Hauttöne beschreiben: Der Frühlingstyp

Hauttöne beschreiben: Der FrühlingstypWenn wir Menschen beschreiben, vielleicht sogar nackte Menschen, kommen wir nicht darum herum, ein paar Worte über deren Hautton zu verlieren. Der Teint trägt maßgeblich zum Erscheinungsbild bei und sagt im besten Fall viel über die Person aus. Jemand, der den ganzen Tag in einer Bibliothek hockt und Bücher katalogisiert, wird weniger braungebrannt sein als ein Bauer, der seine Tage auf dem Feld verbringt. Eine viktorianische Lady hatte ein anderes Schönheitsideal als ein Surfergirl.

Colour me beautiful ®

Was mir zuerst einfällt, wenn ich über Hauttypen nachdenke, ist die „4 Jahreszeiten Typologie“ der „Colour me beautiful“-Farbberater. Die Idee dahinter ist, jedem Hauttyp eine Reihe von Farben zuzuordnen, die ihn besonders vorteilhaft kleiden. Zwar ist diese Idee der Jahreszeiten-Typologie mittlerweile erweitert worden, aber als erste grobe Einteilung verschiedener Hauttypen noch immer ganz brauchbar.

Um den Hauttyp zu beschreiben, werden  auch Augen- und Haarfarbe zu Rate gezogen. Da es mir im Augenblick aber nur um die unterschiedlichen Hauttöne geht, ist das Konzept schnell auf den Punkt gebracht:

Frühlingstyp: Die Haut hat einen gelblichen bis zartgoldenen Unterton, ist feinporig und neigt häufig zu Sommersprossen.
Sommertyp: Die Haut hat einen kühlen, bläulichen Unterton. Ihr Teint ist hell bis rosig und wirkt gesund. Einige Sommertypen bekommen schnell einen Sonnenbrand, andere bräunen hingegen in einem tiefen Bronzeton.
Herbsttyp: Der Hautton ist hell, mit einem gelblichen oder leicht goldenen Touch.
Wintertyp: kühlen, meist olivfarbener Hautton

(Quelle mit Beispielfotos: www.kosmetikfreunde.de/schminktipps.html)

Beispiele aus der Literatur:

Da es in der Belletristik völlig egal ist, welcher Hauttyp eine Protagonistin charakterisiert, habe ich mich auf der Suche nach Beispielen für diese Typen auf die Frage beschränkt, wie die einzelnen Autor/innen ihre Beschreibung umsetzen.

Reglos ließ Jeanne alles mit sich geschehen. Nicht einmal ein Hemd ließ man ihr, um die letzte Blöße zu bedecken. Nackt und bebend stand sie in der Kälte. Die feinen Härchen auf der Haut sträubten sich schmerzhaft. Ein flüchtiger Blick auf die wohlgerundeten Hüften ihrer Schwester und den zartgoldenen Körper Marguerites zeigte ihr, dass sie ebenso froren.

(aus: Marie Cristen: Turm der Lügen)

Clio zuckte die bloßen Schultern. Ihre Haut hatte einen zartgoldenen Schimmer, der ihr italienisches Erbe verriet.

(aus: Margaret Way: Drei Küsse bis zur Liebe)

„Ich erinnere mich an Velvet, deine Mutter“, gab Cat zurück. „Sie ist vor Jahren einmal bei uns in Hermitage gewesen. Du siehst ihr nicht sehr ähnlich, nicht wahr?“
„Ein paar Kleinigkeiten habe ich von ihr geerbt, aber im wesentlichen bin ich eine Mischung aus meiner Großmutter mütterlicherseits und meinem Vater“, antwortete Jasmine.
Dies erklärte wohl ihre leicht orientalisch wirkenden türkisfarbenen Augen sowie den zartgoldenen Farbton ihrer Haut, dachte Lady Stewart-Hepburn. Sie wandte ihren Blick der kecken India zu. Das Mädchen hatte eine milchweiße Haut, und ihr schwarzes Haar zeigte einen leichten blauen Schimmer.

(aus: Bertrice Small: Geliebte Sklavin)

Rechts neben ihm saß Svenja, entzückend anzusehen in ihrem weißen Kleid mit den Rüschen am Ausschnitt und dem weit ausgestellten Rock. Auf dem Kopf trug sie einen kunstvollen Blumenschmuck, eine Art feingeflochtenen Kranz, verziert mit kleinen dunkelroten Rosen, die sich wundervoll von ihrem goldenen Haar abhoben. Sie sah schöner aus denn je. Der Friseur und eine Kosmetikerin hatten ihr bestes gegeben. Der zartgoldene matte Glanz ihrer Haut stand in harmonischem Kontrast zu ihrem kunstvollen Kleid.

(aus: Franz Weidenschlager: Selbstmord)

„Meinst du, diese Helena von Troja war so schön, wie man sagt?“
„Viel schöner“, antwortete Heinrich, ohne zu zögern. „Sie hat eine zartgoldene, bernsteinfarbene Haut, und ihr schwarzes Haar glänzt wie Ebenholz.“

(aus: Nancy Joaquim: Sophia: Eine Frau entdeckt Mykene)

Techniken zur Beschreibung von Hauttypen

Schon hier beim Frühlingstyp (oder Herbsttyp, ich kann die beiden nicht vernünftig auseinanderhalten) wird deutlich: In der simpelsten Variante beschreiben die Autor/innen die Haut mittels des Hilfsverbs „haben“.  „Sie hat eine zartgoldene Haut“ etc.

Eleganter ist es, den Hauttyp in die Handlung zu integrieren: „Ein Blick auf den zartgoldenen Körper …“ kommt ohne schwaches Verb aus, hat aber den Nachteil, den Hautton zur Nebensache im Satz zu machen. Der Blick des Lesers verweilt eben nicht auf der Haut, sondern wird sofort weitergelenkt auf das eigentliche Ziel des Satzes.

Warum eigentlich nicht den „zartgoldenen Schimmer“ umfunktionieren? Klingt „schimmerte zartgolden“ nicht tausendmal besser als die harte Nominalkonstruktion „hatte einen zartgoldenen Schimmer“? Gut, im obigen Beispiel war das nicht möglich, weil am Substantiv „Schimmer“ noch einmal ein Nebensatz festgemacht wurde. Insgesamt scheint mir dies jedoch eine Möglichkeit, um bei der Beschreibung vom schwachen „haben“ wegzukommen.

Clever fand ich auch den Ansatz, die Beschreibung des Hauttons durch den Kontrast zur Kleidung zu unterstreichen, wie es Franz Weidenschläger gemacht hat. Oder den Farbton durch einen Blick auf die Herkunft der Person zu erklären.

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