Alle Beiträge von Sandra Manther

Geboren 1981 in Krefeld. Studierte Mediendesign an der hdpk Berlin. Der Liebe wegen ging sie nach Hamburg, wo sie heute als Webdesgnerin in einer bekannten Werbeagentur arbeitet. Sie lebt mit ihrem Mann Marc und den Katzen Mandu und Tharsis in einem Haus im Westen der Stadt.

Elle Kennedy – The Score [Rezension]

Elle Kennedy

Elle Kennedy gehört heute sicherlich zu den Queens of New Adult. 2005 machte die gebürtige Kanadierin ihren Bachelor of Arts in Englischer Literatur an der York University. Zwar ist ihr Alter nirgends vermerkt, doch dürfte sie – davon ausgehend – heute Mitte 30 sein. Noch im selben Jahr 2005 sahnte sie für ihre Kurzgeschichte „Dance of Seduction“ zwei Preise ab, unter anderem eine „Golden Rose“, einem der ältesten Literaturpreise Amerikas. Eine solche erhielt sie auch im Folgejahr für ihre Kurzgeschichte „Angel of Seduction“.

Sie schrieb für diverse Verlage, unter anderem zusammen mit Sarina Bowen zwei Gay New Adult-Romane („Him“ und „Us“), die es auf die Bestsellerliste von USA Today geschafft haben. Für „Him“ gewann sie auch den RITA Award in der Kategorie „Best Contemporary Romance„. Mit ihrer „Off-Campus“-Serie, die derzeit auf Deutsch beim Piper-Verlag erscheint, gelang ihr gar der Sprung auf die renommierte New York Times-Bestsellerliste.

Die Off-Campus-Serie

In der Off-Campus-Serie geht es um vier Eishockey-Spieler des fiktiven Briar College. Dean, Garrett, Logan und Tucker wohnen zusammen in einem alten Haus außerhalb des Campus-Geländes: Jedem der vier Spieler ist ein anderer Band der Reihe gewidmet:

Bd. 1: The Deal – Reine Verhandlungssache (Garrett)
Bd. 2: The Mistake – Niemand ist perfekt (Logan)
Bd. 3: The Score – Mitten ins Herz (Dean)
Bd. 4: The Goal – Jetzt oder nie (Tucker)

Natürlich ist jeder Band in sich abgeschlossen. Da aber das Serienuniversum das Gleiche bleibt, tauchen die Protagonisten der einzelnen Bände regelmäßig wieder auf. Das macht den Charme der einzelnen Geschichten aus. Nebenfiguren werden zu Protagonisten der Folgebände und jede Leserin kann mitraten, an welche Studentin welcher Kommilitone wohl letztlich geraten wird.

Denn um Liebe geht es in allen vier Bänden. Dabei haben die Eishockey-Stars der Wohngemeinschaft mit allerlei Vorurteilen zu kämpfen. Denn dass einige der Studentinnen sie als Trophäe ansehen, mit denen sie angeben können, führt dazu, dass sie bei anderen Studentinnen als hohl und eingebildet gelten. Da sind zunächst einmal viele Vorurteile zu überwinden, bevor sie ihre Traumfrauen ins Bett bekommen.

Elle Kennedy erzählt die langsamen Annäherungen zwischen den Sportlern und den Studentinnen ihres Herzens mit viel Wortwitz und pointierten Dialogen. Dabei spart sie auch die dunklen Seiten des Lebens nicht aus. Jeder der Protagonisten hat sein Päckchen zu tragen und wird so als Figur vieldimensional und glaubhaft.

Die Erzählperspektive wechselt in den einzelnen Bänden jeweils kapitelweise zwischen der Sicht des Jungen und der des Mädchens. Damit ist zwar von Anfang an klar, wer die jeweiligen Protagonisten sind. Die Perspektivwechsel verstärken aber auch die Spannung, denn die Frauen haben oft ganz andere Pläne als die vier passionierten Eishockey-Jungs.

Band 3: The Score – Mitten ins Herz

Anfang Juni 2017 veröffentlichte der deutsche Piper-Verlag Band 3 der Serie unter dem Titel „The Score – Mitten ins Herz“:

Allie Hayes will Schauspielerin werden und steht kurz vor dem Examen in Theaterwissenschaften. Gerade hat sie das Angebot bekommen, für eine Sitcom vorzusprechen. Allerdings wäre sie damit – vielleicht für Jahre – auf die Rolle des rothaarigen Dummchens festgelegt. Vielleicht also doch lieber eine kleine Rolle am Theater, die ihr mehr Freiheiten lässt? Und überhaupt: Wo ist der beste Ort, um sich auf seine Schauspielerkarriere zu konzentrieren: Los Angeles mit seinem Überangebot an Filmstudios oder New York mit seinen unzähligen Theatern?

Gerade hat sie sich von ihrem langjährigen Freund Sean McCall getrennt. Es ist die vierte Trennung von Sean in drei Jahren.  Schon seit Band 1, „The Deal“ sind die ständigen Trennungen und Versöhnungen zwischen ihr und Sean ein Running Gag. Ihre Mitbewohnerin Hannah nennt es eine On-off-Beziehung. Nur ist es diesmal ein wenig ernster. Allie gehen Seans Eifersüchteleien inzwischen komplett auf die Nerven.

Außerdem hat er beschlossen, dass Allie ihre Schauspielpläne an den Nagel hängen solle. „Er hat sich in den Kopf gesetzt, dass er bei der Versicherungsfirma seines Vaters in Vermont arbeiten wird, und ich sollte die glückliche Hausfrau werden, die mit dem Essen auf ihn wartet, wenn er zurückkommt“, erzählt sie. Wenn das kein Grund ist, die Freundschaft zu beenden! Da Sean aber seine Beziehung nicht kampflos aufgeben will und sich für den Abend bei ihr ankündigt, flüchtet Allie für ein paar Tage ins Haus eines Freundes, in die WG von Garrett, Dean, Logan und Tucker.

Dort lernt sie Dean Heyward-Di Laurentis kennen, den Eishockeystar des Campus, verschrien als König des One-Night-Stands. Deswegen ist sie zunächst auch überhaut nicht an seinem charmanten Umwerben interessiert. Aber nach einem Netflix-Abend mit ein wenig Pot und zu viel Tequila wacht sie in seinem Bett auf, verärgert über sich selbst. Sie zeigt Dean fortan die kalte Schulter. Das ist er nun überhaupt nicht gewohnt. Er will sich nicht auf die Rolle eines „Freundes“ reduzieren lassen. Und dreht auf.

Sehr detailliert und glaubwürdig zeigt „The Score – Mitten ins Herz“, wie die beiden sich langsam annähern. Das ist wenig überraschend, dafür aber liebevoll und mit viel Witz von Elle Kennedy beschrieben. Dabei lernen wir mit der Zeit Dean von immer neuen Seiten kennen, so dass wir ihn – mit Allie – zunehmend sympathisch finden müssen.

Spannend wird die Geschichte eigentlich erst auf den letzten 60 Seiten, als diese mühsam aufgebaute Beziehung mit einem lauten Knall zu zerbrechen droht und Allie die Notbremse zieht. Kriegen die beiden das Ruder noch einmal rumgerissen?

Ausblick: Cliffhanger und Tuckers Geschichte

Mit dem letzten Kapitel leitet Elle Kennedy galant zu Band 4 der Reihe, „The Goal“ über, in der John Tucker der männliche Protagonist ist. Dieser Cliffhanger macht neugierig, weil er einen völlig neuen Aspekt ins Beziehungsdurcheinander am Campus bringt. Der Band wird die Beziehung zwischen Tucker und Sabrina James beleuchten. Sie will Anwältin werden und jobbt für ihr Studium in Harvard. Eine feste Beziehung passt so gar nicht in ihren Zeitplan, aber dann lernt sie Tuck kennen. Und das Ende von „The Score – Mitten ins Herz“ legt nahe, dass diese Freundschaft zu einer ziemlichen Herausforderung in ihrer Lebensplanung wird.

Mit diesem vierten Band endet die „Off-Campus“-Serie dann. Elle Kennedy bleibt aber dem Briar College weiter treu. In Vorbereitung ist bereits ein Spinoff: die neuen „Briar Hockey“-Serie.  Der erste Band, „The Chase“, ist im Original für den Herbst 2017 angekündigt. Darin wird die Geschichte von Fitzy und Summer, Deans Schwester, erzählt.

Titel The Score : ein „Off Campus“-Roman / Elle Kennedy ; aus dem Amerikanischen von Christina Kagerer
Person(en) Kennedy, Elle (Verfasser)
Kagerer, Christina (Übersetzer)
Werk(e) The score
Ausgabe Deutsche Erstausgabe
Verlag München : Piper
Erscheinungsdatum 2. Juni 2017
Umfang/Format 413 Seiten ; 19 cm
Deutscher Titel The Score – Mitten ins Herz
ISBN/Einband/Preis 978-3-492-30940-0 Broschur
Leseprobe auf piper.de
Bandnummer Piper ; 30949

Herzlichen Dank an den Piper-Verlag, der mir freundlicherweise ein Rezensionsexemplar von Elle Kennedys „The Score – Mitten ins Herz“ zur Verfügung gestellt hat.

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New Adult – Die wichtigsten Bücher 2016

Wie schon bei der Liste der wichtigsten New Adult-Bücher von 2015 beziehe ich mich auch diesmal beim Erscheinungsdatum auf die englischsprachigen Originalausgaben. Da diese Bücher erst einmal einen deutschen Verleger finden und übersetzt werden müssen, enthält diese Liste also jene Titel, die relativ frisch auf dem deutschen Buchmarkt sind oder deren Erscheinen noch bevorsteht.

Inzwischen hat amazon.de eine eigene Sparte New Adult eingerichtet, so dass es insgesamt ein wenig leichter ist, passende Bücher zu finden. Allerdings ist das Genre dort als Nische bei „Liebesromane“ geführt. Dabei ist im englischen Sprachraum „Romance“ eher eine Kategorie von New Adult statt anders herum. Zwar sind viele New Adult-Titel tatsächlich Liebesgeschichten, aber der ursprüngliche Ansatz war, vor allem der Zielgruppe der jungen Erwachsenen im Alter von 18 bis 25 mit ihren doch recht spezifischen Themen eine Plattform zu bieten. Als da zum Beispiel wären: erste Jobs, Uni,  Verlobung und Heirat, Familie, finanzielle Unabhängigkeit, Militär, Versagensängste etc.

Und dementsprechend definiert zumindest die englischsprachige Wikipedia, die Belletristik-Kategorie New Adult ließe sich mit allen Genres und Subgenres wie Science Fiction, Urban fiction, Horror, Paranormales, Dystopien etc. verbinden. Wer Lust darauf hat: Eine Liste mit New Adult-Titeln der Genres Sci-Fi/Fantasy/Dystopia findet ihr auf goodreads.com. In dieser Liste befinden sich auch ältere Bücher wie Frank Herberts „Dune – Der Wüstenplanet“ von 1965. Das macht klar: Bücher für die Zielgruppe hat es schon lange vor dem neuen Label New Adult gegeben.

OK, kommen wir jetzt aber zu den Neuerscheinungen:

Elle Kennedy – Die Off-Campus-Serie

Über Elle Kennedys Off-Campus-Serie habe ich ja schon früher hier im Blog berichtet. Die Serie umfasst mittlerweile vier Bände, Band 3: „The Score“ und Band 4: „The Goal“ sind im Original 2016 erschienen.

Anfang Juni 2017 zieht der Piper-Verlag mit der Veröffentlichung der Übersetzung von Band 3 unter dem Titel „The Score – Mitten ins Herz“ nach. Band 4: „The Goal – Jetzt oder nie“ ist für den 1. Dezember 2017 angekündigt.

„The Score – Mitten ins Herz“ hat ein typisches New Adult-Setting: Allie Hayes will Schauspielerin werden, steht kurz vor dem Examen, hat aber noch nicht die leiseste Ahnung, wie sie ihr Ziel erreichen will. Außerdem hat sie sich gerade von ihrem langjährigen Freund Sean getrennt. Da Sean aber seine Beziehung nicht kampflos aufgeben will, flüchtet Allie für ein paar Tage in die WG eines Freundes. Für diejenigen, die die ersten beiden Bände der „Off-Campus“-Serie kennen: Es ist die WG von Garrett, Dean, Logan und Tucker.

Dort lernt sie Dean Di-Laurentis kennen, den Eishockeystar des Campus, verschrien als König des One-Night-Stands. Deswegen ist sie zunächst auch überhaut nicht an seiner charmanten Umwerbung interessiert. Aber nach einem Netflix-Abend mit ein wenig Pot und zu viel Tequila wacht sie in seinem Bett auf, verärgert über sich selbst. Sie zeigt Dean fortan die kalte Schulter. Das ist er nun überhaupt nicht gewohnt. Er will sich nicht auf die Rolle eines „Freundes“ reduzieren lassen. Und dreht auf.

Eine klassische New Adult-Romance also. Schon der erste Band, „The Deal – Reine Verhandlungssache“ hat mich stark an Eric Segals „Love Story“ erinnert, das bei genauerer Betrachtung ebenfalls ein „New Adult“ war, wenn auch frei von Sexszenen. Aber die ständigen Wortgeplänkel zwischen den Protagonisten, das Leben auf dem Campus, der Eishockey-Background, der übermächtige Vater (noch dazu mit dem Vornamen Phil), und vor allem Elle Kennedys immer wieder durchscheinende Humor scheinen wirklich Eric Segal als Blaupause zu nutzen. Als Autor kann man sich schlechtere Vorbilder suchen. „Love Story“ war immerhin ein Welterfolg.

Mit anderen Worten: Wer Elle Kennedy noch nicht kennt, ist mit der Off-Campus-Serie gut bedient. Und wer sie kennt, wird sich den neuen Band ohnehin nicht entgehen lassen.

Sarina Bowen – Die Ivy-Years-Reihe

Den ganz großen Durchbruch feierte 2016 wohl Sarina Bowen mit ihrer Ivy Years-Reihe. Im Goodreads-Regal „Popular New Adult 2016 Books“ ist sie gleich mit 6 Titeln vertreten, die allerdings bei näherer Betrachtung alle bereits zwischen 2014 und 2015 veröffentlicht wurden:

Der erste Band der Ivy-Years-Reihe in deutscher Übersetzung erscheint am 28. Juni 2017 unter dem Titel „Bevor wir fallen“ bei Lyx. Das ist neben Piper vielleicht im Augenblick der Verlag, der sich am stärksten im Bereich New Adult hervortut. Von Sarina Bowen hat er auch schon die Vermont-Reihe („True North“ 1-3)  und vor allem die beiden Gay New Adult-Bände der Him-Reihe ins Deutsche übersetzen lassen. Letztere hat Sarina Bowen übrigens zusammen mit Elle Kennedy (s.o.) geschrieben.

Ich selbst habe in die Ivy-Years-Reihe noch nicht reingelesen. Aber Band 1 wirbt mit Statements von Bestseller-Autorinnen des New Adult wie Colleen Hover, die sagt: „Ich habe das Buch absolut geliebt. Und ich kann es nicht abwarten, ihre anderen Bücher zu lesen.“ Oder mit Tammara Webber, ebenfalls eine der Bestseller-Vorzeigefrauen des NA: „Ich habe mir das Buch nicht nur gekauft und verschlungen, ich habe mir die ganze Ivy-Years-Serie besorgt und innerhalb einer Woche gelesen. Es ist OMG (oh my God) – fantastische NA vom Feinsten!“

Colleen Hoover: Nur noch ein einziges Mal

Natürlich hat auch Colleen Hoover 2016 wieder einen Roman auf den Markt geworfen: „It ends with us“ heißt er, und interesanterweise hat diesmal dtv für die deutsche Übersetzung den Zuschlag bekommen. Diese kommt am 10. November 2017 unter dem Namen „Nur noch ein einziges Mal“ in die Buchhandlungen.

Für mich ist Colleen Hoover ohnehin die Queen des New Adult, weil sie es immer wieder schafft, schwierige Themen anzuschneiden und damit eine wesentlich größere Tiefe und Komplexität zu erreichen, als es anderen NA-Autorinnen gerade im Bereich Romance gelingt. Damit weckt sie natürlich  bei uns Leserinnen Emotionen. Und eine solche emotionale Achterbahnfahrt ist auch „It ends with us„. Wer nicht bis November warten will und des Englischen halbwegs mächtig ist, dem sei das Original als Lektüre wärmstens ans Herz gelegt.

Die Protagonistin des neuen Romans heißt Lily Bloom. Sie ist 23, hat die Uni hinter sich, ist von Maine nach Boston gezogen und hat dort einen neuen Job im Marketing angetreten. Zu Beginn des Romans kommt sie von der Beerdigung ihres Vaters, bei der sie die Trauerrede gehalten hat. Nun steht sie mitten in der Nacht auf dem Dach eines 13stöckigen Gebäudes und denkt über den Tod nach, vor allem über den Freitod. Auf diesem Dach lernt sie Ryle Kincade kennen, einen Neurochirurgen mit 200$-Frisur, ausgeprägtem Bizeps und einer Vorliebe für Joints. Und einer starken Abneigung gegen Beziehungen, wie Lily später herausfinden soll.

Jay Crownover: Die Saints of Denver-Serie

Von Jay Crownovers „Saints of Denver“-Serie hat es nur der erste BandBuilt“ in die Liste der populärsten New Adult-Bücher 2016 geschafft. Ich gehe aber davon aus, dass sich das im nächsen Jahr ändern wird. Band 2 erschien im Oktober 2016, zu spät, um noch auf die Liste der beliebtesten Titel zu kommen. Band 3 ist  seit April 2017 erhältlich und Band vier für Juni angekündigt. Im Original, wohlgemerkt

Dummerweise gibt es von den deutschsprachigen Verlagen noch gar kein Zeichen, dass eine Übersetzung in Planung sei. Ihre „Marked Men„-Reihe erschien 2015/2016 bei Bastei Lübbe. Mit dieser hat es Jay Crownover in die New York Times-Bestsellerliste gebracht. Ihre Helden sind allesamt tätowierte und gepiercte Bad Boys, und ihre Heldinnen wissen, dass diese Typen eigentlich nicht gut für sie sind. Und trotzdem knistert es mächtig zwischen ihnen. Ich liste die drei Bände hier einmal auf, weil sie noch relativ frisch auf dem deutschen Markt sind – und weil eben von Jay Crownover auf Deutsch nichts Neueres zu bekommen ist:

Offensichtlich bleibt Crownover in ihrer neuen Reihe „Saints of Denver“ diesem Stil treu. Zeb Fuller, Protagonist von „Built„, ist zumindest so ein Bad Boy, hat einen Gefängnisaufenthalt hinter sich, arbeitet im Baugewerbe. Zur Zeit arbeitet er für Sayer Cole, eine kühle Anwältin, in deren Gegenwart er sich vorkommt wie ein Neandertaler in Jeans. Aber als seine Vergangenheit ihn einholt, braucht er ihre Hilfe. Und schon bald knistert es mächtig zwischen den beiden.

Die „Saints of Denver“-Reihe umfasst derzeit vier Bände und einen Prolog. Wie gesagt, derzeit nur im amerikanischen Original zu bekommen:

Samantha Young: London Road (Edinburgh Love Stories)

Samantha Youngs Roman „London Road“ ist ein echtes Phänomen. Bereits 2013 erschienen, gehörte er auch 2016 noch zu den meistgekauften New Adult-Titeln, ist also ein absoluter Longseller. Schnell hatte er die Bestsellerlisten von New York Times, USA Today und Wall Street Journal erobert und mittlerweile 42 Auflagen erreicht. Die Übersetzungsrechte wurden in 29 Ländern verkauft. Eine deutsche Fassung erschien noch im selben Jahr und hat ebenfalls prompt die Spiegel-Bestsellerliste gestürmt.

Dabei hat Samantha Young der ersten Band der Reihe, „Dublin Street„, zunächst als eBook im Selbstverlag veröffentlicht. Aber als sich der Roman innerhalb von sechs Wochen über 200.000 Mal verkaufte und sie damit auf Platz 1 des Amazon US-Kindle Store und der Bestsellerlisten von New York Times und USA Today auftauchte, wurden auch die herkömmlichen Verlage auf sie aufmerksam und fingen an, sie zu umwerben. Eine typische Entwicklung für die Autorinnen des New Adult, allerdings zu einer Zeit, als noch nicht jede amerikanische Newcomer-Autorin sich in dem Genre versuchte, um eine Scheibe vom großen Kuchen abzubekommen.

London Road“ ist Band 2 der Reihe „Edinburgh Love Stories„, so der Serien-Titel in deutscher Übersetzung. Im Original heißt die Serie „On Dublin Street„. Ich fand, dass der Titel des Originals Assoziationen mit Irland wachrief, und war deswegen ein wenig irritiert, als es in der deutschen Übersetzung dann „Edinburgh“ hieß. Aber inzwischen wurde mir klar, dass diese Dublin Street eben in Edinburgh liegt und nicht in Irland.

Worum geht es in „London Road„? Johanna Walker hat es nicht leicht. Ihre Mutter ist Alkoholkerin, der ständig prügelnde Vater hat sich abgesetzt. Um ihren jüngeren Bruder Cole muss sie sich weitgehend allein kümmern. Um das nötige Geld ranzuschaffen, arbeitet sie in zwei Berufen: tagsüber als persönliche Assistentin für einen Anwalt und abends als Serviererin in einem Club. Jeweils nur für ein paar Tage die Woche. Deswegen ist sie auf fördernde finanzielle Unterstützung reicher Freunde angewiesen, wie derzeit auf den 15 Jahre älteren Malcolm Hendry.

Malcolm ist Anwalt, hängte den Job jedoch an den Nagel, als er im Lotto den Jackpot knackte. Er stieg dann in den Immobilienmarkt ein und besitzt inzwischen mehrere Häuser. Vor allem aber genießt er sein Leben als Millionär. Jo sucht in erster Linie einen Versorger – für sich und ihren Bruder Cole. Dadurch gerät sie immer wieder an Sugardaddys, wie ihre beste Freundin Joss die Kategorie Mann nennt, mit denen sie abhängt.

Die Eröffnungsszene ist symptomatisch: eine Ausstellung von Malcolms Ex Becca. Johanna fühlt sich unterlegen, versteht die Bilder nicht, versucht, sich kultiviert zu geben. Sie reckt sich, um Malcolm gerecht zu werden. Der Preis für diese ungleichen Beziehungen ist die ständige Heimlichkeit, was ihre eigene Familie angeht. Da sie ständig in eine andere Rolle schlüpft, ist sie unfähig, sich emotional zu öffnen.

Und dann tritt Cam in ihre Leben. Er ist tätowiert und erst einmal überhaupt nicht ihr Typ. Dazu kommt, dass er als Grafiker derzeit arbeitslos ist. Er bittet Jo sogar, ihr einen Job im Club zu vermitteln.  Aber Johanna merkt, dass sie körperlich auf ihn reagiert. Außerdem zeigt er Interesse an ihrem Leben, hilft ihr mit Cole und akzeptiert, wie sie ist. Zumindest nach anfänglichen Schwierigkeiten.

Die Zählung der Original-Reihe ist ein wenig gewöhnungsbedürftig. Bei den Geschichten mit Nachkommastelle handelt es sich oft um Short Storys, von denen einige gar nicht über die normalen Vertriebswege erhältlich waren, sondern kostenlos auf irgendwelchen Websites veröffentlicht wurden. Auch ein paar Novellen sind dabei, die später vom Ullstein-Verlag unter dem Namen „Edinburgh Love Stories“ gebündelt auf Deutsch herausgebracht wurden.

Mariana Zapata: Mit dem Herz durch die Wand

Mariana Zapata wartet hierzulande noch auf ihren Durchbruch. Während in Amerika inzwischen sieben New Adult-Romane von ihr erhältlich sind, zeigt sich Deutschland erst seit ihrem letzten Buch, „The Wall of Winnipeg and Me„, interessiert. Dieses erschien im Original am 1. März 2016 und gehörte zu den meistverkauften NA-Titeln des Jahres. Dementsprechend hat der Lyx-Verlag nun reagiert und veröffentlicht am 21. Juli 2017 die deutsche Übersetzung „Mit dem Herz durch die Wand„.

„Die Mauer von Winnipeg“ ist in diesem Fall ein kanadischer Footballspieler, Aiden Graves. Er war drei Mal  Verteidiger des Jahres der National Football Organisation (NFO). Seit er sich im Vorjahr die Achillesferse brach und mehrere Monate mit dem Training aussetzen musste, ist er völlig unausstehlich. Manche glauben, er würde nie wieder zur alten Spielstärke zurückfinden. Dabei lebt er für den Sport. Etwas anderes gibt es für ihn nicht.

Vanessa Mazur hat zwei Jahre für ihn gearbeitet: als Assistentin, Haushälterin und gute Fee. Als ihr seine Schrullen zu viel werden, kündigt sie ihren Job. Sie hat Grafikdesign studiert und träumt von einer eigenen Agentur. Wie sie ihre horrenden Studiengebühren je zurückzahlen soll, weiß sie nicht. Aber jetzt setzt sie alles daran, ihren Traum zu verwirklichen und arbeitet an ihrer eigenen Karriere.

Da taucht Aiden wieder auf und bietet ihr einen Deal an: Er will sie heiraten – wenn auch nur auf dem Papier und für den äußeren Schein. Denn im kommenden Jahr wird sein Visum ablaufen. Um als Kanadier in Amerika bleiben – und weiter Football spielen – zu können, braucht er eine Green Card. Und die bekommt er, wenn er mit einer Amerikanerin verheiratet ist. Im Gegenzug würde er ihr helfen, ihre Schulden ab-, und ihre Agentur aufzubauen.

Das Erzähltempo ist für eine New Adult-Storie ungewöhnlich langsam. Die gesamte Geschichte ist aus Vanessas Sicht beschrieben, dabei sehr reflektiert und mit inneren Monologen durchsetzt. Auch die Backstory der beiden Protagonisten bekommt viel Raum. Trotzdem liest sich der Roman schnell weg und entwickelt einen Sog. Damit erweist sich Mariana Zapata als Meisterin der „Slow Burn“-Romance.

Jessica Scott: Before I fall

Für Jessica Scotts Bestseller von 2016, „Before I fall„, hat sich offensichtlich noch kein deutschsprachiger Verlag gefunden. Das mag damit zu tun haben, dass Scott als Veteranin des Irak-Kriegs und aktive Armee-Offizierin auch ihre mittlerweile 23 Romane immer im Armee-Umfeld ansiedelt. Das ist wohl ein Setting, mit dem viele Deutsche wenig anfangen können – oder wollen. Ob sich das mit ihren aktuellen Roman ändern wird?

Auch in „Before I fall“ geht es um einen Ex-Soldaten, Noah Warren. Für ihn zählt nur das Militär, er kennt nur den Krieg. Nun hat er sich an der Columbus State University, Gorgia eingeschrieben, eines Versprechens wegen, das er seinem Leutnant gab. Hier fühlt er sich völlig fehl am Platz, nicht nur, weil er ein paar Jahre älter ist als der Durchschnitt der hiesigen Studenten. Noch vor ein paar Monaten patroullierte er durch irgendein Kaff im tiefsten Irak, so dass der Livestyle auf dem Campus ihm völlig surreal vorkommt. Er hat eine Zulassung für das Magisterstudium der Handelsschule, die allerdings abhängig ist von seinen Leistungen im Fach Statistik. Hier braucht er dringend Unterstützung, denn Mathe war für ihn von je her eine Fremdsprache.

So wird Beth Lamont zu seiner Tutorin. Ihr Vater ist Veteran, hat sich im Krieg eine Rückenverletzung zugezogen und liegt seitdem die meiste Zeit im Bett. Eigentlich wäre das U.S. Department of Veterans Affairs (VA) für ihn zuständig. Aber die drücken sich mit dem Argument, sein Leiden sei nicht vollständig auf den Kriegseinsatz zurückzuführen. So häufen sich die Rechnungen für die diversen Arztbesuche und die Medikamente gegen seine Schmerzen. Denn aufgrund seiner Behinderung nimmt ihn keine Krankenkasse an. Kein Wunder, dass Beth auf das Militär nicht gut zu sprechen ist.

Die Story ist ein wenig ernster als für die meisten New Adult-Romane üblich. Noah leidet am Posttraumatischen Stresssyndrom (PTSD), hält sich nur mit Tabletten über Wasser und belügt sich selbst und andere, um seine Handlungen im Krieg zu rechtfertigen. Und auch Beth hält mit ihrer Familiensituation hinterm Berg. So wird Aufrichtigkeit zu einem Schlüsselthema des Buches, das mit Emotionen nicht geizt, wie im New Adult üblich ziemlich heiß und dabei sehr sinnlich ist.

Auch Jessica Scotts „Before I fall“ ist bereits 2015 erschienen, hat seinen großen Durchbruch aber durch Mund-zu-Mund-Propaganda erst im Folgejahr erreich. Es ist der erste Teil einer Reihe mit dem Titel „Falling„, deren zweiter Teil, „Break my  fall“ 2016 im Original veröffentlicht wurde. Teil 3, „After I fall„, erschien am 21. März 2017, ist also noch relativ frisch auf dem Markt, hat aber auch bereits die 2. Auflage erreicht.

 

 

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Emma Watson und das Recht auf Weiblichkeit

Da zeigt sich eine bekennende Femistin auf der Titelseite einer Hochglanz-Zeitschrift leicht bekleidet, mit einem grobmaschigen Burberry-Bolero über den Schultern, darunter offensichtlich nackt. Ihre Brüste sind halb zu sehen.  Das ehemalige Teenie-Idol Emma Watson lässt sich für die März-Ausgabe der Vanity Fair als viktorianische Rebellin inszenieren.

Die Debatte und der Shitstorm, die nach Veröffentlichung dieses Bilds losbrechen, zeigen die Doppelmoral, mit der wir als Künstlerinnen derzeit zu kämpfen haben. Gerade dann, wenn wir mit erotischen Themen arbeiten und – wie Emma Watson – feministische Anliegen vertreten. Deswegen lohnt es sich, die Reaktionen nach dem Vanity Fair-Fotoshooting etwas genauer anzusehen.

Normalerweise wäre so ein Foto eines Hollywood-Jungstars nur eine Notiz, jedoch keine Debatte wert. Vor allem die Entdeckungen der Disney-Schmiede, von Lindsay Lohan über Miley Cyrus, Selena Gomez oder Ariana Grande, hatten alle ihre libertinäre Phase, in der sie sich von ihrem alten, verklemmten Image zu lösen versuchten.

Eine solche Entwicklung ist nicht neu. Schon Romy Schneider benutzte Ende der 60er Jahre freizügige Auftritte in Filmen, um sich von ihrem spießigen Kaiserin Sissy-Image zu lösen. In Filmen wie Derays „Der Swimmingpool“, Devilles „Das wilde Schaf“ oder Zulawskis „Nachtblende“ zeigte sie sich splitterfasernackt und verschreckte damit all jenige, die in ihr eine keusche Vorzeige-Romantikerin sehen wollten.

Emma Watson hat mit ihrer Rolle als Hermine Granger in acht Harry-Potter-Filmen ein ganz ähnliches Erbe zu tragen. Allerdings blieb sie in ihren Folgerollen – vielleicht mit Ausnahme von Coppolas „The Bling Ring“ – ihrem Image als braves Mädchen weitgehend treu.

Dafür outete sie sich als bekennende Feministin, die in diversen Interviews über ihre Ansichten spricht. Sie wird zur  UN-Sonderbotschafterin für Frauen- und Mädchenrechte und entwickelt in dieser Funktion die #HeForShe-Kampagne mit, die für die Gleichberechtigung der Geschlechter, die Stärkung der Frauenrechte und die Beendigung der Gewalt gegen Frauen und Mädchen kämpft.

Auf der Leserplattform GoodReads startet sie den feministischen Buchclub „Our Shared Shelf“. Jeden Monat soll ein neuer Titel zum Thema Gleichberechtigung vorgestellt werden. Den Anfang machte die Autobiografie der amerikanischen Aktivistin Gloria Steinem, „My Life on the Road“. Aktuell wird über Margaret Atwoods Roman „Der Report der Magd“ (The Handmaid’s Tale) diskutiert, eine bedrückende Dystopie über ein Amerika, in dem religiöse Fundamentalisten die Herrschaft übernommen haben und Frauen zu Gebärmaschinen degradiert werden.

Auf der Startseite des Buchclubs erklärt Emma Watson ihre Absicht hinter „Our Shared Shelf“:

„Als Teil meiner Arbeit mit der Uno habe ich so viele Bücher und Essays über Gleichberechtigung gelesen, wie ich kriegen konnte. Es gibt so viel fantastisches Zeug da draußen. Lustig, inspirierend, traurig, nachdenklich machend, stärkend. Ich habe so viel entdeckt, dass ich manchmal dachte, mein Kopf würde gleich explodieren … Ich beschloss, einen feministischen Buchclub zu gründen, um zu teilen, was ich lerne, und auch eure Gedanken zu hören.“

Nun zeigt sich Emma Watson also zum ersten Mal öffentlich wenig bekleidet. Für die März-Ausgabe der Vanity Fair lässt sie sich mit einer weißen Stola ablichten, die ihren Busen weitgehend freilässt. Tim Walker ist der Fotograf. Und das Foto spielt mit Emmas erotischer Ausstrahlung: ihr Mund geöffnet, die Lider leicht gesenkt, der Blick direkt auf die Kamera gerichtet.

Die englische Sun, Boulevardzeitung im Stil der Bild, bringt das Foto ganzseitig, schon ein paar Tage vor Erscheinen der Vanity Fair, unter dem Titel „Beauty & the breasts“ und erreicht damit eine Zielgruppe, die wahrscheinlich niemals ein anspruchsvolleres Hochglanzmagazin in die Hand nehmen würde – und die am Interview mit Emma Watson wenig Interesse hat. Der kurze Begleittext der Sun beginnt folgerichtig mit den Worten „DING-dong, Belle“.

Prompt bricht ein Shitstorm in den Social Media los. Die Journalistin und Radiomoderatorin Julia Hartley-Brewer ist eine der ersten, die ein Foto der Sun-Seite twittert und mit einem hämischen Kommentar versieht: „Emma Watson: ‚Feminismus, Feminismus … Ungleiche Bezahlung … Warum, oh warum werde ich bloß nicht ernst genommen … Feminismus … Oh, und hier sind meine Titten!‘“

Emma Watson kontert in einem Interview, das sie der Nachrichtenagentur Reuter anlässlich eines Promo-Termins zu „Beauty and the Beast“ gibt:

„Ich bin irritiert, wie viele Missverständnisse es darüber gibt, was Feminismus ist. Feminismus lässt den Frauen eine Wahl. Feminismus ist kein Stab, mit dem du andere Frauen niederknüppeln sollst. Es geht um Freiheit, es geht um Befreiung, es geht um Gleichberechtigung. Ich weiß wirklich nicht, was meine Brüste damit zu tun haben. Es ist sehr verwirrend.“

In diesem Interview fragt sie ihr Co-Star aus ‚Beauty and the Beast‚, Dan Stevens, irritiert, worum es bei dem ganzen Streit eigentlich gehe. Emma Watson sucht nach Worten und gemeinsam pointieren sie die absurde Idee hinter den Angriffen: „Die Leute sagen, ich könne nicht gleichzeitig Femistin sein und … Möpse haben.“

Sicher, zwei Jahre zuvor hatte sie dem Magazin Wonderland ein Interview gegeben, in dem sie sich nachdenklich über Beyoncés  visuelles Album „Beyoncé“ äußerte und dies auch in Beziehung zu deren Feminismus stellte: „Als ich die Videos sah, habe ich einen großen Widerspruch empfunden. Auf der einen Seite stellt sie sich in die Kategorie der Feministin, auf der anderen Seite zeigte die Kamera sie auf eine sehr männliche, sehr voyeuristische Weise“, wird sie zitiert.

Aber dieses Zitat gibt Emma Watsons Position stark verkürzt wieder. Die Medien lieben nun einmal den Hype und eine handfeste Schlammschlacht liest sich einfach besser als eine nachdenkliche, ausgewogene Stellungnahme, wie sie in dem Interview tatsächlich gegeben wurde. Nach Veröffentlichung der Vanity Fair-Fotos wurde der Zitatfetzen des zwei Jahre alten Interviews dazu benutzt, Emma Watson Scheinheiligkeit und Doppelmoral vorzuwerfen. Von Twitter bis Instagram brach ein Shitstorm los.

In Reaktion verbreitete Emma Watson via Twitter den originalen Text des gesamten Gesprächs. Darin wird ihre Bewunderung für Beyoncé deutlich, auch für ihre feministische Arbeit. Sie spricht von dem Mut, den Beyoncé hat, sich mit diesen Videos gegen den üblichen MTV-Sensationalismus zur Wehr zu setzen. Für sie sind diese Videos Zeichen eines sexuellen Empowerments. Beyoncé vermittle Watson mit den Videos das Gefühl: „Ich kann Feministin sein, ich kann eine Intellektuelle sein, kann all dies andere sein, aber ich kann auch mit meiner Weiblichkeit OK sein, damit, hübsch zu sein, mit all diesen Dingen, von denen ich dachte, sie würden meine Botschaft negieren, oder das, wofür ich stehe.“ Und Watson endet mit den Worten: „Das ist wirklich das Interessanteste an diesem Album. Es ist so integrativ und bringt Feminismus und Weiblichkeit und weibliches Empowerment in solch breitem Spektrum.“

Die Debatte um Emma Watsons Vanity-Fair-Fotoshooting zeigt, in welchem Spannungsfeld Erotik und Feminismus sich derzeit noch immer befinden. Das Konzept einer Selbstbestimmung über den eigenen Körper macht vielen Angst. Gerade konservative Kräfte hetzen gegen jeden Versuch einer weiblichen Autonomie, die auch das Recht auf das Zeigen des eigenen Körpers beinhaltet.

Was dieses Konzept der körperlichen Selbstbestimmung bedeutet, bringt die Gründerin und Herausgeberin des  feministischen Magazins „Ms.“, Gloria Steinem, auf den Punkt, als sie nach der aktuellen Kontroverse um Emma Watson gefragt wird: „Feministinnen können tragen, was immer sie verdammt noch mal wollen. Sie sollten nackt durch die Straßen laufen können und trotzdem sicher sein.“

Die Badische Zeitung versucht, Alice Schwarzer für die Kontroverse einzuspannen: „Feministinnen wollen nicht, dass Frauen als Püppchen abgestempelt, auf ihren Körper reduziert und systematisch unterschätzt werden. Aber sollte es so weit gehen, dass sie überhaupt nicht sexy sein dürfen? Die deutsche Frauenrechtlerin Alice Schwarzer hat eine klare Antwort auf diese Frage: Weibliche Erotik ist ihrer Meinung nach traditionell mit der Macht der Männer verbunden – und der Ohnmacht der Frauen.“

Alice Schwarzer aber reagiert prompt: „Früher gab es noch den Begriff ‚erotisch‘. Inzwischen wird alles nur noch ‚pornografisch‘ genannt und ist es das auch meistens. Aber was ist eigentlich der Unterschied zwischen erotisch und pornografisch? Das! Emmas Foto hat nichts mit einer (selbst)erniedrigenden Entblößung zu tun, aber alles mit einer selbstbewussten Inszenierung! Es sagt uns: Ich bin klug, ich bin emanzipiert – und ich bin sinnlich. Es ist das Gegenteil von Pornografie.“

Wie kommt Schwarzer überhaupt auf das Thema „Pornografie“? Das von der Badischen Zeitung – aus dem Zusammenhang gerissene – Zitat bezieht sich auf die aktuelle Anti-Porno-Bewegung. Deren Vorkämpferinnen wie Sheila Jeffries, Karen Boyle  oder Pamela Paul zeigen sich jedoch an Emma Watsons Vanity Fair-Shooting vollkomen uninteressiert.  Selbst Gail Dines, die sich auf Facebook noch amüsiert über Emma Watsons Versuche zeigte, ‚Beauty and the Beast‚ so etwas wie eine feministische Botschaft unterzujubeln, verlor kein Wort über die aktuellen Fotos.

Die Angriffe kamen also mitnichten aus der Ecke anti-pornografischer Feministinnen, auch wenn einige Medien dies so darstellten. Offensichtlich wurden die Fotos lediglich als Anlass genutzt, eine feministische Aktivistin mit ihrem Ansinnen zu diskreditieren. Dass dazu auch auf aus dem Zusammenhang gerissene Zitate zurückgegriffen wurde, entspricht den Mechanismen der Medien, nicht nur der Social Media.

Wir als Kunstschaffende können dem entgegenwirken, indem wir für eine möglichst breite Öffentlichkeit sorgen. Wir können Fakten verbreiten helfen und uns solidarisch mit denjenigen zeigen, die gerade im medialen Sperrfeuer konservativer Anfeindungen stehen. Nackte Brüste sind sicher nicht per se ein Symbol. Es gibt den voyeuristischen Blick, aber es gibt eben auch das Recht auf körperliche Selbstbestimmung. Emma Watson hat es ausgeübt.

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Jamie McGuire: Beautiful Burn – Rezension

Jamie McGuire – ein typischer New-Adult-Shootingstar

Im Mai 2011 veröffentlichte Jamie McGuire im Selbstverlag den Roman, „Beautiful Disaster“. Schnell galt das Buch als New-Adult-Sensation, wurde ein Jahr später von Atria Books ins Programm übernommen und fand schließlich seinen Weg auf die Bestseller-Liste der New York Times. Da blieb das Buch 17 Wochen lang. Warner Brothers sicherte sich die Filmrechte. Inzwischen ist es in über eine Millionen Mal verkauft und in mehr als 50 Sprachen übersetzt.

Erfolgsgarant: die Maddox-Brüder

McGuire spielt mit dem Klischee vom harten Kerl mit dem weichen Kern. Travis, der Held von „Beautiful Disaster“, ist am ganzen Körper tätowiert, arrogant, unverschämt, aber als echter Alpha-Typ eben auch absolut durchtrainiert und ungeheuer sexy. Sein Geld verdient er sich mit Prügeleien auf dem Campus. Kämpfen mit hohen Wetteinsätzen.

Er hat vier Brüder, die alle ähnlich ticken: Trenton, Thomas, Taylor und Tyler. „Wenn sich ein Maddox-Bruder verliebt, dann liebt er für immer. Und er kämpft – auch wenn alles andere daran zu zerbrechen droht“, heißt es im Klappentext von „Beautiful Oblivion“, dem vierten Band der Reihe um die Maddox-Brüder. Dieser Spruch gilt im Grunde für die ganze Reihe – und er macht ihren Charme aus.

So ist Tyler, der Held aus „Beautiful Burn“ nicht nur der zum Verwechseln ähnlich aussehende Zwillingsbruder von Taylor, sondern gleicht von seiner Beschreibung her auch Travis, dem männlichen Protagonisten der ersten drei Bände: voller Tattoos, kastanienbraune Augen, klar definierte Muskulatur. Aber eben auch fürsorglich, verständnisvoll und treu.

Band 7 der Reihe: Beautiful Burn

Im März 2017 ist dieser  Band 7 der Reihe auf Deutsch erschienen. Tyler bekämpft  als Hotshot-Feuerwehrmann in den Rocky Mountains Waldbrände. Wir lernen ihn auf einer Party kennen, bei der er in guter Maddox-Tradition in einen Kampf verstrickt ist. Wie schon im ersten Teil der Reihe bei Travis geht es auch hier um viel Geld, das auf den Kampf gesetzt wird. Dass dabei ein Daunensofa, der maßgefertigte italienische Wollteppich und sogar ein 50.000 Dollar teures Originalgemälde des Pop-Art-Künstlers Peter Max zu Bruch gehen, scheint ihn nicht sonderlich zu irritieren. Lediglich das Auftauchen der Gastgeberin Ellison bringt ihn dazu, die Prügelei ins Freie zu verlegen.

Natürlich steigt er mit der jungen Frau in die Kiste und verliebt sich schließlich in sie. Natürlich gibt es Komplikationen. Denn, so fragt das Buchbanner des amerikanischen Originals: „Wie kannst du jemanden lieben, wenn du dich selbst nicht liebst?“ Gemeint ist Ellie, die wegen ihres laxen Umgangs mit mit Alkohol und Drogen ein gewisses Problem damit hat, sich selbst anzunehmen. Und die deswegen auch keinen Jungen wirklich an sich heranlässt.

Die Protagonistin Ellison Edson

Ellison ist die jüngere Tochter von Philip Edson, der ein großes Technologie-Imperium leitet und sich um Geld dementsprechend wenig Sorgen machen muss. Immerhin steht er auf der Liste der Fortune 500. So ist auch Ellison, die von den meisten einfach Ellie genannt wird, ein verwöhntes Party-Girl, das seine Zeit mit Reisen und Nichtstun zubringt. Sie ist Anfang zwanzig und hat sich in ihrem Leben noch nie um einen Beruf bemüht. Den Ferrari, den ihr Vater ihr zum 16. Geburtstag schenkte, fuhr sie schon nach wenigen Tagen zu klump, absichtlich, um sich  zu rächen, weil er ihren Geburtstag vergessen hatte.

Estes Park – der Eingang zu den Rocky Mountains

Das elterliche Ferienhaus, das bei der Fete verwüstet wird, steht in Estes Park im Bundesstaat Colorado. Ein Ort, der vom Tourismus lebt, mit 2.293 Meter über dem Meeresspiegel ein Skiparadies im Winter, bewohnt von knapp 6.000 Einheimischen. Hier befindet sich der Hauptzugang zum Rocky Mountain National Park. Dementsprechend groß ist das Angebot an Cafés und Bars für die Gäste. In Letzteren verbringt Ellie einen Großteil ihrer Zeit. In einigen hat sie bereits Hausverbot.

Fish out of water

Die Geschichte nimmt an Fahrt auf, als Ellies Eltern früher als geplant von einer Reise zurückkommen. Sie haben von der desaströsen Party erfahren und sich sofort auf den Weg gemacht. Unterstützt von der eigens engagierten Lebensberaterin Sally wollen sie die Tochter in ihre Grenzen weisen. Ellies Kreditkarten werden gesperrt und der Zugang zu den Häusern der Familie und die Verfügung über das Personal stark eingeschränkt. 90 Tage darf sie maximal noch im Ferienhaus bleiben. Bis dahin muss sie sich einen Job gesucht und eine eigene Wohnung bezogen haben.

Plotholes und andere Probleme

An dieser Stelle jedoch beginnt die Story, in eine romantische Parallelwelt abzudriften. In Jamie McGuires „Beautiful Burn“ hat Ellie keine Probleme, in kürzester Zeit einen Job bei der örtlichen Zeitung an Land zu ziehen. Und nicht nur das: Innerhalb von sechs Wochen wird sie zur Fotojournalistin befördert und darf für vierzehn Tage die regionalen Feuerwehrleute der „Alpine Hotshot Crew“ auf einen Einsatz begleiten, um Material für einen längeren Artikel zu sammeln. Ganz offensichtlich hat die Autorin an der sozialen Realität in Amerika genauso wenig Interesse wie an der Situation in den Redaktionen der Printmedien. Das mögliche Konfliktpotential, dass sich aus der Konstellation ergibt, wird komplett verschenkt.

Auch der „Fish out of water“-Situation kann oder will Jamie McGuire nichts abgewinnen. Wie geht eine junge Frau, die im ganzen Leben nie Verantwortung übernommen hat, damit um, sämtlicher Ressourcen beraubt zu sein? Wie stellt sie ihre Gewohnheiten um und welche Konflikte bringt das mit sich? Wie gelingt es ihr, ihren Alltag zu organisieren? Kein Wort darüber. Ellie sucht sich eine billige Bleibe und macht Karriere. So einfach ist das.

Der Punkt ihrer Drogensucht wird genauso wenig thematisiert. Ellie hat kein Geld mehr, um sich mit Alkohol und Drogen zu versorgen? Dann nimmt sie eben erst einmal keine mehr, bis sie wieder neues Geld hat. Vierzehn Tage ohne, gleich zu Beginn ihres neuen Lebens, stellen keine wirkliche Herausforderung dar. Spätestens hier hatte ich das Gefühl, dass Jamie McGuire ihre Protagonistin nicht ernst nimmt. Ganz anders etwa als ihre Kollegin Colleen Hoover, die ihre Protagonistinnen zwar auch regelmäßig die tiefsten Tiefen durchleiden lässt, dabei aber immer um realistische Lösungen bemüht ist.

Die „Alpine Hotshot Crew“

In Amerika gibt es ca. 120 Teams von speziell ausgebildeten Feuerwehrleuten, die in die verschiedenen Krisengebiete geflogen werden und sich dort um die Brandbekämpfung bei Wildfeuern bemühen. Die Ausbildung dieser Interagency Hotshot Crews (IHC) ist extrem hart, die Jungs, die daran teilnehmen, sind dementsprechend tough. Ellie begleitet eine solche Truppe zunächst für zwei Wochen, erhält dann jedoch die Erlaubnis, aus ihren Recherchen eine Serie zu machen und den Sommer mit der Hotshot Crew zu verbringen, zu der Tyler Maddox und sein Bruder Taylor gehören.

Auch an dieser Stelle glänzt der Roman nicht gerade vor Realismus. Ellie hat ihre erste eigene Kamera erst ein paar Wochen zuvor erhalten und muss sich zunächst von der Tochter des Zeitungschefs zeigen lassen, wie sie mit den verschiedenen Funktionen umgehen soll. Und während die echten Fotoreporter, die die Crews gelegentlich begleiten, wie der National Geographic Fotograf Mark Thiessen, zumeist auch eine Lizenz als Wildland Firefighter haben, wird Ellie zu ihrem Schutz lediglich Tyler an die Seite gestellt.

Romanze mit Stolpersteinen

All dies scheint die echten Fans von Jamie McGuire wenig zu stören. Das legt den Verdacht nahe, dass die Maddox-Romane weniger als kritisch-realistische Porträts von jungen Erwachsenen gemeint sind, die sich ihren Weg in die Welt der Selbstständigkeit suchen, sondern als eskapistische Romanzen, in deren Mittelpunkt die Liebesbeziehung zwischen einem Alpha-Männchen und verschiedenen Typen von Frauen steht.

Allerdings ist in „Beautiful Burn“ auch dieser Spannungsbogen nicht sauber herausgearbeitet. Ellie ist hin- und hergerissen zwischen ihrem Wunsch nach Nähe zu Tyler und ihrem Gefühl, dass die beiden sich nicht guttun würden. Ihre Beziehung laviert zwischen reinem Sex, Freundschaft, Freundschaft mit Nebenleistungen. Ellie geht zwei Schritte vor, dann wieder zurück, und eigentlich ist nie klar, wo sie steht und warum sie es tut. Das macht es schwer, mit ihr, aus deren Sicht der Roman erzählt wird, mitzufühlen und mitzufiebern. Die Story lebt von Tyler und seiner bedingungslosen Liebe, die alle Höhen und Tiefen geduldig trägt. Ein Mann zum Träumen eben.

Die Sache mit dem Sex

Um die Sex-Szenen zu analysieren, hätte ich gern einen Blick ins amerikanische Original geworfen. Vanessa Lamatsch, die Übersetzerin der Bücher von J. Lynn, hat dem Piper-Verlag, in dem auch Jamie McGuires „Beautiful Burn“ erschienen ist, einmal ein längeres Interview gegeben, in dem es um den Unterschied zwischen englischsprachiger und deutscher Erotik ging. Deutsche Übersetzungen sind deutlich zurückhaltender, so die Quintessenz, sowohl was anatomische Beschreibungen angeht, als auch das konkrete Verhalten im Bett.

Auffallend wird das zum Beispiel bei einer Fellatio-Szene zwischen Ellie und Tyler, in der das Wort „Schwanz“ oder „Penis“ nicht ein einziges Mal vorkommt. Erst nach drei Absätzen erwähnt Ellie, dass sie mit der Hand „die Wurzel seiner Männlichkeit“ umschloss. Und ich habe den Verdacht, dass Jamie McGuire vielleicht nicht ganz so prüde ist, wie der Piper-Verlag sie erscheinen lässt.

Insgesamt gibt es zwar in dem Roman etliche Sexszenen, die auf mich jedoch weitgehend leidenschaftslos dargestellt werden. Was schmecken die Protagonisten, was riechen, was fühlen sie? Statt mit allen Sinnen in die Szene einzusteigen, bleibt McGuire weitestgehend bei einer visuellen Außendarstellung à la „dann geschah das, dann machte er das …“ Prickeln ist anders.

Der perfekte Stoff für Träume

Trotz allem lässt sich „Beautiful Burn“ schnell weglesen. Das mag daran liegen, dass der Roman zu gefühlten 80% aus Dialogen besteht. Konflikte sind ohnehin genug da, auch wenn Jamie McGuire an vielen Stellen darauf verzichtet, sie realistisch auszuarbeiten. Dafür macht sie gelegentlich Nebenschauplätze auf, etwa wenn plötzlich ein FBI-Agent auftaucht, der die illegalen Uni-Kämpfe untersucht. Oder wenn sie Fäden aus den früheren Romanen der Reihe um die Maddox-Brüder aufnimmt und mit neuen Problemen anreichert.

Und überhaupt: Was die Reihe zusammenhält und zum perfekten Stoff für Träume macht, ist die unglaubliche Loyalität der fünf Maddox-Brüder zu ihren Freundinnen. Auch Ellie kann sich sicher sein, dass Tyler durch alle Höhen und Tiefen zu ihr hält, egal, ob sie ihn gerade von sich wegstößt oder seine Nähe sucht. Das ist vielleicht nicht unbedingt realistisch, macht ihn aber ziemlich unwiderstehlich. Zumindest mir ging es so, dass ich für die Szenen mit Tyler auch die etwas verschrobene Ellie gern in Kauf genommen habe.

Titel Beautiful Burn : Roman / Jamie McGuire ; aus dem Englischen von Henriette Zeltner
Person(en) McGuire, Jamie (Verfasser)
Zeltner, Henriette (Übersetzer)
Werk(e) Beautiful burn
Ausgabe Deutsche Erstausgabe
Verlag München ; Berlin ; Zürich : Piper
Zeitliche Einordnung Erscheinungsdatum: 01. März 2017
Umfang/Format 478 Seiten; 19 cm
Andere Ausgabe(n) Erscheint auch als eBook: ISBN: 9783492974790
ISBN/Einband/Preis 978-3-492-31011-6 Broschur : EUR 10.30 (AT), sfr 13.90 (freier Preis), EUR 9.99 (DE)
3-492-31011-7
EAN 9783492310116
Sprache(n) Deutsch (ger), Originalsprache(n): Englisch (eng)
Beziehungen Piper ; 31011
Leseprobe bic-media.com

Herzlichen Dank an den Piper-Verlag, der mir freundlicherweise ein Rezensionsexemplar von Jamie McGuires „Beautiful Burn“ zur Verfügung gestellt hat.

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Promoaktion für Sandra Manthers „Videoüberwacht“

Wider Erwarten läuft die neueste Marion-F.-Episode „Videoüberwacht“ nicht besonders gut.  Auch das Basteln am Klappentext und das alternative Cover haben daran nicht viel geändert. Dabei finde ich nach wie vor, das die Geschichte viel Potential hat und auch handwerklich gut gelungen ist.

Dafür spricht auch, dass es an einem einzelnen Tag eine auffällige Häufung von Downloads oberhalb des statistischen Mittels gab. So was passiert meist dann, wenn in irgendeinem Forum ein Titel besprochen oder weiterempfohlen wird.

Ein weiteres Indiz ist, dass „Videoüberwacht“ die erste unserer Geschichten überhaupt ist, die eine Amazon-Rezension bekommen hat. Noch dazu eine mit 5 Sternen. Irgendetwas muss ich richtig gemacht haben.

Deswegen habe ich beschlossen, den Titel von heute, Mittwoch, dem 1. März bis einschließlich Sonntag, 5. März, in einer amazon-Promo-Aktion kostenlos anzubieten.  In dieser Zeit könnt ihr ihn von der Seite http://amzn.to/2mnj7rB gratis herunterladen. Entweder um Marion überhaupt erst einmal kennenzulernen oder um euch an diesen Text heranzuwagen.

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Neues Design für „Videoüberwacht“

Alternatives Cover zu "Videoueberwacht"Richtig glücklich waren Marc und ich nicht mit dem letzten Cover der „Marion F.“-Serie. Wir hatten nach einem Symbolbild gesucht, das unser Unwohlsein im Blick auf die Videoüberwachung zum Ausdruck bringt.

Leider war die Auswahl verfügbarer Bilder ziemlich begrenzt. Doch je länger wir mit dem alten Titelbild von „Videoüberwacht“ lebten, desto weniger gefiel es uns. Es war weder erotisch, noch machte es neugierig.

Warum also nicht gleich ein reines Symbolbild, wie es in der erotischen Literatur der letzten Jahre ja immer häufiger benutzt wird. Sind Schlipse, Ringe und Blumenkelche nicht letztlich auch wenig aussagekräftig in Blick auf das Genre?

Mit der Micro-Kameralinse, die jetzt unser Titelbild zielt, starten wir einen Versuch in diese Richtung. Damit kommen wir auch denjenigen von euch entgegen, die ohnehin fanden, unsere bisherigen Cover hätten zu sehr nach 70er-Jahre-Porno ausgesehen. Und tatsächlich wirkt die Schrift, die schon vom ersten Marion F.-Band an golden war, auf schwarzem Hintergrund viel nobler als bisher.

Was haltet ihr vom neuen Cover? Hier noch mal das alte Bild zum Vergleich:

Cover: Videoueberwacht von Sandra Manther

Liebe Grüße, eure Sandra

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Sandra Manther: Videoüberwacht

Cover: Videoüberwacht - von Sandra MantherWie angekündigt: Seit gestern ist mein neuer Marion F.-Band erhältlich. „Videoüberwacht“ heißt er und spielt zu großen Teilen in Monikas Spielzimmer, auf dem eisernen Kingsize-Bett mit der Vakuummatratze.
Sarah war ja bereits bei ihrer ersten Session in „Monikas Keller“ neugierig auf die Funktion dieser Matratze geworden. Nun ruft sie Oliver an und verabredet sich mit ihm im Keller.
Auch diese Episode funktioniert als Standalone, kann also auch ohne vorherige Lektüre der anderen Bände gelesen werden. Und wieder überschreitet sie mit 45 Manuskript-Seiten und über 10.000 Wörtern deutlich die Länge einer Kurzgeschichte.

Darum geht es:

Monika hat im SM-Studio im Keller ihres Hauses eine Reihe von Micro-Kameras installiert. Denn mittlerweile hat sich die Existenz ihres Spielzimmers herumgesprochen und wird gern auch von anderen genutzt. Da ist es gut, ein wenig den Überblick zu bewahren.

Marion wird von ihren Freundinnen überredet, ihren Trainer Marcel dorthin einzuladen. Aber ist Marcel überhaupt offen für Spiele dieser Art? Die beiden experimentieren ein wenig mit der Kingsize-Vakuummatratze. Während Marcel  bewegungsunfähig fixiert ist, führt Marion ihn an seine Grenzen. Vielleicht auch ein wenig darüber hinaus.

Leseprobe:

Der Duft des frisch zubereiteten Milchkaffees, sonst ein verlässlicher Stimmungsaufheller, konnte mich heute kaum trösten. Ich saß an der Küchentheke und stierte ins Leere, die Kaffeeschale zwischen den Händen. Marcel ging mir nicht aus dem Kopf.
Als Jana nach dem Fotoshooting ihr Geld kassierte und verschwand, war ich geblieben. Marcel wollte, dass ich mich nicht wieder anziehe, sondern nackt bliebe, wie ich für die Aufnahmen gewesen war. Natürlich dachte ich, er würde mit mir schlafen. Oder zumindest Interesse signalisieren. Aber er, mein Sensei, Meister des Jiu Jitsu, war cool in seiner Rolle aufgegangen. Er trug den Keigogi, den weißen Kampfsportanzug und übte mit mir für meine bevorstehende Gurtprüfung. Immerhin, ich hatte ihn darum gebeten.
Er berührte mich nie anders, als er es für die Würfe, an denen wir arbeiteten, brauchte. Statt der üblichen Kragengriffe nutzte er Schultern, Nacken und Hals, um Angriffe zu simulieren. Aber seine Berührungen waren zielstrebig und frei von erotischen Schwingungen.
Bilder vom vergangenen Abend wirbelten in meinem Kopf durcheinander. Der Soto Maki Komi, ein Hüftfeger. Marcel packte mich an den Schultern und ich musste mich von ihm wegdrehen, dabei seinen Arm an meiner Brust fixieren und ihn über die Hüfte ziehen, so dass er rücklings auf der Matte landete. Ich spürte, wie meine Nippel bei jeder Berührung hart wurden. Er aber schien es überhaupt nicht zu bemerken.
Schlimmer noch waren ein paar der Shime-waza, jene Würgetechniken, bei denen ich die Beine einsetzen muss. Wir übten ausgiebig den Kensui Jime, den Hasami Jime und vor allem den Yoko Sankaku Jime, alles Techniken, in denen Marcels Kopf früher oder später zwischen meinen nackten Schenkeln landete. Wie oft war sein Gesicht nur wenige Zentimeter von meinem Geschlecht entfernt?
Ich griff zum Telefon und rief meine beste Freundin Monika an. Erzählte ihr alles. Sie hörte geduldig zu, ließ den Schwall ungefilterter Emotionen, der aus mir herauskam, über sich ergehen und fing erst an, vorsichtig nachzufragen, als ich mich komplett ausgekotzt hatte.
„Wahrscheinlich ist es für ihn eine Hürde, mit einer seiner Schülerinnen zu schlafen“, sagte sie.
„Warum hat er mich dann überhaupt gebeten, zu bleiben?“ Ich zögerte, und fügte hinzu: „Ohne mir etwas überzuziehen.“
„Er wusste doch, wie wichtig dir diese Gurtprüfung ist. Vielleicht war es als Kompliment gemeint. Er findet dich schön. Ist doch verständlich.“
„Er hat nicht einmal einen Versuch gemacht.“
„Du hast gesagt, er macht häufiger solche Shootings?“
„Es ist ein Hobby von ihm.“
„Wenn er sonst nur mit bezahlten Fotomodellen arbeitet, ist es für ihn normal, dass er sie nicht anrührt. Er ist es gewohnt, Abstand zu halten. Auch wenn sein Gegenüber nackt ist und Posen einnimmt, die normalerweise als Einladung zu verstehen sind.“
„Aber ich bin doch kein Modell.“
„Gestern Abend warst du eins.“ Monika wechselte das Thema. „Apropos ‚Posen vor der Kamera‘. Weißt du, wer gerade hier ist?“
„Daniel?“
Ich traute ihrem Ex-Mann so einiges zu. Er hatte noch immer einen Schlüssel für ihr Haus und war in der Vergangenheit schon mehrfach unangekündigt aufgetaucht.
Monika lachte. „Nein, Sarah. Sie hat mich gefragt, ob sie heute Abend meinen Spielekeller nutzen darf.“
„Mit Tobias?“, fragte ich irritiert. Ihr Ehemann war in meinen Augen ein Spießer und ich konnte mir kaum vorstellen, dass Sarah ihn dazu gebracht hatte, mit ihr in Monikas mit Sexspielzeugen aller Art vollgestellten Keller zu gehen.
„Nein, mit Oliver, dem Typ, den wir im Schanzenviertel aufgerissen haben. Erinnerst du dich, wie sehr er von Sarah fasziniert war? Zu sich nach Hause wollte sie ihn nicht einladen. Verständlicherweise. Und da hat sie halt mich gefragt.“
„Sie ist mit Oliver zusammen in deinem Spielzimmer? Da würde ich ja gern Mäuschen spielen.“
„Kein Problem. Sarah hat mich gebeten, ein bisschen aufzupassen. Sie kennt Oliver ja kaum.“
Mir ging ein Licht auf.
„Posen vor der Kamera?“, fragte ich nach, weil ich ahnte, was Monika mit ihrer Überleitung gemeint hatte. „Sie lässt sich doch nicht etwa von dem Kerl fotografieren?“
„Viel besser. Ich habe im Keller ein paar Mikrokameras installiert. Ich dachte, es kann nichts schaden, für den Notfall ein Filmchen in der Hand zu haben. Nur für den Fall, dass ich jemanden mitbringe, der sich komisch verhält. Oder Besitzansprüche an mich erhebt. Dann könnte ich immer noch damit drohen, den Film unserer Begegnung zu veröffentlichen.“
„Du willst mir doch nicht sagen, du sitzt im Wohnzimmer und guckst Sarah beim Sex zu?“
„Die beiden probieren gerade meine Vakuummatratze aus. Sarah liegt splitterfasernackt und bewegungsunfähig auf dem Bett und lässt sich von ihm mit Kräuterquark einreiben.“
„Kräuterquark?“
„Aus meiner Küche. Er kam extra noch mal rauf, um zu fragen. Mein Honig war alle.“
„Schlagsahne wäre konventioneller.“
„Ja, aber er hatte keine Lust, erst welche zu schlagen. Er wollte schnell wieder runter.“
„Ob es sie stört, wenn ich vorbeikomme?“
„Die beiden sind mit sich selbst beschäftigt. Ich glaube nicht, dass es ihr was ausmacht.“

[Ende der Leseprobe]  Buch auf amazon.de ansehen

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Die neue Story ist (fast) fertig

Hallo, ihr Lieben

Cover: Videoueberwacht von Sandra MantherGerade eben habe ich den letzten Satz meiner neuen „Marion F.„-Geschichte getippt. Sie ist wieder recht lang geworden. Knapp 10.000 Wörter – das sind 44 Manuskirpt-Normseiten. Ich werde die kommende Woche nutzen und ihr den letzten Schliff geben, so dass sie Ende des Monats in den Verkauf gehen kann.

Wie immer funktioniert „Videoüberwacht“ , so der Titel, auch als Standalone, knüpft aber stärker als früher an andere Episoden an, vor allem an „Monikas Keller“ und „Das Jiu-Jitsu Fotoshooting“ . Sarah wird sich mit Oliver treffen, den sie ja zur Einweihung des Kellers kennengelernt hat. Sie hatten verabredet, gemeinsam die Vakuummatratze auszuprobieren, die bei Monika im Keller steht. Was die beiden nicht wissen: Inzwischen hat Monika in ihrem unterirdischen Spielzimmer diverse kleine Digitalkameras installiert.

Marion kommt zufällig dazu, als Monika über ihren Laptop die beiden beobachtet. Sie ist nach dem Fotoshooting mit Marcel ziemlich durcheinander und lädt ihn zu Monika ein. Der ist von der Idee, es vor laufender Kamera mit Marion zu treiben, wenig begeistert, lässt sich aber Marion zuliebe auf das Experiment ein. Allerdings entwickelt der Abend sich völlig anders, als die beiden es ursprünglich gedacht hatten.

Marc und ich haben über die Jahreswende viel diskutiert. Über die Entwicklung bei Amazon zum Beispiel. Durch die neue Vergütungspolitik im KDP-Programm ist der Verleih von Kurzgeschichten ziemlich witzlos geworden. Wir werden also nach und nach sämtliche erotischen Texte  aus der Amazon-Ausleihe entfernen. Nur die aktuelle Neuerscheinung wird noch für drei Monate im Rahmen des KDP-Abos ausleihbar sein.

Auch in einem anderen Punkt schwenken wir um. Angefangen hatten wir ja mit einer Reihe von kurzen Storys, die wenig länger als 3.000 Wörter waren. Wir haben aber gemerkt, dass unsere eigenen Lesegewohnheiten in eine ganz andere Richtung gehen. Die kurzen Erotik-Stories, die wir bei Amazon Kindle lesen, lassen uns ziemlich unbefriedigt, weil sie zu wenig ins Detail gehen und zu wenig Raum für die Entwicklung einer Geschichte bieten. Was wir mögen, sind die längeren Stories. Und von daher ist es nur folgerichtig, wenn wir selbst Abstand von den Kurztexten nehmen. Auch wenn das bedeutet, dass wir nicht mehr ganz so häufig veröffentlichen wie bisher.

Marc will jetzt ebenfalls eine erste eigene Reihe machen und ist schon wild am Schreiben. In seiner neuen Serie geht es ums Internet-TV, genauer gesagt um eine interaktive erotische Spielshow. Ich finde die Idee, die Medienszene aufs Korn zu nehmen und zu zeigen, wie sie Sex benutzt, um Zuschauerzahlen zu generieren, ganz spannend. Die Texte, die er mir bisher gezeigt hat, sprechen auf jeden Fall den Voyeur in mir an und enthalten viele Kinks, die mich anmachen.

So viel für heute. Euch alles Liebe,

Sandra
Sandra

Update 30.01.2017: Wahrscheinlich habt ihr es schon gesehen. Inzwischen ist die neue Story „Videoüberwacht“ bei Amazon erhältlich. Lest doch einfach hier auf der Website in die Story rein oder geht gleich zu amazon.de/Videoüberwacht-Das-erotische-Tagebuch-Marion-ebook/dp/B01NAYEO32/, um euch dort die Leseprobe herunterzuladen.

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Promo-Aktion Oktober

Der Sommer hat sich verabschiedet und der Herbst klopft an. Was gibt es besseres, als sich jetzt mit Lesestoff einzudecken. Wir wollen den Oktober nutzen, um unsere erotischen Geschichten einem breiteren Lesepublikum vorzustellen. Deshalb haben wir den Preis für unsere Bücher drastisch gesenkt. Bis Ende Oktober kostet jedes unserer eBooks für den Amazon Kindle nur 0,99 € statt wie bisher 2,99 €.

Ab November gilt dann wieder unsere alte Preispolitik: Neuerscheinungen sind für 4 Wochen für 0,99 € zu haben und werden danach auf 2,99 € angehoben.

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Sandra Manther: Das Jiu-Jitsu Fotoshooting

Cover: Das Jiu-Jitsu FotoshootingJetzt habe ich schon eine ganze Zeit nichts Neues mehr auf den Markt geworfen. Nach der „Bühnenangst“ kam nur noch das Marion-Bundle und dann war eine ganze Zeit lang Funkstille.

Ich habe diese Zeit genutzt und viel gelesen, analysiert und ausprobiert. Als erstes fällt auf: Die neue Episode „Das Jiu-Jitsu Fotoshooting“ ist mit 45 Manuskript-Normseiten wesentlich länger als die früheren Bände. Mehr Platz fürs Kopfkino, für Figurenentwicklung und Sinneseindrücke.

Ganz nebenbei ist auch die Rückenansicht Marions vom Cover verschwunden. Das war anfangs ein netter Gag, wirkte aber immer auch ein wenig gestückelt. In Zukunft wird es aussagekräftigere Titelbilder geben. Dass es sich um eine Marion F.-Geschichte handelt, zeigt ja schon die rot-braune Banderole unter meinem Namen.

Worum geht es im neuen Band?

Marion will am kommenden Sonntag ihren Blaugurt in Jiu-Jitsu machen, wird beim letzten Training vor der Prüfung jedoch unsicher. Gern würde sie mit ihrem Trainer noch ein wenig üben. Doch der hat für den Abend ein Fotoshooting angesetzt, für das er extra ein Model gebucht hat.

Er schlägt Marion einen Deal vor: Wenn sie will, kann sie beim Shooting mitmachen. Im Gegenzug wird er mit ihr eine zusätzliche Übungsstunde einlegen. Ihre Freude legt sich, als sie erfährt, dass es um Aktaufnahmen geht.

Als wäre das nicht genug, muss sie feststellen, dass es sich bei dem Model um eine braungebrannte Zwanzigjährige handelt, die sich in Szene zu setzen weiß. Und die keine Berührungsängste kennt.

Leseprobe:

Ich stand unter der Dusche und seifte mich ein. Mit meinen Gedanken war ich noch beim Training. Wenn ich daran dachte, dass ich am Sonntag meinen zweiten Kyu machen wollte, war das Ergebnis der vergangenen zwei Stunden ziemlich desaströs.
Die Halle, in der wir ein bis zweimal in der Woche Jiu Jitsu trainierten, lag in einem Hinterhof in Ottensen. Das bedeutete unter anderem, dass der Ort viel zu alternativ war, um getrennte Duschräume für Männer und Frauen zu haben. Niemand in Ottensen will für spießig gehalten werden. Mal abgesehen davon, dass im ersten Stock der alten Fabriketage, in dem wir unser Trainingslager aufgeschlagen hatten, getrennte Duschen schon aus Platzgründen gar nicht möglich gewesen wären.
Die meisten Jungs waren inzwischen fertig und zogen sich schon an. Neben mir stand noch Lena unter dem Strahl, eine kleine kompakte Blondine, deren lange Haare sich immer mehr zu Dreadlocks entwickelten. Obwohl sie kaum älter als 18 Jahre alt war, hatte sie große, schwere Brüste, die mir beim Duschen zwangsläufig immer wieder auffielen. Auffällig an ihr waren auch ihre inneren Schamlippen, die deutlich größer waren als die äußeren und daher für jeden sichtbar aus der wulstigen Scham hervorquollen. Anfangs hatte mich dieser Anblick irritiert, doch mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt.
Bis eben hatte auch Samuel noch neben uns gestanden, einen halben Kopf größer als Lena, mit durchtrainiertem Körper. Als er ging, warf ich einen kurzen Blick auf seinen festen Po. Ich mochte die kleinen Grübchen in seinen Backen. Er machte noch nicht lange beim Training mit, kam aber so gut voran, dass er die ersten drei Gürtel in Rekordzeit erworben hatte. Obwohl ich schon deutlich länger dabei bin, gelang es ihm heute im freien Kampf mehrfach, mich zu Boden zu werfen.
Für mein Selbstbewusstsein war das gar nicht gut. Ich zweifelte ernsthaft, ob ich die Prüfung zum zweiten Kyu am Sonntag schaffen würde. Denn diese Prüfung wurde nicht von Marcel, unserem Sensei, abgenommen, sondern von einem mit ihm befreundeten Meister. Marcel wollte auf diese Art verhindern, dass wir die Prüfungen zu leicht nahmen.
Natürlich, ich wollte Marcel gefallen. Er ist ein drahtiger Schweizer mit einem angenehm muskulösen Körper. Kein Wunder, immerhin hat er bereits den sechsten Dan und trägt seinen Keigogi dementsprechend mit einem rotweißen Gürtel. Während ich mich gerade auf den blauen Obi vorbereitete und ihm gegenüber dementsprechend wie eine Anfängerin fühlte.
Überhaupt der Keigogi, unser weißer Kampfanzug. Ich musste mir noch Gedanken machen, wie ich die Uwagi, die Jacke, am Sonntag anziehen sollte. Beim Training hier in Ottensen hatte ich mir angewöhnt, ohne T-Shirt oder Sport-BH darunter herumzulaufen. Der Gi wird in der Taille geschnürt und durch den Gürtel gehalten. Männer tragen ihn traditionell auf der nackten Haut. Von daher fand ich es blödsinnig, es anders zu halten. Obwohl dies laut Etikette erlaubt wäre. Zwar kommt es gelegentlich vor, wenn mich ein Trainingspartner zu heftig am Kragen packt, dass sich die Jacke vorne bis zur Taille öffnet. Aber dank der Schnüre und des Gürtels hielt sich die sexuelle Erregung meiner Gegenüber dabei in überschaubaren Grenzen.
Ich habe es eigentlich nur einmal erlebt, dass ein junger Bursche durch übertrieben viele Kragengriffe seine Neugier befriedigte. Nachdem er versucht hatte, mich auf dem Fußboden zu fixieren und dazu halb auf mich kroch, bemerkte ich den nassen Fleck in seinem Schritt. Er kam nie wieder zum Training.
Aber dieses Problem würde ich am Sonntag bei der Prüfung kaum haben, überlegte ich mir.
Marcel kam zu uns in den Duschraum. Er sah mir lange in die Augen.
„Bist du sicher, dass du das am Sonntag durchziehen willst?“, fragte er sanft.
„Du klingst, als wäre das keine gute Idee.“
„Was deine Einstellung angeht, mache ich mir keine Sorgen. Du kommst regelmäßig zum Training, bist konzentriert dabei und erweist deinem Sensei …“ Er unterbrach sich, um schmunzelnd fortzufahren: „… die ihm gebührende Achtung.“
Ich spürte, dass ich rot anlief. Er kümmerte sich so wenig wie ich um Etikette und wenn er von sich in der dritten Person als Meister, als Sensei, redete, wirkte das ein wenig komisch. Es war offensichtlich, dass ich ein Auge auf ihn geworfen hatte. Aber bisher war es bei unverfänglichen Plänkeleien geblieben, die alles oder nichts bedeuten konnten. Was vielleicht am Altersunterschied lag. Er war vier bis fünf Jahre jünger als ich.
Er knotete seinen Obi auf und legte ihn beiseite. Als er seine Uwagi aufklappte, um die Schnüre zu lösen, sah ich seinen durchtrainierten Bauch. Und merkte, wie sich meine Rechte in meinen Schoß verirrte und diesen langsam massierte. Das konnte durchaus als offensiv ausgelegt werden. Daher zog ich die Hand schnell weg und entfernte stattdessen die Seife von meiner Wade.
„Aber?“, fragte ich.
„Du bist dir darüber klar, dass Joachim dich nach bestimmten Techniken fragen wird, oder?“
„Worauf willst du hinaus?“
„Ich will nicht, dass du erst lange überlegen musst, wenn er dich nach einem Harai-goshi oder Uchi-mata fragt. Die Würfe müssen sofort kommen. Wäre doch peinlich, wenn er dich nach einem Kyushojutsu fragt und du ihn mit einem Handkantenschlag zu beeindrucken versuchst, wie mich vorhin.“
Wieder schoss mir das Blut in den Kopf.
Marcel öffnete den Knoten an seinem Zubon und schob sich die Hose vom Po. Er faltete sie ordentlich zusammen, legte sie auf die Bank und kam zu uns Frauen unter die Dusche. Gern hätte ich mich an ihn gepresst und meine Hände über seinen nackten Körper gleiten lassen. Aber solange Lena dabei war, würde ich mir diese Blöße nicht geben.
„Ich glaube, die Grundtechniken habe ich drauf“, sagte ich „Die Fußangriffe machen mir noch ein bisschen Sorge.“
„Meinst du die Atemi oder die Ashi-waza?“, korrigierte Marcel.
„Vor allem den Yoko-geri.“
„Um den wirst du am Sonntag nicht herumkommen.“
„Wäre es OK für dich, wenn wir heute noch nicht Schluss machen, sondern zurück in die Halle gehen und üben?“
„Geht nicht. Ich habe noch einen Termin.“
„Kannst du den nicht verschieben?“
Marcel lachte und bückte sich nach seinem Shampoo.
„Du hast dann auch etwas bei mir gut“, sagte ich einschmeichelnd. „Ein Abendessen oder was du willst.“
„Klingt gut, aber es geht nicht.“
„Ein Geschäftstermin?“
Lena stellte ihre Dusche aus und legte mir zum Abschied eine Hand auf die Schulter. Die andere Hand landete auf Marcels Rücken.
Mir entging nicht, wie Marcel Lena musterte. Länger als nötig starrte er auf ihr dralles Hinterteil, als sie zu ihren Sachen ging. Sein Schwanz nahm dabei deutlich an Größe zu.
„Nein, ein Hobby von mir. Aber ich treffe mich mit jemanden, den ich extra für heute Abend bestellt habe.“
„Also ein Date?“
„Sozusagen.“
„Ein junges, weibliches Date?“
Er grinste. „Geht dich zwar nichts an, aber ja.“
„Ein Hobby, so so.“
„Klingt vielleicht strub, isch aber so.“
Das kannte ich schon von ihm. Immer, wenn er ins Schwiizertüütsch verfiel, war er verlegen oder nicht ganz bei der Sache. Er biss sich auf die Lippe und versuchte, seinen Rücken einzuseifen.
„Kann ich dir helfen“, bot ich ihm an und machte einen Schritt auf ihn zu.
„Nee, geht schon. Danke.“ Sein Blick wanderte über den gekachelten Fußboden. Ich fand seine Verlegenheit anziehend.
„Jemand, den du extra bestellt hast …“, wiederholte ich.
„Du lässt nicht locker, oder?“
Ich fuhr mit meiner Hand sein Rückgrat hinauf und verteilte die Seife an den Stellen, die er selbst nicht erreicht hatte. Er seufzte. Leise. Resigniert.
„Ich fotografiere, wenn ich die Zeit dafür finde“, sagte er schließlich.
Mein Hirn brauchte einen Moment, um die einzelnen Puzzlestücke zusammenzusetzen.
„Ein Model?“, fragte ich.
„Wir wollen heute in einer Halle im Oberhafenquartier ein paar Fotos machen.“
„Könnt ihr die nicht hier schießen? Unsere Trainingshalle hat doch den gleichen Fabrikcharme wie die Gebäude im Hafen.“
„Und was wäre damit gewonnen?“
„Ganz einfach: Du müsstest nicht weg. In der Zeit, die du mit Fahren beschäftigt wärst, könnten wir noch ein bisschen üben. Und wenn du willst, hast du heute statt einem Model gleich zwei. Du weißt doch, dass ich in der Agentur schon für diverse Kampagnen posiert habe.“
Er schüttelte den Kopf. „Du verstehst nicht.“
„Willst du was von der Frau?“
„Sie ist deutlich zu jung für mich.“
Lena räusperte sich. Ich hatte ganz vergessen, dass sie noch da war.
„Ich geh dann jetzt mal“, sagte sie und hob zum Abschied die Hand.
Wir winkten zurück und vertieften uns, sobald sie die Tür hinter sich geschlossen hatte, sofort wieder in unser Gespräch.
„Ich habe keine Absichten bei ihr“, sagte Marcel. „Das ist nicht das Problem. Aber wir machen Aktaufnahmen.“
„Oh.“ Ich merkte, wie es in meinem Magen zu kribbeln begann. Damit war mein Plan, mich als Model zur Verfügung zu stellen, gestorben.
Marcel hörte endlich auf, sich einzuseifen. Sein Blick wich meinem aus.
„Du stehst auf junge Mädchen?“, fragte ich.
„Nein.“ Er zögerte. „Ja. Zumindest unter ästhetischen Gesichtspunkten. Und um die geht es bei der Fotografie ja schließlich. Besonders beim Aktfoto.“
„Du wandelst also auf den Spuren von David Hamilton.“
„Teenager interessieren mich nicht. Sie haben noch kein Bewusstsein von sich und ihrem Körper. Sie sind zu unbeholfen für gute Bilder. Hamilton faszinierte genau diese Unbeholfenheit. Mich ermüdet sie nur.“
„Wie alt ist sie?“
„Neunzehn, glaube ich.“
„Machst du das schon lange?“
„Ein paar Jahre.“
„Mit unterschiedlichen Modellen?“
„Sicher. Ich suche mir für jede Session ein neues Model. Aktmodelle sind teuer, zumindest, wenn sie gut sind. Deswegen kann ich auch heute Abend nicht einfach canceln, verstehst du?“
„Und was ist mit meinem Vorschlag, sie hierher zu holen und die Halle als Location zu nutzen?“
Er zögerte. Eine Weile war nur das Prasseln des Wassers zu hören.
Ich stellte mich unter den Strahl und ließ mit geschlossenen Augen das heiße Wasser über Kopf und Körper laufen.
„Du würdest mitposieren?“, fragte er.
„Als ich den Vorschlag machte, wusste ich noch nicht, dass es um Nacktbilder geht.“
„Um Aktfotos.“
Er musterte mich. Obwohl es widersinnig war, kam ich mir mit einem Mal vollkommen nackt vor. Ich musste dem Impuls widerstehen, meine Brüste und meine Scham mit den Händen zu bedecken. Dabei hatte ich bis eben nie Probleme mit dem Duschen gehabt. Aber das hier war etwas anderes. Er taxierte mich. Er wollte wissen, ob mein Körper gut genug für künstlerische Bilder war. Und das schmeckte mir nicht.
„Was geschieht mit den Fotos?“
„Unterschiedlich. Einige gebe ich zum Verkauf frei. Die landen in verschiedenen Stockfoto-Sammlungen, wo sie von Kunden erworben werden können. Ein paar stelle ich auch ins Internet, zur Werbung. Auf meine Website, aber auch in die gängigen Social Media.“
„Das heißt, jeder könnte dann auf der Suche nach Nacktfotos auf Bilder von mir stoßen?“
„Im Prinzip ja. Wenn die Bilder gut sind, werden sie in einschlägigen Kreisen gern geteilt. Für mich sind das Backlinks, die meinen Bekanntheitsgrad erhöhen. Du musst natürlich damit rechnen, dass auch Leute sie zu sehen bekommen, die dich kennen. Das lässt sich nie ganz ausschließen.“
„Und wenn mir die Bilder nicht gefallen?“
„Wenn du dich auf eine Session einlässt, musst ich mich darauf verlassen können, dass ich die meisten der Bilder auch nutzen kann. Allerdings zeige ich sie den Models nach der Session, schon deswegen, weil die Stock-Agenturen für jedes Foto eine Modelfreigabe fordern. Wenn du sie dir ansiehst, können wir immer noch darüber reden, einzelne Bilder nicht zu veröffentlichen.“
„Klingt fair.“
Ich verließ den Duschbereich und setzte mich auf die Bank, um mich abzutrocknen. Marcel spülte sich die restliche Seife ab und kam zu mir.
„Vielleicht“, sagte er, „habe ich eine Idee, die uns beiden zugutekäme.“
„Ich bin gespannt.“
„Ich muss das allerdings vorher noch mit Jana klären. Wahrscheinlich ist sie schon auf dem Weg.“
„Klar. Was hast du vor?“
„Du willst dich auf Sonntag vorbereiten. Stimmt’s?“
„Lass den rhetorischen Müll. Was ist deine Idee?“
„Interaktion mit der Umgebung. Was hältst du von einem gemeinsamen Training mit Jana und dir. Mit Aufwärmphase und allem. Wir können gemeinsam die Prüfungsordnung durchgehen und die einzelnen Techniken nachstellen. Ich fotografiere euch dabei.“
Ich schöpfte Hoffnung, doch noch heil aus dem ganzen Schlamassel herauszukommen.
„Hast du denn noch einen passenden Keigogi für sie?“
„Schon vergessen? Es geht um Akt-Aufnahmen.“

[Ende der Leseprobe] amazon-button3

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