Archiv der Kategorie: New Adult

New Adult ist als Genre noch neu und in der Entwicklung. Die Protagonisten sind meist zwischen 18 und 25 Jahren alt. Themen sind die ersten Schritte in die Selbstständigkeit, die Entdeckung der eigenen Sexualität und der Weg ins Berufsleben. Aufmerksamkeit erhielt das Genre vor allem durch eine Reihe von Autorinnen, die mit als eBook im Netz publizierten Romanen Bestseller-Status erlangten – so wie E. L. James, deren „50 Shades of Grey“ als Initialzünder des New Adult gilt.

Marc Manther: Isabells Casting

Cover: Isabells Casting von Marc MantherDiesmal hat es ein wenig länger gedauert, bis eine neue Geschichte von mir erschien. Der Grund: Ich saß an der Konzeption meiner ersten Buchreihe. Dafür habe ich mich intensiv mit dem Genre ENF (Embarrassed nude female) auseinander gesetzt. Wer diesen Blog regelmäßig liest, kennt ja die ersten Ergebnisse meiner Überlegungen zum Genre. Ich finde, das Thema findet nirgendwo im Alltag besser seinen Platz als in den unzähligen Casting Shows, die derzeit im TV laufen.

Deswegen habe ich die Casting Show „Erotic Actress Talent Search (EATS)“ zum Ausgangspunkt genommen, mir die Mechanismen der Fernsehmacher einmal genauer anzusehen. Wie gehen sie mit den Träumen der jungen Frauen um, die ihren ganzen Hoffnungen darauf setzen, einmal Schauspielerinnen zu werden? Mit welchen Tricks laden sie die Staffel emotional auf? Und weil erfahrungsgemäß die Sexualität im Leben junger Erwachsener eine besonders große Rolle spielt, habe ich eben die Suche nach Schauspielerinnen zwischen 18 und 25 zum Thema gemacht, die – medial unterstützt – an ihrer erotischen Ausstrahlung arbeiten wollen.

Darum geht es im ersten Band der Reihe:

Isabells Traum ist es, Schauspielerin zu werden. Sie weiß, dass es leichter für sie ist, wenn sie eine gewisse erotische Ausstrahlung hat. Deswegen sieht sie in der Werbeanzeige für die neue Fernsehshow Erotic Actress Talent Search (EATS) ihre Chance. Sie bewirbt sich für das Casting und wird zum Vorsprechen eingeladen.

Aber schnell begreift sie die Mechanismen der Show. Die Fernsehmacher wollen Emotionen hervorlocken. Dazu ist ihnen jedes Mittel recht. Isabell wird mit intimen Fragen provoziert und dazu gebracht, vollständig über ihre eigenen Schamgrenzen zu gehen.

EATS ist eben nicht nur eine Casting Show, sondern setzt ganz darauf, ihrer Teilnehmer in peinliche Situationen zu bringen, um sie dann im Coaching-Prozess wieder aufzubauen.

Leseprobe:

Ich stehe im Scheinwerferlicht auf der Bühne. Allein, bis auf den Kameramann mit der Steadicam, der jede meiner Bewegungen festhält. Eine zweite, feste Kamera steht unten im Mittelgang. Auch sie blinkt rot, als Zeichen, dass sie aufnimmt.
Unter mir spüre ich den rauen, kalten Holzboden. Ich habe mich dafür entschieden, bei diesem Casting auf Schuhe und Strümpfe zu verzichten. Barfuß in Jeans. Ich hoffe, das wirkt sexy. Von meinem Leinenhemd stehen die obersten drei Knöpfe offen. Ich trage es über der Hose, weil es lässiger aussieht. Dazu eine dunkelbraune Weste, Typ Bohemien. Sie suchen Typen, das weiß ich, weil ich selber gerne Casting Shows sehe. Je besser die Teilnehmer in eine Schublade passen, desto größer werden ihre Erfolgsaussichten.
In einer Reihe des Theaters sitzen vier Juroren. Eine kleine Stehlampe sorgt dafür, dass sie ihre Unterlagen lesen können. Sonst ist es dunkel im Zuschauerraum.
Damian Petridis, ein griechischer Regisseur, der schon seit Jahren in Deutschland lebt und arbeitet. Er hat im letzten Herbst einen Überraschungshit gelandet und wird jetzt als die Hoffnung des deutschen Films gehandelt. Es heißt, er suche eine Hauptrolle für seinen neuen Streifen. Er ist der Kopf des Teams. Strahlt eine nahezu arrogante Gelassenheit aus. Weit zurückgelehnt, die Arme verschränkt, taxiert er meinen Körper. Ich fühle, wie seine Blicke mich ausziehen.
Daneben sitzt Jeanette Rasmussen. Sie hat ihre ersten Schauspielerfahrungen in einer Soap gemacht, spielt inzwischen aber mehr und mehr in Kinofilmen. Ich mag die Art, wie sie ihre Figuren anleget: immer ein bisschen schüchtern, immer ein wenig rebellisch. Umso mehr überrascht mich jedes Mal, wenn sie auf der Leinwand plötzlich nackt dasteht. Das macht ihren Erfolg aus. Sie bekommt vor allem solche Rollen, in denen viel Haut zu sehen ist. Wahrscheinlich sitzt sie deswegen in der Jury. Sie lächelt mir vertrauensvoll zu, nickt, wenn ich etwas sage.
Allegra Ricci arbeitet als Model. Ich weiß nicht genau, warum sie hier sitzt. Sie gefällt sich offensichtlich. Blond, braungebrannt, Schultern zurückgezogen, Brust nach vorn. Perfekt geschminkt, wenn auch dezent. Sie verzieht keine Miene, während ich rede. Auch sie taxiert mich, aber anders als Petridis. Ich fühle, dass sie jede meiner Bewegungen bewertet: Die Art, wie ich stehe. Wie ich meine Arme halte. Wie ich den Kopf leicht zur Seite neige.
Und dann ist da noch Shervin Datis. Schmales Gesicht. Dreitagebart. Er wird der Schauspielcoach der Staffel. Er wirkt interessiert. Als hoffe er, in mir etwas Besonders zu entdecken. Seine Arme hat er auf der Stuhllehne vor sich abgelegt. Sein Blick ist freundlich, aber intensiv. Ich spüre, dass ich Lust habe, mit ihm zu arbeiten. Dass ich ihm vertraue.
„Isabell, wie oft triffst du dich mit einem Typen, bevor du mit ihm ins Bett gehst?“, fragt Patridis.
Ich zucke zusammen. Sie wollen mich schockieren. Meine Reaktionen auf solch intime Fragen austesten. Ich merke, wie mein Magen sich zusammenzieht. Jetzt bloß nicht rot werden. Gerade stehen. Lächeln.
„Das ist unterschiedlich“, sage ich. „Für mich gibt es keinen festen Plan. Nicht zu schnell, normalerweise. Sonst glauben sie, ich sei leicht zu haben.“
„Aber du weißt deinen Körper einzusetzen, oder?“, fragt Allegra.
Ich lächele verlegen.
„Wie meinen Sie das?“
„Durch deine Kleidung gibst du ihnen eine Ahnung von dem, was sie verpassen, wenn sie sich nicht bei dir melden.“
„Sie meinen die offenen Knöpfe?“
„Ja, zum Beispiel. Du trägst ein Hemd, das über der Brust leicht spannt. Die Hose hebt den Po hervor und betont deine langen Beine. Du weißt, dass du gut aussiehst, und zeigst das auch. Aber das ist nicht schlecht. Models brauchen Selbstbewusstsein. Sie dürfen es nur nicht zu offen zeigen, sonst wirken sie arrogant.“
Ich nicke. Fühle mich durchschaut.
„Zeig mir deinen Venusberg“, richtet Petridis sich an mich.
Mein Herz pocht wild und meine Hände werden feucht. OK, natürlich weiß ich, dass ich als Schauspielerin auch Nacktszenen drehen muss. Das ist heute ja normal. Aber hier beim Casting? Vor laufenden Kameras? Ich hatte damit gerechnet, gleich noch im Bikini auf die Bühne zu müssen. Damit sie meinen Körper begutachten können. Aber meine Intimzone zu zeigen ist etwas anderes.
„Was?“, frage ich ziemlich einfältig.
„Ich würde gern einen Blick auf deinen Venushügel werfen“, wiederholt Petridis mit gelassener Selbstverständlichkeit. „Oder ist dir das peinlich?“
„Ich soll mich ausziehen?“
„Ich will nur deine Scham sehen.“
„Oder meine Schamgrenze austesten“, denke ich. Ich hole tief Luft und versuche, mir nicht anmerken zu lassen, wie meine Hände zittern.

Ende der Leseprobe

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Elle Kennedy – The Score [Rezension]

Elle Kennedy

Elle Kennedy gehört heute sicherlich zu den Queens of New Adult. 2005 machte die gebürtige Kanadierin ihren Bachelor of Arts in Englischer Literatur an der York University. Zwar ist ihr Alter nirgends vermerkt, doch dürfte sie – davon ausgehend – heute Mitte 30 sein. Noch im selben Jahr 2005 sahnte sie für ihre Kurzgeschichte „Dance of Seduction“ zwei Preise ab, unter anderem eine „Golden Rose“, einem der ältesten Literaturpreise Amerikas. Eine solche erhielt sie auch im Folgejahr für ihre Kurzgeschichte „Angel of Seduction“.

Sie schrieb für diverse Verlage, unter anderem zusammen mit Sarina Bowen zwei Gay New Adult-Romane („Him“ und „Us“), die es auf die Bestsellerliste von USA Today geschafft haben. Für „Him“ gewann sie auch den RITA Award in der Kategorie „Best Contemporary Romance„. Mit ihrer „Off-Campus“-Serie, die derzeit auf Deutsch beim Piper-Verlag erscheint, gelang ihr gar der Sprung auf die renommierte New York Times-Bestsellerliste.

Die Off-Campus-Serie

In der Off-Campus-Serie geht es um vier Eishockey-Spieler des fiktiven Briar College. Dean, Garrett, Logan und Tucker wohnen zusammen in einem alten Haus außerhalb des Campus-Geländes: Jedem der vier Spieler ist ein anderer Band der Reihe gewidmet:

Bd. 1: The Deal – Reine Verhandlungssache (Garrett)
Bd. 2: The Mistake – Niemand ist perfekt (Logan)
Bd. 3: The Score – Mitten ins Herz (Dean)
Bd. 4: The Goal – Jetzt oder nie (Tucker)

Natürlich ist jeder Band in sich abgeschlossen. Da aber das Serienuniversum das Gleiche bleibt, tauchen die Protagonisten der einzelnen Bände regelmäßig wieder auf. Das macht den Charme der einzelnen Geschichten aus. Nebenfiguren werden zu Protagonisten der Folgebände und jede Leserin kann mitraten, an welche Studentin welcher Kommilitone wohl letztlich geraten wird.

Denn um Liebe geht es in allen vier Bänden. Dabei haben die Eishockey-Stars der Wohngemeinschaft mit allerlei Vorurteilen zu kämpfen. Denn dass einige der Studentinnen sie als Trophäe ansehen, mit denen sie angeben können, führt dazu, dass sie bei anderen Studentinnen als hohl und eingebildet gelten. Da sind zunächst einmal viele Vorurteile zu überwinden, bevor sie ihre Traumfrauen ins Bett bekommen.

Elle Kennedy erzählt die langsamen Annäherungen zwischen den Sportlern und den Studentinnen ihres Herzens mit viel Wortwitz und pointierten Dialogen. Dabei spart sie auch die dunklen Seiten des Lebens nicht aus. Jeder der Protagonisten hat sein Päckchen zu tragen und wird so als Figur vieldimensional und glaubhaft.

Die Erzählperspektive wechselt in den einzelnen Bänden jeweils kapitelweise zwischen der Sicht des Jungen und der des Mädchens. Damit ist zwar von Anfang an klar, wer die jeweiligen Protagonisten sind. Die Perspektivwechsel verstärken aber auch die Spannung, denn die Frauen haben oft ganz andere Pläne als die vier passionierten Eishockey-Jungs.

Band 3: The Score – Mitten ins Herz

Anfang Juni 2017 veröffentlichte der deutsche Piper-Verlag Band 3 der Serie unter dem Titel „The Score – Mitten ins Herz“:

Allie Hayes will Schauspielerin werden und steht kurz vor dem Examen in Theaterwissenschaften. Gerade hat sie das Angebot bekommen, für eine Sitcom vorzusprechen. Allerdings wäre sie damit – vielleicht für Jahre – auf die Rolle des rothaarigen Dummchens festgelegt. Vielleicht also doch lieber eine kleine Rolle am Theater, die ihr mehr Freiheiten lässt? Und überhaupt: Wo ist der beste Ort, um sich auf seine Schauspielerkarriere zu konzentrieren: Los Angeles mit seinem Überangebot an Filmstudios oder New York mit seinen unzähligen Theatern?

Gerade hat sie sich von ihrem langjährigen Freund Sean McCall getrennt. Es ist die vierte Trennung von Sean in drei Jahren.  Schon seit Band 1, „The Deal“ sind die ständigen Trennungen und Versöhnungen zwischen ihr und Sean ein Running Gag. Ihre Mitbewohnerin Hannah nennt es eine On-off-Beziehung. Nur ist es diesmal ein wenig ernster. Allie gehen Seans Eifersüchteleien inzwischen komplett auf die Nerven.

Außerdem hat er beschlossen, dass Allie ihre Schauspielpläne an den Nagel hängen solle. „Er hat sich in den Kopf gesetzt, dass er bei der Versicherungsfirma seines Vaters in Vermont arbeiten wird, und ich sollte die glückliche Hausfrau werden, die mit dem Essen auf ihn wartet, wenn er zurückkommt“, erzählt sie. Wenn das kein Grund ist, die Freundschaft zu beenden! Da Sean aber seine Beziehung nicht kampflos aufgeben will und sich für den Abend bei ihr ankündigt, flüchtet Allie für ein paar Tage ins Haus eines Freundes, in die WG von Garrett, Dean, Logan und Tucker.

Dort lernt sie Dean Heyward-Di Laurentis kennen, den Eishockeystar des Campus, verschrien als König des One-Night-Stands. Deswegen ist sie zunächst auch überhaut nicht an seinem charmanten Umwerben interessiert. Aber nach einem Netflix-Abend mit ein wenig Pot und zu viel Tequila wacht sie in seinem Bett auf, verärgert über sich selbst. Sie zeigt Dean fortan die kalte Schulter. Das ist er nun überhaupt nicht gewohnt. Er will sich nicht auf die Rolle eines „Freundes“ reduzieren lassen. Und dreht auf.

Sehr detailliert und glaubwürdig zeigt „The Score – Mitten ins Herz“, wie die beiden sich langsam annähern. Das ist wenig überraschend, dafür aber liebevoll und mit viel Witz von Elle Kennedy beschrieben. Dabei lernen wir mit der Zeit Dean von immer neuen Seiten kennen, so dass wir ihn – mit Allie – zunehmend sympathisch finden müssen.

Spannend wird die Geschichte eigentlich erst auf den letzten 60 Seiten, als diese mühsam aufgebaute Beziehung mit einem lauten Knall zu zerbrechen droht und Allie die Notbremse zieht. Kriegen die beiden das Ruder noch einmal rumgerissen?

Ausblick: Cliffhanger und Tuckers Geschichte

Mit dem letzten Kapitel leitet Elle Kennedy galant zu Band 4 der Reihe, „The Goal“ über, in der John Tucker der männliche Protagonist ist. Dieser Cliffhanger macht neugierig, weil er einen völlig neuen Aspekt ins Beziehungsdurcheinander am Campus bringt. Der Band wird die Beziehung zwischen Tucker und Sabrina James beleuchten. Sie will Anwältin werden und jobbt für ihr Studium in Harvard. Eine feste Beziehung passt so gar nicht in ihren Zeitplan, aber dann lernt sie Tuck kennen. Und das Ende von „The Score – Mitten ins Herz“ legt nahe, dass diese Freundschaft zu einer ziemlichen Herausforderung in ihrer Lebensplanung wird.

Mit diesem vierten Band endet die „Off-Campus“-Serie dann. Elle Kennedy bleibt aber dem Briar College weiter treu. In Vorbereitung ist bereits ein Spinoff: die neuen „Briar Hockey“-Serie.  Der erste Band, „The Chase“, ist im Original für den Herbst 2017 angekündigt. Darin wird die Geschichte von Fitzy und Summer, Deans Schwester, erzählt.

Titel The Score : ein „Off Campus“-Roman / Elle Kennedy ; aus dem Amerikanischen von Christina Kagerer
Person(en) Kennedy, Elle (Verfasser)
Kagerer, Christina (Übersetzer)
Werk(e) The score
Ausgabe Deutsche Erstausgabe
Verlag München : Piper
Erscheinungsdatum 2. Juni 2017
Umfang/Format 413 Seiten ; 19 cm
Deutscher Titel The Score – Mitten ins Herz
ISBN/Einband/Preis 978-3-492-30940-0 Broschur
Leseprobe auf piper.de
Bandnummer Piper ; 30949

Herzlichen Dank an den Piper-Verlag, der mir freundlicherweise ein Rezensionsexemplar von Elle Kennedys „The Score – Mitten ins Herz“ zur Verfügung gestellt hat.

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New Adult – Die wichtigsten Bücher 2016

Wie schon bei der Liste der wichtigsten New Adult-Bücher von 2015 beziehe ich mich auch diesmal beim Erscheinungsdatum auf die englischsprachigen Originalausgaben. Da diese Bücher erst einmal einen deutschen Verleger finden und übersetzt werden müssen, enthält diese Liste also jene Titel, die relativ frisch auf dem deutschen Buchmarkt sind oder deren Erscheinen noch bevorsteht.

Inzwischen hat amazon.de eine eigene Sparte New Adult eingerichtet, so dass es insgesamt ein wenig leichter ist, passende Bücher zu finden. Allerdings ist das Genre dort als Nische bei „Liebesromane“ geführt. Dabei ist im englischen Sprachraum „Romance“ eher eine Kategorie von New Adult statt anders herum. Zwar sind viele New Adult-Titel tatsächlich Liebesgeschichten, aber der ursprüngliche Ansatz war, vor allem der Zielgruppe der jungen Erwachsenen im Alter von 18 bis 25 mit ihren doch recht spezifischen Themen eine Plattform zu bieten. Als da zum Beispiel wären: erste Jobs, Uni,  Verlobung und Heirat, Familie, finanzielle Unabhängigkeit, Militär, Versagensängste etc.

Und dementsprechend definiert zumindest die englischsprachige Wikipedia, die Belletristik-Kategorie New Adult ließe sich mit allen Genres und Subgenres wie Science Fiction, Urban fiction, Horror, Paranormales, Dystopien etc. verbinden. Wer Lust darauf hat: Eine Liste mit New Adult-Titeln der Genres Sci-Fi/Fantasy/Dystopia findet ihr auf goodreads.com. In dieser Liste befinden sich auch ältere Bücher wie Frank Herberts „Dune – Der Wüstenplanet“ von 1965. Das macht klar: Bücher für die Zielgruppe hat es schon lange vor dem neuen Label New Adult gegeben.

OK, kommen wir jetzt aber zu den Neuerscheinungen:

Elle Kennedy – Die Off-Campus-Serie

Über Elle Kennedys Off-Campus-Serie habe ich ja schon früher hier im Blog berichtet. Die Serie umfasst mittlerweile vier Bände, Band 3: „The Score“ und Band 4: „The Goal“ sind im Original 2016 erschienen.

Anfang Juni 2017 zieht der Piper-Verlag mit der Veröffentlichung der Übersetzung von Band 3 unter dem Titel „The Score – Mitten ins Herz“ nach. Band 4: „The Goal – Jetzt oder nie“ ist für den 1. Dezember 2017 angekündigt.

„The Score – Mitten ins Herz“ hat ein typisches New Adult-Setting: Allie Hayes will Schauspielerin werden, steht kurz vor dem Examen, hat aber noch nicht die leiseste Ahnung, wie sie ihr Ziel erreichen will. Außerdem hat sie sich gerade von ihrem langjährigen Freund Sean getrennt. Da Sean aber seine Beziehung nicht kampflos aufgeben will, flüchtet Allie für ein paar Tage in die WG eines Freundes. Für diejenigen, die die ersten beiden Bände der „Off-Campus“-Serie kennen: Es ist die WG von Garrett, Dean, Logan und Tucker.

Dort lernt sie Dean Di-Laurentis kennen, den Eishockeystar des Campus, verschrien als König des One-Night-Stands. Deswegen ist sie zunächst auch überhaut nicht an seiner charmanten Umwerbung interessiert. Aber nach einem Netflix-Abend mit ein wenig Pot und zu viel Tequila wacht sie in seinem Bett auf, verärgert über sich selbst. Sie zeigt Dean fortan die kalte Schulter. Das ist er nun überhaupt nicht gewohnt. Er will sich nicht auf die Rolle eines „Freundes“ reduzieren lassen. Und dreht auf.

Eine klassische New Adult-Romance also. Schon der erste Band, „The Deal – Reine Verhandlungssache“ hat mich stark an Eric Segals „Love Story“ erinnert, das bei genauerer Betrachtung ebenfalls ein „New Adult“ war, wenn auch frei von Sexszenen. Aber die ständigen Wortgeplänkel zwischen den Protagonisten, das Leben auf dem Campus, der Eishockey-Background, der übermächtige Vater (noch dazu mit dem Vornamen Phil), und vor allem Elle Kennedys immer wieder durchscheinende Humor scheinen wirklich Eric Segal als Blaupause zu nutzen. Als Autor kann man sich schlechtere Vorbilder suchen. „Love Story“ war immerhin ein Welterfolg.

Mit anderen Worten: Wer Elle Kennedy noch nicht kennt, ist mit der Off-Campus-Serie gut bedient. Und wer sie kennt, wird sich den neuen Band ohnehin nicht entgehen lassen.

Sarina Bowen – Die Ivy-Years-Reihe

Den ganz großen Durchbruch feierte 2016 wohl Sarina Bowen mit ihrer Ivy Years-Reihe. Im Goodreads-Regal „Popular New Adult 2016 Books“ ist sie gleich mit 6 Titeln vertreten, die allerdings bei näherer Betrachtung alle bereits zwischen 2014 und 2015 veröffentlicht wurden:

Der erste Band der Ivy-Years-Reihe in deutscher Übersetzung erscheint am 28. Juni 2017 unter dem Titel „Bevor wir fallen“ bei Lyx. Das ist neben Piper vielleicht im Augenblick der Verlag, der sich am stärksten im Bereich New Adult hervortut. Von Sarina Bowen hat er auch schon die Vermont-Reihe („True North“ 1-3)  und vor allem die beiden Gay New Adult-Bände der Him-Reihe ins Deutsche übersetzen lassen. Letztere hat Sarina Bowen übrigens zusammen mit Elle Kennedy (s.o.) geschrieben.

Ich selbst habe in die Ivy-Years-Reihe noch nicht reingelesen. Aber Band 1 wirbt mit Statements von Bestseller-Autorinnen des New Adult wie Colleen Hover, die sagt: „Ich habe das Buch absolut geliebt. Und ich kann es nicht abwarten, ihre anderen Bücher zu lesen.“ Oder mit Tammara Webber, ebenfalls eine der Bestseller-Vorzeigefrauen des NA: „Ich habe mir das Buch nicht nur gekauft und verschlungen, ich habe mir die ganze Ivy-Years-Serie besorgt und innerhalb einer Woche gelesen. Es ist OMG (oh my God) – fantastische NA vom Feinsten!“

Colleen Hoover: Nur noch ein einziges Mal

Natürlich hat auch Colleen Hoover 2016 wieder einen Roman auf den Markt geworfen: „It ends with us“ heißt er, und interesanterweise hat diesmal dtv für die deutsche Übersetzung den Zuschlag bekommen. Diese kommt am 10. November 2017 unter dem Namen „Nur noch ein einziges Mal“ in die Buchhandlungen.

Für mich ist Colleen Hoover ohnehin die Queen des New Adult, weil sie es immer wieder schafft, schwierige Themen anzuschneiden und damit eine wesentlich größere Tiefe und Komplexität zu erreichen, als es anderen NA-Autorinnen gerade im Bereich Romance gelingt. Damit weckt sie natürlich  bei uns Leserinnen Emotionen. Und eine solche emotionale Achterbahnfahrt ist auch „It ends with us„. Wer nicht bis November warten will und des Englischen halbwegs mächtig ist, dem sei das Original als Lektüre wärmstens ans Herz gelegt.

Die Protagonistin des neuen Romans heißt Lily Bloom. Sie ist 23, hat die Uni hinter sich, ist von Maine nach Boston gezogen und hat dort einen neuen Job im Marketing angetreten. Zu Beginn des Romans kommt sie von der Beerdigung ihres Vaters, bei der sie die Trauerrede gehalten hat. Nun steht sie mitten in der Nacht auf dem Dach eines 13stöckigen Gebäudes und denkt über den Tod nach, vor allem über den Freitod. Auf diesem Dach lernt sie Ryle Kincade kennen, einen Neurochirurgen mit 200$-Frisur, ausgeprägtem Bizeps und einer Vorliebe für Joints. Und einer starken Abneigung gegen Beziehungen, wie Lily später herausfinden soll.

Jay Crownover: Die Saints of Denver-Serie

Von Jay Crownovers „Saints of Denver“-Serie hat es nur der erste BandBuilt“ in die Liste der populärsten New Adult-Bücher 2016 geschafft. Ich gehe aber davon aus, dass sich das im nächsen Jahr ändern wird. Band 2 erschien im Oktober 2016, zu spät, um noch auf die Liste der beliebtesten Titel zu kommen. Band 3 ist  seit April 2017 erhältlich und Band vier für Juni angekündigt. Im Original, wohlgemerkt

Dummerweise gibt es von den deutschsprachigen Verlagen noch gar kein Zeichen, dass eine Übersetzung in Planung sei. Ihre „Marked Men„-Reihe erschien 2015/2016 bei Bastei Lübbe. Mit dieser hat es Jay Crownover in die New York Times-Bestsellerliste gebracht. Ihre Helden sind allesamt tätowierte und gepiercte Bad Boys, und ihre Heldinnen wissen, dass diese Typen eigentlich nicht gut für sie sind. Und trotzdem knistert es mächtig zwischen ihnen. Ich liste die drei Bände hier einmal auf, weil sie noch relativ frisch auf dem deutschen Markt sind – und weil eben von Jay Crownover auf Deutsch nichts Neueres zu bekommen ist:

Offensichtlich bleibt Crownover in ihrer neuen Reihe „Saints of Denver“ diesem Stil treu. Zeb Fuller, Protagonist von „Built„, ist zumindest so ein Bad Boy, hat einen Gefängnisaufenthalt hinter sich, arbeitet im Baugewerbe. Zur Zeit arbeitet er für Sayer Cole, eine kühle Anwältin, in deren Gegenwart er sich vorkommt wie ein Neandertaler in Jeans. Aber als seine Vergangenheit ihn einholt, braucht er ihre Hilfe. Und schon bald knistert es mächtig zwischen den beiden.

Die „Saints of Denver“-Reihe umfasst derzeit vier Bände und einen Prolog. Wie gesagt, derzeit nur im amerikanischen Original zu bekommen:

Samantha Young: London Road (Edinburgh Love Stories)

Samantha Youngs Roman „London Road“ ist ein echtes Phänomen. Bereits 2013 erschienen, gehörte er auch 2016 noch zu den meistgekauften New Adult-Titeln, ist also ein absoluter Longseller. Schnell hatte er die Bestsellerlisten von New York Times, USA Today und Wall Street Journal erobert und mittlerweile 42 Auflagen erreicht. Die Übersetzungsrechte wurden in 29 Ländern verkauft. Eine deutsche Fassung erschien noch im selben Jahr und hat ebenfalls prompt die Spiegel-Bestsellerliste gestürmt.

Dabei hat Samantha Young der ersten Band der Reihe, „Dublin Street„, zunächst als eBook im Selbstverlag veröffentlicht. Aber als sich der Roman innerhalb von sechs Wochen über 200.000 Mal verkaufte und sie damit auf Platz 1 des Amazon US-Kindle Store und der Bestsellerlisten von New York Times und USA Today auftauchte, wurden auch die herkömmlichen Verlage auf sie aufmerksam und fingen an, sie zu umwerben. Eine typische Entwicklung für die Autorinnen des New Adult, allerdings zu einer Zeit, als noch nicht jede amerikanische Newcomer-Autorin sich in dem Genre versuchte, um eine Scheibe vom großen Kuchen abzubekommen.

London Road“ ist Band 2 der Reihe „Edinburgh Love Stories„, so der Serien-Titel in deutscher Übersetzung. Im Original heißt die Serie „On Dublin Street„. Ich fand, dass der Titel des Originals Assoziationen mit Irland wachrief, und war deswegen ein wenig irritiert, als es in der deutschen Übersetzung dann „Edinburgh“ hieß. Aber inzwischen wurde mir klar, dass diese Dublin Street eben in Edinburgh liegt und nicht in Irland.

Worum geht es in „London Road„? Johanna Walker hat es nicht leicht. Ihre Mutter ist Alkoholkerin, der ständig prügelnde Vater hat sich abgesetzt. Um ihren jüngeren Bruder Cole muss sie sich weitgehend allein kümmern. Um das nötige Geld ranzuschaffen, arbeitet sie in zwei Berufen: tagsüber als persönliche Assistentin für einen Anwalt und abends als Serviererin in einem Club. Jeweils nur für ein paar Tage die Woche. Deswegen ist sie auf fördernde finanzielle Unterstützung reicher Freunde angewiesen, wie derzeit auf den 15 Jahre älteren Malcolm Hendry.

Malcolm ist Anwalt, hängte den Job jedoch an den Nagel, als er im Lotto den Jackpot knackte. Er stieg dann in den Immobilienmarkt ein und besitzt inzwischen mehrere Häuser. Vor allem aber genießt er sein Leben als Millionär. Jo sucht in erster Linie einen Versorger – für sich und ihren Bruder Cole. Dadurch gerät sie immer wieder an Sugardaddys, wie ihre beste Freundin Joss die Kategorie Mann nennt, mit denen sie abhängt.

Die Eröffnungsszene ist symptomatisch: eine Ausstellung von Malcolms Ex Becca. Johanna fühlt sich unterlegen, versteht die Bilder nicht, versucht, sich kultiviert zu geben. Sie reckt sich, um Malcolm gerecht zu werden. Der Preis für diese ungleichen Beziehungen ist die ständige Heimlichkeit, was ihre eigene Familie angeht. Da sie ständig in eine andere Rolle schlüpft, ist sie unfähig, sich emotional zu öffnen.

Und dann tritt Cam in ihre Leben. Er ist tätowiert und erst einmal überhaupt nicht ihr Typ. Dazu kommt, dass er als Grafiker derzeit arbeitslos ist. Er bittet Jo sogar, ihr einen Job im Club zu vermitteln.  Aber Johanna merkt, dass sie körperlich auf ihn reagiert. Außerdem zeigt er Interesse an ihrem Leben, hilft ihr mit Cole und akzeptiert, wie sie ist. Zumindest nach anfänglichen Schwierigkeiten.

Die Zählung der Original-Reihe ist ein wenig gewöhnungsbedürftig. Bei den Geschichten mit Nachkommastelle handelt es sich oft um Short Storys, von denen einige gar nicht über die normalen Vertriebswege erhältlich waren, sondern kostenlos auf irgendwelchen Websites veröffentlicht wurden. Auch ein paar Novellen sind dabei, die später vom Ullstein-Verlag unter dem Namen „Edinburgh Love Stories“ gebündelt auf Deutsch herausgebracht wurden.

Mariana Zapata: Mit dem Herz durch die Wand

Mariana Zapata wartet hierzulande noch auf ihren Durchbruch. Während in Amerika inzwischen sieben New Adult-Romane von ihr erhältlich sind, zeigt sich Deutschland erst seit ihrem letzten Buch, „The Wall of Winnipeg and Me„, interessiert. Dieses erschien im Original am 1. März 2016 und gehörte zu den meistverkauften NA-Titeln des Jahres. Dementsprechend hat der Lyx-Verlag nun reagiert und veröffentlicht am 21. Juli 2017 die deutsche Übersetzung „Mit dem Herz durch die Wand„.

„Die Mauer von Winnipeg“ ist in diesem Fall ein kanadischer Footballspieler, Aiden Graves. Er war drei Mal  Verteidiger des Jahres der National Football Organisation (NFO). Seit er sich im Vorjahr die Achillesferse brach und mehrere Monate mit dem Training aussetzen musste, ist er völlig unausstehlich. Manche glauben, er würde nie wieder zur alten Spielstärke zurückfinden. Dabei lebt er für den Sport. Etwas anderes gibt es für ihn nicht.

Vanessa Mazur hat zwei Jahre für ihn gearbeitet: als Assistentin, Haushälterin und gute Fee. Als ihr seine Schrullen zu viel werden, kündigt sie ihren Job. Sie hat Grafikdesign studiert und träumt von einer eigenen Agentur. Wie sie ihre horrenden Studiengebühren je zurückzahlen soll, weiß sie nicht. Aber jetzt setzt sie alles daran, ihren Traum zu verwirklichen und arbeitet an ihrer eigenen Karriere.

Da taucht Aiden wieder auf und bietet ihr einen Deal an: Er will sie heiraten – wenn auch nur auf dem Papier und für den äußeren Schein. Denn im kommenden Jahr wird sein Visum ablaufen. Um als Kanadier in Amerika bleiben – und weiter Football spielen – zu können, braucht er eine Green Card. Und die bekommt er, wenn er mit einer Amerikanerin verheiratet ist. Im Gegenzug würde er ihr helfen, ihre Schulden ab-, und ihre Agentur aufzubauen.

Das Erzähltempo ist für eine New Adult-Storie ungewöhnlich langsam. Die gesamte Geschichte ist aus Vanessas Sicht beschrieben, dabei sehr reflektiert und mit inneren Monologen durchsetzt. Auch die Backstory der beiden Protagonisten bekommt viel Raum. Trotzdem liest sich der Roman schnell weg und entwickelt einen Sog. Damit erweist sich Mariana Zapata als Meisterin der „Slow Burn“-Romance.

Jessica Scott: Before I fall

Für Jessica Scotts Bestseller von 2016, „Before I fall„, hat sich offensichtlich noch kein deutschsprachiger Verlag gefunden. Das mag damit zu tun haben, dass Scott als Veteranin des Irak-Kriegs und aktive Armee-Offizierin auch ihre mittlerweile 23 Romane immer im Armee-Umfeld ansiedelt. Das ist wohl ein Setting, mit dem viele Deutsche wenig anfangen können – oder wollen. Ob sich das mit ihren aktuellen Roman ändern wird?

Auch in „Before I fall“ geht es um einen Ex-Soldaten, Noah Warren. Für ihn zählt nur das Militär, er kennt nur den Krieg. Nun hat er sich an der Columbus State University, Gorgia eingeschrieben, eines Versprechens wegen, das er seinem Leutnant gab. Hier fühlt er sich völlig fehl am Platz, nicht nur, weil er ein paar Jahre älter ist als der Durchschnitt der hiesigen Studenten. Noch vor ein paar Monaten patroullierte er durch irgendein Kaff im tiefsten Irak, so dass der Livestyle auf dem Campus ihm völlig surreal vorkommt. Er hat eine Zulassung für das Magisterstudium der Handelsschule, die allerdings abhängig ist von seinen Leistungen im Fach Statistik. Hier braucht er dringend Unterstützung, denn Mathe war für ihn von je her eine Fremdsprache.

So wird Beth Lamont zu seiner Tutorin. Ihr Vater ist Veteran, hat sich im Krieg eine Rückenverletzung zugezogen und liegt seitdem die meiste Zeit im Bett. Eigentlich wäre das U.S. Department of Veterans Affairs (VA) für ihn zuständig. Aber die drücken sich mit dem Argument, sein Leiden sei nicht vollständig auf den Kriegseinsatz zurückzuführen. So häufen sich die Rechnungen für die diversen Arztbesuche und die Medikamente gegen seine Schmerzen. Denn aufgrund seiner Behinderung nimmt ihn keine Krankenkasse an. Kein Wunder, dass Beth auf das Militär nicht gut zu sprechen ist.

Die Story ist ein wenig ernster als für die meisten New Adult-Romane üblich. Noah leidet am Posttraumatischen Stresssyndrom (PTSD), hält sich nur mit Tabletten über Wasser und belügt sich selbst und andere, um seine Handlungen im Krieg zu rechtfertigen. Und auch Beth hält mit ihrer Familiensituation hinterm Berg. So wird Aufrichtigkeit zu einem Schlüsselthema des Buches, das mit Emotionen nicht geizt, wie im New Adult üblich ziemlich heiß und dabei sehr sinnlich ist.

Auch Jessica Scotts „Before I fall“ ist bereits 2015 erschienen, hat seinen großen Durchbruch aber durch Mund-zu-Mund-Propaganda erst im Folgejahr erreich. Es ist der erste Teil einer Reihe mit dem Titel „Falling„, deren zweiter Teil, „Break my  fall“ 2016 im Original veröffentlicht wurde. Teil 3, „After I fall„, erschien am 21. März 2017, ist also noch relativ frisch auf dem Markt, hat aber auch bereits die 2. Auflage erreicht.

 

 

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Jamie McGuire: Beautiful Burn – Rezension

Jamie McGuire – ein typischer New-Adult-Shootingstar

Im Mai 2011 veröffentlichte Jamie McGuire im Selbstverlag den Roman, „Beautiful Disaster“. Schnell galt das Buch als New-Adult-Sensation, wurde ein Jahr später von Atria Books ins Programm übernommen und fand schließlich seinen Weg auf die Bestseller-Liste der New York Times. Da blieb das Buch 17 Wochen lang. Warner Brothers sicherte sich die Filmrechte. Inzwischen ist es in über eine Millionen Mal verkauft und in mehr als 50 Sprachen übersetzt.

Erfolgsgarant: die Maddox-Brüder

McGuire spielt mit dem Klischee vom harten Kerl mit dem weichen Kern. Travis, der Held von „Beautiful Disaster“, ist am ganzen Körper tätowiert, arrogant, unverschämt, aber als echter Alpha-Typ eben auch absolut durchtrainiert und ungeheuer sexy. Sein Geld verdient er sich mit Prügeleien auf dem Campus. Kämpfen mit hohen Wetteinsätzen.

Er hat vier Brüder, die alle ähnlich ticken: Trenton, Thomas, Taylor und Tyler. „Wenn sich ein Maddox-Bruder verliebt, dann liebt er für immer. Und er kämpft – auch wenn alles andere daran zu zerbrechen droht“, heißt es im Klappentext von „Beautiful Oblivion“, dem vierten Band der Reihe um die Maddox-Brüder. Dieser Spruch gilt im Grunde für die ganze Reihe – und er macht ihren Charme aus.

So ist Tyler, der Held aus „Beautiful Burn“ nicht nur der zum Verwechseln ähnlich aussehende Zwillingsbruder von Taylor, sondern gleicht von seiner Beschreibung her auch Travis, dem männlichen Protagonisten der ersten drei Bände: voller Tattoos, kastanienbraune Augen, klar definierte Muskulatur. Aber eben auch fürsorglich, verständnisvoll und treu.

Band 7 der Reihe: Beautiful Burn

Im März 2017 ist dieser  Band 7 der Reihe auf Deutsch erschienen. Tyler bekämpft  als Hotshot-Feuerwehrmann in den Rocky Mountains Waldbrände. Wir lernen ihn auf einer Party kennen, bei der er in guter Maddox-Tradition in einen Kampf verstrickt ist. Wie schon im ersten Teil der Reihe bei Travis geht es auch hier um viel Geld, das auf den Kampf gesetzt wird. Dass dabei ein Daunensofa, der maßgefertigte italienische Wollteppich und sogar ein 50.000 Dollar teures Originalgemälde des Pop-Art-Künstlers Peter Max zu Bruch gehen, scheint ihn nicht sonderlich zu irritieren. Lediglich das Auftauchen der Gastgeberin Ellison bringt ihn dazu, die Prügelei ins Freie zu verlegen.

Natürlich steigt er mit der jungen Frau in die Kiste und verliebt sich schließlich in sie. Natürlich gibt es Komplikationen. Denn, so fragt das Buchbanner des amerikanischen Originals: „Wie kannst du jemanden lieben, wenn du dich selbst nicht liebst?“ Gemeint ist Ellie, die wegen ihres laxen Umgangs mit mit Alkohol und Drogen ein gewisses Problem damit hat, sich selbst anzunehmen. Und die deswegen auch keinen Jungen wirklich an sich heranlässt.

Die Protagonistin Ellison Edson

Ellison ist die jüngere Tochter von Philip Edson, der ein großes Technologie-Imperium leitet und sich um Geld dementsprechend wenig Sorgen machen muss. Immerhin steht er auf der Liste der Fortune 500. So ist auch Ellison, die von den meisten einfach Ellie genannt wird, ein verwöhntes Party-Girl, das seine Zeit mit Reisen und Nichtstun zubringt. Sie ist Anfang zwanzig und hat sich in ihrem Leben noch nie um einen Beruf bemüht. Den Ferrari, den ihr Vater ihr zum 16. Geburtstag schenkte, fuhr sie schon nach wenigen Tagen zu klump, absichtlich, um sich  zu rächen, weil er ihren Geburtstag vergessen hatte.

Estes Park – der Eingang zu den Rocky Mountains

Das elterliche Ferienhaus, das bei der Fete verwüstet wird, steht in Estes Park im Bundesstaat Colorado. Ein Ort, der vom Tourismus lebt, mit 2.293 Meter über dem Meeresspiegel ein Skiparadies im Winter, bewohnt von knapp 6.000 Einheimischen. Hier befindet sich der Hauptzugang zum Rocky Mountain National Park. Dementsprechend groß ist das Angebot an Cafés und Bars für die Gäste. In Letzteren verbringt Ellie einen Großteil ihrer Zeit. In einigen hat sie bereits Hausverbot.

Fish out of water

Die Geschichte nimmt an Fahrt auf, als Ellies Eltern früher als geplant von einer Reise zurückkommen. Sie haben von der desaströsen Party erfahren und sich sofort auf den Weg gemacht. Unterstützt von der eigens engagierten Lebensberaterin Sally wollen sie die Tochter in ihre Grenzen weisen. Ellies Kreditkarten werden gesperrt und der Zugang zu den Häusern der Familie und die Verfügung über das Personal stark eingeschränkt. 90 Tage darf sie maximal noch im Ferienhaus bleiben. Bis dahin muss sie sich einen Job gesucht und eine eigene Wohnung bezogen haben.

Plotholes und andere Probleme

An dieser Stelle jedoch beginnt die Story, in eine romantische Parallelwelt abzudriften. In Jamie McGuires „Beautiful Burn“ hat Ellie keine Probleme, in kürzester Zeit einen Job bei der örtlichen Zeitung an Land zu ziehen. Und nicht nur das: Innerhalb von sechs Wochen wird sie zur Fotojournalistin befördert und darf für vierzehn Tage die regionalen Feuerwehrleute der „Alpine Hotshot Crew“ auf einen Einsatz begleiten, um Material für einen längeren Artikel zu sammeln. Ganz offensichtlich hat die Autorin an der sozialen Realität in Amerika genauso wenig Interesse wie an der Situation in den Redaktionen der Printmedien. Das mögliche Konfliktpotential, dass sich aus der Konstellation ergibt, wird komplett verschenkt.

Auch der „Fish out of water“-Situation kann oder will Jamie McGuire nichts abgewinnen. Wie geht eine junge Frau, die im ganzen Leben nie Verantwortung übernommen hat, damit um, sämtlicher Ressourcen beraubt zu sein? Wie stellt sie ihre Gewohnheiten um und welche Konflikte bringt das mit sich? Wie gelingt es ihr, ihren Alltag zu organisieren? Kein Wort darüber. Ellie sucht sich eine billige Bleibe und macht Karriere. So einfach ist das.

Der Punkt ihrer Drogensucht wird genauso wenig thematisiert. Ellie hat kein Geld mehr, um sich mit Alkohol und Drogen zu versorgen? Dann nimmt sie eben erst einmal keine mehr, bis sie wieder neues Geld hat. Vierzehn Tage ohne, gleich zu Beginn ihres neuen Lebens, stellen keine wirkliche Herausforderung dar. Spätestens hier hatte ich das Gefühl, dass Jamie McGuire ihre Protagonistin nicht ernst nimmt. Ganz anders etwa als ihre Kollegin Colleen Hoover, die ihre Protagonistinnen zwar auch regelmäßig die tiefsten Tiefen durchleiden lässt, dabei aber immer um realistische Lösungen bemüht ist.

Die „Alpine Hotshot Crew“

In Amerika gibt es ca. 120 Teams von speziell ausgebildeten Feuerwehrleuten, die in die verschiedenen Krisengebiete geflogen werden und sich dort um die Brandbekämpfung bei Wildfeuern bemühen. Die Ausbildung dieser Interagency Hotshot Crews (IHC) ist extrem hart, die Jungs, die daran teilnehmen, sind dementsprechend tough. Ellie begleitet eine solche Truppe zunächst für zwei Wochen, erhält dann jedoch die Erlaubnis, aus ihren Recherchen eine Serie zu machen und den Sommer mit der Hotshot Crew zu verbringen, zu der Tyler Maddox und sein Bruder Taylor gehören.

Auch an dieser Stelle glänzt der Roman nicht gerade vor Realismus. Ellie hat ihre erste eigene Kamera erst ein paar Wochen zuvor erhalten und muss sich zunächst von der Tochter des Zeitungschefs zeigen lassen, wie sie mit den verschiedenen Funktionen umgehen soll. Und während die echten Fotoreporter, die die Crews gelegentlich begleiten, wie der National Geographic Fotograf Mark Thiessen, zumeist auch eine Lizenz als Wildland Firefighter haben, wird Ellie zu ihrem Schutz lediglich Tyler an die Seite gestellt.

Romanze mit Stolpersteinen

All dies scheint die echten Fans von Jamie McGuire wenig zu stören. Das legt den Verdacht nahe, dass die Maddox-Romane weniger als kritisch-realistische Porträts von jungen Erwachsenen gemeint sind, die sich ihren Weg in die Welt der Selbstständigkeit suchen, sondern als eskapistische Romanzen, in deren Mittelpunkt die Liebesbeziehung zwischen einem Alpha-Männchen und verschiedenen Typen von Frauen steht.

Allerdings ist in „Beautiful Burn“ auch dieser Spannungsbogen nicht sauber herausgearbeitet. Ellie ist hin- und hergerissen zwischen ihrem Wunsch nach Nähe zu Tyler und ihrem Gefühl, dass die beiden sich nicht guttun würden. Ihre Beziehung laviert zwischen reinem Sex, Freundschaft, Freundschaft mit Nebenleistungen. Ellie geht zwei Schritte vor, dann wieder zurück, und eigentlich ist nie klar, wo sie steht und warum sie es tut. Das macht es schwer, mit ihr, aus deren Sicht der Roman erzählt wird, mitzufühlen und mitzufiebern. Die Story lebt von Tyler und seiner bedingungslosen Liebe, die alle Höhen und Tiefen geduldig trägt. Ein Mann zum Träumen eben.

Die Sache mit dem Sex

Um die Sex-Szenen zu analysieren, hätte ich gern einen Blick ins amerikanische Original geworfen. Vanessa Lamatsch, die Übersetzerin der Bücher von J. Lynn, hat dem Piper-Verlag, in dem auch Jamie McGuires „Beautiful Burn“ erschienen ist, einmal ein längeres Interview gegeben, in dem es um den Unterschied zwischen englischsprachiger und deutscher Erotik ging. Deutsche Übersetzungen sind deutlich zurückhaltender, so die Quintessenz, sowohl was anatomische Beschreibungen angeht, als auch das konkrete Verhalten im Bett.

Auffallend wird das zum Beispiel bei einer Fellatio-Szene zwischen Ellie und Tyler, in der das Wort „Schwanz“ oder „Penis“ nicht ein einziges Mal vorkommt. Erst nach drei Absätzen erwähnt Ellie, dass sie mit der Hand „die Wurzel seiner Männlichkeit“ umschloss. Und ich habe den Verdacht, dass Jamie McGuire vielleicht nicht ganz so prüde ist, wie der Piper-Verlag sie erscheinen lässt.

Insgesamt gibt es zwar in dem Roman etliche Sexszenen, die auf mich jedoch weitgehend leidenschaftslos dargestellt werden. Was schmecken die Protagonisten, was riechen, was fühlen sie? Statt mit allen Sinnen in die Szene einzusteigen, bleibt McGuire weitestgehend bei einer visuellen Außendarstellung à la „dann geschah das, dann machte er das …“ Prickeln ist anders.

Der perfekte Stoff für Träume

Trotz allem lässt sich „Beautiful Burn“ schnell weglesen. Das mag daran liegen, dass der Roman zu gefühlten 80% aus Dialogen besteht. Konflikte sind ohnehin genug da, auch wenn Jamie McGuire an vielen Stellen darauf verzichtet, sie realistisch auszuarbeiten. Dafür macht sie gelegentlich Nebenschauplätze auf, etwa wenn plötzlich ein FBI-Agent auftaucht, der die illegalen Uni-Kämpfe untersucht. Oder wenn sie Fäden aus den früheren Romanen der Reihe um die Maddox-Brüder aufnimmt und mit neuen Problemen anreichert.

Und überhaupt: Was die Reihe zusammenhält und zum perfekten Stoff für Träume macht, ist die unglaubliche Loyalität der fünf Maddox-Brüder zu ihren Freundinnen. Auch Ellie kann sich sicher sein, dass Tyler durch alle Höhen und Tiefen zu ihr hält, egal, ob sie ihn gerade von sich wegstößt oder seine Nähe sucht. Das ist vielleicht nicht unbedingt realistisch, macht ihn aber ziemlich unwiderstehlich. Zumindest mir ging es so, dass ich für die Szenen mit Tyler auch die etwas verschrobene Ellie gern in Kauf genommen habe.

Titel Beautiful Burn : Roman / Jamie McGuire ; aus dem Englischen von Henriette Zeltner
Person(en) McGuire, Jamie (Verfasser)
Zeltner, Henriette (Übersetzer)
Werk(e) Beautiful burn
Ausgabe Deutsche Erstausgabe
Verlag München ; Berlin ; Zürich : Piper
Zeitliche Einordnung Erscheinungsdatum: 01. März 2017
Umfang/Format 478 Seiten; 19 cm
Andere Ausgabe(n) Erscheint auch als eBook: ISBN: 9783492974790
ISBN/Einband/Preis 978-3-492-31011-6 Broschur : EUR 10.30 (AT), sfr 13.90 (freier Preis), EUR 9.99 (DE)
3-492-31011-7
EAN 9783492310116
Sprache(n) Deutsch (ger), Originalsprache(n): Englisch (eng)
Beziehungen Piper ; 31011
Leseprobe bic-media.com

Herzlichen Dank an den Piper-Verlag, der mir freundlicherweise ein Rezensionsexemplar von Jamie McGuires „Beautiful Burn“ zur Verfügung gestellt hat.

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Seth King: The Summer remains – Rezension

Summer Johnson, die 24jährige Protagonistin aus Seth Kings Roman „The Summer remains“, leidet unter Ösophagusatresie,  einer angeborenen Unterbrechung der Speiseröhre, die dazu führt, dass sie sich nur über eine am Bauch befestige Magensonde ernähren kann. Ihr Ungestüm brachte ihr darüber hinaus eine auffällige Narbe im Gesicht ein. Kein Jackpot, wenn man die Teenagerjahre heil überstehen will.

Als ihr Zustand sich immer weiter verschlechtert, entschließen sich die Ärzte zu einer gefährlichen Operation, die bisher allerdings nur wenige Patienten überlebt haben. Wenn alles gut geht, kann sie danach ein halbwegs normales Leben führen. Wenn nicht, hat sie die letzten drei Monate ihres jungen Lebens vor sich. Sie beschließt, diese drei Monate zur besten Zeit ihres Lebens zu machen und so viele Erfahrungen wie möglich mitzunehmen.

Über eine Dating-App lernt sie Cooper Nichols kennen. Er ist vielleicht ein bisschen zu perfekt. Sieht gut aus, ist charmant, findet sie schön. Ihrer Narbe zum Trotz. Und sogar, als er ihren Schlauch am Bauch entdeckt, irritiert ihn das nicht sonderlich.

Kompliziert wird es erst, als eine Freundin Summers sich Cooper gegenüber verplappert und von der bevorstehenden Operation erzählt. Wie soll man sich auf eine Liebe einlassen, bei der ein tragisches Ende nahezu vorprogrammiert ist?

Eine kleine, ungewöhnliche Liebesgeschichte entwickelt sich, leichtfüßig geschrieben, mit vielen klugen Gedanken über Behinderungen, die Narben des Lebens und innere Schönheit.
Cooper Nichols als love interest ist vielleicht ein wenig zu idealtypisch. Aber Seth King bekommt galant die Kurve, indem er zeigt, wie Cooper zu dem werden konnte, der er heute ist: Zuhause ist seine an Multipler Sklerose erkrankte Mutter auf ihn angewiesen. Und er selbst, der deswegen lange an Depressionen litt, wurde in der Schule zum willkommenen Mobbingopfer. Kein Wunder, dass sein Mitgefühl deutlich ausgeprägt ist und innere Werte ihm wichtiger sind als der schöne Schein. Und da trifft er mit Summer auf genau die Richtige.

Der Roman ist ein klassischer „Young Adult“, wenn auch mit einigen Elementen des „New Adult“: Die Protagonisten sind bereits Mitte 20, und für beide stellt sich die Frage, was sie mit ihrem Leben anfangen. Für Summer ist diese Frage sehr existenziell, solange die Gefahr im Raum schwebt, den Herbst nicht mehr zu erleben. Cooper hingegen hat seine Träume bereits begraben. Er schreibt gern, hat eine Weile für die Zeitung gearbeitet und sein erstes Buchmanuskript im Schreibtisch liegen. Aber erst Summer bringt ihn dazu, wieder an sich und sein Talent zu glauben.

Sexualität spielt allerdings in diesem Roman kaum eine Rolle. Zwar schlafen die beiden irgendwann miteinander, doch ist Seth King ein Vertreter der Old School, die sich in wenigen Andeutungen ergeht und um die Probleme und Ängste , die mit dem Sex einhergehen, einen großen Bogen macht.

Insofern stellt sich die Frage, ob die Kategorisierung des Romans in das Genre „New Adult“, die die Lesergemeinde von goodreads.com unternommen hat, den Kern trifft. Dort fand sich der Roman in der Hitliste für die besten New Adult-Romane des Jahres 2015 unter den Top 10. Das Problem dürfte sein, dass es noch keine allgemein gültige Definition des Begriffs gibt. Dementsprechend ist die Einordnung zwangsläufig schwammig.

Wer sich klar macht, dass E. L. James mit ihren „50 Shades of Gray“ das Genre New Adult eingeleitet hat, wird Seth Kings „The Summer remains“ vielleicht etwas altbacken finden. Der Roman ist eben keine „sexed up“ Coming-of-age-Story,  sondern folgt im Plot dem gängigen Schema der Liebesgeschichte.

Besonders wird die Geschichte durch ihre Protagonisten, die sicher lange im Gedächtnis bleiben werden. Die Dialoge, die Seth King ihnen in den Mund legt, haben eine Tiefe, die mich an Colleen Hoover in ihren besten Phasen erinnert. Auch Cooper könnte durchaus eine Figur aus dem Arsenal Hoovers sein: einfühlsam, verantwortungsbewusst, charmant – der ideale Freund.

Schade ist in der Tat, dass das Thema der Körperlichkeit in diesem Roman, in dem sich alles um die körperliche Beeinträchtigung der Protagonistin dreht, weitestgehend ausgeklammert bleibt. King fährt hier zu deutlich den romantischen Kurs des Young Adult. Seine Protagonisten fühlen sich von ihrem Wesen angezogen, die sexuelle Anziehung spielt so gut wie keine Rolle. Als sie dann doch beschließen, zusammen zu schlafen, wird ihre Begegnung weitestgehend ausgeblendet.

Wer sich daran nicht stört, wird mit einer ungewöhnlichen Liebesgeschichte belohnt.

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Emotionen – das Gerüst jeder Story

Sky aus Colleen Hoovers Roman Hope Forever ist traumatisiert. Sie lässt Jungs an sich rummachen, fühlt aber rein gar nichts dabei. Sie lebt ihr Leben wie eine normale 17jährige, aber als sie sich in Holder verliebt und schließlich mit ihm schlafen will, bricht sie weinend zusammen, übermannt von ihren eigenen Emotionen. Sie weiß schon im Vorfeld, dass er ihr wehtun wird. Dass es nicht schön wird. Und das, obwohl sie bei ihm zum ersten Mal überhaupt dieses Knistern empfindet, das für sie zur Liebe dazugehört.

Hannah Wells aus Elle Kennedys The Deal – Reine Verhandlungssache macht von Anfang an klar: Sie ist Überlebende einer Vergewaltigung. Die Geschichte in ihrem ganzen unfassbaren Ausmaß wird aber erst im Laufe des Romans klar. Genauso, wie sich erst im Laufe der Zeit herauskristallisiert, dass auch Garrett Graham, die zweite Hauptperson, einen ganzen Packen an Mist hinter sich hat. Wieder sind es die ganz großen Emotionen, mit denen die beiden im Laufe des Romans konfrontiert werden.

Und dann ist da Summer Johnson, vielleicht die eindrucksvollste Gestalt in den Neuerscheinungen des „New Adult“ 2015. Sie hat nur eventuell nur noch kurz zu leben, abhängig vom Ausgang einer schwierigen Operation, die ihr bevorsteht. Und sie beschließt, dieses Leben voll auszukosten, Minute für Minute. Selten habe ich von so vielen Leserrezensenten gehört, sie hätten beim Lesen hemmungslos geheult, hätten aber trotzdem nicht aufhören können mit ihrer Lektüre. Seth Kings „The Summer Remains“ ist das nächste Buch auf meinem SUB. Und ich ahne, es wird die ganz große Neuentdeckung, auch wenn das Buch im Augenblick nur als Geheimtipp gehandelt wird und ein deutscher Verlag anscheinend noch nicht angebissen hat.

Worauf ich hinaus will: Bei den Büchern der letzten Zeit wurde mir klar, dass die Autoren mit Gefühlen nicht sparsam umgehen. Das passt zu dem, was ich kürzlich bei Karl Iglesias in „Writing for Emotional Impact“ gelesen habe: Die meisten Leser suchen vor allem eine emotionale Erfahrung. Sie wollen teilhaben an einem emotionalen Spannungsbogen und wollen in der Lektüre die Achterbahn der Gefühle bereisen, sich durchschütteln lassen, abstürzen und wieder in die Höhe geschnellt werden.

Grund genug, mich in den nächsten Tagen und Wochen mehr mit dem Thema zu beschäftigen: Wie entwickeln wir glaubwürdige Gefühle (im Creative Writing)? Wie fühlen sie sich aus Sicht der Protagonisten an? Wie wirken sie auf andere? Wie gelingt ein emotionaler Spannungsbogen?

Ich bin gespannt auf das, was auf mich zukommt. Und ihr?
Liebe Grüße,
Sandra

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New Adult – Ende der Zensur?

Wie kommt es, dass plötzlich ein völlig neues Genre für eine völlig neue Zielgruppe aus dem Nichts entsteht und Autoren reich werden, die mit ihren Produkten nicht einmal einen Verlag fanden? Vielleicht nicht einmal nach einem Verlag gesucht haben? New Adult ist ein spannendes Phänomen. New Adult ist – wie kaum ein anderes Genre – Kind seiner Zeit. Denn die Zensur-Richtlinien sind laxer denn je.

Ich will hier keine Geschichte der Zensur verfassen. Das haben andere Leute bereits sehr ausführlich getan und ich könnte hier nicht viel mehr tun, als mit eigenen Worten zu wiederholen. Was ebenso langweilig wie überflüssig ist. Ich verweise daher z.B. auf den Spiegel-Artikel „Zensur: Die freigesprochene Sexualität“ oder das Interview „Zensur in der Bundesrepublik“ auf literaturkritik.de.

Nie zuvor in der Geschichte war es so einfach, über Sexualität zu schreiben. War es zu Schlegels Zeiten schon ein Zeichen für den sittlichen Verfall, wenn seine Protagonistin Lucinde im Nachthemd beschrieben wurde und dabei eine Schulter entblößte, haben die Akteure des New Adult oft über Seiten hinweg hemmungslosen Sex. Und in vielen der Bücher dieses neuen Genres geht es um kaum etwas anderes als darum, den Traummann oder die Traumfrau zu erobern, um genau jenen Sex genießen zu können.

Tatsächlich ist oftmals New Adult nichts anderes als Romance für die Zielgruppe der 18-30jährigen. Allerdings ebenso häufig auf einem höheren Niveau. Zumindest in den Werken, die sich auf den vorderen Plätzen der Bestsellerlisten wiederfinden, haben die Protagonisten ihre Päckchen zu tragen. Da ist von sexuellem Missbrauch durch den Vater die Rede, von Party-Rape, von Misshandlungen, von lebensbedrohlichen Krankheiten. Wie definieren sich die jungen Erwachsenen? Wie finden sie ihren Weg in die Welt?

Sexualität ist heute aus diversen Gründen kein Aufreger mehr. Die Zensur-Behörden haben längst vor dem sexuellen Overflow in den Medien kapituliert. Titel, die früher auf den Index gekommen wären, werden seit einigen Jahren einfach durchgewunken. In Deutschland hat sich 2006 die Bild-Zeitung einen Spaß daraus gemacht, Titel, deren Indizierung gerade abgelaufen war, zu einer Bild Erotik-Bibliothek zusammenzustellen und diese Edition für kleines Geld dem Volk zur Verfügung zu stellen. Wer ein sichtbares Zeichen für den Wandel braucht, hat es hier gefunden.

Für die jungen Erwachsenen bedeutet dies, eines ihrer vielleicht wichtigsten Themen nun endlich ohne Tabus in den Romanen, die sie lesen, wiederzufinden. Es geht nichtunbedingt um die ersten Erfahrungen mit Sexualität, wohl aber darum, den richtigen Partner für sich zu finden, mit der Sexualität zu experimentieren und einen Weg für sich zu definieren. So behauptet Eva Illouz in ihrer Analyse „Die neue Liebesordnung: Frauen, Männer und Shades of Grey„, der Roman von E. L. James, der von vielen als Initial-Zündung für das Genre New Adult angesehen wird, sei deswegen so erfolgreich, weil viele Leserinnen ihn als Sex-Ratgeber benutzten, um ihr eigenes Erotikleben aufzupeppen.

Und sicherlich: Indem mit völlig neuer Ehrlichkeit Spielarten der Sexualität in der New Adult-Literatur beschrieben werden, bekommen die Leser und Leserinnen der Generatio 18+ Möglichkeiten an die Hand, ihre eigene Sexualität zu spiegeln, zu hinterfragen oder zu erweitern. Inzwischen darf über Sex sehr detailreich geschrieben werden, ohne die Zensur-Behörden auf den Plan zu rufen. Und offensichtlich füllt sich im Augenblick eine Nische, die bislang aus rechtlichen Gründen frei bleiben musste. Die neue Literatur trifft einen Nerv: Wir sind durch die Medien übersensibilisiert für die Sexualität, nur fehlte uns bislang ein Sprachrohr, ein Kanal, um der vermeindlichen Sexualisierung eine Realität gegenüberzustellen.

Womit ich gar nicht sagen will, dass alle Autor/innen des New Adult gleichermaßen verantwortungsvoll mit dem Thema umgehen. Aber das scheint mir normal zu sein, gerade für die Anfangsjahre eines neuen Genres. Viele probieren sich aus, manche mit großer Ehrlichkeit, manche auch, weil sie einfach schnelles Geld machen – und eine Scheibe vom „Shades of Grey„-Hype abhaben – wollen. Die Tatsache, dass die Zensur-Behörden derzeit Sexualität nicht mehr unterdrücken, beschert den Autoren ein völlig offenes Feld.

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New Adult – die wichtigsten Bücher 2015

Hier in Deutschland hat sich „New Adult“ als eingenständiges Genre noch nicht durchgesetzt. Die Protagonist/innen dieser Literatur stehen an der Schwelle zum Erwachsenwerden. Sie gehen ihre ersten Schritte ins Leben hinaus, egal ob ins Studium oder Berufsleben. Und meist ist eines der zentralen Themen die Frage nach der Partnerwahl, der Entdeckung der eigenen Sexualität. Sie gehen angenehm unverklemmt mit dem Thema Sex um und öffnen so eine breite Tür für alle Autoren, die Spaß an erotischen Beschreibungen haben, ohne gleich eine klassische „Romance“ schreiben zu wollen. Auch ist die Leserschicht deutlich jünger als die der bekannten Romance-Reihen. Ihr Kernalter liegt zwischen 18 und 25 Jahren, auch wenn einige Spitzentitel wie die „Fifty Shades of Grey“ sich zu echten All-Agers entwickelt haben.

Wenn ich auf der Suche nach interessanten Titeln in Buchhandlungen stöbern will, ziehe  ich meist von der Mädchenliteratur weiter zur Ecke mit den „frechen Frauen“ und lese mich durch zahllose Klappentexte, um die Bücher herauszuharken, die mich derzeit ansprechen. Erfahrungsgemäß reagieren die meisten Verkäuferinnen, gerade der großen Buchketten, noch ziemlich verständnislos, wenn ich sie nach „New Adult“ frage.

Ein bisschen anders sieht es auf dem englischsprachigen Markt aus. So habe ich auf www.goodreads.com eine Liste der wichtigsten Neuerscheinungen aus dem Jahr 2015 gefunden. Die Leser auf dem Portal – eine Art Schwesterportal zum deutschsprachigen lovelybooks.de, hatten die Möglichkeit, diese Titel zu bewerten. Wirklich repräsentativ ist die Liste nicht. Für die Bestseller des Genres fanden sich ca. 75 Leute, die abgestimmt haben. Aber schon für Platz 10 fanden sich gerade 30 Voter.

Colleen Hoover: Love and Confess

Allerdings ist die Zahl der Bewertungen deutlich höher. Und wahrscheinlich sagt die Zahl der eingegangenen Ratings deutlich mehr über das Interesse am jeweiligen Buch aus, als die paar aktiven Voter. So fanden sich für den Spitzentitel, Colleen HooversLove and Confess“ (Originaltitel: Confess) beachtliche 47.871 ratings bei einem Durchschnitt von 4,29 von 5 Sternen. Das Buch, das im Original im März 2015 auf den Markt kam, ist bereits seit dem 20. November 2015 auch auf Deutsch bei dtv erhältlich.

Ich selbst habe von Colleen Hoover bisher nur „Hope Forever“ gelesen, war aber sowohl vom Stil als auch von der Tiefe des Plots beeindruckt. Wer den Blogpost zu dem Buch verpasst hat, findet ihn hier: Annäherungen – Hope Forever.

Colleen gehört mit Sicherheit zu den Autorinnen, die hierzulande am bekanntesten sind. Bisher war sie in jeder Buchhandlung, in die ich meine Nase steckte, gleich mit mehreren Titeln vorrätig. In der Goodreads-Liste hat sie allein 3 Bücher unter den Top 10. Das spricht für sich.

Für die anderen beiden neuen Titel der Liste, „Never Never2, im Original erschienen im Januar 2015, und November 9„, im Original seit dem 10. November 2015 auf dem Markt, gibt es noch keine deutschen Erscheinungstermine.

Ihr deutscher Verlag, dtv, plant für den 18. März 2016 die Veröffentlichung von „Maybe Someday“ und für den Spätsommer eine Neuausgabe von „Weil ich Will liebe„, diesmal mit einem etwas gesetzteren, dafür aber weniger Fragen offenlassenden Romance-Cover.

Elle Kennedy: The Deal  – Reine Verhandlungssache

Ich selbst lese zur Zeit „The Deal (Off-Campus)“ von Elle Kennedy. Es steht zwar nach den Goodreads-Votings erst auf Platz 4, hat aber stolze 45.733 ratings und sogar noch einen besseren Durchschnit als Hoovers „Confess“, nämlich 4.35 von 5 Sternen. Es erschien im Original am 9. April 2015 und wird auf Deutsch am 1. Juli 2016 als Taschenbuch unter dem Namen „The Deal – Reine Verhandlungssache“ im Piper Verlag veröffentlicht.

Der Plot ist klassisch, mit dem inzwischen fast üblichen Schuss Drama: Hannah, die Protagonistin, ist auf einer Fete mit K.O.-Tropfen wehrlos gemacht und anschließend vergewaltigt worden. In der Folge zieht sie sich zurück, meidet Partys und Alkohol, und widmet sich ganz dem Studium. Schnell wird sie zur Jahrgangsbesten. Allerdings hat sie ein Auge auf den Football-Star der Schule, Justin, geworfen.
Garrett, der Captain  des Eishockey-Teams, möchte von ihr Nachhilfe haben, weil er, wenn sein Notendurchschnitt sich nicht schlagartig verbessert, aus dem Team fliegt. Zuerst hat Hannah überhaupt keine Lust auf den Job, lässt sich aber auf einen Deal ein: Sie braucht Garrett, weil Justin auf Status steht und sie hofft, mit dem Eishockey-Leader an ihrer Seite diesen Status zu erlangen.
Natürlich erkennen beide, dass der/die andere gar nicht so sehr dem Klischee entsprechen und ihre liebenswerten Seiten haben. Bis zu einem gewissen Grad ist die Geschichte vorhersehbar, aber spaßig geschrieben und ohne die körperliche Seite auszuklammern, wie es in der Jugendliteratur normalerweise passiert. Ich kann mich zum Beispiel nicht erinnern, je eine so erfrischende Diskussion zum Thema „Morgenlatte“ gelesen zu haben wie bei Elle Kenedy.

Die OffCampus-Serie von Elle Kennedy umfasst im Original bereits drei Bände, allerdings mit neuen Protagonisten in jedem Roman:

  1. The Deal
  2. The Mistake
  3. The Score

Tammara Webber: Sweet

Tammara gehört zu den Frontfrauen des „New Adult“. Von daher war ich ein wenig überrascht, den ersten Titel von ihr auf Platz 41 der Liste zu finden. Ihre eigene Geschichte ist deswegen spannend, weil sie zeigt, wie das Internet auch völligen Außenseitern eine Möglichkeit bietet. Als sie zu schreiben anfing, kannte noch kaum jemand das Genre, und die Verlage reagierten daher sehr ablehnend auf ihren ersten Text. Der Hype entwickelte sich, ähnlich wie bei E. L. James, also zunächst im Internet, wo sie ihren Roman veröffentlichte. Erst als immer mehr Leser die Verlage bestürmten, sie würden Tammaras Bücher auch in einer Print-Ausgabe haben, bekam sie einen Vertrag. Und stürmte damit umgehend in die Bestsellerlisten.

Bei mir auf dem Stapel ungelesener Bücher liegen derzeit „Einfach. Liebe.“ und „Einfach. Für Dich.„, jene Bücher, mit denen ihr der Durchbruch gelungen ist. Vielleicht hat sie in ihren neueren Romanen ein wenig den Esprit verloren. „Sweet (Contours of the Heart, Bd. 3)„, erschienen im April 2015, hat gerade noch 3.673 ratings bei einem Durchschnitt von 3,92 von 5. Mit einer deutschen Übersetzung ist kurzfristig nicht zu rechnen. Während ihre ersten beiden Bücher auf Deutsch noch bei Blanvalet erschienen, wird ihre „Between the Lines„-Serie demnächtst bei Mira veröffentlicht, Band 1, „Wilde Gefühle„, am 10. März und Band 2 „Wie du mich liebst„, am 10. Mai 2016. Die Verlage hängen also hoffnungslos mit dem Veröffentlichen hinterher.

Falling Hard: A New Adult Anthology

Auf Platz 2 der Voting-Liste findet sich eine Anthologie mit gleich fünf College-Romanen. Die Autorinnen sind Shelly Bell, M.K. Schiller, Aliza Mann, Sage Spelling und Heather Novak. Wer mit einem Buchkauf einen ersten Einblick in das Genre bekommen will, dürfte mit „Falling Hard (A New Adult Anthology)“ gut bedient sein. Allerdings ist die am 23. Mai 2015 erschienene Antho derzeit schon vergriffen und nur noch mit etwas Glück antiquarisch im Netz zu bekommen. Es klingt aber alles danach, dass der Verlag eine neue Auflage plant.

M. Robinson: The Good Ol‘ Boys

Ebenfalls mit 2 Titeln unter den Top Ten ist M. Robinson. Die beiden Bände „Complicate Me“ und Forbid Me gehören zur Serie „The Good Ol‘ Boys“. Eine College-Geschichte, ein Coming of Age, mit den klassischen Themen: Wer bin ich? Wo will ich hin? Und natürlich: Für wen schlägt mein Herz?

Auch M. Robinson gehört zu den Autorinnen, die in erster Linie im Netz veröffentlichen. Das macht Mut. Mit „The Good Ol‘ Boys“ hat sie einen ersten, erfolgreichen Schritt in den Print-Bereich gemacht. Ein deutscher Verlag ist zumindest kurzfristig nicht in Sicht.

Kylie Scott: Die Stage dive-Reihe

Kylies vierter Band der Stage dive-Reihe, Deep, kam im Original am 19. November 2015 auf den Markt und wird bereits am 7. April 2016 auf Deutsch unter dem Titel „Rockstars küsst man nicht“ bei Egmont LYX erhältlich sein. Bei Goodreads erhielt das Buch immerhin 19,926 ratings bei einem Durchschnitt von 4,11 von 5.

Die drei ersten Bände der Reihe sind:

  1. Kein Rockstar für eine Nacht
  2. Wer will schon einen Rockstar?
  3. Rockstars bleiben nicht für immer

Die aus Australien stammende Kylie hat es inzwischen mit ihren Romanen auf die Bestsellerliste der New York Times geschafft. Das Genre hat also Potential nach oben.

Seth King: The Summer Remains

Seth hingegen steht noch relativ am Anfang seiner Karriere. Vier eBooks in der Kindle-edition, jetzt sein erster Print-Roman „The Summer Remains„, der es dank Leservoting auf Platz 9 der besten „New Adult“-Neuerscheinungen 2015 gebracht hat. Nur 2.002 ratings bisher, aber mit einem Durchschnitt von 4,2. Das lässt vermuten, dass von Seth in Zukunft noch mehr zu hören sein wird. Übrigens ist er der einzige Mann auf der Liste, wenn ich das richtig sehe.

Die Leserkritiken klingen begeistert: „Emotional. Heartbreaking. Beautiful. Powerful. Inspiring.“ Nicht wenige erwähnen, sie hätten beim Lesen hemmungslos geweint. Worum geht es? Eine junge Frau, Summer Johnson, leidet unter Ösophagusatresie,  einer angeborenen Fehlbildung, bei der eine Unterbrechung der Speiseröhre im Vordergrund steht.  In drei Monaten hat sie eine OP vor sich, die eventuell Besserung bringt, die aber auch eine 20% Gefahr beinhaltet, nicht mehr aus der Narkose aufzuwachen. Sie beschließt, diese drei Monate zur besten Zeit ihres Lebens zu machen und so viele Erfahrungen wie möglich mitzunehmen. Über eine Dating-App lernt sie Cooper Nichols kennen. Zwischen den beiden entspinnt sich eine hochemotionale Liebesgeschichte.

Manchmal ärgere ich mich über nichtssagende Lobeshymnen von Lesern in Rezensionen. Aber nach zwei, drei Kritiken war ich so neugierig auf das Buch, dass ich es sofort bestellt habe – meinem SUB zum Trotz. Ich will einfach wissen, was Seth da gemacht hat.

Jay Crownover: Asa (Marked Men, #6)

Kommen wir abschließend zu Platz 10 der Liste. Ihr habt ja inzwischen gemerkt: New Adult funktioniert häufig über Buchreihen. Jay Cownover ist mit ihrer Marked Men-Serie inzwischen bei Band 6 gelandet. ASA  erschien am 07. Mai 2015 im Original. 9,790 ratings bei einem Schnitt von 4,2.

In Deutschland kümmert sich der Bastei-Verlag um die Veröffentlichung der Reihe, ist aber erst bei Band 2, der am 11. März unter dem Titel „In seiner Stimme“ erscheinen soll. Band 1, In seinen Augen, ist seit dem 10. September 2015 auf dem Markt.

Ich habe noch keinen der Bände gelesen und schließe lediglich aus den Andeutungen in den Rezensionen, dass es sich bei den „markierten Männern“ um Mitarbeiter eines Tattoo-Studios in Denver/Colorado handelt. Daher haben Tattoos und Piercings, Techniken und die dahinter stehende Philosophie, auch ihren Platz in den Romanen. Ansonsten sind es die üblichen Liebesgeschichten, bei denen mit der Zeit auch der Hintergrund, die Narben, der Protagonisten ans Licht kommt.

Fassen wir zusammen: Was „New Adult“ angeht, hängen die deutschen Verlage hoffnungslos hinterher. So richtig auf den Zug aufgesprungen sind sie erst vor ein bis zwei Jahren, und jetzt gibt es natürlich Nachholbedarf. Wer englische Bücher im Original lesen kann und mag, ist hier klar im Vorteil.

Schön an dem Genre ist, dass auch Außenseiter ohne Verlagsvertrag in dem Genre eine Chance haben. Etliche Autoren der Liste haben bis vor Kurzem nur über KDP oder ähnliche Programme im Internet veröffentlicht. Und zumindest Tammara Webber wäre ohne ihre Fangemeinde im Netz nie zu einem Buchvertrag gekommen.

Euch viel Spaß beim Schmökern,
eure Sandra

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Annäherungen: Hope Forever

Colleen Hovers Roman „Hope Forever“ entdeckte ich auf der Suche nach spannenden Titeln im Genre „New Adult„. Das ist ein Genre, das erst im Schatten der „Twilight-Saga von Stephenie Meyer und dessen Fan-Fiction „50 Shades of Grey“ von E. L. James überhaupt möglich wurde: Bücher für die Altersgruppe von 18 – 30 Jahren, in denen der Schritt von zu Hause hin in die Welt ebenso thematisiert wird wie die ersten tiefen Liebesbeziehungen. Und in denen Sex – aufgrund der Altersgruppe – eine deutlich stärkere Bedeutung zukommt, als es im „Young Adult“ möglich und notwendig ist.

Vielleicht wäre mir Hovers Roman gar nicht weiter aufgefallen, hätte er es nicht auf Platz 1 der New York Times Bestsellerliste gebracht. Das ist in etwa das amerikanische Gegenstück zur Spiegel-Bestsellerliste. So ein Geniestreich gelingt in der Regel nur, wenn das Buch auch über die eigentliche Zielgruppe hinaus eine Menge Leute anspricht. Grund genug, neugierig zu werden.

Lustig fand ich, wie Colleen Hover mit den „Zwölf Stufen körperlicher Intimität“ umgeht, von denen ich gestern geschrieben habe. Natürlich gibt es auch im Roman „Hope Forever“ das erste Abschätzen durch Blicke zwischen Sky und Holder, den ersten Augenkontakt und die ersten Dialoge.

Dann aber wird es unkonventionell. Und ich denke, dies ist einer der Gründe, warum „Hope Forever“ derart die amerikanischen Bestsellerlisten hochgeklettert ist. Die Nummer mit dem Speichelabtausch zieht sie sehr gekonnt nach vorn: Sky joggt jeden Morgen und landet auf ihrer Tour zufällig vor dem Haus von Holder. Die Sommersonne schlägt erbarmungslos zu und Holder bietet Sky seine Wasserflasche an. Sie trinkt, dann nimmt er die Flasche wieder und setzt ebenfalls an – ohne die Öffnung vorher abzuwischen, wie sie registriert. So, wie Colleen Hover die Situation schildert, ist klar, dass es sich hier um eine Stufe der Intimität handelt, lange vor dem ersten Kuss:

Er setzt die Flasche an den Mund, ohne die Öffnung vorher abgewischt zu haben, und hält die Augen unverwandt auf mich gerichtet, während er den Rest austrinkt, ich kann nicht anders, als seinen Lippen dabei zuzusehen, wie sie den Flaschenhals umschließen, den noch vor wenigen Sekunden meine eigenen Lippen berührt haben. Spinne ich, oder ist das fast so, als würden wir uns zeitversetzt küssen?

Auch das Berühren der nackten Haut zieht Hover deutlich vor, und zwar ebenso symbolhaltig, in der gleichen Szene: Sky trägt zum Joggen eine Turnhose und ein kurzes Top. Als Holder die Wasserflasche zurücknimmt, gleitet ein Finger wie zufällig über Skys nackten Bauch.  Wieder ist Sky sich der Situation voll bewusst.

„Wenn du mir deine Wasserflasche gibst, kann ich sie schnell für dich auffüllen.“ Als er sie mir, ohne meine Antwort abzuwarten, aus der Hand nimmt, streifen seine Finger unabsichtlich über meinen nackten Bauch. Ich erstarre.

Der nächste Schritt der undogmatischen Stufenleiter ist die erste gemeinsame Nacht in einem Bett. Kein Kuss, keine Berührungen, alles in voller Unschuld. Sky liest Holder aus einem Liebesroman vor, den ein Freund ihr geliehen hat. Darüber schläft sie selbst ein. Holder bleibt bei ihr.

Erst später kommt es zur ersten Umarmung und dem ersten Kuss, auf die Schläfe. Es folgen ein paar unschuldige Küsse, bevor er mit Lippen und Zunge ihr Gesicht erkundet, ihren Hals, bis hinunter zum Ansatz ihrer Brüste. Und das alles noch vor dem ersten Kuss auf den Mund. Schließlich landen sie doch im Bett, er legt sich auf sie, beginnt, sich mit seinem ganzen Körper an ihr zu reiben. Bis auf seinen nackten Oberkörper sind beide vollständig angezogen. Mehr passiert auch an diesem Abend nicht.

Ich muss an den Satz denken, gute Literatur würde der Erwartungshaltung der Leser entgegentreten und sie ein ums andere Mal überraschen. Genau dies tut Colleen Hover mit ihrem Roman. Sie folgt eben nicht den 12 Stufen der Intimität, sondern würfelt sie durcheinander, spielt mit ihnen. Eine andere Regel fällt mir ein: Gute Autoren sollten die Regeln kennen – um sie anschließend sofort wieder zu brechen.

Viel Spaß dabei wünscht euch
Sandra

 

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