Emotionen – das Gerüst jeder Story

Sky aus Colleen Hoovers Roman Hope Forever ist traumatisiert. Sie lässt Jungs an sich rummachen, fühlt aber rein gar nichts dabei. Sie lebt ihr Leben wie eine normale 17jährige, aber als sie sich in Holder verliebt und schließlich mit ihm schlafen will, bricht sie weinend zusammen, übermannt von ihren eigenen Emotionen. Sie weiß schon im Vorfeld, dass er ihr wehtun wird. Dass es nicht schön wird. Und das, obwohl sie bei ihm zum ersten Mal überhaupt dieses Knistern empfindet, das für sie zur Liebe dazugehört.

Hannah Wells aus Elle Kennedys The Deal – Reine Verhandlungssache macht von Anfang an klar: Sie ist Überlebende einer Vergewaltigung. Die Geschichte in ihrem ganzen unfassbaren Ausmaß wird aber erst im Laufe des Romans klar. Genauso, wie sich erst im Laufe der Zeit herauskristallisiert, dass auch Garrett Graham, die zweite Hauptperson, einen ganzen Packen an Mist hinter sich hat. Wieder sind es die ganz großen Emotionen, mit denen die beiden im Laufe des Romans konfrontiert werden.

Und dann ist da Summer Johnson, vielleicht die eindrucksvollste Gestalt in den Neuerscheinungen des „New Adult“ 2015. Sie hat nur eventuell nur noch kurz zu leben, abhängig vom Ausgang einer schwierigen Operation, die ihr bevorsteht. Und sie beschließt, dieses Leben voll auszukosten, Minute für Minute. Selten habe ich von so vielen Leserrezensenten gehört, sie hätten beim Lesen hemmungslos geheult, hätten aber trotzdem nicht aufhören können mit ihrer Lektüre. Seth Kings „The Summer Remains“ ist das nächste Buch auf meinem SUB. Und ich ahne, es wird die ganz große Neuentdeckung, auch wenn das Buch im Augenblick nur als Geheimtipp gehandelt wird und ein deutscher Verlag anscheinend noch nicht angebissen hat.

Worauf ich hinaus will: Bei den Büchern der letzten Zeit wurde mir klar, dass die Autoren mit Gefühlen nicht sparsam umgehen. Das passt zu dem, was ich kürzlich bei Karl Iglesias in „Writing for Emotional Impact“ gelesen habe: Die meisten Leser suchen vor allem eine emotionale Erfahrung. Sie wollen teilhaben an einem emotionalen Spannungsbogen und wollen in der Lektüre die Achterbahn der Gefühle bereisen, sich durchschütteln lassen, abstürzen und wieder in die Höhe geschnellt werden.

Grund genug, mich in den nächsten Tagen und Wochen mehr mit dem Thema zu beschäftigen: Wie entwickeln wir glaubwürdige Gefühle (im Creative Writing)? Wie fühlen sie sich aus Sicht der Protagonisten an? Wie wirken sie auf andere? Wie gelingt ein emotionaler Spannungsbogen?

Ich bin gespannt auf das, was auf mich zukommt. Und ihr?
Liebe Grüße,
Sandra

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