Der Geschmack des Cunnilingus

Anfang der 70er Jahre wurde Erica Jong schlagartig bekannt, als sie ihren – autobiographisch angehauchten – Roman „Angst vorm Fliegen“ auf den Markt warf. Das Buch gilt heute als Klassiker der erotischen Literatur, wurde in 27 Sprachen übersetzt und über 18 Millionen mal verkauft.

Ich mag das Buch, weil es eine dezidiert weibliche Sicht auf die Sexualität hat. Wir haben uns in massenproduzierten Pornos viel zu lange einen männlichen Blick auf das Spiel der Geschlechter gefallen lassen. Wir haben uns mokiert, bisweilen beschwert, hatten dem aber wenig mehr entgegenzusetzen als einen kleinlauten Verweis auf Anaïs Nin. Und auf Pauline Réage, die aber am Aufzeigen partnerschaftlicher Beziehungsmuster relativ wenig Interesse hatte.

Erica Jong also bestach mich von Anfang an mit ihrer Ehrlichkeit frei von Schamgrenzen. An einer Stelle schrieb sie, sie könne verstehen, wenn Männer keine Lust auf Cunilingus haben. Sie selber möge den Geschmack von Mösen auch nicht und halte es für einen Marketing-Gag, wenn in Erotica behauptet würde, der Saft sei honigsüß und lecker.

Ich selbst kann dem Geschmack meiner Genital-Sekrete auch nichts abgewinnen. Schleimig eben, etwas würzig, etwas salzig. Ein bisschen vielleicht wie Austern. Allerdings habe ich noch keine ausgedehnten Testreihen gemacht. So sollen Ernährungsgewohnheiten den Geschmack durchaus beeinflussen. Gerade geruchsintensive Nahrungsmittel – wie Ananas, Zimt oder Knoblauch – sollen sich auch  im Sekret wiederfinden lassen. Mit anderen Worten: Der Geschmack ist eben nicht immer gleich.

Bei meiner Recherche zum Thema bin ich auf einen ziemlich guten Artikel auf der Website FragBeatrice.de gestoßen. Dort heißt es zu diesem Thema:

Starke Fleischesser riechen generell strenger. Bestimmte Nahrungsmittel kann man auch in den Sekreten erschnuppern: u.a. Fisch (vor allem Krustentiere), Knoblauch,Zwiebeln, Gewürze, Spargel. Nikotin und Alkohol machen sie bitter, heftiger Zuckergenuß säuerlicher, Austrocknung (etwa wenn man zu wenig trinkt) konzentrierter und salziger. Oder in Abhängigkeit vom Monatszyklus: um den Eisprung, wenn der Scheidenschleim flüssiger ist, kann es süßlicher, fruchtiger werden.

Und dann ist da die Sache mit der Mens. Erica Jong erzählt in ihrem Buch von einer Aufnahmezeremonie der Hell’s Angels:

Den Teil davon, in dem der Neuling sein Mädchen auslecken muss, wenn sie ihre Periode hat, während alle seine Kumpel zusehen.

(Erica Jong: Angst vorm Fliegen)

Keine Ahnung, ob die Anekdote der Wahrheit entspricht, oder einfach gut erfunden ist. Fakt ist jedenfalls, dass sich der metallische Geschmack nach Blut nicht nur während der Periode selbst bemerkbar macht, sondern auch im Vorfeld bereits zu geschmacklichen Veränderungen führt und auch in der Zeit nach den Blutungen noch eine Weile wahrnehmbar ist.

Problematisch könnte der Geschmack werden, wenn der ph-Haushalt einer Frau durcheinander geraten ist. Normalerweise sorgen Bakterien dafür, dass die Scheideninnenwand gesund bleibt. Es sind im übrigen die gleichen Bakterien, die auch im Naturjoghurt aktiv sind. Insofern ist auch der geschmackliche Vergleich mit Joghurt nicht ganz von der Hand zu weisen.

Schon ein übertriebenes Reinigungsbedürfnis der Frau kann  paradoxerweise dazu führen, dass die Vagina unangenehm zu riechen und zu schmecken beginnt. Ihr ph-Wert ist viel zu hoch und irritiert die – normalerweise wunderbar funktionierenden – Selbstreinigungskräfte der Möse. Das bereitet den Boden für Infektionen, die sehr streng riechen können.

Geschmacklich niederschlagen kann sich auch der Gang zum WC. Reste von Urin an der Vulva  verändern den Geschmack beim Cunnilingus ebenfalls. Nicht jeder Mann steht auf Reste von Natursekt.

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