Archiv der Kategorie: Einander fühlen

Wie fühlt sich Haut an? Oder Haar? Was fühlen wir beim Sex? Oder beim Orgasmus? In diesem Bereich der Homepage gehen wir der Frage nach dem Gefühl in der erotisch-sinnlichen Literatur nach.

Berührungen

Ich hatte vor ein paar Tagen über die Frage nachgedacht, wie Haut sich anfühlt. Dabei habe ich gemerkt, dass ich mit dem Tastsinn noch nicht durch bin. In der erotischen Literatur treffen ständig Leute aufeinander, die sich gegenseitig berühren, die sich streicheln, über die Haut streichen, sich anfassen, ertasten, greifen und grapschen, die sich liebkosen und packen. Wie fühlt sich das an? Wie fühlen wir überhaupt? Welche Synonyme haben wir für die verschiedenen Arten der Berührung?

Heute also eine Wortwolke rund ums Thema Anfassen und Anfühlen. Bei den Definitionen habe ich nur jene berücksichtigt, die in direktem Zusammehang mit dem Thema stehen. Etliche Worte haben darüber hinaus weitere Bedeutungen, auf die ich hier aber nicht eingehe :

anfassen mit der Hand oder den Fingern absichtlich berühren
anfühlen etwas mit den Fingern berühren, um ein Gefühl dafür/davon zu bekommen
angreifen (lds.) süddeutsch, österreichisch für jemanden anfassen oder berühren
ankuscheln vom französischen ‚coucher‘ für schlafen, sich zu Bett legen: sich an jemanden oder etwas anschmiegen
anlangen (lds.) süddeutsch für etwas anfassen, auch speziell unsittlich berühren
anpacken fest mit den Händen fassen
anrühren  jemand oder etwas anfassen, berühren
anschmiegen  sich zärtlich irgendwo herandrücken oder anlehnen
anstreifen  leicht berühren
antasten  (selten) mit den Händen tastend anfühlen, berühren
antatschen (col.)  jemanden/etwas [tollpatschig] anfassen
antippen (col.)  leicht und kurz berühren
antupfen  etwas leicht berühren
befingern (col.)  sich mit den Fingern an etwas zu schaffen machen
befummeln neugierig betasten, untersuchen;  sexuell berühren, betasten
befühlen  etwas vorsichtig/prüfend berühren
begrabbeln (col.) schnell greifen, fassen nach, tastend befühlen, umhergreifen, herumwühlen
begrapschen (col.) in als unangenehm empfundener Weise anfassen, befühlen, betasten
begreifen (lds.)  sinnliches berühren, sinnliches ergreifen, befühlen, betasten, greifend prüfen
bekrabbeln (lds.)  befühlen, betasten (wohl Variante von grabbeln)

„Zeugts, Schwestern, sanft bekrabbelt Um Hüft‚ und Brust, Wie holdihr zuckt und rabbelt Vor Seelenlust!“ Johann Heinrich Voss

betasten  (mit den Händen) vorsichtig oder unsicher über etw. hinweggleiten, nach etw. suchen, greifen
betatschen (col.)  in plumper Art und Weise mit der Hand berühren, befühlen, anfassen
empfinden  sinnlich wahrnehmen, fühlen, spüren, (leidend) erfahren
fassen (mit der Hand) ergreifen
fühlen  mit dem Tastsinn wahrnehmen, empfinden
hätscheln  liebkosen, streicheln, verwöhnen
herzen  jemdanden ans Herz drücken, liebkosen
hinlangen (col.) an eine bestimmte Stelle langen, nach einer bestimmten Sache greifen, fassen
in den Arm nehmen  selbsterklärend
In die Hand nehmen  selbsterklärend
knuddeln  liebkosend an sich drücken, umarmen
kosen  Zärtlichkeiten, zärtliche Worte miteinander tauschen, streicheln
kraulen jemanden mit den Fingerspitzen sanft kratzen, weich und liebkosend streicheln
liebkosen  jemanden sein starkes Gefühl der Zuneigung durch vertrauliche Zärtlichkeiten ausdrücken
massieren Körperteile zur Heilbehandlung streichen, kneten oder klopfen
packen  nach jemanden derb fassen und ihn festhalten
rühren  (mit der Hand) leicht anfassen, streifen
schmiegen  (sich) zärtlich eng andrücken, sich an jmdn., etw. wohlig, behaglich anlehnen, andrücken
schmusen  salopp mit jmdm. schmusen: zu jmdm. zärtlich sein, jmdn. liebkosen
streicheln  wiederholt und sanft (als Liebkosung) mit der Hand über etw. hinstreichen
streifen  jmdn., etw. mit einer (schnellen) Bewegung leicht, flüchtig berühren
tasten  (mit den Händen) vorsichtig oder unsicher über etw. hinweggleiten, nach etw. suchen, greifen
tätscheln  jmdn., etw. leicht liebkosend klopfen, streicheln
tippen  mit dem Finger, dem Fuß leicht berühren
touchieren  etw. mit etw. (z.B. Hand, Fingern) berühren
verspüren  etw. durch die Sinne, körperlich wahrnehmen, spüren
Zärtlich sein  liebkosend, liebevoll, fürsorglich sein
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Wie kann ich Haut beschreiben?

 Creative Writing: Haut beschreibenGerade kommt Sandra aus der Dusche. Ihrer roten Haut sehe ich an, dass sie lange unter dem heißen Strahl gestanden hat. Von ihren Haaren geht der Duft des neuen Aprikosen-Shampoos aus. Sie stellt sich  zu mir an den Schreibtisch, schaut, was ich tue. Ich umarme sie mit meiner Linken. Meine Hand liegt auf ihrem Oberarm. Noch hat sich die Feuchtigkeit nicht ganz verzogen. Ihre Haut ist aufgeheizt, fühlt sich weich an. Mit dem Mittelfinger ertaste ich die Narbe, die sie sich als Kind bei einer Impfung zugezogen hat.

Wie fühlt sich Haut an? Ein paar Fragen können helfen, die Haut eurer Protagonisten individueller zu beschreiben:

  • Ist die Haut kalt oder heiß?
  • Trocken oder feucht?
  • Rau oder zart?
  • Sauber oder verdreckt?

Indem ihr die Frage nicht nur beantwortet,  sondern auch den Grund für diesen Zustand in die Geschichte einbaut, erhaltet ihr bereits einen Subtext, eine zweite Ebene. Zum Beispiel:

Kommt die Protagonistin gerade aus der Dusche wie Sandra eben? Dann ergibt sich die Frage, ob sie zu den Leuten gehört,  die gern heißes Wasser über ihren Körper rieseln lassen, oder ob sie der sportliche Typ ist, der sich unter dem kalten Strahl der Dusche abhärtet. Davon hängt nämlich ab, ob die Haut vom Wasser noch leicht gerötet ist, ob z.B. die Nippel durch die zusammengezogene Haut aufgerichtet sind, und eben auch, ob die Haut sich kalt oder warm anfühlt.

Als was arbeitet euer Protagonist? Wenn er viel mit schwerem Gerät zu tun hat, werden seine Hände ledrig hart, bisweilen auch schwielig sein. Arbeitet er viel unter freiem Himmel, gilt dies auch für alle Partien, die häufig der Sonne ausgesetzt sind. Vom wettergegerbten Gesicht der Bauern lese ich regelmäßig. Fast schon ein Klischee, aber treffend.

Muss Haut in unseren Geschichten immer sauber sein? Je nach Zustand kann sie fettig, schmierig, glitschig, schlüpfig, klebrig sein. Unter einer Schicht Dreck wird sie stumpf.

Geht euer Protagonist regelmäßig zur Maniküre oder  Pediküre? Natürlich hat das Auswirkungen darauf, wie seine Haut sich an Händen und Füßen anfühlt. Sie sind entweder weich und glatt, oder verhärtet und rau.

Aber schon das Wetter kann unsere Haut kurzfristig verändern. Bei kaltem Wetter kann es zu Gänsehaut kommen. Die kleinen Härchen auf den Armen richten sich auf und an ihren Ansätzen bilden sich kleine Hügel. Die Haut zieht sich vor Kälte zusammen. Sie fühlt sich kalt an, vielleicht sogar zittrig, frostig, eisig, wenn euer Protagonist gerade aus der Kälte in die Wohnung zurückkommt.

Bei heißem Wetter hingegen ist Haut oft feucht, verschwitzt, zumindest aufgeheizt und warm.

Die Haut alter Menschen wird oft trocken, bisweilen auch rissig oder runzelig. Diesen Zustand nennt man auch schrundig, bzw. zerschrunden. Ebenfalls bedingt durch das Alter wird sie zunehmemd schlaff und faltig, später auch verhornt und ledrig.

Das Fass „Hautkrankheiten“ mit den damit verbundenen Besonderheiten der Haut will ich an dieser Stelle gar nicht aufmachen. Ich habe überlegt, ob es in einer erotischen  Geschichte überhaupt thematisiert werden kann. Dann aber erinnerte ich mich an die Mutter aller romantischen Liebesgeschichten, Eric Segals „Love Story“ , die ohne die Krebserkrankung der Protagonistin Jenny viel ihres dramatischen Potentials verloren hätte. Warum also nicht auch eine Erkrankung thematisieren?

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