  • Schwäche
  • Schwere
  • Schwermut
  • Schwung
  • Schwunglosigkeit
  • Sehnsucht
  • Selbstsicherheit
  • Selbstzufriedenheit
  • Seligkeit
  • Sensibilität
  • Sentimentalität
  • Sicherheit
  • Skepsis
  • Sorge
  • Sorge
  • Sorgenfreiheit
  • Spannung
  • Starrsinn
  • Stille
  • Stolz
  • Strapaze
  • Streitlus
  • Stress
  • Tapferkeit
  • Tatkraft
  • Teilnahmslosigkeit
  • Träge
  • Trauer
  • Trostlosigkeit
  • Trotz
  • Trübsinn
  • Überdruss
  • Überforderung
  • Überlastung
  • Übermut
  • Überraschung
  • Überschwang
  • Überwältigung
  • Überzeugung
  • Unbehagen
  • Unbekümmertheit
  • Unbequemheit
  • Unbeschwertheit
  • Unentschlossenheit
  • Ungeduld
  • Unglück
  • Unklarheit
  • Unnahbarkeit
  • Unruhe
  • Unsicherheit
  • Unwille
  • Unwohlsein
  • Unzufriedenheit
  • Verachtung
  • Verblüffung
  • Vergnügen
  • Verkrampfung
  • Verlegenheit
  • Verletzlichkeit
  • Verliebtsein
  • Verlorensein
  • Verrücktheit
  • Verschlafensein
  • Verschlossenheit
  • Verspannung
  • Verspieltheit
  • Verstimmtheit
  • Verstörtheit
  • Vertrauen
  • Verunsicherung
  • Verwirrung
  • Verwunderung
  • Verzagtheit
  • Verzauberung
  • Verzückung
  • Verzweiflung
  • Vorfreude
  • Wachheit
  • Warmherzigkeit
  • Widerstreben
  • Widerwille
  • Wohlsein
  • Wortkargheit
  • Wut
  • Zärtlichkeit
  • Zerknirschtheit
  • Zerrissenheit
  • Zerstreutheit
  • Ziellosigkeit
  • Zorn
  • Zufriedenheit
  • Zuneigung
  • Zurückgezogenheit
  • Zutrauen
  • Zwiespalt
  • Zynismus
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Augen und Emotionen

Ich hatte neulich im Zusammenhang mit NLP ja bereits über einige Dinge geschrieben, die mit der Blickrichtung und der Größe der Pupillen zusammenhängen. Aber da ich in der letzten Zeit immer wieder auf Beschreibungen der Augen gestoßen bin, deren einziges Ziel es war, die Emotionen der Protagonisten herauszustellen, will ich hier noch mal ein wenig weitermachen.

Augen rollen

Sie rollte mit den Augen, bevor sie sich zu ihm umdrehte und die Zähne zu etwas bleckte, das nicht als Lächeln durchging.

(Marvin Entholt: Friesisch Roulette)

Wahrscheinlich der eindeutigste Fall emotionaler Zuordnung im Bereich Augen, daher schon fast ein Klischee. Die Protagonistin ist genervt und macht sich keine Mühe, dies zu verbergen. Im Gegenteil: Sie will, dass ihr Gegenüber mitbekommt, wie wenig sie von der Situation oder dem gerade stattfindenden Gespräch hält.

Augen aufreißen

Fünf Minuten später riss sie plötzlich die Augen auf und drehte den Mund von seinem Handgelenk.

(Erin McCarthy: Ein Vampir zum Anbeißen)

Hier sind zumindest zwei Emotionen denkbar, die sich aus den Augen ablesen lassen: Erstaunen oder erschrecken. Daher sollte aus der beschriebenen Gesamtsituation heraus kar werden, was mit den aufgerissenen Augen emotional gemeint ist. Hilfreich wäre es auch, noch weitere körperliche Symptome zu zeigen. Wenn die Protagonistin erbleicht, wäre dies z.B. ein gutes Zeichen dafür, dass sie nicht erstaunt, sondern erschrocken ist.

Augen zusammenkneifen

Ihre Stimme wurde leiser, während sie ihn anschaute, dann reckte auch sie das Kinn, kniff die Augen zusammen und fragte scharf: »Wovon, zum Teufel, redest du?«

(Stephanie Laurens: Geheimauftrag: Liebe)

 Zusammengekniffe Augen können alles mögliche bedeuten: Skepsis, Ablehnung, Wut, Dominanz. Stephanie hat das im Zitat oben ganz gut dadurch gelöst, dass sie gleich mehrere körperliche  Hinweise in einen Satz gepackt hat. Durch den daraus entstehenden Gesamteindruck wird schnell klar, ihre Protagonistin ist sauer. Und das, ohne die Emotion selbst benennen zu müssen. Klassisches „Show, don’t tell“.

Blick von oben herab

Er wirkte elegant und weltmännisch und schaute die Leute von oben herab an.

(Jean G. Goodhind: In Schönheit sterben)

Auch ein Klassiker: Der Blick von oben herab. Kann gleichermaßen Ablehnung oder Überheblichkeit bedeuten. Auch Jean bedient sich hier weiterer Attribute, um klar zu machen, dass dieser Blick bei ihrem Protagonisten eine Attitude ist.

Blick von unten herauf

Der Mann schwieg. Und blickte ihn bloß schicksalsergeben von unten herauf an, Hufeland überragte ihn um mindestens zwei Köpfe. Die Schafshaltung, dachte Hufeland. Er kannte diese stumm abwartende Taktik aus unzähligen Verhören.

(Herbert Beckmann: Hühnerhölle)

Eine von verschiedenen  emotionalen Bedeutungen des Blicks von unten herauf: Hilflosigkeit, wenn auch oft bewusst eingesetzt, und dann weniger hilflos, als es aussehen soll. Aus irgendwelchen Gründen gilt der Blick mit gesenktem Kopf auch als sexy. Vielleicht, weil er den Jagdtrieb der Männer anstachelt. Oder den Beschützerinstinkt. Oder beides.

In einem anderen Zusammenhang kann er auf Nachdenklichkeit hindeuten, eine Mischung aus In-sich-gekehrt aufgrund des gesenkten Kopfes und Blick nach oben zum Gegenüber, den Blickkontakt suchend.

Blick nach unten

Zoe blickte zu Boden und schüttelte langsam den Kopf, als wäre es ihr unangenehm.

(Paul Beldt: Wollmann widersetzt sich)

 Wieder mehrere Möglichkeiten, wie so oft. Der Blick zum Boden kann einfach auf Unsicherheit hindeuten. Oder, wie im Beispiel, auf Ablehnung. Immer gut, die beabsichtigte Wirkung durch weitere Körpersprache deutlich zu machen. So wie bei Paul im Beispiel.

Blickkontakt vermeiden

Maik hätte Fabian am liebsten augenblicklich an den Brustwarzen geknabbert. Doch er beherrschte sich, schluckte und vermied jeden Blickkontakt.

(Marc Förster: Turbulenzen nach dem Checkout)

Wieder eine reiche Palette von Möglichkeiten. Die Person kann entweder schüchtern sein, unsicher oder sogar verliebt. Dummerweise auch das genaue Gegenteil: nämlich komplett desinteressiert an ihrem Gegenüber, und dies sehr demonstrativ zeigend. Vielleicht steckt hinter dem Blicke-vermeiden sogar die Absicht, das Gegenüber nicht in Verlegenheit zu bringen. Oder es nicht zu aggressiven Reaktionen zu provozieren. Denn je nach Kontext kann der direkte Augenkontakt auch eine Kampfansage sein. Oder zumindest eine Aufforderung, eine Einverständniserklärung zur Kontaktaufnahme. Daher ist das Blicke-vermeiden inzwischen ziemlich verbreitet.  Eine moderne Variante davon ist die Sonnenbrille, die den direkten Blickkontakt unmöglich macht.

Kurzer Blickkontakt

Sie sah Claire kurz an, richtete ihren faszinierten Blick dann aber ruckartig wieder auf das Baby, als erwartete sie, dass es – Brianna sah, dass es ein Junge war – genauso plötzlich verschwand, wie es gekommen war.

(Diana Gabaldon: Ein Hauch von Schnee und Asche)

Wieder ist weitgehend von der Situation abhängig, welche Emotionen mit dem kurzen Augenkontakt verbunden sind. In meiner Datenbank befinden sich viele Beispiele, in denen der kurze Blick zwischen Menschen, die sich kennen, für ein Abchecken steht: „Denkst du das Gleiche wie ich?“.

Genauso kann dies aber auch ein Zeichen für geringes Interesse. Jemand sagt etwas, der oder die andere sieht ihn kurz an, dann wieder hin zum eigentlichen Ziel der Aufmerksamkeit.

Aber vielleicht ist die Person, die ihre Augen maximal für einen kurzen Blickkontakt hebt, auch einfach schüchtern und unsicher sein. Mir fällt sofort die Tochter einer Freundin ein. Liebes Mädchen, aber ein längerer Blickkontakt ist fast unmöglich.

Langer Blickkontakt

Maria erinnerte sich, wie der alte Pfarrherr ihre Hand in seine Hände genommen und ihr lange, lange in die Augen geschaut hatte, ohne etwas zu sagen.

(Eeva-Kaarina Aronen: Die Lachsfischerin)

Die Augen sind ein Tor zur Seele, heißt es. Und Experimente zeigen: Wer bei einer Unterhaltung bewusst den Augenkontakt sucht und den Blick hält, wird oft intensivere und tiefere Gespräche führen als derjenige, dessen Blick schnell wieder abschweift. Der Blick des Pfarrherren in Eeva-Kaarinas Beispiel ist so ein Blick in die Seele. Offen, direkt, tief.

Nicht umsonst sind es in erotischen Begegnungen oft die langen Blicke in die Augen des Gegenübers, die die Situation zum Kochen bringen. Zwei Menschen geben sich ganz, weichen nicht aus, öffnen sich füreinander.

Interessanterweise reizt dieser lange Blickkontakt aber auch zu Aggressionen. Auf der Straße wird es brenzlig, wenn zwei Männer sich länger als zwei Sekunden in die Augen schauen. Dann checken sie ab: Wer ist der Stärkere? Wer wendet seinen Blick zuerst wieder ab? Dominanz-Spiele sind angesagt.

Und zwischen Männern und Frauen? Wieder gilt die Zwei-Sekunden-Regel. Wer nach dieser Zeit nicht wegschaut, gibt Interesse kund und bereitet Bahn für eine Kontaktaufnahme. Oder sollte sich zumindest nicht wundern, wenn ein Kontaktversuch stattfindet. Zwei Sekunden, weil dies der Reaktionszeitraum des Gehirns ist. Jeder Blick, der länger dauert, dringt ins Bewusstsein und wird von den meisten Menschen als absichtlich interpretiert.

Hochgezogene Augenbrauen

Leona hatte Linda zunächst samt Katzenklo und Futterschüssel mit in den Verlag genommen, was hochgezogene Augenbrauen und indigniertes Stirnrunzeln bei ihrem Chef hervorgerufen hatte.

(Charlotte Link: Der Verehrer)

Da wir gerade beim Thema Augen und Emotionen sind, gehören die Augenbrauen dazu. Wieder gibt es eine breite Palette von Situationen, in denen diese auftauchen können. Und wieder legt erst der Kontext nahe, wie sie zu deuten sind.

Vielleicht ist der Blick lediglich fragend oder erstaunt. Vielleicht steckt dahinter aber auch eine Portion Unverständnis oder zumindest Zweifel.

Zusammengekniffene Augenbrauen

Im Scheinwerferlicht eines vorbeifahrenden Autos erhaschte er einen Blick auf das Gesicht des Mädchens, auf ihre entsetzt und besorgt zusammengekniffenen Augenbrauen.

(Adi Alsaid: Let’s get lost)

Wahrscheinlich spiegelt sich Entsetzen eher in aufgerissenen Augen als in zusammengekniffenen Augenbrauen. Letztere stehen eher für die konkrete Sorge des Mädchens im Beispiel von Adi. In diesem Beispiel wird relativ offensichtlich, was Adi macht: Er definiert eine mehrdeutige Mimik dadurch, dass er ihr zwei Adjektive zur Seite stellt. Das macht insofern Sinn, weil die sichtbare Reaktion des Mädchens eben nicht unmittelbar auf ihre tatsächlichen Gefühle schließen lässt, sondern zumindest zum Teil auf etwas sehr Banales, nämlich die entgegenkommenden Scheinwerfer, zurückzuführen ist.

Generell sind zusammengekniffene Augen ein Zeichen für Ablehnung: Ärger, Wut oder zumindest eine gesunde Portion Skepsis über eine Situation oder Person und das, was von ihr ausgeht. Wir kneifen die Augenbrauen zusammen, wenn uns etwas nicht gefällt. Vielleicht müssen wir über die Situation oder das Problem auch erst einmal nachdenken. Auf jeden Fall stehen wir in Distanz.

Augen und Emotionen

Generell ist es immer besser, den Leser selbst seine Schlüsse ziehen zu lassen und nicht durch Adjektive und Adverbien zu viel im Text vorzukauen. Da gerade die Mimik oft mehrdeutig ist, hilft es, andere Körpersprache hinzuzunehmen, wie es zum Beispiel Stephanie Laurens oben mit ihrem Beispiel gemacht hat. Der Leser kann sehen, wie die Protagonistin mit ihrem ganzen Körper reagiert.

Wer sich bei der Beschreibung auf die Mimik beschränkt, will meist nur kleine Zeichen geben. Und sollte es dann auch dabei belassen, dass der Leser aus der Gesamtsituation schließen muss, was in dem Protagonisten vorgeht.

Emotionale Attribute sind nur ein Notbehelf, zumal sie häufig aus dem POV (dem Point of View, der Erzählperspektive) ausbrechen. Sie machen eigentlich nur dann Sinn, wenn die Erzählstimme von ihrem Innenleben berichtet. Dann aber spielt ihre Mimik ohnehin keine Rolle.

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Der Unterschied zwischen Erotik und Pornographie

Was ist der Unterschied zwischen Erotik und Pornographie? Ich denke an Reiner Kunze. In dem Band „Die wunderbaren Jahre“ erzählt er von der Aufruhr, die der Film „Die Legende von Paul und Paula“ seinerzeit in seiner Stadt ausgelöst hatte. Dem Film wurde der Vorwurf gemacht, es handle sich letztlich um Pornografie. Dabei war nackte Haut im DDR-Kino der 70er Jahre eigentlich nichts Besonderes.

Die Rezensenten bezogen ihre Kritik vor allem auf eine Liebesszene, in der Paula, gespielt von Angelica Domröse, ihrem Freund Paul (Winfried Glatzeder) ein Bett aus Blüten bereitet, und ihn – nach einem lukullischen Picknick auf eben diesem Bett – mit Salz und Pfeffer bestreut, bevor die beiden sich zärtlich umschlungen lieben. Die Szene ist vollgestopft mit symbolischen Zwischenschnitten. Unter anderem einem, in dem die weiblichen Vorfahren Paulas dieser, die nur mit einem Schleier bekleidet ist, den Stoff vom Leib zu reißen versuchen. Die Macher des Films ahnten wohl bereits, dass dies zum Porno-Vorwurf führen würde. Nicht umsonst lassen sie bei dieser Szene einen Zuschauer wütend ausrufen: „Das ist Pornografie!“ Woraufhin ein anderer lakonisch erwidert: „Dann schau doch weg.“

Reiner Kunze greift dies in seinem Prosaband „Die wunderbaren Jahre“ auf. Er erzählt darin von einem Dialog zwischen sich und einer Freundin:

„Der Film ist angeblich Pornografie. Wegen der Blumen im Bett, und weil sie ihm nackt den Kranz aufsetzt.. Die Lehrer platzen bald.“ […]
„Pornografie?“, sagte ich. „Weil eine Frau aus Freude auf den Mann, den sie liebt, einen halben Waggon Blumen aufs Bett kippt? Und weil sie ihn nicht im Wintermantel erwartet?“
„Also ist es kein Porno?“ Sie stellte die Gitarre zwischen ihre Knie und verschränkte die Arme vor dem Griffbrett.
„In der Pornografie kommen Menschen vor, weil die Geschlechtsteile Füße brauchen.“

Ich liebe diesen Satz: In der Pornografie kommen Menschen vor, weil die Geschlechtsteile Füße brauchen. Er hat sich mir eingeprägt, als ich ihn vor vielen Jahren das erste Mal las. Und er ist für mich auch heute noch das Entscheidungskriterium, ob etwas erotisch oder pornografisch ist: Geht es nur darum, Geschlechtsteile in Szene zu setzen, oder erfahre ich in einer Story etwas über die Menschen, die miteinander Sex haben?

Klar, es gibt auch pornografische Literatur. Aber in der Regel lebt jede Story vom Konflikt. Und das setzt voraus, dass verschiedene Menschen mit verschiedenen Wünschen und Bedürfnissen aufeinanderprallen. Dass sie ihre Sexualität bewusst erleben, also mit allen fünf Sinnen. Vielleicht bin ich ein bisschen blauäugig. Aber ich denke, der Versuch, rein pornografische Literatur zu schreiben, ist von vornherein zum Scheitern verurteilt. Was dabei rauskäme, wäre eine langweilige Aneinanderreihung von Stellungen. Oder mit den Worten Raymond Chandlers: Das würde sich in etwa so spannend lesen wie ein Eisenbahnfahrplan.

Ich will mich hier gar nicht auf die Frage einlassen, wie viel Handlung eine erotische Geschichte braucht. Das hängt vom Genre und der Zielgruppe ab. Romance-Leser wollen sicherlich mehr Hintergrundinformationen über die Protagonisten haben als die Konsumenten von BDSM-Literatur. Das behauptet zumindest Jade K. Scott in ihrem Buch „The Six-Figure Erotica Author: How I Make Six Figures Self-Publishing Erotica„.

Für mich und meine Art zu schreiben ist jedoch entscheidend, dass ich von Menschen erzählen will. Das schließt explizite Szenen nicht aus. Im Gegenteil. Ich finde es verlogen, den eigentlichen Akt nur anzudeuten oder schwülstig zu umschreiben. Wir haben heute die Gelegenheit, relativ frei von Tugendwächtern von dem zu erzählen, was zwischen zwei Menschen passiert. Kann sein, dass der Wind in ein paar Jahren schon wieder aus einer anderen Richtung weht und neue Moralisten uns das Veröffentlichen verbieten. Aber solange es geht, sollten wir die Chance nutzen und auf ehrliche, sinnliche Weise über Sexualität schreiben.

Alles Liebe,
Sandra

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Die Funktion erotischer Details: Imogens Leberfleck

Die Funktion erotischer Details: Imogens LeberfleckBereits seit Tagen geht mir ein Leberfleck nicht mehr aus dem Sinn. Nun ist es nicht so, dass ich nicht schon eine ganze Reihe Leberflecken, durchaus auch an pikanten Stellen, gesehen hätte. Insofern bin ich selbst etwas verwundert darüber, dass dieses Bild mich verfolgt, seit ich das erste Mal davon gelesen habe.

Aber mit diesem Fleck hat es eine besondere Bewandtnis. Er sitzt an der Seite der linken Brust einer schönen, jungen Frau. Imogen heißt sie und ist die Tochter von König Cymbeline in der gleichnamigen, wenig bekannten Tragödie von Shakespeare.

In vielerlei Hinsicht ist das Stück eine Vorübung zu „Romeo und Julia“. Aber ein Plottwist dreht sich eben um jenes Muttermal. Und weil ihm in der Geschichte so viel Aufmerksamkeit gewidmet wird, bleibt dieses Detail eben auch besonders haften.

Imogen ist auf Wunsch des Vaters mit Prinz Cloten verlobt, aber heimlich in den jungen Posthumus verliebt. Nun heiratet sie gegen den Willen des Vaters Posthumus. Der wird postwendend nach Italien verbannt.

Zum Abschied gibt er Imogen ein Armband und erhält im Gegenzug von ihr einen kostbaren Ring. Auf diesen Ring nun hat es der Soldat Iachimo abgesehen. Er schlägt Posthumus eine Wette vor: Mit einem verbannten Mann wird es Imogen nicht lange allein aushalten, und es wird ihm, Iachimo, ein Leichtes sein, sie zu verführen:

Die Eure, deren Festigkeit Ihr für so unerschütterlich haltet. Ich setze zehntausend Dukaten gegen Euren Ring, mit dem Beding, Ihr empfehlt mich an den Hof, wo Eure Dame lebt, ohne mehr Begünstigung als die Gelegenheit eines zweiten Gesprächs, und ich bringe von dort diese ihre Ehre mit, die Ihr so sicher bewahrt glaubt.

In der Tat lässt Imogen den Soldaten gnadenlos abblitzen. Der verfällt daraufhin einer List. Er, der ja immerhin ein Empfehlungsschreiben ihres Mannes mit sich führt, bittet die Prinzessin, eine Truhe bei ihr abstellen zu dürfen, die seinen wertvollsten Besitz enthält. Imogen lässt dies zu, die Truhe wird geliefert und im Schloss abgestellt.
Nachts klettert Iachimo selbst aus der Truhe heraus, schleicht sich zum Schlafgemach der Prinzessin und begutachtet sie ausgiebig. Dabei entdeckt er auch ihren Leberfleck an der Seite der Brust. Als zusätzlichen Beweis, dass er bei ihr war, entwendet er noch das besagte Armband.

So kehrt er zurück nach Italien und behauptet Posthumus gegenüber, die Wette gewonnen zu haben. Er gibt ihm das Armband und beschreibt ausführlich das Schlafgemach der Prinzessin. Doch Posthumus bleibt skeptisch. Er gibt sich erst geschlagen, als Iachimo ihm das Muttermal beschreibt:

Wenn Ihr fordert noch stärkre Proben: Unter ihrer Brust, so wert des Druckes, ist ein Mal, recht stolz auf diesen süßen Platz. Bei meinem Leben, ich küßt es, und es gab mir neuen Hunger zu frischem Mahl nach dem Genuß. Erinnert Ihr Euch des Mals?

Diese Geschichte – und meine Reaktion darauf – lässt mich neu über die Funktion erotischer Details nachdenken. Was macht unsere Protagonisten unverwechselbar? Was sind die Einzelheiten der Körper, die sich dem Leser über Tage hinweg einprägen?

Wir brauchen nicht darüber zu reden, dass Floskeln wie „ein wunderschöner Busen“ etc. zu den Nullaussagen gehören, die sofort nach dem Lesen wieder vergessen sind und oft wohl nicht mal ein Bild evozieren. Das Gehirn ist nicht in der Lage, solche wertenden Urteile in Bilder zu übersetzen. Daher bleibt die Beschreibung blass. Im besten Fall legt der Leser an dieser Stelle das Buch aus der Hand und stellt sich eine Brust vor, die er persönlich „wunderschön“ findet. Er ruft also Bilder hervor, die ohnehin schon in ihm abgelegt sind. In diesem Fall aber zeigt Literatur nichts Neues auf, sondern beruft sich auf Altbekanntes. Für den Leser gibt es keinen Grund, diese Bilder mit einem Autorennamen zu verbinden.

Nun haben wir in den seltensten Fällen in Kurzgeschichten den Raum, eine Frau vom abgebrochenen Zehennagel, über das Bachnabelpiercing, bis zur herauswachsenden Farbe am Haaransatz zu beschreiben. Umso wichtiger ist es für uns, jene Details hervorzuheben, die sich dem Leser einprägen sollen und so die Protagonisten unverwechselbar machen. Genau so, wie wir, wenn wir einen Raum beschreiben, auch nur die wichtigsten Elemente pars pro toto erwähnen.

Denn das ist ja die Funktionsweise unseres Gehirns: Beim Lesen werden Bilder erzeugt, und je spezifischer ein Autor diese Bilder malt, desto länger bleiben sie haften. Wenn ich es schaffe, dass einem Leser eine Beschreibung über Tage hinweg nicht aus dem Kopf geht, habe ich ihn für mich gewonnen. Das ist so effektiv wie ein dauernd wiederholter Werbejingle im Radio.

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