Archiv der Kategorie: Plot

Plot, das sind Ereignisse, die einander folgerichtig bedingen. Eins führt zum anderen, wird auf die Spitze getrieben, löst sich auf. Plot in der erotischen Literatur? Nichts anderes. So einfach, so kompliziert. Deswegen eine eigene Rubrik in diesem Blog.

ENF – Embarrassed Nude Female

Wir haben an anderer Stelle darüber gesprochen, dass Sandra und ich ein paar Subgenres oder Nischen haben, die wir besonders gern bedienen. Dazu gehört ENF: Embarrassed Nude Female. „Nude Female“ – „Nackte Frau“ versteht sich von selbst. Embarrassed steht für „verlegen, peinlich berührt, außer Fassung“.

Warum ENF?

Das Gefühl, angesichts der eigenen Nacktheit verlegen zu sein, kennt jeder. Es ist zutiefst menschlich. Anders als in der Hardcore-Pornografie, bei der es letztlich nur ums Abspritzen geht, bietet ENF eine Vielzahl von Möglichkeiten, realistischere Szenarien zu entwickeln, in denen wir uns wiederfinden können.

Wenn ENF gut gemacht ist, leiden wir mit den Protagonisten. Und haben so die Grundvoraussetzung für jede gute Geschichte: den Konflikt. Ohne Konflikt funktioniert eine Story einfach nicht. Deswegen liest sich Anfänger-Erotik oft auch so dröge: Zwei Leute lernen sich kennen, lieben, sie vögeln miteinander. Kein Konflikt, keine Spannung, kein Grund weiterzulesen. Nein, das Leben schreibt eben nicht die besten Geschichten.

Bespiele für ENF

Gründe, warum eine Frau plötzlich unfreiwillig nackt dasteht, gibt es viele. Mittlerweile tausendfach wiederholt ist die Szene, in der eine Frau unter der Dusche steht, es klingelt, sie wickelt sich ein Handtuch um den Körper, geht zur Tür. Der Wind schlägt die Tür zu, das Handtuch ist eingeklemmt, ohne Schlüssel ist kein Reinkommen möglich. Peinlichkeit vorprogrammiert.

Sehr schön hat Sandra das Thema ENF in ihrer Geschichte „Bühnenangst“ durchgespielt: Eine junge Frau wird während einer Theaterprobe aufgefordert, sich auf der Bühne auszuziehen. Und das, obwohl das im Stück ursprünglich überhaupt nicht vorgesehen war. Sie muss sich entweder ihrer Verlegenheit stellen oder ihren Traum von der Bühnenkarriere begraben. Der Regisseur, der bemerkt, wie sie zunehmend außer Fassung gerät, drängt sie, immer weiter zu gehen.

Einen ganz ähnlichen Weg habe ich mit der Geschichte „Svetlana“ eingeschlagen: Eine junge Frau gerät an einen Kerl, der sie immer tiefer in die Welt des SM einführt. Aber mit der Zeit wird sie immer mehr zu seiner Trophäe: So muss sie auch dann in der Wohnung nackt bleiben, wenn seine Freunde zu Besuch kommen. Auch er geht in seinen Forderungen mit der Zeit immer weiter.

Liste der Ausgangssituationen für ENF

Hier eine – wahrscheinlich unvollständige – Liste jener Gründe, die mir gerade einfallen, aus denen eine Frau plötzlich in einer peinlichen Situation nackt dasteht:
• Wetten
• Spiele (z.B. Pfänderspiele)
• Herausforderungen (z.B. „Money talks“)
• Zufall (s. Handtuchszene oben)
• ärztliche Untersuchungen
• Massagen
• Leibesvisitationen
• Initiationsriten
• Hypnosesitzungen
• Magie
• Albtraum

Letztlich geht es bei ENF immer um Scham. Die Frau wird rot, sie zittert, versucht, ihre primären Geschlechtsteile zu bedecken. Vielleicht versucht sie, die Peinlichkeit mit einem Lächeln zu überspielen. Vielleicht wehrt sie sich auch gegen die Aufforderung. Viele Leser finden solche Szenarien überaus erotisch, auch wenn es dabei zu überhaupt keinem Geschlechtsverkehr kommt.

ENF und der Orgasmus

Andererseits bieten einige dieser Genre-Nischen durchaus Möglichkeiten für Orgasmen. Bei den Hypnose-Settings werden Frauen oft dazu gebracht, auf Stichwort oder Fingerschnipsen einen Orgasmus zu erleben, was gerade dann, wenn die Verknüpfung bei Beendigung der Sitzung nicht wieder aufgehoben wird, zu irrwitzigen Situationen führen kann. Ich habe aber auch schon Geschichten gelesen, in denen die Protagonistin einfach aufgefordert wird, sich in Trance selbst zu befriedigen. Auch da kann es peinlich werden, wenn der Hypnotiseur zwischenzeitlich die Trance aufhebt und die Protagonistin erkennt, in welcher Situation sie gerade steckt.

In manchen Settings werden die Protagonistinnen sanft gezwungen, vor ihren angekleideten Beobachtern zu masturbieren. Gerade dann, wenn das Ausziehen vor anderen ohnehin mit Scham behaftet ist, setzt die Aufforderung, sich selbst zu befriedigen, noch mal einen drauf. So geht es ja auch Anna in der oben schon beschriebenen Geschichte „Bühnenangst“.

Bei den Initiationsriten gibt es zahllose Geschichten, in denen als letzte Prüfung ein Geschlechtsakt ansteht, sei es mit einem Mann oder einer Frau. Hier habe ich allerdings das Gefühl, dass dieser finale Sex oft ein anbiedernder Versuch ist, einen Fuß in die Pornotür zu bekommen. Er wirkt oft aufgesetzt, mitunter sogar störend. Denn eine Frau, die eben noch Schwierigkeiten damit hatte, sich nackt zu zeigen, wird kaum einen berauschenden Höhepunkt mit einem anderen Menschen erleben, solange andere dabei zusehen.

Nebennischen zum ENF

Gerade im Bereich der Subgenres wird es manchmal schwierig, die Grenzen der Nischen sauber zu ziehen. Oft fällt ENF zusammen mit Stichworten wie OON (only one naked – nur eine Person ist nackt), CMNF (clothed man naked female – angezogener Mann und nackte Frau) und NiP (naked in Public – nackt in der Öffentlichkeit). Hier hängt es einfach vom Schwerpunkt des Autoren ab, in welche Kategorie eine Geschichte gehört.

So ist meine Story „Das Jagdschloss“ ein gutes Beispiel für CMNF und OON: Nina bekommt die Möglichkeit, sich in einem abgelegenen Jagdschloss frisch zu machen. Sie nimmt eine Dusche und erhält anschließend sogar eine intime Massage. Aber alle Wände sind mit venezianischen Spiegeln ausgestattet, so dass sie in jeder Situation von den anderen Gästen des Schlosses beobachtet werden kann. Was ihren Freund, der dies gerade erst entdeckt, an den Rand des Wahnsinns treibt. Da aber Nina nicht davon ausgehen kann, dass sie beobachtet wird, ist sie auch nicht beschämt und verhält sich völlig natürlich. Daher handelt es sich hier um keine ENF-Story.

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Versuch’s mit dem Gegenteil

Heute habe ich die Lektüre von Colleen Hoovers „Hope Forever“ beendet. Während ich über das Buch nachdenke, muss ich unwillkürlich immer wieder schmunzeln – und das, obwohl das Buch über die Liebesgeschichte hinaus ein sehr ernstes, tiefes Thema hat. Aber letztlich ist es genau dieses Thema, das über die Hälfte des Buches nur leicht durchschimmert und erst im späteren Verlauf seine volle Wucht entfaltet. Finde ich grandios gelöst. Alles ist von der ersten Seite an angelegt, ergibt aber erst mit der Zeit einen Sinn.

Aber ich will hier keine Spoiler verbreiten. Ich hatte ja gestern bereits darüber geschrieben, wie Colleen Hoover die „Zwölf Stufen körperlicher Intimität„, die bei den meisten Menschen nach dem immer gleichen Muster ablaufen, mal eben komplett durcheinander mischt, um so die Liebesgeschichte zwischen Sky und Holder zu etwas Einmaligen zu machen, das im Gedächtnis haften bleibt.

Einen ganz ähnlichen Trick benutzt Hoover bei den SMS, die Holder Sky regelmäßig schickt. Von der ersten Textnachricht an bricht sie aus dem Klischee aus, indem sie Holder genau das Gegenteil von dem schreiben lässt, was der Leser erwarten würde. Als Autor sind solche Briefe ein gefährliches Pflaster. Es ist klar, dass es zwischen Sky und Holder gefunkt hat. Was kommt als nächstes? Liebesschwüre per Handy? Belanglosigkeiten, die der Tod jeder guten Geschichte wären? Hier die erste SMS von Holder:

Deine Kekse schmecken nach Hundefutter. Und bilde dir bloß nicht ein, dass du besonders hübsch wärst.

All das ist gut eingefädelt. Sky hat eine Freundin, Six. Die setzt sich aber gerade für ein Austauschjahr nach Italien ab. Und so bleibt den Mädchen nur die Chance, per Handy Kontakt zu halten. Six macht nun etwas, was für eine Mädchenfreundschaft ziemlich ungewöhnlich, im Rahmen des Plots aber ungemein wichtig ist: Sie sendet Sky jeden Tag eine aufbauende SMS à la

Sky, du bis wunderschön, höchstwahrscheinlich sogar das schönste Geschöpf des gesamten Universums, und wenn jemand das Gegenteil behauptet, muss ich ihn leider töten.

Die eine Funktion dieser Textnachrichten im Rahmen des Plots ist, den Sympathiefaktor für Sky zu steigern. Dies ist gerade am Anfang eines Romans wichtig, weil der Leser hier entscheidet, ob ihm die Hauptfigur sypathisch ist oder nicht. Da die Geschichte aus Skys Perspektive erzählt wird, kann sie sich schlecht selbst loben, um den Leser für sich einzunehmen. Deswegen ist es hilfreich, möglichst früh einen Zeugen zu installieren, der sich darüber auslässt, wie toll die Protagonistin ist. Wer über diese Techniken mehr erfahren will, dem sei das Buch Writing for Emotional Impact: Advanced Dramatic Techniques to Attract, Engage, and Fascinate the Reader from Beginning to End von Karl Iglesias dringendst anempfohlen. Er listet in einem eigenen Kapitel sämtliche Möglichkeiten auf, den Leser für einen Protagonisten einzunehmen.

Die zweite Funktion bezieht sich auf das Spiel, das Holder entwickelt, nämlich immer genau das Gegenteil von dem in seinen Textnachrichten mitzuteilen, was er wirklich denkt. Dadurch lassen sich alle Klischees, die bei solchen SMS-Wechseln gern auftauchen, wunderbar umgehen. Der Grund, warum Holder solche Nachrichten schreibt, ist, dass er findet, Six würde mit ihren Botschaften das Ego von Sky bis zum Zerplatzen aufblasen. Und er müsse nun etwas tun, damit Sky wieder auf den Teppich kommt.

Wer mir nicht glaubt, dass Six vor allem dafür in den Roman eingebaut wurde, um die guten Seiten von Sky hervorzuheben – und um Holder ein Motiv für seine eigenen, absurden SMS-Nachrichten zu geben, möge einmal schauen, wie Six im weiteren Verlauf des Romans immer seltener auftaucht und zum Schluss gar keine Rolle mehr spielt. Für eine beste Freundin, die bereits auf den ersten Seiten eingeführt wurde, ist dies äußerst ungewöhnlich.

Dies ist ein weiterer guter Tipp für alle Autoren: Genau das Gegenteil von dem schreiben, was der Leser erwarten würde. Das macht neugierig, verhindert Klischees, und sorgt außerdem für eine Prise Humor.

Besonders aufgefallen ist mir diese Technik in den Dialogen der Fernsehserie „Gilmore Girls„. Die Serie ist ohnehin durch ihre geschliffenen Dialoge mit zahllosen Anspielungen auf Film, Musik, Politik, Literatur und Ereignisse des Zeitgeschehens zu Berühmtheit gelangt. Das Stilmittel, genau das Gegenteil von dem zu sagen, was in der Situation gerade erwartet wird, findet dort recht häufigen Gebrauch. Das sorgt gelegentlich für einen absurden Touch, macht aber beim Zusehen ungemein Spaß.

Also: Wenn ihr gerade das Gefühl habt, eure Geschichte oder eure Dialoge bewegen sich zu nahe am Klischee, versucht es einfach mal mit dem genauen Gegenteil.

Viel Spaß dabei, alles Liebe,
Sandra

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Annäherungen: Hope Forever

Colleen Hovers Roman „Hope Forever“ entdeckte ich auf der Suche nach spannenden Titeln im Genre „New Adult„. Das ist ein Genre, das erst im Schatten der „Twilight-Saga von Stephenie Meyer und dessen Fan-Fiction „50 Shades of Grey“ von E. L. James überhaupt möglich wurde: Bücher für die Altersgruppe von 18 – 30 Jahren, in denen der Schritt von zu Hause hin in die Welt ebenso thematisiert wird wie die ersten tiefen Liebesbeziehungen. Und in denen Sex – aufgrund der Altersgruppe – eine deutlich stärkere Bedeutung zukommt, als es im „Young Adult“ möglich und notwendig ist.

Vielleicht wäre mir Hovers Roman gar nicht weiter aufgefallen, hätte er es nicht auf Platz 1 der New York Times Bestsellerliste gebracht. Das ist in etwa das amerikanische Gegenstück zur Spiegel-Bestsellerliste. So ein Geniestreich gelingt in der Regel nur, wenn das Buch auch über die eigentliche Zielgruppe hinaus eine Menge Leute anspricht. Grund genug, neugierig zu werden.

Lustig fand ich, wie Colleen Hover mit den „Zwölf Stufen körperlicher Intimität“ umgeht, von denen ich gestern geschrieben habe. Natürlich gibt es auch im Roman „Hope Forever“ das erste Abschätzen durch Blicke zwischen Sky und Holder, den ersten Augenkontakt und die ersten Dialoge.

Dann aber wird es unkonventionell. Und ich denke, dies ist einer der Gründe, warum „Hope Forever“ derart die amerikanischen Bestsellerlisten hochgeklettert ist. Die Nummer mit dem Speichelabtausch zieht sie sehr gekonnt nach vorn: Sky joggt jeden Morgen und landet auf ihrer Tour zufällig vor dem Haus von Holder. Die Sommersonne schlägt erbarmungslos zu und Holder bietet Sky seine Wasserflasche an. Sie trinkt, dann nimmt er die Flasche wieder und setzt ebenfalls an – ohne die Öffnung vorher abzuwischen, wie sie registriert. So, wie Colleen Hover die Situation schildert, ist klar, dass es sich hier um eine Stufe der Intimität handelt, lange vor dem ersten Kuss:

Er setzt die Flasche an den Mund, ohne die Öffnung vorher abgewischt zu haben, und hält die Augen unverwandt auf mich gerichtet, während er den Rest austrinkt, ich kann nicht anders, als seinen Lippen dabei zuzusehen, wie sie den Flaschenhals umschließen, den noch vor wenigen Sekunden meine eigenen Lippen berührt haben. Spinne ich, oder ist das fast so, als würden wir uns zeitversetzt küssen?

Auch das Berühren der nackten Haut zieht Hover deutlich vor, und zwar ebenso symbolhaltig, in der gleichen Szene: Sky trägt zum Joggen eine Turnhose und ein kurzes Top. Als Holder die Wasserflasche zurücknimmt, gleitet ein Finger wie zufällig über Skys nackten Bauch.  Wieder ist Sky sich der Situation voll bewusst.

„Wenn du mir deine Wasserflasche gibst, kann ich sie schnell für dich auffüllen.“ Als er sie mir, ohne meine Antwort abzuwarten, aus der Hand nimmt, streifen seine Finger unabsichtlich über meinen nackten Bauch. Ich erstarre.

Der nächste Schritt der undogmatischen Stufenleiter ist die erste gemeinsame Nacht in einem Bett. Kein Kuss, keine Berührungen, alles in voller Unschuld. Sky liest Holder aus einem Liebesroman vor, den ein Freund ihr geliehen hat. Darüber schläft sie selbst ein. Holder bleibt bei ihr.

Erst später kommt es zur ersten Umarmung und dem ersten Kuss, auf die Schläfe. Es folgen ein paar unschuldige Küsse, bevor er mit Lippen und Zunge ihr Gesicht erkundet, ihren Hals, bis hinunter zum Ansatz ihrer Brüste. Und das alles noch vor dem ersten Kuss auf den Mund. Schließlich landen sie doch im Bett, er legt sich auf sie, beginnt, sich mit seinem ganzen Körper an ihr zu reiben. Bis auf seinen nackten Oberkörper sind beide vollständig angezogen. Mehr passiert auch an diesem Abend nicht.

Ich muss an den Satz denken, gute Literatur würde der Erwartungshaltung der Leser entgegentreten und sie ein ums andere Mal überraschen. Genau dies tut Colleen Hover mit ihrem Roman. Sie folgt eben nicht den 12 Stufen der Intimität, sondern würfelt sie durcheinander, spielt mit ihnen. Eine andere Regel fällt mir ein: Gute Autoren sollten die Regeln kennen – um sie anschließend sofort wieder zu brechen.

Viel Spaß dabei wünscht euch
Sandra

 

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12 Stufen körperlicher Intimität

Marc und ich beschäftigen uns viel mit den Theorien rund ums Schreiben. So stieß ich vor ein paar Tagen auf eine Liste „Die 12 Stufen körperlicher Intimität„, die Autorenkollegin Jenny Hansen nach der Lektüre von Desmond Morris‘ Intimate Behaviour: A Zoologist’s Classic Study of Human Intimacy zusammengestellt hat. Morris ist Verhaltensforscher, und die Lektüre seines Buches sicherlich ein Gewinn für jeden, der sich mit dem Thema „Intimität“ beschäftigt.

Die 12 Stufen körperlicher Intimität

Ich fasse die 12 Stufen körperlicher Intimität hier einmal kurz zusammen. Wer genaueres wissen will, mag sich an den Link von Jenny halten – oder gleich zu Morris greifen:

  1. Abchecken
    Das erste Abtasten, das erste Kennenlernen, die erste Prüfung. Keine Annäherung ohne diesen ersten Schritt. Im Creative Writing eine gute Gelegenheit, einen Protagonisten einzuführen, denn mit dem kritischen Blick einer handelnden Person lassen sich Klischees umgehen.
  2. Augenkontakt
    Die erste Interaktion. Viel hängt davon ab, wie sich dieser Blickkontakt gestaltet. Alles, was über zwei Sekunden hinausgeht, wird bewusst und bewegt etwas in der Psyche. Meist wird schon hier deutlich, wer mit wem etwas anfangen kann.
  3. Ansprache
    Der erste Wortwechsel. Wir hören, mit was für einer Stimme der/die Andere spricht. Im Creative Writing sind Platitüden verboten. Insofern sagen diese ersten Sätze eine Menge über die Protagonisten aus. Müssen sie den Nukleus des Lebens der Protagonisten in sich tragen.
  4. Handschlag
    Die erste Berührung, meist über den Ritus des Händeschüttelns. Aber auch bei einem zwanglosen Kneipengespräch ist das Berühren der Hände des Gegenübers der erste Schritt, der anzeigt: Ich will Intimität.
  5. Umarmung 1: Der Arm um die Schulter des anderen
    Sei es zwanglos, um den Weg gemeinsam fortzusetzen, oder als erstes Zeichen einer gesuchten Nähe: Der Arm um die Schulter ist ein Symbol der Zugehörigkeit. Später wird daraus gern eine Geste des Besitzergreifens – der Grund, warum manche ziemlich allergisch darauf reagieren. Zumindest dann, wenn die Sympathie nicht gleich verteilt ist.
  6. Umarmung 2: Der Arm um die Taille des anderen
    Der Tanz beginnt. Findet die Hand oder der Arm den Weg von der Schulter an die Taille oder zumindest den Rücken, wird aus der freundschaftlichen Geste eine intime. Letztlich bewegt sich die Hand in Richtung Unterleib. Die Grenze der Intimität wird erweitert.
  7. Küsse
    Wenn ein solcher Grad an Intimität erreicht wird, fällt meist der erste Kuss. Emotional sollte eine Menge in unseren Protagonisten passieren, biochemisch wird Speichel ausgetauscht. Wir spüren, wie wir auf den anderen reagieren, denn Speichel enthält Botenstoffe, mit denen wir etwas anfangen können – oder eben auch nicht.
  8. Streicheleinheiten
    Zeit der Zärtlichkeiten. Die Hand an den Haaren oder Wangen des Partners sind ein extrem intimer Moment.
  9. Necking
    In dem Augenblick, in dem die Hand vom Kopf über den Hals in Richtung Schultern wandert oder eine andere nackte Stelle des Körpers berührt, beginnt das Necking, die Vorstufe des Vorspiels.
  10. Lippenspiele
    In der Regel folgen auf die Fingerspitzen, die über die nackte Haut gleiten, die Lippen. Irgendwann finden sie Männerlippen auf der Brust der Frau. Meist hat die Frau inzwischen zumindest ihr Oberteil abgelegt und zeigt sich so dem Mann. Vielleicht der Sprung in der Intimitätszunahme, der am meisten Vertrauen erfordert: Findet er mich schön, so wie ich bin?
  11. Petting
    Nennt es Vorspiel, nennt es Safer Sex. Die Hand an den Genitalien des Partners setzt eine weitgehende Bereitschaft voraus, sich auf den anderen sexuell einzulassen. Hier wird bewusst erregt, egal, ob bis zum Orgasmus durchgezogen, oder als Vorspiel für den eigentlichen Geschlechtsverkehr gedacht, um sich gegenseitig zu erregen.
  12. Koitus
    Blödes Wort. Die Stufe der Intimität, in der Genitalien sich an Genitalien reiben und zwei Leute eins werden. Zumindest für den Moment.

Für uns als Autoren bietet jede dieser zwölf Stufen die Möglichkeit, mit Zweifeln oder handfesten Problemen das Vorwärtskommen der Intimität zu unterbrechen. Auf jeder Stufe haben beide Partner die Chance, sich darüber klar zu werden, ob sie weitermachen wollen, oder ob an dieser Stelle ein „Stop“-Signal setzen.

Je nachdem, wie eure Protagonisten gestrickt sind, können Tage zwischen den einzelnen Stufen liegen. Oder – gerade wenn ein Charmeur unterwegs ist – alles geht ganz schnell. Klar ist aber: Je stärker ihr die einzelnen Stufen ausmalt, alle fünf Sinne ansprecht und die Psyche eurer Protagonisten ausmalt, desto eher können Leser sich wiederfinden. Und genau das wollen die Leser – von Romances ebenso wie von handfester erotischer Literatur.

Alles Liebe,
Sandra

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