Der Rookie

Sandra Manthers neue Storie: Der RookieVielleicht muss ich an der Reihenfolge der bisherigen Bände der „Marion F.“-Reihe noch arbeiten. Die neue Episode, „Der Rookie“ ist mit Sicherheit der Band, in dem die Leser am meisten über Marion erfahren, über ihren Job, ihre Hobbys – und ihre Art, mit Männern umzugehen. Eigentlich also der ideale erste Band.

Darum geht es:

Marion hat einen schlechten Tag. Als sie auf der Straße ein junger Punk anlächelt, reagiert sie entsprechend unwirsch. Schnell stellt sich heraus, er will ins Callboy-Gewerbe einsteigen, hat aber keine Ahnung, wie das funktioniert.
Da ist er bei Marion an der richtigen Adresse. Sie nimmt ihn mit zu sich ins Loft und zeigt ihm ein paar Tricks, die er später einsetzen kann.

Leseprobe:

Kennen Sie solche Tage, an denen Sie morgens ins Bad gehen und kaum das eigene Spiegelbild aushalten? Mir geht es nach Partys so, bei denen ich einem Haufen von Langweilern gegenüber sitze und meinen Kummer im Alkohol ertränkte. Die Morgen danach sind furchtbar. Mir brummt der Schädel und statt mich aufwendig herzurichten, springe ich nur kurz unter die Dusche. Lasse die Haare an der Luft trocknen. Und tue mir für den Rest des Tages leid.
An einem solchen Tag traf ich Bastian. Ich hatte mich wieder einmal durch einen endlos langen Arbeitstag in der Agentur geschleppt, hatte versucht, möglichst wenig zu reden und die Leute nicht zu nah an mich heranzulassen. Abends dann pilgerte ich durchs Viertel, geriet in immer dunklere Gassen und verfluchte mich für die Mengen an Cocktails, die ich am Abend zuvor konsumiert hatte.
Was suchte ich hier draußen? Frische Luft. Bewegung. Vielleicht war es nur meine Ruhelosigkeit, die mich davon abhielt, nach Hause zu gehen. Unbewusst schlug ich den Weg zu meiner Lieblingskneipe ein, bog jedoch ab, als mir klar wurde, in welche Richtung ich mich bewegte. Denn eins würde mir heute sicher nicht guttun: noch mehr Alkohol.
Ich starrte ins erleuchtete Schaufenster einer Buchhandlung, fand aber nichts, was meine Neugier geweckt hätte. Viel Esoterik und alternative Heilmethoden, ein paar Kinderbücher, ein wenig Philosophie. Ein Titel von Hannah Arendt neben einem von Peter Sloterdijk, ein billiger Tribut an den Massengeschmack.
Um dem Abend eine positive Wendung zu geben, machte ich mich auf den Weg an die Elbe, schlenderte durch enge, wenig befahrene Straßen, vorbei an Kneipen und Restaurants, durchquerte einen verlassen daliegenden Kinderspielplatz. Kaum ein Mensch war um diese Zeit noch unterwegs.
Da stand er, an einen Laternenpfahl gelehnt: von Kopf bis Fuß in schwarzes Leder gekleidet, mit kniehohen Cowboystiefeln. Er wirkte auf mich wie die Karikatur eines 80er-Jahre-Antihelden. Sein Gesicht war ungeschickt geschminkt, die Augen wirkten durch breit aufgetragenen schwarzen Kajal, als stände er unter Drogen. Mittels Unmengen Gels stand seine Punkfrisur in alle Himmelsrichtungen ab. An seinem rechten Ohr zählte ich vier Ohrringe und auch seine linke Augenbraue war gepierct. Ich hätte ihn für schwul gehalten, hätte er mich nicht schüchtern angelächelt, kaum dass ich in Sichtweite kam. Erstaunt schaute ich ihn an.
Wäre ich besserer Laune gewesen, hätte ich wahrscheinlich einen kleinen Schwatz mit ihm gehalten. Doch ungeschminkt und miesepetrig, wie ich war, wollte ich ihn auf Abstand halten, und so fragte ich ungnädig: „Wie teuer bist du?“
Ich hatte damit gerechnet, er würde wütend sein Gesicht verziehen, seinen Blick abwenden oder mir eine Beleidigung entgegenschleudern. Ich hätte nicht einmal etwas dagegen gehabt, wenn er versucht hätte, handgreiflich zu werden. Denn dann hätte ich meine Jiu-Jitsu-Kenntnisse anwenden können und vielleicht hätte das geholfen, ein wenig aus meiner Katerstimmung herauszukommen. Aber unabsichtlich hatte ich mit meiner Frage ins Schwarze getroffen.
„Fünfzig“, sagte er. Es klang mehr nach einer Frage als nach einer Feststellung. Er sah mich kurz an und ergänzte, als er meinen Blick bemerkte: „Fürs Lecken. Hundert für das volle Programm.“
Wenn ich mich selbst nicht mag, gibt es nichts Besseres als einen Mann, der mir zeigt, wie begehrenswert ich trotz allem bin. Selbst wenn ich weiß, er tut es nur, um seiner Rolle gerecht zu werden. Ich bin emanzipiert genug, um zu begreifen, dass gekaufte Liebe nur eine Illusion ist. Aber manchmal ist ein guter Fick einfach genau die richtige Ablenkung, besonders dann, wenn ich mit mir und meinem Schicksal hadere.
„Gemacht“, sagte ich und hakte mich bei ihm unter. „Hast du hier in der Nähe ein Zimmer?“
„Um ehrlich zu sein, ich weiß gar nicht genau, wo wir sind“, sagte er. „Ein Freund hat mich in eine Kneipe hier um die Ecke geschleppt. Aber dann haben wir uns gestritten und er ist abgezogen.“
„Und da kam dir die Idee, hier in Ottensen einen Straßenstrich in Gang zu bringen?“
„Hältst du mich für einen Stricher?“
„Bei deinen Preisen hoffe ich stark, dass du professionell bist.“
Er grinste.
„Worum ging es bei eurem Streit?“, fragte ich, während wir uns auf den Weg zu meiner Wohnung machten.
„Ach, Ralle meinte, Herbert Marcuse hätte in seinen späteren Jahren begonnen, den technischen Fortschritt zu glorifizieren, weil der den Menschen von seinem Kampf ums Dasein befreit. Das ist zwar faktisch richtig, aber zu kurz gedacht. Ich glaube, dass Marcuse dabei lediglich die Maslowsche Bedürfnishierarchie im Blick hatte und sich bis zum Schluss nicht von Marx freimachen konnte.“
„Weia. Studierst du Politikwissenschaften?“
„Eben hast du mich noch für einen Stricher gehalten.“
„Gibt doch genug Studenten, die sich ihren Lebensunterhalt so verdienen.“
„Ernsthaft?“, fragte er und schien tatsächlich überrascht.
„Du gehörst anscheinend nicht dazu“, sagte ich. Mir gefiel, mich mit einem Mann auch unterhalten zu können. Wenn er nicht nur gut im Bett war. Aber Marcuse war mir als Gesprächsstoff zu heftig.
Wir kamen bei meiner Loft an. Ich schloss die Haustür auf und ließ ihn rein. Schon als ich das Licht einschaltete, wurde mir klar, dass ich seit Tagen nicht aufgeräumt hatte. Kein Mensch nimmt einen Stricher mit zu sich in die Wohnung, ärgerte ich mich. Viel zu groß die Gefahr, ausgenommen zu werden. Andererseits wollte ich ihn ja nicht übernachten lassen. Und körperlich würde ich schon mit ihm fertig werden.

[Ende der Leseprobe] amazon-button3

 

Diese Seite mit Freunden teilen:
Facebooktwittergoogle_plusredditpinterestlinkedintumblrmail

Das Riesenrad

Und wieder eine klassische Romance-Story mit beinahe klassischem Plot. Diesmal aus der Feder von Marc. Erhältlich seit 13.03.2016 als Kindle-eBook bei Amazon.

Darum geht es:

Ein Mann schlendert ziellos über den Hamburger Dom. Vor ihm eine Brünette, die ihn vom ersten Augenblick an in den Bann zieht. Aber er ist verheiratet. Wenn auch nicht glücklich. Ein moralisches Dilemma: Er kann diese Frau nicht ansehen, ohne an seine Ehe und deren langsamen Verfall zu denken.
Kurz verliert er seine neue Traumfrau aus den Augen. Und merkt, dass diese Begegnung die Weichen stellen wird für seine Zukunft. Umso entscheidender, sie in dem Gedränge des Volksfestes wiederzufinden.

Leseprobe:

Die Sommersonne schien mild auf Buden und Fahrattraktionen, der Donnerstagnachmittag glitt ereignislos vor sich hin und Stefan dachte an Ehebruch. Angezogen vom Riesenrad ließ er sich in der Menschenmenge treiben. Wie lange schon war er nicht mehr über den Hamburger Dom geschlendert …

Regina befand sich wahrscheinlich noch am Set. Irgendeine unbedeutende Fernsehproduktion stand auf dem Drehplan. Es störte ihn nicht, dass sie diese Rolle ohne Schwierigkeiten bekommen hatte, während er schon seit geraumer Zeit keine Produzenten mehr für seine Filmprojekte fand. Es störte ihn nicht einmal, dass dieser junge Maskenbildner wieder die ganze Zeit um sie herumtänzeln würde. Er war nicht eifersüchtig. Er war gierig nach Leben. Er sehnte sich nach einer erotischen Begegnung, nach neuen sexuellen Erfahrungen, kurz: nach einem Ausbrechen aus der Tristesse seines Ehealltags. Vierzehn Jahre waren eine verdammt lange Zeit.

Vor ihm in der Menge ging eine Brünette, die ihm gefiel. Das erste, das er an ihr bemerkte, war ihr langes Haar, das ihr bis über die Schulterblätter reichte und halbrund geschnitten war. Fast schien es, als spiegele sich das Sonnenlicht in ihm. Er kannte solche Frisuren, die nur funktionierten, wenn das Haar ständig gepflegt wurde, höchstens aus der Fernsehwerbung. Gab es solche Frauen tatsächlich?

Ihr Po. Nicht J. Lo., aber durchtrainiert. Er konnte mit diesen übergroßen Hinterteilen ohnehin nichts anfangen. Das Gesäß der Frau bildete eine deutliche Kurve, und er sah im Geist die nackte horizontale Falte, mit der sich der Hintern von den Oberschenkeln absetzte. Der Wurf ihrer Jeans verschaffte ihm eine Ahnung davon.
Es kam nicht oft vor, dass er einer Frau länger auf den Arsch starrte. So hätte er beim besten Willen nicht beschreiben können, wie Reginas Hinterteil aussah. Was vielleicht daran lag, dass sie keine engen Hosen trug. Oder wenn, dann jene Art Bundfaltenhosen, die den Hintern komplett kaschierten. Aber vielleicht war sein Desinteresse für den Körperbau seiner Frau auch nur das Ergebnis der langjährigen Gewöhnung. Die Zeiten, in denen er ihr fasziniert zusah, wie sie sich vor dem Zu-Bett-Gehen entkleidete, waren lange vorbei.

Ein bunter gestreifter Seidenschal wandt sich um den Hals der Brünetten. Ihre beige Bluse trug sie offen. Sie bewegte sich schnell und der Stoff bauschte bei jedem Schritt auf und wehte zur Seite. Sobald sie ihr Tempo verlangsamte oder stehenblieb, und sobald der dünne Stoff sich wieder an ihrer Taille schmiegte, konnte er sehen, dass sie zwar nicht dürr, aber doch schlank war. Dafür sprachen auch die Beine in den engen Jeans. Beine, die durch die Bleistiftabsätze ihrer Pumps in ihrer Länge noch einmal unterstrichen wurden.
Er überlegte, ob Regina je zur Pediküre ging. Wahrscheinlich musste sie das, allein für ihre Filmrollen. So wie sie ihre Zähne regelmäßig bleachen ließ. Es waren Dinge, die er längst als normal ansah. Wieso kam er jetzt darauf? Er merkte, dass sein Blick an den Füßen der Frau vor ihm hing. Glatte, leicht gebräunte Haut, keine Anzeichen von Druckstellen oder gar Hornhaut. Sie musste in diesen Schuhen fast auf Zehenspitzen laufen. Aber sie tat es elegant und selbstverständlich. Und er, er stellte sich vor, wie er dieser Frau am Abend die Schuhe ausziehen würde, vorsichtig, behutsam, wie er sie streicheln und mit Küssen bedecken, wie er seine Aufmerksamkeit auf jeden einzelnen ihrer Zehen lenken würde, wie er ihr nach einem anstrengenden Tag die Füße massierte, während sie gemeinsam auf der Couch säßen und sich irgendeine belanglose Sendung im Fernsehen ansähen.

Komisch, es ist immer die gleiche Art Frauen, die einen anzieht, dachte er. Er hätte nicht so früh heiraten dürfen. Mit zwanzig Jahren ist man einfach noch zu jung dafür.

Hatte die Frau ihn eben angesehen? Oder nur zufällig in seine Richtung? Er war sich nicht sicher. Um nicht negativ aufzufallen, wandt er sich von ihr ab und betrachtete die Auslagen des Zuckerwarenstands, vor dem er gerade stand. Waffeln hatte er als Kind gern gegessen. Genauso wie die gebrannten Mandeln. Sonderbarerweise hatte er es sich als Erwachsener abgewöhnt, solche Leckereien zu kaufen. Warum eigentlich? Wegen der unnötigen Kalorien? Gut, er war nicht schlank, hielt aber sein Normalgewicht ohne große Probleme. Vielleicht gerade deswegen, weil er auf solche Extravaganzen verzichtete.

Sein Blick blieb bei den Liebesäpfeln hängen. Als Kind hatte er nie verstanden, was es mit diesem Namen auf sich hatte. Im Konfirmandenunterricht hörte er von der Geschichte mit Eva und dem Apfel. Aber war das Liebe gewesen? Oder nicht eher die Sehnsucht nach dem Verbotenen? Inzwischen ahnte er, dass die Bedeutung des Ausdrucks „Liebesäpfel“ eine andere war: Eine dicke Schicht Zuckerguss machte aus dem normalen Obst etwas Besonderes. Genau wie bei der Liebe. Stendhal hatte diese Verzauberung „Kristallisation“ genannt. Er war versucht, zwei Äpfel zu kaufen und der Brünetten einen davon anzubieten. Warum nicht? Mehr als freundlich ablehnen oder ihn ignorieren konnte sie ihn nicht.

Er drehte sich um, sah sie jedoch nicht mehr. Schnell ließ er von seinem Vorhaben ab und machte sich stattdessen auf die Suche nach ihr. Inzwischen war es auf dem Heiligengeistfeld voller geworden. Eltern mit ihren Kindern, Gruppen von Teenagern, dazwischen junge Erwachsene aller Hautfarben. Es fiel ihm nicht leicht, zwischen all den Menschen den Überblick zurückzugewinnen.

Auf der Rampe der „Wilden Maus“ fand er schließlich einen brauchbaren Aussichtspunkt. Er spürte, wie sein Herz pochte und seine Kehle zuschnürte. Die Brünette war verschwunden.

[Ende der Leseprobe] amazon-button3

Diese Seite mit Freunden teilen:
Facebooktwittergoogle_plusredditpinterestlinkedintumblrmail