Emotionen – die Triebfeder hinter jeder Handlung

Lecter: Was tut er, dieser Mann, den Sie suchen?
Clarice: Er tötet Frauen.
Lecter: Nein, das ist nebensächlich. Was ist das Vordringliche bei all seinem Tun? Die Frage ist, welche Bedürfnisse er durch Töten befriedigt.
Clarice: Abreaktion der Wut … Versuch gesellschaftlicher Anerkennung. .. und Überwindung sexueller Frustration.

(Ted Tally: Das Schweigen der Lämmer)

Triebfeder Emotionen

Alle Handlungen lassen sich auf Emotionen zurückführen. Emotionen sind unsere Triebfeder. Wir tun Dinge, um unseren Emotionen ein Ventil zu geben. Oder um unsere Bedürfnisse zu befriedigen. Immer steht dahinter der Wunsch: Wir wollen uns besser fühlen, gut fühlen.

Wenn wir im Creative Writing eine Person handeln lassen, wird die grundlegende Frage immer sein: Aus welchen Emotionen heraus handelt sie? Wir brauchen dieses Wissen, um den Protagonisten zu verstehen. Um ihn glaubhaft zu gestalten.

Handlung versus Emotion

Reicht es nicht zu zeigen, wie der Protagonist handelt? Nein. Weil Leser ein emotionales Erlebnis suchen. Werden sie nur mit den Fakten der Handlung konfrontiert, rauscht das Geschehen an ihnen vorbei. Emotionen sind universell. Jeder kennt sie. Jeder hat sie erfahren. Jeder kann sich identifizieren. Und je stärker sich ein Leser identifiziert, desto stärker wirkt das Buch auf ihn.

So wie es Hannibal Lecter in Das Schweigen der Lämmer beschreibt. Die allerwenigsten Leser sind Massenmörder. Aber jeder kennt das Gefühl der Wut, die Suche nach Akzeptanz oder das Gefühl der Frustration. Das Unmenschliche wird auf das Menschliche runtergebrochen. Und auf diese Weise nachvollziehbar.

Gerade hier setzt die Kunst an. Wie machen wir diese Gefühle erlebbar? Wie beschreiben wir das wirre Gefühl in uns?

Emotionen nachvollziehbar machen

Um eine Emotion nachvollziehbar zu machen, bedarf es vor allem eines klar nachvollziehbaren Ausgangsimpulses. Die körperlichen und körpersprachlichen Reaktionen unserer Protagonisten bleiben ohne adäquate Impulse melodramatisch. Ich erinnere mich an eine Autorin von Regionalkrimis, die gut in der Lage ist, die emotionalen Reaktionen ihrer Protagonisten zu beschreiben, die jedoch immer wieder beim Lesen das Gefühl hinterlässt, diese Reaktionen seien völlig überzogen. Unter dieser Diskrepanz zwischen Ausgangsimpuls und beschriebener emotionaler Reaktion leidet das Leseerlebnis enorm.

Andererseits fallen mir Autorinnen wie Elle Kennedy (The Deal – Reine Verhandlungssache) ein, die relativ sparsam mit körperlichen Beschreibungen von Emotionen umgeht, die aber wunderbar in der Lage ist, Situationen zu konstruieren, die von den Protagonisten – und den Lesern – starke Emotionen abverlangen. Hier bedarf es nur der Andeutung von Reaktionen, da der Leser das gewünschte Gefühl ja selbst erlebt.

Der Schluss liegt nahe, dass es einen großen Unterschied beim Lesen macht, ob ich Emotionen lediglich geschildert bekomme, oder ob ich sie selbst beim Lesen empfinde.

Übung

Mein Tipp für den Anfang: Achtet beim Lesen auf eure Emotionen. Schaut, worauf ihr reagiert. Und prüft dann, was diese Reaktion ausgelöst hat. Selten wird dies allein eine Beschreibung der emotionalen Reaktion der Protagonisten gewesen sein. Diese kann verstärkend wirken, wird aber kaum allein ausschlaggebend für eure Reaktion sein. Eine spannende Entdeckungsreise wartet auf euch: Ran an eure Lieblingsbücher!

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Angst im Kreativen Schreiben

Definition: Angst

Angst ist ein Gefühl der Beklemmung, ausgehend von einer tatsächlichen oder erwarteten Bedrohung. Hergeleitet vom Begriff der „Enge“.

Angst – der emotionale Spannungsbogen

Wieder versuche ich einen Spannungsbogen von leichten Vorformen der Angst bis hin zur Todespanik zu skizzieren. Solche Bögen können helfen, um innerhalb einer Geschichte die Spannung zu steigern oder um z. B. verschiedene Schlüsselszenen zu definieren.

  • vorsichtig
  • unsicher
  • gespannt
  • gehemmt
  • verkrampft
  • zimperlich
  • scheu
  • schüchtern
  • besorgt
  • beunruhigt
  • zaudernd
  • widerstrebend
  • unwillig
  • abgeneigt
  • unbehaglich
  • unruhig
  • zögerlich
  • wachsam
  • misstrauisch
  • argwöhnisch
  • zweifelnd
  • aufgewühlt
  • bedroht
  • ausweichend
  • bange
  • angespannt
  • belastet
  • gestresst
  • rappelig
  • schreckhaft
  • nervös
  • ängstlich
  • erregt
  • verstört
  • durcheinander
  • verspannt
  • gereizt
  • ruhelos
  • eingeschüchtert
  • verschüchtert
  • erschrocken
  • furchtsam
  • entmutigt
  • abgeschreckt
  • abwehrend
  • paranoid
  • phobisch
  • erschüttert
  • verzweifelt
  • entsetzt
  • bestürzt
  • entgeistert
  • schockiert
  • panisch
  • erstarrt
  • versteinert

Formen des Angstverhaltens

Der Wagnisforscher Siegbert A. Warwitz unterscheidet acht Arten, mit seiner Angst umzugehen (zitiert nach Wikipedia):

  • Das Vermeidungsverhalten versucht, Angst induzierenden Ereignissen, Räumen oder Personen möglichst auszuweichen.
  • Das Bagatellisierungsverhalten ist bestrebt, die als peinlich erlebten Angstgefühle vor sich und anderen herunterzuspielen.
  • Das Verdrängungsverhalten versucht, der gestellten Aufgabe hinderliche Angstgefühle zu unterdrücken oder wegzuschieben.
  • Das Leugnungsverhalten blendet Anzeichen von Angst aus dem Bewusstsein aus oder versteckt die als Schwäche empfundenen Angstgefühle vor anderen.
  • Das Übertreibungsverhalten wiederholt und überzieht Sicherheitsvorkehrungen zur Beruhigung der angespannten Gefühlslage.
  • Das Generalisierungsverhalten folgt dem Denkschema von Ängsten als „normaler“ Erscheinung, um sich aus einer erlebten Sonderstellung zu befreien. („Jeder hat doch Angst“)
  • Das Bewältigungsverhalten bemüht sich um ein realitätsgerechtes Maß an Angst und um ein „funktionierendes Angstgewissen“.
  • Das Heroisierungsverhalten nimmt die emotionale Befindlichkeit der Angst an, sucht sie sogar und empfindet dabei ein gewisses Heldentum.

Innere Zeichen

Ebenfalls bei Wikipedia fand ich eine schöne Liste innerer Anzeichen für Angst:

  • Erhöhte Aufmerksamkeit, Pupillen weiten sich, Seh- und Hörnerven werden empfindlicher
  • Erhöhte Muskelanspannung, erhöhte Reaktionsgeschwindigkeit
  • Erhöhte Herzfrequenz, erhöhter Blutdruck
  • Flachere und schnellere Atmung
  • Energiebereitstellung in Muskeln
  • Körperliche Reaktionen wie zum Beispiel Schwitzen, Zittern und Schwindelgefühl
  • Blasen-, Darm- und Magentätigkeit werden während des Zustands der Angst gehemmt.
  • Übelkeit und Atemnot treten in manchen Fällen ebenfalls auf.
  • Absonderung von Molekülen im Schweiß, die andere Menschen Angst riechen lassen und bei diesen unterbewusst Alarmbereitschaft auslösen.

 

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Ein kritischer Zwischenbericht

Bin unzufrieden mit dem Ergebnis von gestern. Die Idee, hier einen Ideenpool zum Thema Emotionen anzulegen, gefällt mir nach wie vor. Aber mit meinem gestrigen Post sind mehr Fragen aufgetaucht, als ich beantworten konnte.

So ist es unsinnig und rechtlich ohnehin fragwürdig, Definitionen von anderen Lexika zu übernehmen. Sandra und mir bliebe also nur die Möglichkeit der Verlinkung – was aber sehr unübersichtlich wirkt und doch wieder die Klickorgie nötig macht, die ich eigentlich gern vermeiden wollte. Hier wäre täglich ein solches Maß an Arbeit notwendig, dass es die Zeit, die wir uns für den Blog nehmen können, weit übersteigt.

Der emotionale Spannungsbogen wirkt bei näherer Betrachtung auf uns beide äußerst inkoherent. Zum Teil besteht unsere Liste aus Attributen, die für sich schon wieder ins Glossar gehören, zum Teil aus Verben, also Handlungsimpulsen. Das erscheint wirr und gehört aufgedröselt. Aber was ist das passende Attribut für eine Obsession? Oder fürs Stalken?

Die Idee, in der Literatur zu schauen, wie andere Autoren den Zustand der Neugier beschreiben, gefällt uns noch mit am besten. Aber mir fehlt hier der wissenschaftliche Hintergrund: Warum richtet sich jemand auf, wenn er neugierig wird? Ich merke, ich brauche dringend ein gutes Buch zum Thema Körpersprache. Vielleicht sogar mehrere. Aber wo anfangen zu suchen? Habt ihr einen Tipp für uns?

Noch schlimmer ist es bei den inneren Anzeichen für Emotionen. Hier betreten wir den Bereich der Biochemie – ein Feld, von dem weder Sandra noch ich die geringste Ahnung haben. Woher kommt das Kribbeln im Bauch? Warum hält jemand den Atem an? Oder wird rot?

Die Idee, mal eben jeden Tag eine weitere Emotion abzuhandeln, hat sich in dieser Form jedenfalls schnell als undurchführbar erwiesen. Unser aktueller Plan sieht so aus: Wir werden in den nächsten Tagen und Wochen nach und nach die Blogseiten für die Emotionen auf unserer Liste anlegen. Über das Glossar Emotionen sind diese Seiten leicht zu finden. So bleibt die Übersichtlichkeit gewahrt.

Wir werden uns schwerpunktmäßig weiterhin mit Emotionen beschäftigen und immer dann, wenn wir einen neuen Impuls, ein gutes Beispiel aus der Belletristik oder der Fachliteratur finden, unsere Einträge erweitern. So bleibt diese Homepage ein Work in Progress – ursprünglich war das ja von uns auch so angedacht, auch wenn es sich zwischenzeitlich ein wenig anders entwickelt hat.

Wenn ihr Ideen oder Tipps für uns habt, uns Beispiele aus euren Texten zur Verfügung stellen (und dadurch ein wenig für eure Veröffentlichungen werben) wollt oder im Netz zu einem Thema einen lesenswerten Artikel gefunden habt und uns zeigen wollt, freuen wir uns. Nutzt einfach den ButtonHinterlasse einen Kommentar“ direkt unter der Überschrift eines jeden Beitrags.

 

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Neugier im Creative Writing

Definition der Neugier

Neugier, die Gier, etw. Neues, Unbekanntes, meist die Angelegenheiten anderer Betreffendes, zu erfahren.

vgl. Duden
vgl. DWDS

Neugier – der emotionale Spannungsbogen

Emotionen stehen nicht im luftleeren Raum. Sie entwickeln sich, sie steigern sich oder flauen ab. In dieser Wolke habe ich die Gefühle im Kontext der Neugier zu wichten versucht, subjektiv wie immer. Die Idee dahinter ist, zu schauen, wie sich ein emotionaler Spannungsbogen zum Thema Neugier entwickeln lassen könnte. Wie könnten die Emotionen sich verstärken, wie eskalieren? Die Bandbreite reicht vom latenten Interesse hin zur Obsession.

  • Interessiert sein
  • Sich mit etwas beschäftigen
  • Sich über etwas Gedanken machen
  • Ewas wissen wollen
  • Sich in etwas vertiefen
  • Erstaunt sein
  • Gespannt sein
  • Skeptisch sein
  • Beeindruckt sein
  • Angeregt sein
  • Beteiligt sein
  • Forschen/Untersuchen/Sich erkundigen
  • Begeistert sein
  • Fasziniert sein
  • Aufgesogen/absorbiert sein
  • Versunken/vertieft sein
  • Fasziniert sein
  • Verblüfft/Verdutzt sein
  • Ausfragen/Verhören
  • Wissensdurstig sein
  • Herumschnüffeln
  • Etwas durchdringen/prüfen
  • Wissbegierig sein
  • Sich einmischen
  • Spionieren
  • Stalken
  • Besessen sein

Auslösereiz für Neugier

Nach D. E. Berlyne: Konflikt, Erregung und Neugier – Zur Psychologie der kognitiven Motivation gibt es vier mögliche situative Bedingungen für Neugier:

  • Neuartigkeit
  • Komplexität
  • Ungewissheit
  • Konflikt

Äußere Zeichen – Beispiele aus der Literatur

Anabel legte ihren Kopf schief und sah mich neugierig an.

(Kerstin Gier: Silber – Das dritte Buch der Träume)

Ramirez hob eine Augenbraue, neugierig, wie ich diesen Satz wohl zu Ende bringen würde.

(Gemma Halliday: Mörderjagd auf High Heels)

Korber richtete sich jetzt neugierig im Bett auf.

(Hermann Bauer: Karambolage: Ein Wiener Kaffeehauskrimi)

Eine grünäugige, schwarzhaarige Amazone neigte ihren Kopf und lächelte neugierig.

(Nora Roberts: Die Frauen der Calhouns – 3. Lilah)

Innere Zeichen – Beispiele aus der Literatur

Es war soweit, dachte Caitriona und hielt einen Augenblick den Atem an, als er nackt neben dem Bett stand. Sie konnte ihre Neugierde nicht zügeln und ließ ihren Blick hastig über seinen Körper gleiten.

(Annika Dick: Die stolze Braut des Highlanders)

Diese Listen werden mit Sicherheit an Umfang zunehmen. Falls ihr noch Beispiele aus eurer aktuellen Lektüre – oder den eigenen Veröffentlichungen – habt, um diese Seite mit weiteren Beispielen aufzufüllen, hinterlasst gern einen Kommentar unter diesem Blogbeitrag.

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Emotionen – Liste – Glossar

Ursprünglich wollte ich die verschiedenen Emotionen direkt in der Linkliste links aufführen. Das hätte verschiedene Vorteile: Die einzelnen Gefühle würden leichter gefunden, sie würden sich automatisch alphabetisch sortieren und ich könnte, wenn ein neuer Beitrag dazukommt, sofort in der richtigen Kategorie posten, ohne mir viel Gedanken zu machen.

Die Sache hat nur einen gravierenden Nachteil. Die Linkliste würde irre lang werden und der Überblick über die anderen Themengebiete ginge verloren.  Zumal für diejenigen, die per Smartphone auf diesen Blog zugreifen. Ich habe mich deswegen dafür entschieden, an dieser Stelle ein Glossar aufzumachen. Sobald ich zu einer bestimmten Emotion etwas geschrieben habe, verlinke ich es in diesem Glossar. Ihr könnt es dann daran erkennen, dass der Begriff in grün erscheint und nicht mehr schwarz ist.

So ist ein Rest von Übersichtlichkeit gewahrt und ihr habt eine zentrale Anlaufstelle, wenn ihr zu einem bestimmten Gefühl Hintergrundinfos sucht.

Hier also die derzeit etwa 300 Worte umfassende Liste, die je nach Bedarf auch von uns erweitert wird:

  • Abneigung
  • Abgespanntheit
  • Abscheu
  • Abwehr
  • Abwesenheit
  • Aggressivität
  • Ahnungslosigkeit
  • Alarmbereitschaft
  • Albernheit
  • Allein
  • Ambivalenz
  • Angst
  • Anspannung
  • Antriebsschwäche
  • Apathie
  • Ärger
  • Argwohn
  • Aroganz
  • Atemlosigkeit
  • Aufregung
  • Ausgeglichenheit
  • Ausgelassenheit
  • Bedrängung
  • Bedrückung
  • Befreitheit
  • Befriedigung
  • Begeisterung
  • Begierde
  • Behaglichkeit
  • Beklommenheit
  • Bekümmertheit
  • Belastung
  • Belebung
  • Belustigung
  • Berührung
  • Bestürzung
  • Betroffenheit
  • Betrübtheit
  • Beunruhigung
  • Bewegung
  • Bewegungslosigkeit
  • Bewunderung
  • Bezauberung
  • Billigung
  • Bitterkeit
  • Blockade
  • Dankbarkeit
  • Depression
  • Deprimiertheit
  • Desinteresse
  • Distanz
  • Drang
  • Druck
  • Dumpfheit
  • Durst
  • Düsternheit
  • Eifersucht
  • Einsamkeit
  • Ekel
  • Elend
  • Empfindlichkeit
  • Empörung
  • Energie
  • Engagement
  • Enge
  • Enthusiasmus
  • Entlastung
  • Entmutigung
  • Entrüstung
  • Entschiedenheit
  • Entschlossenheit
  • Entsetzen
  • Entspanntheit
  • Enttäuschung
  • Entzückung
  • Erfüllung
  • Ergriffenheit
  • Erheiterung
  • Erleichterung
  • Ermüdung
  • Ermunterung
  • Ermutigung
  • Ernüchterung
  • Erregung
  • Erschöpfung
  • Erschrecken
  • Erschütterung
  • Erstarrung
  • Erstaunen
  • Erwartung
  • Fassung
  • Fassungslosigkeit
  • Faszination
  • Faulheit
  • Feinsinnigkeit
  • Freiheit
  • Freude
  • Freudlosigkeit
  • Friede
  • Frische
  • Frohsinn
  • Frustration
  • Furcht
  • Fürsorge
  • Gebanntheit
  • Geborgenheit
  • Gedankenlosigkeit
  • Geduld
  • Gefangenheit
  • Geistesabwesenheit
  • Gelassenheit
  • Gelöstheit
  • Gemütlichkeit
  • Genervtheit
  • Genusslosigkeit
  • Gereiztheit
  • Gerührtsein
  • Gleichgültigkeit
  • Glück
  • Güte
  • Härte
  • Hass
  • Heiterkeit
  • Hektik
  • Hemmung
  • Hilflosigkeit
  • Hoffnung
  • Hunger
  • Inspiration
  • Instabilität
  • Interesse
  • Interessenlosigkeit
  • Introvertiertheit
  • Irritation
  • Jammer
  • Kälte
  • Klarheit
  • Konflikt
  • Konfusion
  • Kraft
  • Kraftlosigkeit
  • Kribbeln
  • Kühle
  • Kummer
  • Labilität
  • Lahmheit
  • Lähmung
  • Langeweile
  • Laschheit
  • Lebhaftigkeit
  • Leblosigkeit
  • Leere
  • Leichtigkeit
  • Leid
  • Lethargie
  • Liebe
  • Lieblosigkeit
  • Lockerheit
  • Lüsternheit
  • Mattigkeit
  • Melancholie
  • Missmut
  • Misstrauen
  • Mitfreude
  • Mitleid
  • Motivation
  • Müdigkeit
  • Munterheit
  • Mut
  • Nachdenklichkeit
  • Neid
  • Nervosität
  • Neugier
  • Niedergeschlagenheit
  • Offenheit
  • Ohnmacht
  • Optimismus
  • Orientierungslosigkeit
  • Panik
  • Passivität
  • Peinlichkeit
  • Perplexität
  • Pessimismus
  • Phlegma
  • Qual
  • Raserei
  • Ratlosigkeit
  • Rausch
  • Resignation
  • Respekt
  • Ruhe
  • Ruhelosigkeit
  • Sättigung
  • Schadenfreude
  • Scham
  • Scheu
  • Schlaffheit
  • Schläfrigkeit
  • Schlappheit
  • Schlechtigkeit
  • Schmerz
  • Schock
  • Schrecken
  • Schüchternheit
  • Schutzlosigkeit
  • Schwäche
  • Schwere
  • Schwermut
  • Schwung
  • Schwunglosigkeit
  • Sehnsucht
  • Selbstsicherheit
  • Selbstzufriedenheit
  • Seligkeit
  • Sensibilität
  • Sentimentalität
  • Sicherheit
  • Skepsis
  • Sorge
  • Sorge
  • Sorgenfreiheit
  • Spannung
  • Starrsinn
  • Stille
  • Stolz
  • Strapaze
  • Streitlus
  • Stress
  • Tapferkeit
  • Tatkraft
  • Teilnahmslosigkeit
  • Träge
  • Trauer
  • Trostlosigkeit
  • Trotz
  • Trübsinn
  • Überdruss
  • Überforderung
  • Überlastung
  • Übermut
  • Überraschung
  • Überschwang
  • Überwältigung
  • Überzeugung
  • Unbehagen
  • Unbekümmertheit
  • Unbequemheit
  • Unbeschwertheit
  • Unentschlossenheit
  • Ungeduld
  • Unglück
  • Unklarheit
  • Unnahbarkeit
  • Unruhe
  • Unsicherheit
  • Unwille
  • Unwohlsein
  • Unzufriedenheit
  • Verachtung
  • Verblüffung
  • Vergnügen
  • Verkrampfung
  • Verlegenheit
  • Verletzlichkeit
  • Verliebtsein
  • Verlorensein
  • Verrücktheit
  • Verschlafensein
  • Verschlossenheit
  • Verspannung
  • Verspieltheit
  • Verstimmtheit
  • Verstörtheit
  • Vertrauen
  • Verunsicherung
  • Verwirrung
  • Verwunderung
  • Verzagtheit
  • Verzauberung
  • Verzückung
  • Verzweiflung
  • Vorfreude
  • Wachheit
  • Warmherzigkeit
  • Widerstreben
  • Widerwille
  • Wohlsein
  • Wortkargheit
  • Wut
  • Zärtlichkeit
  • Zerknirschtheit
  • Zerrissenheit
  • Zerstreutheit
  • Ziellosigkeit
  • Zorn
  • Zufriedenheit
  • Zuneigung
  • Zurückgezogenheit
  • Zutrauen
  • Zwiespalt
  • Zynismus
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Emotionen – das Gerüst jeder Story

Sky aus Colleen Hoovers Roman Hope Forever ist traumatisiert. Sie lässt Jungs an sich rummachen, fühlt aber rein gar nichts dabei. Sie lebt ihr Leben wie eine normale 17jährige, aber als sie sich in Holder verliebt und schließlich mit ihm schlafen will, bricht sie weinend zusammen, übermannt von ihren eigenen Emotionen. Sie weiß schon im Vorfeld, dass er ihr wehtun wird. Dass es nicht schön wird. Und das, obwohl sie bei ihm zum ersten Mal überhaupt dieses Knistern empfindet, das für sie zur Liebe dazugehört.

Hannah Wells aus Elle Kennedys The Deal – Reine Verhandlungssache macht von Anfang an klar: Sie ist Überlebende einer Vergewaltigung. Die Geschichte in ihrem ganzen unfassbaren Ausmaß wird aber erst im Laufe des Romans klar. Genauso, wie sich erst im Laufe der Zeit herauskristallisiert, dass auch Garrett Graham, die zweite Hauptperson, einen ganzen Packen an Mist hinter sich hat. Wieder sind es die ganz großen Emotionen, mit denen die beiden im Laufe des Romans konfrontiert werden.

Und dann ist da Summer Johnson, vielleicht die eindrucksvollste Gestalt in den Neuerscheinungen des „New Adult“ 2015. Sie hat nur eventuell nur noch kurz zu leben, abhängig vom Ausgang einer schwierigen Operation, die ihr bevorsteht. Und sie beschließt, dieses Leben voll auszukosten, Minute für Minute. Selten habe ich von so vielen Leserrezensenten gehört, sie hätten beim Lesen hemmungslos geheult, hätten aber trotzdem nicht aufhören können mit ihrer Lektüre. Seth Kings „The Summer Remains“ ist das nächste Buch auf meinem SUB. Und ich ahne, es wird die ganz große Neuentdeckung, auch wenn das Buch im Augenblick nur als Geheimtipp gehandelt wird und ein deutscher Verlag anscheinend noch nicht angebissen hat.

Worauf ich hinaus will: Bei den Büchern der letzten Zeit wurde mir klar, dass die Autoren mit Gefühlen nicht sparsam umgehen. Das passt zu dem, was ich kürzlich bei Karl Iglesias in „Writing for Emotional Impact“ gelesen habe: Die meisten Leser suchen vor allem eine emotionale Erfahrung. Sie wollen teilhaben an einem emotionalen Spannungsbogen und wollen in der Lektüre die Achterbahn der Gefühle bereisen, sich durchschütteln lassen, abstürzen und wieder in die Höhe geschnellt werden.

Grund genug, mich in den nächsten Tagen und Wochen mehr mit dem Thema zu beschäftigen: Wie entwickeln wir glaubwürdige Gefühle (im Creative Writing)? Wie fühlen sie sich aus Sicht der Protagonisten an? Wie wirken sie auf andere? Wie gelingt ein emotionaler Spannungsbogen?

Ich bin gespannt auf das, was auf mich zukommt. Und ihr?
Liebe Grüße,
Sandra

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Henry Miller – Über das Schreiben

Was sagt Henry Miller über das Schreiben von erotischer Literatur? Er war ein Meister der Selbstinszenierung. Seine Romane geben sich autobiographisch, sind aber voll von Übertreibungen und erfundenen Episoden. Trotzdem blitzt der Autor auf jeder Seite durch, was nicht zuletzt an seinem Schreibstil liegt, der – wie er selbst einmal sagt – viel dem Stream of Consciousness der Surrealisten verdankt. Oder diesen vorwegnahm, wie er selbst behauptet. Ich habe mir einmal ein paar jener Textpassagen vorgenommen, in denen er sich mit dem Schreiben beschäftigt.

Der Ort zum Schreiben

In seinem Roman „Wendekreis des Steinbocks“ erzählt Henry Miller von einem Ungetüm an Tisch, den er aus der Schneiderwerkstatt seines Vaters gerettet und in seiner Wohnung in Brooklyn aufgestellt hat:

Was mich sicher verankert hielt, war der große Schreibtisch mit seinen vielen Schubfächern, den ich ins Wohnzimmer stellte … Alle Fächer und alle Schubladen  waren leer, nichts lag auf oder in dem Schreibtisch, nichts außer einem Blatt weißes Papier, auf das ich nicht einmal Männchen malen konnte.

(zitiert nach der Rowohlt TB-Ausgabe von 1980, S. 266f)

Dieses Monstrum mitten im Wohnzimmer, an dem bequem zwölf Stühle Platz fanden, sollte der Ort seiner literarischen Tätigkeit werden. So hatte er sich das gedacht. De facto war dieses symbolträchtige Relikt aus dem Fundus seines Vaters Zeuge einer großen Schreibblockade.

Nicht, dass Miller zu diesem Zeitpunkt nicht schon seine ersten Veröffentlichungen hinter sich gehabt hätte. Er redet hier von „Millionen Wörter, die ich vorher geschrieben habe, wohlgemerkt verständliche, wohlgeordnete, sauber gereihte Wörter“. Nur: Sie bedeuteten ihm nichts mehr. Schlimmer noch:

Alles, was ich bislang geschrieben hatte, gehörte ins Museum; das ist bei der Mehrzahl der Dinge, die heute geschrieben werden, der Fall, und darum zünden sie nicht, setzen sie nicht die Welt in Flammen.

(a. a. O., S. 268)

Der Stream of Consciousness

Miller sagt von sich, er habe bis jetzt mit dem Kopf geschrieben, sei aber zu dem Zeitpunkt von einem Flow weit entfernt gewesen. Diesen Flow habe er erst für sich entdeckt, als er bei einem Besuch in einem nahegelegenen Theater begriff, dass er sich in eingem geistigen Halbschlaf befand und mit dem Vorhang auf der Bühne sein Blick auf den lebendigen Menschen gerichtet wurde. Er verließ das Theater, um diese persönliche Epiphanie aufzuschreiben und geriet dabei in den oben bereits erwähnten Stream of Consciousness. Das heißt, er schaltete seinen Kopf aus und schrieb frei von der eigenen Zensur auf, woran er gerade dachte, inklusive aller Assoziationen, Abschweifungen und Bilder.

Durch das Ausschalten des inneren Zensors bekam er jenen Flow, nach der er die ganze Zeit gesucht hatte. Was nicht bedeutet, dass er druckreife Prosa produzierte. Im Gegenteil. Selbstkritisch merkt er an, dass kaum jemand verstand, worüber er schrieb und warum er so schrieb. Die Dadaisten waren zu jener Zeit in Amerika noch nicht bekannt und auch von den Surrealisten hörte er – nach eigenen Angaben – erst zehn Jahre später.

Aber, und das ist das Wesentliche, er spürte in seiner Schreibe endlich die lang ersehnte Ehrlichkeit, das Wesen der Menschen, ihren Nukleus, „die unzerstörbare Welt, die der Mensch immer in sich getragen hat“. Mal abgesehen davon, dass das Flow-Erlebnis beim Schreiben ungemein beglückend und befriedigend ist, zumal, wenn man gerade aus einer Schreibblockade kommt.

Was sagt das über das Schreiben?

Ich bin nicht sicher, ob Henry Miller sich mit dem Schreibtisch nicht selbst ein Bein gestellt hat. Gerade angesichts der Dominanz des Tisches in seinem Wohnzimmer lag ein ungemeiner Erwartungsdruck auf dem, was er zu Papier bringen würde. Ideale Voraussetzungen für eine Schreibblockade.

Ich weiß von einigen Autorenfreunden, dass sie ihre kreativsten Phasen in Cafés haben. Ihre linke, rationale Gehirnhälfte ist mit Äußerlichkeiten beschäftigt und steht als Zensor nicht zur Verfügung. Und auch Henry Miller schrieb in späteren Jahren, wo er sich auch gerade aufhalten mochte. Die Fixierung auf einen festen Schreibplatz scheint oft eher hinderlich als kreativitätsfördernd. Gerade in Zeiten von Laptops und Schreibtools für Smartphones scheint es auch völlig überflüssig, sich einen festen Arbeitsplatz zuzulegen.

Insofern: Wenn ich gerade selbst unter dem Virus des Writers Block leidet, versucht es einfach einmal. Schreibt, was euch gerade in den Sinn kommt. Folgt eurem Gedankenstrom und bringt ihn zu Papier. Werdet mutig und überlasst das Redigieren der zweiten Textfassung. Aussortieren könnt ihr immer noch. Aber es kommt mit Sicherheit mehr dabei heraus, als wenn ihr verzweifelt auf das leere weiße Blatt oder die leere Monitorseite starrt.

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New Adult – Ende der Zensur?

Wie kommt es, dass plötzlich ein völlig neues Genre für eine völlig neue Zielgruppe aus dem Nichts entsteht und Autoren reich werden, die mit ihren Produkten nicht einmal einen Verlag fanden? Vielleicht nicht einmal nach einem Verlag gesucht haben? New Adult ist ein spannendes Phänomen. New Adult ist – wie kaum ein anderes Genre – Kind seiner Zeit. Denn die Zensur-Richtlinien sind laxer denn je.

Ich will hier keine Geschichte der Zensur verfassen. Das haben andere Leute bereits sehr ausführlich getan und ich könnte hier nicht viel mehr tun, als mit eigenen Worten zu wiederholen. Was ebenso langweilig wie überflüssig ist. Ich verweise daher z.B. auf den Spiegel-Artikel „Zensur: Die freigesprochene Sexualität“ oder das Interview „Zensur in der Bundesrepublik“ auf literaturkritik.de.

Nie zuvor in der Geschichte war es so einfach, über Sexualität zu schreiben. War es zu Schlegels Zeiten schon ein Zeichen für den sittlichen Verfall, wenn seine Protagonistin Lucinde im Nachthemd beschrieben wurde und dabei eine Schulter entblößte, haben die Akteure des New Adult oft über Seiten hinweg hemmungslosen Sex. Und in vielen der Bücher dieses neuen Genres geht es um kaum etwas anderes als darum, den Traummann oder die Traumfrau zu erobern, um genau jenen Sex genießen zu können.

Tatsächlich ist oftmals New Adult nichts anderes als Romance für die Zielgruppe der 18-30jährigen. Allerdings ebenso häufig auf einem höheren Niveau. Zumindest in den Werken, die sich auf den vorderen Plätzen der Bestsellerlisten wiederfinden, haben die Protagonisten ihre Päckchen zu tragen. Da ist von sexuellem Missbrauch durch den Vater die Rede, von Party-Rape, von Misshandlungen, von lebensbedrohlichen Krankheiten. Wie definieren sich die jungen Erwachsenen? Wie finden sie ihren Weg in die Welt?

Sexualität ist heute aus diversen Gründen kein Aufreger mehr. Die Zensur-Behörden haben längst vor dem sexuellen Overflow in den Medien kapituliert. Titel, die früher auf den Index gekommen wären, werden seit einigen Jahren einfach durchgewunken. In Deutschland hat sich 2006 die Bild-Zeitung einen Spaß daraus gemacht, Titel, deren Indizierung gerade abgelaufen war, zu einer Bild Erotik-Bibliothek zusammenzustellen und diese Edition für kleines Geld dem Volk zur Verfügung zu stellen. Wer ein sichtbares Zeichen für den Wandel braucht, hat es hier gefunden.

Für die jungen Erwachsenen bedeutet dies, eines ihrer vielleicht wichtigsten Themen nun endlich ohne Tabus in den Romanen, die sie lesen, wiederzufinden. Es geht nichtunbedingt um die ersten Erfahrungen mit Sexualität, wohl aber darum, den richtigen Partner für sich zu finden, mit der Sexualität zu experimentieren und einen Weg für sich zu definieren. So behauptet Eva Illouz in ihrer Analyse „Die neue Liebesordnung: Frauen, Männer und Shades of Grey„, der Roman von E. L. James, der von vielen als Initial-Zündung für das Genre New Adult angesehen wird, sei deswegen so erfolgreich, weil viele Leserinnen ihn als Sex-Ratgeber benutzten, um ihr eigenes Erotikleben aufzupeppen.

Und sicherlich: Indem mit völlig neuer Ehrlichkeit Spielarten der Sexualität in der New Adult-Literatur beschrieben werden, bekommen die Leser und Leserinnen der Generatio 18+ Möglichkeiten an die Hand, ihre eigene Sexualität zu spiegeln, zu hinterfragen oder zu erweitern. Inzwischen darf über Sex sehr detailreich geschrieben werden, ohne die Zensur-Behörden auf den Plan zu rufen. Und offensichtlich füllt sich im Augenblick eine Nische, die bislang aus rechtlichen Gründen frei bleiben musste. Die neue Literatur trifft einen Nerv: Wir sind durch die Medien übersensibilisiert für die Sexualität, nur fehlte uns bislang ein Sprachrohr, ein Kanal, um der vermeindlichen Sexualisierung eine Realität gegenüberzustellen.

Womit ich gar nicht sagen will, dass alle Autor/innen des New Adult gleichermaßen verantwortungsvoll mit dem Thema umgehen. Aber das scheint mir normal zu sein, gerade für die Anfangsjahre eines neuen Genres. Viele probieren sich aus, manche mit großer Ehrlichkeit, manche auch, weil sie einfach schnelles Geld machen – und eine Scheibe vom „Shades of Grey„-Hype abhaben – wollen. Die Tatsache, dass die Zensur-Behörden derzeit Sexualität nicht mehr unterdrücken, beschert den Autoren ein völlig offenes Feld.

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Augen und Emotionen

Ich hatte neulich im Zusammenhang mit NLP ja bereits über einige Dinge geschrieben, die mit der Blickrichtung und der Größe der Pupillen zusammenhängen. Aber da ich in der letzten Zeit immer wieder auf Beschreibungen der Augen gestoßen bin, deren einziges Ziel es war, die Emotionen der Protagonisten herauszustellen, will ich hier noch mal ein wenig weitermachen.

Augen rollen

Sie rollte mit den Augen, bevor sie sich zu ihm umdrehte und die Zähne zu etwas bleckte, das nicht als Lächeln durchging.

(Marvin Entholt: Friesisch Roulette)

Wahrscheinlich der eindeutigste Fall emotionaler Zuordnung im Bereich Augen, daher schon fast ein Klischee. Die Protagonistin ist genervt und macht sich keine Mühe, dies zu verbergen. Im Gegenteil: Sie will, dass ihr Gegenüber mitbekommt, wie wenig sie von der Situation oder dem gerade stattfindenden Gespräch hält.

Augen aufreißen

Fünf Minuten später riss sie plötzlich die Augen auf und drehte den Mund von seinem Handgelenk.

(Erin McCarthy: Ein Vampir zum Anbeißen)

Hier sind zumindest zwei Emotionen denkbar, die sich aus den Augen ablesen lassen: Erstaunen oder erschrecken. Daher sollte aus der beschriebenen Gesamtsituation heraus kar werden, was mit den aufgerissenen Augen emotional gemeint ist. Hilfreich wäre es auch, noch weitere körperliche Symptome zu zeigen. Wenn die Protagonistin erbleicht, wäre dies z.B. ein gutes Zeichen dafür, dass sie nicht erstaunt, sondern erschrocken ist.

Augen zusammenkneifen

Ihre Stimme wurde leiser, während sie ihn anschaute, dann reckte auch sie das Kinn, kniff die Augen zusammen und fragte scharf: »Wovon, zum Teufel, redest du?«

(Stephanie Laurens: Geheimauftrag: Liebe)

 Zusammengekniffe Augen können alles mögliche bedeuten: Skepsis, Ablehnung, Wut, Dominanz. Stephanie hat das im Zitat oben ganz gut dadurch gelöst, dass sie gleich mehrere körperliche  Hinweise in einen Satz gepackt hat. Durch den daraus entstehenden Gesamteindruck wird schnell klar, ihre Protagonistin ist sauer. Und das, ohne die Emotion selbst benennen zu müssen. Klassisches „Show, don’t tell“.

Blick von oben herab

Er wirkte elegant und weltmännisch und schaute die Leute von oben herab an.

(Jean G. Goodhind: In Schönheit sterben)

Auch ein Klassiker: Der Blick von oben herab. Kann gleichermaßen Ablehnung oder Überheblichkeit bedeuten. Auch Jean bedient sich hier weiterer Attribute, um klar zu machen, dass dieser Blick bei ihrem Protagonisten eine Attitude ist.

Blick von unten herauf

Der Mann schwieg. Und blickte ihn bloß schicksalsergeben von unten herauf an, Hufeland überragte ihn um mindestens zwei Köpfe. Die Schafshaltung, dachte Hufeland. Er kannte diese stumm abwartende Taktik aus unzähligen Verhören.

(Herbert Beckmann: Hühnerhölle)

Eine von verschiedenen  emotionalen Bedeutungen des Blicks von unten herauf: Hilflosigkeit, wenn auch oft bewusst eingesetzt, und dann weniger hilflos, als es aussehen soll. Aus irgendwelchen Gründen gilt der Blick mit gesenktem Kopf auch als sexy. Vielleicht, weil er den Jagdtrieb der Männer anstachelt. Oder den Beschützerinstinkt. Oder beides.

In einem anderen Zusammenhang kann er auf Nachdenklichkeit hindeuten, eine Mischung aus In-sich-gekehrt aufgrund des gesenkten Kopfes und Blick nach oben zum Gegenüber, den Blickkontakt suchend.

Blick nach unten

Zoe blickte zu Boden und schüttelte langsam den Kopf, als wäre es ihr unangenehm.

(Paul Beldt: Wollmann widersetzt sich)

 Wieder mehrere Möglichkeiten, wie so oft. Der Blick zum Boden kann einfach auf Unsicherheit hindeuten. Oder, wie im Beispiel, auf Ablehnung. Immer gut, die beabsichtigte Wirkung durch weitere Körpersprache deutlich zu machen. So wie bei Paul im Beispiel.

Blickkontakt vermeiden

Maik hätte Fabian am liebsten augenblicklich an den Brustwarzen geknabbert. Doch er beherrschte sich, schluckte und vermied jeden Blickkontakt.

(Marc Förster: Turbulenzen nach dem Checkout)

Wieder eine reiche Palette von Möglichkeiten. Die Person kann entweder schüchtern sein, unsicher oder sogar verliebt. Dummerweise auch das genaue Gegenteil: nämlich komplett desinteressiert an ihrem Gegenüber, und dies sehr demonstrativ zeigend. Vielleicht steckt hinter dem Blicke-vermeiden sogar die Absicht, das Gegenüber nicht in Verlegenheit zu bringen. Oder es nicht zu aggressiven Reaktionen zu provozieren. Denn je nach Kontext kann der direkte Augenkontakt auch eine Kampfansage sein. Oder zumindest eine Aufforderung, eine Einverständniserklärung zur Kontaktaufnahme. Daher ist das Blicke-vermeiden inzwischen ziemlich verbreitet.  Eine moderne Variante davon ist die Sonnenbrille, die den direkten Blickkontakt unmöglich macht.

Kurzer Blickkontakt

Sie sah Claire kurz an, richtete ihren faszinierten Blick dann aber ruckartig wieder auf das Baby, als erwartete sie, dass es – Brianna sah, dass es ein Junge war – genauso plötzlich verschwand, wie es gekommen war.

(Diana Gabaldon: Ein Hauch von Schnee und Asche)

Wieder ist weitgehend von der Situation abhängig, welche Emotionen mit dem kurzen Augenkontakt verbunden sind. In meiner Datenbank befinden sich viele Beispiele, in denen der kurze Blick zwischen Menschen, die sich kennen, für ein Abchecken steht: „Denkst du das Gleiche wie ich?“.

Genauso kann dies aber auch ein Zeichen für geringes Interesse. Jemand sagt etwas, der oder die andere sieht ihn kurz an, dann wieder hin zum eigentlichen Ziel der Aufmerksamkeit.

Aber vielleicht ist die Person, die ihre Augen maximal für einen kurzen Blickkontakt hebt, auch einfach schüchtern und unsicher sein. Mir fällt sofort die Tochter einer Freundin ein. Liebes Mädchen, aber ein längerer Blickkontakt ist fast unmöglich.

Langer Blickkontakt

Maria erinnerte sich, wie der alte Pfarrherr ihre Hand in seine Hände genommen und ihr lange, lange in die Augen geschaut hatte, ohne etwas zu sagen.

(Eeva-Kaarina Aronen: Die Lachsfischerin)

Die Augen sind ein Tor zur Seele, heißt es. Und Experimente zeigen: Wer bei einer Unterhaltung bewusst den Augenkontakt sucht und den Blick hält, wird oft intensivere und tiefere Gespräche führen als derjenige, dessen Blick schnell wieder abschweift. Der Blick des Pfarrherren in Eeva-Kaarinas Beispiel ist so ein Blick in die Seele. Offen, direkt, tief.

Nicht umsonst sind es in erotischen Begegnungen oft die langen Blicke in die Augen des Gegenübers, die die Situation zum Kochen bringen. Zwei Menschen geben sich ganz, weichen nicht aus, öffnen sich füreinander.

Interessanterweise reizt dieser lange Blickkontakt aber auch zu Aggressionen. Auf der Straße wird es brenzlig, wenn zwei Männer sich länger als zwei Sekunden in die Augen schauen. Dann checken sie ab: Wer ist der Stärkere? Wer wendet seinen Blick zuerst wieder ab? Dominanz-Spiele sind angesagt.

Und zwischen Männern und Frauen? Wieder gilt die Zwei-Sekunden-Regel. Wer nach dieser Zeit nicht wegschaut, gibt Interesse kund und bereitet Bahn für eine Kontaktaufnahme. Oder sollte sich zumindest nicht wundern, wenn ein Kontaktversuch stattfindet. Zwei Sekunden, weil dies der Reaktionszeitraum des Gehirns ist. Jeder Blick, der länger dauert, dringt ins Bewusstsein und wird von den meisten Menschen als absichtlich interpretiert.

Hochgezogene Augenbrauen

Leona hatte Linda zunächst samt Katzenklo und Futterschüssel mit in den Verlag genommen, was hochgezogene Augenbrauen und indigniertes Stirnrunzeln bei ihrem Chef hervorgerufen hatte.

(Charlotte Link: Der Verehrer)

Da wir gerade beim Thema Augen und Emotionen sind, gehören die Augenbrauen dazu. Wieder gibt es eine breite Palette von Situationen, in denen diese auftauchen können. Und wieder legt erst der Kontext nahe, wie sie zu deuten sind.

Vielleicht ist der Blick lediglich fragend oder erstaunt. Vielleicht steckt dahinter aber auch eine Portion Unverständnis oder zumindest Zweifel.

Zusammengekniffene Augenbrauen

Im Scheinwerferlicht eines vorbeifahrenden Autos erhaschte er einen Blick auf das Gesicht des Mädchens, auf ihre entsetzt und besorgt zusammengekniffenen Augenbrauen.

(Adi Alsaid: Let’s get lost)

Wahrscheinlich spiegelt sich Entsetzen eher in aufgerissenen Augen als in zusammengekniffenen Augenbrauen. Letztere stehen eher für die konkrete Sorge des Mädchens im Beispiel von Adi. In diesem Beispiel wird relativ offensichtlich, was Adi macht: Er definiert eine mehrdeutige Mimik dadurch, dass er ihr zwei Adjektive zur Seite stellt. Das macht insofern Sinn, weil die sichtbare Reaktion des Mädchens eben nicht unmittelbar auf ihre tatsächlichen Gefühle schließen lässt, sondern zumindest zum Teil auf etwas sehr Banales, nämlich die entgegenkommenden Scheinwerfer, zurückzuführen ist.

Generell sind zusammengekniffene Augen ein Zeichen für Ablehnung: Ärger, Wut oder zumindest eine gesunde Portion Skepsis über eine Situation oder Person und das, was von ihr ausgeht. Wir kneifen die Augenbrauen zusammen, wenn uns etwas nicht gefällt. Vielleicht müssen wir über die Situation oder das Problem auch erst einmal nachdenken. Auf jeden Fall stehen wir in Distanz.

Augen und Emotionen

Generell ist es immer besser, den Leser selbst seine Schlüsse ziehen zu lassen und nicht durch Adjektive und Adverbien zu viel im Text vorzukauen. Da gerade die Mimik oft mehrdeutig ist, hilft es, andere Körpersprache hinzuzunehmen, wie es zum Beispiel Stephanie Laurens oben mit ihrem Beispiel gemacht hat. Der Leser kann sehen, wie die Protagonistin mit ihrem ganzen Körper reagiert.

Wer sich bei der Beschreibung auf die Mimik beschränkt, will meist nur kleine Zeichen geben. Und sollte es dann auch dabei belassen, dass der Leser aus der Gesamtsituation schließen muss, was in dem Protagonisten vorgeht.

Emotionale Attribute sind nur ein Notbehelf, zumal sie häufig aus dem POV (dem Point of View, der Erzählperspektive) ausbrechen. Sie machen eigentlich nur dann Sinn, wenn die Erzählstimme von ihrem Innenleben berichtet. Dann aber spielt ihre Mimik ohnehin keine Rolle.

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New Adult – die wichtigsten Bücher 2015

Hier in Deutschland hat sich „New Adult“ als eingenständiges Genre noch nicht durchgesetzt. Die Protagonist/innen dieser Literatur stehen an der Schwelle zum Erwachsenwerden. Sie gehen ihre ersten Schritte ins Leben hinaus, egal ob ins Studium oder Berufsleben. Und meist ist eines der zentralen Themen die Frage nach der Partnerwahl, der Entdeckung der eigenen Sexualität. Sie gehen angenehm unverklemmt mit dem Thema Sex um und öffnen so eine breite Tür für alle Autoren, die Spaß an erotischen Beschreibungen haben, ohne gleich eine klassische „Romance“ schreiben zu wollen. Auch ist die Leserschicht deutlich jünger als die der bekannten Romance-Reihen. Ihr Kernalter liegt zwischen 18 und 25 Jahren, auch wenn einige Spitzentitel wie die „Fifty Shades of Grey“ sich zu echten All-Agers entwickelt haben.

Wenn ich auf der Suche nach interessanten Titeln in Buchhandlungen stöbern will, ziehe  ich meist von der Mädchenliteratur weiter zur Ecke mit den „frechen Frauen“ und lese mich durch zahllose Klappentexte, um die Bücher herauszuharken, die mich derzeit ansprechen. Erfahrungsgemäß reagieren die meisten Verkäuferinnen, gerade der großen Buchketten, noch ziemlich verständnislos, wenn ich sie nach „New Adult“ frage.

Ein bisschen anders sieht es auf dem englischsprachigen Markt aus. So habe ich auf www.goodreads.com eine Liste der wichtigsten Neuerscheinungen aus dem Jahr 2015 gefunden. Die Leser auf dem Portal – eine Art Schwesterportal zum deutschsprachigen lovelybooks.de, hatten die Möglichkeit, diese Titel zu bewerten. Wirklich repräsentativ ist die Liste nicht. Für die Bestseller des Genres fanden sich ca. 75 Leute, die abgestimmt haben. Aber schon für Platz 10 fanden sich gerade 30 Voter.

Colleen Hoover: Love and Confess

Allerdings ist die Zahl der Bewertungen deutlich höher. Und wahrscheinlich sagt die Zahl der eingegangenen Ratings deutlich mehr über das Interesse am jeweiligen Buch aus, als die paar aktiven Voter. So fanden sich für den Spitzentitel, Colleen HooversLove and Confess“ (Originaltitel: Confess) beachtliche 47.871 ratings bei einem Durchschnitt von 4,29 von 5 Sternen. Das Buch, das im Original im März 2015 auf den Markt kam, ist bereits seit dem 20. November 2015 auch auf Deutsch bei dtv erhältlich.

Ich selbst habe von Colleen Hoover bisher nur „Hope Forever“ gelesen, war aber sowohl vom Stil als auch von der Tiefe des Plots beeindruckt. Wer den Blogpost zu dem Buch verpasst hat, findet ihn hier: Annäherungen – Hope Forever.

Colleen gehört mit Sicherheit zu den Autorinnen, die hierzulande am bekanntesten sind. Bisher war sie in jeder Buchhandlung, in die ich meine Nase steckte, gleich mit mehreren Titeln vorrätig. In der Goodreads-Liste hat sie allein 3 Bücher unter den Top 10. Das spricht für sich.

Für die anderen beiden neuen Titel der Liste, „Never Never2, im Original erschienen im Januar 2015, und November 9„, im Original seit dem 10. November 2015 auf dem Markt, gibt es noch keine deutschen Erscheinungstermine.

Ihr deutscher Verlag, dtv, plant für den 18. März 2016 die Veröffentlichung von „Maybe Someday“ und für den Spätsommer eine Neuausgabe von „Weil ich Will liebe„, diesmal mit einem etwas gesetzteren, dafür aber weniger Fragen offenlassenden Romance-Cover.

Elle Kennedy: The Deal  – Reine Verhandlungssache

Ich selbst lese zur Zeit „The Deal (Off-Campus)“ von Elle Kennedy. Es steht zwar nach den Goodreads-Votings erst auf Platz 4, hat aber stolze 45.733 ratings und sogar noch einen besseren Durchschnit als Hoovers „Confess“, nämlich 4.35 von 5 Sternen. Es erschien im Original am 9. April 2015 und wird auf Deutsch am 1. Juli 2016 als Taschenbuch unter dem Namen „The Deal – Reine Verhandlungssache“ im Piper Verlag veröffentlicht.

Der Plot ist klassisch, mit dem inzwischen fast üblichen Schuss Drama: Hannah, die Protagonistin, ist auf einer Fete mit K.O.-Tropfen wehrlos gemacht und anschließend vergewaltigt worden. In der Folge zieht sie sich zurück, meidet Partys und Alkohol, und widmet sich ganz dem Studium. Schnell wird sie zur Jahrgangsbesten. Allerdings hat sie ein Auge auf den Football-Star der Schule, Justin, geworfen.
Garrett, der Captain  des Eishockey-Teams, möchte von ihr Nachhilfe haben, weil er, wenn sein Notendurchschnitt sich nicht schlagartig verbessert, aus dem Team fliegt. Zuerst hat Hannah überhaupt keine Lust auf den Job, lässt sich aber auf einen Deal ein: Sie braucht Garrett, weil Justin auf Status steht und sie hofft, mit dem Eishockey-Leader an ihrer Seite diesen Status zu erlangen.
Natürlich erkennen beide, dass der/die andere gar nicht so sehr dem Klischee entsprechen und ihre liebenswerten Seiten haben. Bis zu einem gewissen Grad ist die Geschichte vorhersehbar, aber spaßig geschrieben und ohne die körperliche Seite auszuklammern, wie es in der Jugendliteratur normalerweise passiert. Ich kann mich zum Beispiel nicht erinnern, je eine so erfrischende Diskussion zum Thema „Morgenlatte“ gelesen zu haben wie bei Elle Kenedy.

Die OffCampus-Serie von Elle Kennedy umfasst im Original bereits drei Bände, allerdings mit neuen Protagonisten in jedem Roman:

  1. The Deal
  2. The Mistake
  3. The Score

Tammara Webber: Sweet

Tammara gehört zu den Frontfrauen des „New Adult“. Von daher war ich ein wenig überrascht, den ersten Titel von ihr auf Platz 41 der Liste zu finden. Ihre eigene Geschichte ist deswegen spannend, weil sie zeigt, wie das Internet auch völligen Außenseitern eine Möglichkeit bietet. Als sie zu schreiben anfing, kannte noch kaum jemand das Genre, und die Verlage reagierten daher sehr ablehnend auf ihren ersten Text. Der Hype entwickelte sich, ähnlich wie bei E. L. James, also zunächst im Internet, wo sie ihren Roman veröffentlichte. Erst als immer mehr Leser die Verlage bestürmten, sie würden Tammaras Bücher auch in einer Print-Ausgabe haben, bekam sie einen Vertrag. Und stürmte damit umgehend in die Bestsellerlisten.

Bei mir auf dem Stapel ungelesener Bücher liegen derzeit „Einfach. Liebe.“ und „Einfach. Für Dich.„, jene Bücher, mit denen ihr der Durchbruch gelungen ist. Vielleicht hat sie in ihren neueren Romanen ein wenig den Esprit verloren. „Sweet (Contours of the Heart, Bd. 3)„, erschienen im April 2015, hat gerade noch 3.673 ratings bei einem Durchschnitt von 3,92 von 5. Mit einer deutschen Übersetzung ist kurzfristig nicht zu rechnen. Während ihre ersten beiden Bücher auf Deutsch noch bei Blanvalet erschienen, wird ihre „Between the Lines„-Serie demnächtst bei Mira veröffentlicht, Band 1, „Wilde Gefühle„, am 10. März und Band 2 „Wie du mich liebst„, am 10. Mai 2016. Die Verlage hängen also hoffnungslos mit dem Veröffentlichen hinterher.

Falling Hard: A New Adult Anthology

Auf Platz 2 der Voting-Liste findet sich eine Anthologie mit gleich fünf College-Romanen. Die Autorinnen sind Shelly Bell, M.K. Schiller, Aliza Mann, Sage Spelling und Heather Novak. Wer mit einem Buchkauf einen ersten Einblick in das Genre bekommen will, dürfte mit „Falling Hard (A New Adult Anthology)“ gut bedient sein. Allerdings ist die am 23. Mai 2015 erschienene Antho derzeit schon vergriffen und nur noch mit etwas Glück antiquarisch im Netz zu bekommen. Es klingt aber alles danach, dass der Verlag eine neue Auflage plant.

M. Robinson: The Good Ol‘ Boys

Ebenfalls mit 2 Titeln unter den Top Ten ist M. Robinson. Die beiden Bände „Complicate Me“ und Forbid Me gehören zur Serie „The Good Ol‘ Boys“. Eine College-Geschichte, ein Coming of Age, mit den klassischen Themen: Wer bin ich? Wo will ich hin? Und natürlich: Für wen schlägt mein Herz?

Auch M. Robinson gehört zu den Autorinnen, die in erster Linie im Netz veröffentlichen. Das macht Mut. Mit „The Good Ol‘ Boys“ hat sie einen ersten, erfolgreichen Schritt in den Print-Bereich gemacht. Ein deutscher Verlag ist zumindest kurzfristig nicht in Sicht.

Kylie Scott: Die Stage dive-Reihe

Kylies vierter Band der Stage dive-Reihe, Deep, kam im Original am 19. November 2015 auf den Markt und wird bereits am 7. April 2016 auf Deutsch unter dem Titel „Rockstars küsst man nicht“ bei Egmont LYX erhältlich sein. Bei Goodreads erhielt das Buch immerhin 19,926 ratings bei einem Durchschnitt von 4,11 von 5.

Die drei ersten Bände der Reihe sind:

  1. Kein Rockstar für eine Nacht
  2. Wer will schon einen Rockstar?
  3. Rockstars bleiben nicht für immer

Die aus Australien stammende Kylie hat es inzwischen mit ihren Romanen auf die Bestsellerliste der New York Times geschafft. Das Genre hat also Potential nach oben.

Seth King: The Summer Remains

Seth hingegen steht noch relativ am Anfang seiner Karriere. Vier eBooks in der Kindle-edition, jetzt sein erster Print-Roman „The Summer Remains„, der es dank Leservoting auf Platz 9 der besten „New Adult“-Neuerscheinungen 2015 gebracht hat. Nur 2.002 ratings bisher, aber mit einem Durchschnitt von 4,2. Das lässt vermuten, dass von Seth in Zukunft noch mehr zu hören sein wird. Übrigens ist er der einzige Mann auf der Liste, wenn ich das richtig sehe.

Die Leserkritiken klingen begeistert: „Emotional. Heartbreaking. Beautiful. Powerful. Inspiring.“ Nicht wenige erwähnen, sie hätten beim Lesen hemmungslos geweint. Worum geht es? Eine junge Frau, Summer Johnson, leidet unter Ösophagusatresie,  einer angeborenen Fehlbildung, bei der eine Unterbrechung der Speiseröhre im Vordergrund steht.  In drei Monaten hat sie eine OP vor sich, die eventuell Besserung bringt, die aber auch eine 20% Gefahr beinhaltet, nicht mehr aus der Narkose aufzuwachen. Sie beschließt, diese drei Monate zur besten Zeit ihres Lebens zu machen und so viele Erfahrungen wie möglich mitzunehmen. Über eine Dating-App lernt sie Cooper Nichols kennen. Zwischen den beiden entspinnt sich eine hochemotionale Liebesgeschichte.

Manchmal ärgere ich mich über nichtssagende Lobeshymnen von Lesern in Rezensionen. Aber nach zwei, drei Kritiken war ich so neugierig auf das Buch, dass ich es sofort bestellt habe – meinem SUB zum Trotz. Ich will einfach wissen, was Seth da gemacht hat.

Jay Crownover: Asa (Marked Men, #6)

Kommen wir abschließend zu Platz 10 der Liste. Ihr habt ja inzwischen gemerkt: New Adult funktioniert häufig über Buchreihen. Jay Cownover ist mit ihrer Marked Men-Serie inzwischen bei Band 6 gelandet. ASA  erschien am 07. Mai 2015 im Original. 9,790 ratings bei einem Schnitt von 4,2.

In Deutschland kümmert sich der Bastei-Verlag um die Veröffentlichung der Reihe, ist aber erst bei Band 2, der am 11. März unter dem Titel „In seiner Stimme“ erscheinen soll. Band 1, In seinen Augen, ist seit dem 10. September 2015 auf dem Markt.

Ich habe noch keinen der Bände gelesen und schließe lediglich aus den Andeutungen in den Rezensionen, dass es sich bei den „markierten Männern“ um Mitarbeiter eines Tattoo-Studios in Denver/Colorado handelt. Daher haben Tattoos und Piercings, Techniken und die dahinter stehende Philosophie, auch ihren Platz in den Romanen. Ansonsten sind es die üblichen Liebesgeschichten, bei denen mit der Zeit auch der Hintergrund, die Narben, der Protagonisten ans Licht kommt.

Fassen wir zusammen: Was „New Adult“ angeht, hängen die deutschen Verlage hoffnungslos hinterher. So richtig auf den Zug aufgesprungen sind sie erst vor ein bis zwei Jahren, und jetzt gibt es natürlich Nachholbedarf. Wer englische Bücher im Original lesen kann und mag, ist hier klar im Vorteil.

Schön an dem Genre ist, dass auch Außenseiter ohne Verlagsvertrag in dem Genre eine Chance haben. Etliche Autoren der Liste haben bis vor Kurzem nur über KDP oder ähnliche Programme im Internet veröffentlicht. Und zumindest Tammara Webber wäre ohne ihre Fangemeinde im Netz nie zu einem Buchvertrag gekommen.

Euch viel Spaß beim Schmökern,
eure Sandra

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