Elle Kennedy – The Score [Rezension]

Elle Kennedy

Elle Kennedy gehört heute sicherlich zu den Queens of New Adult. 2005 machte die gebürtige Kanadierin ihren Bachelor of Arts in Englischer Literatur an der York University. Zwar ist ihr Alter nirgends vermerkt, doch dürfte sie – davon ausgehend – heute Mitte 30 sein. Noch im selben Jahr 2005 sahnte sie für ihre Kurzgeschichte „Dance of Seduction“ zwei Preise ab, unter anderem eine „Golden Rose“, einem der ältesten Literaturpreise Amerikas. Eine solche erhielt sie auch im Folgejahr für ihre Kurzgeschichte „Angel of Seduction“.

Sie schrieb für diverse Verlage, unter anderem zusammen mit Sarina Bowen zwei Gay New Adult-Romane („Him“ und „Us“), die es auf die Bestsellerliste von USA Today geschafft haben. Für „Him“ gewann sie auch den RITA Award in der Kategorie „Best Contemporary Romance„. Mit ihrer „Off-Campus“-Serie, die derzeit auf Deutsch beim Piper-Verlag erscheint, gelang ihr gar der Sprung auf die renommierte New York Times-Bestsellerliste.

Die Off-Campus-Serie

In der Off-Campus-Serie geht es um vier Eishockey-Spieler des fiktiven Briar College. Dean, Garrett, Logan und Tucker wohnen zusammen in einem alten Haus außerhalb des Campus-Geländes: Jedem der vier Spieler ist ein anderer Band der Reihe gewidmet:

Bd. 1: The Deal – Reine Verhandlungssache (Garrett)
Bd. 2: The Mistake – Niemand ist perfekt (Logan)
Bd. 3: The Score – Mitten ins Herz (Dean)
Bd. 4: The Goal – Jetzt oder nie (Tucker)

Natürlich ist jeder Band in sich abgeschlossen. Da aber das Serienuniversum das Gleiche bleibt, tauchen die Protagonisten der einzelnen Bände regelmäßig wieder auf. Das macht den Charme der einzelnen Geschichten aus. Nebenfiguren werden zu Protagonisten der Folgebände und jede Leserin kann mitraten, an welche Studentin welcher Kommilitone wohl letztlich geraten wird.

Denn um Liebe geht es in allen vier Bänden. Dabei haben die Eishockey-Stars der Wohngemeinschaft mit allerlei Vorurteilen zu kämpfen. Denn dass einige der Studentinnen sie als Trophäe ansehen, mit denen sie angeben können, führt dazu, dass sie bei anderen Studentinnen als hohl und eingebildet gelten. Da sind zunächst einmal viele Vorurteile zu überwinden, bevor sie ihre Traumfrauen ins Bett bekommen.

Elle Kennedy erzählt die langsamen Annäherungen zwischen den Sportlern und den Studentinnen ihres Herzens mit viel Wortwitz und pointierten Dialogen. Dabei spart sie auch die dunklen Seiten des Lebens nicht aus. Jeder der Protagonisten hat sein Päckchen zu tragen und wird so als Figur vieldimensional und glaubhaft.

Die Erzählperspektive wechselt in den einzelnen Bänden jeweils kapitelweise zwischen der Sicht des Jungen und der des Mädchens. Damit ist zwar von Anfang an klar, wer die jeweiligen Protagonisten sind. Die Perspektivwechsel verstärken aber auch die Spannung, denn die Frauen haben oft ganz andere Pläne als die vier passionierten Eishockey-Jungs.

Band 3: The Score – Mitten ins Herz

Anfang Juni 2017 veröffentlichte der deutsche Piper-Verlag Band 3 der Serie unter dem Titel „The Score – Mitten ins Herz“:

Allie Hayes will Schauspielerin werden und steht kurz vor dem Examen in Theaterwissenschaften. Gerade hat sie das Angebot bekommen, für eine Sitcom vorzusprechen. Allerdings wäre sie damit – vielleicht für Jahre – auf die Rolle des rothaarigen Dummchens festgelegt. Vielleicht also doch lieber eine kleine Rolle am Theater, die ihr mehr Freiheiten lässt? Und überhaupt: Wo ist der beste Ort, um sich auf seine Schauspielerkarriere zu konzentrieren: Los Angeles mit seinem Überangebot an Filmstudios oder New York mit seinen unzähligen Theatern?

Gerade hat sie sich von ihrem langjährigen Freund Sean McCall getrennt. Es ist die vierte Trennung von Sean in drei Jahren.  Schon seit Band 1, „The Deal“ sind die ständigen Trennungen und Versöhnungen zwischen ihr und Sean ein Running Gag. Ihre Mitbewohnerin Hannah nennt es eine On-off-Beziehung. Nur ist es diesmal ein wenig ernster. Allie gehen Seans Eifersüchteleien inzwischen komplett auf die Nerven.

Außerdem hat er beschlossen, dass Allie ihre Schauspielpläne an den Nagel hängen solle. „Er hat sich in den Kopf gesetzt, dass er bei der Versicherungsfirma seines Vaters in Vermont arbeiten wird, und ich sollte die glückliche Hausfrau werden, die mit dem Essen auf ihn wartet, wenn er zurückkommt“, erzählt sie. Wenn das kein Grund ist, die Freundschaft zu beenden! Da Sean aber seine Beziehung nicht kampflos aufgeben will und sich für den Abend bei ihr ankündigt, flüchtet Allie für ein paar Tage ins Haus eines Freundes, in die WG von Garrett, Dean, Logan und Tucker.

Dort lernt sie Dean Heyward-Di Laurentis kennen, den Eishockeystar des Campus, verschrien als König des One-Night-Stands. Deswegen ist sie zunächst auch überhaut nicht an seinem charmanten Umwerben interessiert. Aber nach einem Netflix-Abend mit ein wenig Pot und zu viel Tequila wacht sie in seinem Bett auf, verärgert über sich selbst. Sie zeigt Dean fortan die kalte Schulter. Das ist er nun überhaupt nicht gewohnt. Er will sich nicht auf die Rolle eines „Freundes“ reduzieren lassen. Und dreht auf.

Sehr detailliert und glaubwürdig zeigt „The Score – Mitten ins Herz“, wie die beiden sich langsam annähern. Das ist wenig überraschend, dafür aber liebevoll und mit viel Witz von Elle Kennedy beschrieben. Dabei lernen wir mit der Zeit Dean von immer neuen Seiten kennen, so dass wir ihn – mit Allie – zunehmend sympathisch finden müssen.

Spannend wird die Geschichte eigentlich erst auf den letzten 60 Seiten, als diese mühsam aufgebaute Beziehung mit einem lauten Knall zu zerbrechen droht und Allie die Notbremse zieht. Kriegen die beiden das Ruder noch einmal rumgerissen?

Ausblick: Cliffhanger und Tuckers Geschichte

Mit dem letzten Kapitel leitet Elle Kennedy galant zu Band 4 der Reihe, „The Goal“ über, in der John Tucker der männliche Protagonist ist. Dieser Cliffhanger macht neugierig, weil er einen völlig neuen Aspekt ins Beziehungsdurcheinander am Campus bringt. Der Band wird die Beziehung zwischen Tucker und Sabrina James beleuchten. Sie will Anwältin werden und jobbt für ihr Studium in Harvard. Eine feste Beziehung passt so gar nicht in ihren Zeitplan, aber dann lernt sie Tuck kennen. Und das Ende von „The Score – Mitten ins Herz“ legt nahe, dass diese Freundschaft zu einer ziemlichen Herausforderung in ihrer Lebensplanung wird.

Mit diesem vierten Band endet die „Off-Campus“-Serie dann. Elle Kennedy bleibt aber dem Briar College weiter treu. In Vorbereitung ist bereits ein Spinoff: die neuen „Briar Hockey“-Serie.  Der erste Band, „The Chase“, ist im Original für den Herbst 2017 angekündigt. Darin wird die Geschichte von Fitzy und Summer, Deans Schwester, erzählt.

Titel The Score : ein „Off Campus“-Roman / Elle Kennedy ; aus dem Amerikanischen von Christina Kagerer
Person(en) Kennedy, Elle (Verfasser)
Kagerer, Christina (Übersetzer)
Werk(e) The score
Ausgabe Deutsche Erstausgabe
Verlag München : Piper
Erscheinungsdatum 2. Juni 2017
Umfang/Format 413 Seiten ; 19 cm
Deutscher Titel The Score – Mitten ins Herz
ISBN/Einband/Preis 978-3-492-30940-0 Broschur
Leseprobe auf piper.de
Bandnummer Piper ; 30949

Herzlichen Dank an den Piper-Verlag, der mir freundlicherweise ein Rezensionsexemplar von Elle Kennedys „The Score – Mitten ins Herz“ zur Verfügung gestellt hat.

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New Adult – Die wichtigsten Bücher 2016

Wie schon bei der Liste der wichtigsten New Adult-Bücher von 2015 beziehe ich mich auch diesmal beim Erscheinungsdatum auf die englischsprachigen Originalausgaben. Da diese Bücher erst einmal einen deutschen Verleger finden und übersetzt werden müssen, enthält diese Liste also jene Titel, die relativ frisch auf dem deutschen Buchmarkt sind oder deren Erscheinen noch bevorsteht.

Inzwischen hat amazon.de eine eigene Sparte New Adult eingerichtet, so dass es insgesamt ein wenig leichter ist, passende Bücher zu finden. Allerdings ist das Genre dort als Nische bei „Liebesromane“ geführt. Dabei ist im englischen Sprachraum „Romance“ eher eine Kategorie von New Adult statt anders herum. Zwar sind viele New Adult-Titel tatsächlich Liebesgeschichten, aber der ursprüngliche Ansatz war, vor allem der Zielgruppe der jungen Erwachsenen im Alter von 18 bis 25 mit ihren doch recht spezifischen Themen eine Plattform zu bieten. Als da zum Beispiel wären: erste Jobs, Uni,  Verlobung und Heirat, Familie, finanzielle Unabhängigkeit, Militär, Versagensängste etc.

Und dementsprechend definiert zumindest die englischsprachige Wikipedia, die Belletristik-Kategorie New Adult ließe sich mit allen Genres und Subgenres wie Science Fiction, Urban fiction, Horror, Paranormales, Dystopien etc. verbinden. Wer Lust darauf hat: Eine Liste mit New Adult-Titeln der Genres Sci-Fi/Fantasy/Dystopia findet ihr auf goodreads.com. In dieser Liste befinden sich auch ältere Bücher wie Frank Herberts „Dune – Der Wüstenplanet“ von 1965. Das macht klar: Bücher für die Zielgruppe hat es schon lange vor dem neuen Label New Adult gegeben.

OK, kommen wir jetzt aber zu den Neuerscheinungen:

Elle Kennedy – Die Off-Campus-Serie

Über Elle Kennedys Off-Campus-Serie habe ich ja schon früher hier im Blog berichtet. Die Serie umfasst mittlerweile vier Bände, Band 3: „The Score“ und Band 4: „The Goal“ sind im Original 2016 erschienen.

Anfang Juni 2017 zieht der Piper-Verlag mit der Veröffentlichung der Übersetzung von Band 3 unter dem Titel „The Score – Mitten ins Herz“ nach. Band 4: „The Goal – Jetzt oder nie“ ist für den 1. Dezember 2017 angekündigt.

„The Score – Mitten ins Herz“ hat ein typisches New Adult-Setting: Allie Hayes will Schauspielerin werden, steht kurz vor dem Examen, hat aber noch nicht die leiseste Ahnung, wie sie ihr Ziel erreichen will. Außerdem hat sie sich gerade von ihrem langjährigen Freund Sean getrennt. Da Sean aber seine Beziehung nicht kampflos aufgeben will, flüchtet Allie für ein paar Tage in die WG eines Freundes. Für diejenigen, die die ersten beiden Bände der „Off-Campus“-Serie kennen: Es ist die WG von Garrett, Dean, Logan und Tucker.

Dort lernt sie Dean Di-Laurentis kennen, den Eishockeystar des Campus, verschrien als König des One-Night-Stands. Deswegen ist sie zunächst auch überhaut nicht an seiner charmanten Umwerbung interessiert. Aber nach einem Netflix-Abend mit ein wenig Pot und zu viel Tequila wacht sie in seinem Bett auf, verärgert über sich selbst. Sie zeigt Dean fortan die kalte Schulter. Das ist er nun überhaupt nicht gewohnt. Er will sich nicht auf die Rolle eines „Freundes“ reduzieren lassen. Und dreht auf.

Eine klassische New Adult-Romance also. Schon der erste Band, „The Deal – Reine Verhandlungssache“ hat mich stark an Eric Segals „Love Story“ erinnert, das bei genauerer Betrachtung ebenfalls ein „New Adult“ war, wenn auch frei von Sexszenen. Aber die ständigen Wortgeplänkel zwischen den Protagonisten, das Leben auf dem Campus, der Eishockey-Background, der übermächtige Vater (noch dazu mit dem Vornamen Phil), und vor allem Elle Kennedys immer wieder durchscheinende Humor scheinen wirklich Eric Segal als Blaupause zu nutzen. Als Autor kann man sich schlechtere Vorbilder suchen. „Love Story“ war immerhin ein Welterfolg.

Mit anderen Worten: Wer Elle Kennedy noch nicht kennt, ist mit der Off-Campus-Serie gut bedient. Und wer sie kennt, wird sich den neuen Band ohnehin nicht entgehen lassen.

Sarina Bowen – Die Ivy-Years-Reihe

Den ganz großen Durchbruch feierte 2016 wohl Sarina Bowen mit ihrer Ivy Years-Reihe. Im Goodreads-Regal „Popular New Adult 2016 Books“ ist sie gleich mit 6 Titeln vertreten, die allerdings bei näherer Betrachtung alle bereits zwischen 2014 und 2015 veröffentlicht wurden:

Der erste Band der Ivy-Years-Reihe in deutscher Übersetzung erscheint am 28. Juni 2017 unter dem Titel „Bevor wir fallen“ bei Lyx. Das ist neben Piper vielleicht im Augenblick der Verlag, der sich am stärksten im Bereich New Adult hervortut. Von Sarina Bowen hat er auch schon die Vermont-Reihe („True North“ 1-3)  und vor allem die beiden Gay New Adult-Bände der Him-Reihe ins Deutsche übersetzen lassen. Letztere hat Sarina Bowen übrigens zusammen mit Elle Kennedy (s.o.) geschrieben.

Ich selbst habe in die Ivy-Years-Reihe noch nicht reingelesen. Aber Band 1 wirbt mit Statements von Bestseller-Autorinnen des New Adult wie Colleen Hover, die sagt: „Ich habe das Buch absolut geliebt. Und ich kann es nicht abwarten, ihre anderen Bücher zu lesen.“ Oder mit Tammara Webber, ebenfalls eine der Bestseller-Vorzeigefrauen des NA: „Ich habe mir das Buch nicht nur gekauft und verschlungen, ich habe mir die ganze Ivy-Years-Serie besorgt und innerhalb einer Woche gelesen. Es ist OMG (oh my God) – fantastische NA vom Feinsten!“

Colleen Hoover: Nur noch ein einziges Mal

Natürlich hat auch Colleen Hoover 2016 wieder einen Roman auf den Markt geworfen: „It ends with us“ heißt er, und interesanterweise hat diesmal dtv für die deutsche Übersetzung den Zuschlag bekommen. Diese kommt am 10. November 2017 unter dem Namen „Nur noch ein einziges Mal“ in die Buchhandlungen.

Für mich ist Colleen Hoover ohnehin die Queen des New Adult, weil sie es immer wieder schafft, schwierige Themen anzuschneiden und damit eine wesentlich größere Tiefe und Komplexität zu erreichen, als es anderen NA-Autorinnen gerade im Bereich Romance gelingt. Damit weckt sie natürlich  bei uns Leserinnen Emotionen. Und eine solche emotionale Achterbahnfahrt ist auch „It ends with us„. Wer nicht bis November warten will und des Englischen halbwegs mächtig ist, dem sei das Original als Lektüre wärmstens ans Herz gelegt.

Die Protagonistin des neuen Romans heißt Lily Bloom. Sie ist 23, hat die Uni hinter sich, ist von Maine nach Boston gezogen und hat dort einen neuen Job im Marketing angetreten. Zu Beginn des Romans kommt sie von der Beerdigung ihres Vaters, bei der sie die Trauerrede gehalten hat. Nun steht sie mitten in der Nacht auf dem Dach eines 13stöckigen Gebäudes und denkt über den Tod nach, vor allem über den Freitod. Auf diesem Dach lernt sie Ryle Kincade kennen, einen Neurochirurgen mit 200$-Frisur, ausgeprägtem Bizeps und einer Vorliebe für Joints. Und einer starken Abneigung gegen Beziehungen, wie Lily später herausfinden soll.

Jay Crownover: Die Saints of Denver-Serie

Von Jay Crownovers „Saints of Denver“-Serie hat es nur der erste BandBuilt“ in die Liste der populärsten New Adult-Bücher 2016 geschafft. Ich gehe aber davon aus, dass sich das im nächsen Jahr ändern wird. Band 2 erschien im Oktober 2016, zu spät, um noch auf die Liste der beliebtesten Titel zu kommen. Band 3 ist  seit April 2017 erhältlich und Band vier für Juni angekündigt. Im Original, wohlgemerkt

Dummerweise gibt es von den deutschsprachigen Verlagen noch gar kein Zeichen, dass eine Übersetzung in Planung sei. Ihre „Marked Men„-Reihe erschien 2015/2016 bei Bastei Lübbe. Mit dieser hat es Jay Crownover in die New York Times-Bestsellerliste gebracht. Ihre Helden sind allesamt tätowierte und gepiercte Bad Boys, und ihre Heldinnen wissen, dass diese Typen eigentlich nicht gut für sie sind. Und trotzdem knistert es mächtig zwischen ihnen. Ich liste die drei Bände hier einmal auf, weil sie noch relativ frisch auf dem deutschen Markt sind – und weil eben von Jay Crownover auf Deutsch nichts Neueres zu bekommen ist:

Offensichtlich bleibt Crownover in ihrer neuen Reihe „Saints of Denver“ diesem Stil treu. Zeb Fuller, Protagonist von „Built„, ist zumindest so ein Bad Boy, hat einen Gefängnisaufenthalt hinter sich, arbeitet im Baugewerbe. Zur Zeit arbeitet er für Sayer Cole, eine kühle Anwältin, in deren Gegenwart er sich vorkommt wie ein Neandertaler in Jeans. Aber als seine Vergangenheit ihn einholt, braucht er ihre Hilfe. Und schon bald knistert es mächtig zwischen den beiden.

Die „Saints of Denver“-Reihe umfasst derzeit vier Bände und einen Prolog. Wie gesagt, derzeit nur im amerikanischen Original zu bekommen:

Samantha Young: London Road (Edinburgh Love Stories)

Samantha Youngs Roman „London Road“ ist ein echtes Phänomen. Bereits 2013 erschienen, gehörte er auch 2016 noch zu den meistgekauften New Adult-Titeln, ist also ein absoluter Longseller. Schnell hatte er die Bestsellerlisten von New York Times, USA Today und Wall Street Journal erobert und mittlerweile 42 Auflagen erreicht. Die Übersetzungsrechte wurden in 29 Ländern verkauft. Eine deutsche Fassung erschien noch im selben Jahr und hat ebenfalls prompt die Spiegel-Bestsellerliste gestürmt.

Dabei hat Samantha Young der ersten Band der Reihe, „Dublin Street„, zunächst als eBook im Selbstverlag veröffentlicht. Aber als sich der Roman innerhalb von sechs Wochen über 200.000 Mal verkaufte und sie damit auf Platz 1 des Amazon US-Kindle Store und der Bestsellerlisten von New York Times und USA Today auftauchte, wurden auch die herkömmlichen Verlage auf sie aufmerksam und fingen an, sie zu umwerben. Eine typische Entwicklung für die Autorinnen des New Adult, allerdings zu einer Zeit, als noch nicht jede amerikanische Newcomer-Autorin sich in dem Genre versuchte, um eine Scheibe vom großen Kuchen abzubekommen.

London Road“ ist Band 2 der Reihe „Edinburgh Love Stories„, so der Serien-Titel in deutscher Übersetzung. Im Original heißt die Serie „On Dublin Street„. Ich fand, dass der Titel des Originals Assoziationen mit Irland wachrief, und war deswegen ein wenig irritiert, als es in der deutschen Übersetzung dann „Edinburgh“ hieß. Aber inzwischen wurde mir klar, dass diese Dublin Street eben in Edinburgh liegt und nicht in Irland.

Worum geht es in „London Road„? Johanna Walker hat es nicht leicht. Ihre Mutter ist Alkoholkerin, der ständig prügelnde Vater hat sich abgesetzt. Um ihren jüngeren Bruder Cole muss sie sich weitgehend allein kümmern. Um das nötige Geld ranzuschaffen, arbeitet sie in zwei Berufen: tagsüber als persönliche Assistentin für einen Anwalt und abends als Serviererin in einem Club. Jeweils nur für ein paar Tage die Woche. Deswegen ist sie auf fördernde finanzielle Unterstützung reicher Freunde angewiesen, wie derzeit auf den 15 Jahre älteren Malcolm Hendry.

Malcolm ist Anwalt, hängte den Job jedoch an den Nagel, als er im Lotto den Jackpot knackte. Er stieg dann in den Immobilienmarkt ein und besitzt inzwischen mehrere Häuser. Vor allem aber genießt er sein Leben als Millionär. Jo sucht in erster Linie einen Versorger – für sich und ihren Bruder Cole. Dadurch gerät sie immer wieder an Sugardaddys, wie ihre beste Freundin Joss die Kategorie Mann nennt, mit denen sie abhängt.

Die Eröffnungsszene ist symptomatisch: eine Ausstellung von Malcolms Ex Becca. Johanna fühlt sich unterlegen, versteht die Bilder nicht, versucht, sich kultiviert zu geben. Sie reckt sich, um Malcolm gerecht zu werden. Der Preis für diese ungleichen Beziehungen ist die ständige Heimlichkeit, was ihre eigene Familie angeht. Da sie ständig in eine andere Rolle schlüpft, ist sie unfähig, sich emotional zu öffnen.

Und dann tritt Cam in ihre Leben. Er ist tätowiert und erst einmal überhaupt nicht ihr Typ. Dazu kommt, dass er als Grafiker derzeit arbeitslos ist. Er bittet Jo sogar, ihr einen Job im Club zu vermitteln.  Aber Johanna merkt, dass sie körperlich auf ihn reagiert. Außerdem zeigt er Interesse an ihrem Leben, hilft ihr mit Cole und akzeptiert, wie sie ist. Zumindest nach anfänglichen Schwierigkeiten.

Die Zählung der Original-Reihe ist ein wenig gewöhnungsbedürftig. Bei den Geschichten mit Nachkommastelle handelt es sich oft um Short Storys, von denen einige gar nicht über die normalen Vertriebswege erhältlich waren, sondern kostenlos auf irgendwelchen Websites veröffentlicht wurden. Auch ein paar Novellen sind dabei, die später vom Ullstein-Verlag unter dem Namen „Edinburgh Love Stories“ gebündelt auf Deutsch herausgebracht wurden.

Mariana Zapata: Mit dem Herz durch die Wand

Mariana Zapata wartet hierzulande noch auf ihren Durchbruch. Während in Amerika inzwischen sieben New Adult-Romane von ihr erhältlich sind, zeigt sich Deutschland erst seit ihrem letzten Buch, „The Wall of Winnipeg and Me„, interessiert. Dieses erschien im Original am 1. März 2016 und gehörte zu den meistverkauften NA-Titeln des Jahres. Dementsprechend hat der Lyx-Verlag nun reagiert und veröffentlicht am 21. Juli 2017 die deutsche Übersetzung „Mit dem Herz durch die Wand„.

„Die Mauer von Winnipeg“ ist in diesem Fall ein kanadischer Footballspieler, Aiden Graves. Er war drei Mal  Verteidiger des Jahres der National Football Organisation (NFO). Seit er sich im Vorjahr die Achillesferse brach und mehrere Monate mit dem Training aussetzen musste, ist er völlig unausstehlich. Manche glauben, er würde nie wieder zur alten Spielstärke zurückfinden. Dabei lebt er für den Sport. Etwas anderes gibt es für ihn nicht.

Vanessa Mazur hat zwei Jahre für ihn gearbeitet: als Assistentin, Haushälterin und gute Fee. Als ihr seine Schrullen zu viel werden, kündigt sie ihren Job. Sie hat Grafikdesign studiert und träumt von einer eigenen Agentur. Wie sie ihre horrenden Studiengebühren je zurückzahlen soll, weiß sie nicht. Aber jetzt setzt sie alles daran, ihren Traum zu verwirklichen und arbeitet an ihrer eigenen Karriere.

Da taucht Aiden wieder auf und bietet ihr einen Deal an: Er will sie heiraten – wenn auch nur auf dem Papier und für den äußeren Schein. Denn im kommenden Jahr wird sein Visum ablaufen. Um als Kanadier in Amerika bleiben – und weiter Football spielen – zu können, braucht er eine Green Card. Und die bekommt er, wenn er mit einer Amerikanerin verheiratet ist. Im Gegenzug würde er ihr helfen, ihre Schulden ab-, und ihre Agentur aufzubauen.

Das Erzähltempo ist für eine New Adult-Storie ungewöhnlich langsam. Die gesamte Geschichte ist aus Vanessas Sicht beschrieben, dabei sehr reflektiert und mit inneren Monologen durchsetzt. Auch die Backstory der beiden Protagonisten bekommt viel Raum. Trotzdem liest sich der Roman schnell weg und entwickelt einen Sog. Damit erweist sich Mariana Zapata als Meisterin der „Slow Burn“-Romance.

Jessica Scott: Before I fall

Für Jessica Scotts Bestseller von 2016, „Before I fall„, hat sich offensichtlich noch kein deutschsprachiger Verlag gefunden. Das mag damit zu tun haben, dass Scott als Veteranin des Irak-Kriegs und aktive Armee-Offizierin auch ihre mittlerweile 23 Romane immer im Armee-Umfeld ansiedelt. Das ist wohl ein Setting, mit dem viele Deutsche wenig anfangen können – oder wollen. Ob sich das mit ihren aktuellen Roman ändern wird?

Auch in „Before I fall“ geht es um einen Ex-Soldaten, Noah Warren. Für ihn zählt nur das Militär, er kennt nur den Krieg. Nun hat er sich an der Columbus State University, Gorgia eingeschrieben, eines Versprechens wegen, das er seinem Leutnant gab. Hier fühlt er sich völlig fehl am Platz, nicht nur, weil er ein paar Jahre älter ist als der Durchschnitt der hiesigen Studenten. Noch vor ein paar Monaten patroullierte er durch irgendein Kaff im tiefsten Irak, so dass der Livestyle auf dem Campus ihm völlig surreal vorkommt. Er hat eine Zulassung für das Magisterstudium der Handelsschule, die allerdings abhängig ist von seinen Leistungen im Fach Statistik. Hier braucht er dringend Unterstützung, denn Mathe war für ihn von je her eine Fremdsprache.

So wird Beth Lamont zu seiner Tutorin. Ihr Vater ist Veteran, hat sich im Krieg eine Rückenverletzung zugezogen und liegt seitdem die meiste Zeit im Bett. Eigentlich wäre das U.S. Department of Veterans Affairs (VA) für ihn zuständig. Aber die drücken sich mit dem Argument, sein Leiden sei nicht vollständig auf den Kriegseinsatz zurückzuführen. So häufen sich die Rechnungen für die diversen Arztbesuche und die Medikamente gegen seine Schmerzen. Denn aufgrund seiner Behinderung nimmt ihn keine Krankenkasse an. Kein Wunder, dass Beth auf das Militär nicht gut zu sprechen ist.

Die Story ist ein wenig ernster als für die meisten New Adult-Romane üblich. Noah leidet am Posttraumatischen Stresssyndrom (PTSD), hält sich nur mit Tabletten über Wasser und belügt sich selbst und andere, um seine Handlungen im Krieg zu rechtfertigen. Und auch Beth hält mit ihrer Familiensituation hinterm Berg. So wird Aufrichtigkeit zu einem Schlüsselthema des Buches, das mit Emotionen nicht geizt, wie im New Adult üblich ziemlich heiß und dabei sehr sinnlich ist.

Auch Jessica Scotts „Before I fall“ ist bereits 2015 erschienen, hat seinen großen Durchbruch aber durch Mund-zu-Mund-Propaganda erst im Folgejahr erreich. Es ist der erste Teil einer Reihe mit dem Titel „Falling„, deren zweiter Teil, „Break my  fall“ 2016 im Original veröffentlicht wurde. Teil 3, „After I fall„, erschien am 21. März 2017, ist also noch relativ frisch auf dem Markt, hat aber auch bereits die 2. Auflage erreicht.

 

 

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